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Lyrik

Der Glanz des Bösen

Ein Held ritt hin auf grüner Au.
Warum? Man weiß es nicht genau.
Ihm folgte eine kleine Schar
von Helden, die man gerne sah.

Der Zwerg mit Axt und dichtem Bart,
ein Elf mit Bogen, dünn und zart.
Die Heilerin, so schön und jung.
Zum Schluss der Magier ohne Schwung.

Der erste Held war Paladin,
gerecht und stolz und fürderhin
ein Gutmensch, der ganz strahlend rein.
So müssen Paladine sein.

Rüstung, Schwert und auch der Schild,
gesalbt, gesegnet, gut gefüllt
mit den besten Zaubersprüchen,
mit Runenmacht und Wohlgerüchen.

Sie reisten zu der Burg des Schlechten,
das in der Welt den Mensch möcht' knechten,
denn das Böse zu ermorden
war eine Freud' für Heldenhorden.

Was sonst als eine schwarze Feste
sollt' empfangen diese Gäste?
Kein Wunder, dass der Paladin
irritiert und ratlos schien.

Er stand vor einem Prunkpalast,
doch darauf war er nicht gefasst.
Auch die Gefährten schauten
dümmlich, ob der tollen Bauten.

Dem Zauberer entfuhr ein »Oh«,
der Zwerg tat klug, sprach: »So, so, so.«
Die Heilerin sah man erfreut:
»Sauber bleibt die Robe heut.

Muss nicht in Ruinen klettern,
über Schmutz und Unrat wettern,
darf schreiten, wie es sich gehört
und werd' beim Schreiten nicht gestört.«

»Wo ist der Stolz des Bösen hin?«,
fragte laut der Paladin.
»Wohnen schon wie große Fürsten,
wollen nach Zerfall nicht dürsten?«

Nur der Elf, geheimnisvoll,
schwieg und dachte: Wundervoll.
Wer im Wald läuft, redet kaum,
schweigt stille, gleich dem Lieblingsbaum.

Nun war es aber abgemacht,
dass, wenn der Böse umgebracht,
Gold sollt in der Helden Hände
fließen ohne Halt und Ende.

Selbstredend ficht ein echter Held
nicht allein fürs schnöde Geld,
doch wird es ihm schier aufgedrängt
und man nicht gern den Gönner kränkt.

Es rief der Zwerg: »Nun auf, zur Tat!
Zeigt kein Erbarmen, keine Gnad'.«
Mit Gebrüll stürmt er voran,
die Heilerin träumt: »Toller Mann.«

Der Zwerg sieht gleich vorüberzieh'n,
den Chef des Trupps, den Paladin.
Mag sein, der Ritter ist zu kleinlich,
doch ist's in zweiter Reih' ihm peinlich.

Dem Zauberer kommt es gelegen.
Den allzu schwachen Muskeln wegen
bleibt er brav im Hintergrund
und zaubert sich die Finger wund.

Ein Segen von der Heilerin,
sonst hätt' ihr Dasein keinen Sinn.
Derweil spannt Elfenfreund den Bogen,
ein guter Schütze, ungelogen.

Unverschlossen war das Tor,
unbewacht der Weg davor.
Und auch in den schicken Hallen
wurd' der Trupp nicht überfallen.

»Holla, das ist nicht normal.
Als Paladin weiß ich nun mal,
dass in des Bösen finst'ren Mauern
mannigfaltig' Monster lauern.«

Ein Poltern schreckte alle auf,
denn der Zwerg, in vollem Lauf,
krachte gegen eine Wand,
an der sich eine Tür befand.

Doch diese war als Zier gedacht,
aufgemalt in Farbenpracht.
»Vielleicht ist es ein Zaubertor«,
stieß der Magier jäh hervor.

Ein Spruch gewirkt und siehe da -
viele Funken, nichts geschah.
Es blieb die Wand aus einem Stück.
»Tja, zu Magie gehört auch Glück.«

»Nichts da«, sprach der Elfenschleicher.
»Du bist ein schlechter Sprüchekreischer.«
»Wagst du es, mein Zauberwerk
so schlecht zu machen, wie den Zwerg?«

»Was hör ich da? Bei meinem Bart,
richtig komm ich jetzt in Fahrt!«
Magier, Zwerg und Elfenkrieger -
ein jeder wurd' zum Knochenbieger.

Der Paladin sah diesen Haufen
sich stechen, hauen, sah sie raufen:
»Das Schicksal ist nicht mehr gerecht,
nehm' Verrückte ins Gefecht.

Verrückte und ein eitles Weib.«
»Ich hau' die Seel' dir aus dem Leib«,
erzürnte sich die Heilerin.
»Dir zeig ich gleich, wie zäh ich bin.«

Mit ihrem Hartholzwanderstab
sie dem Ritter Saures gab.
Der mochte keine Damen schlagen,
bei ihr jedoch die Ausnahm' wagen.

Bald schon wurde es brachial,
denn dem Magier schien's genial
den bösen Zauber zu beschwören.
Nun war Waffenklang zu hören.

Nach einer Weile herrschte Ruhe
und ein Ork mit schwerer Truhe,
vom jüngsten Raub die reiche Beute,
kam heim und sah fünf tote Leute.

»Ich sehe wohl die Schweinerei,
doch schlug ich selbst sie nicht zu Brei.«
Ein Koboldwächter kam heran:
»Boss, die haben's selbst getan.«

»Erkläre dich«, rief aus der Ork,
»bevor ich dir ein Grab besorg'.
Du solltest sein hier auf der Hut,
jetzt liegen Helden dort im Blut.«

»Boss, ich sag', sie drehten durch,
dass du nicht wohnst gleich einem Lurch,
dass du nicht haust in einem Loch,
neideten den Prunk sie doch.

Noch fanden sie uns Monster vor,
so jeder den Verstand verlor.
Erst kam ein Streit und dann die Schlacht,
da haben sie sich umgebracht.«

Dem Ork kroch Schauer durchs Gebein:
»So finster kann das Gute sein.
Von Helden mag man uns erlösen.
Da lob' ich mir den Glanz des Bösen.«

Copyright © 2010 by Sven Später

 

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