Die Sonne versinkt langsam am Firmament, meine Hände zittern, vielleicht ist es das letzte Mal, dass ich dieses Tal hier sehe!
Ein kalter Wind weht, aber er bringt mir keine Kühlung. Denn die Hitze der Angst verbrennt mich fast, ist dies meine letzte Nacht?
Ich schaue zu den Sternen, die sich langsam am Abendhimmel bilden, noch liegt das Land still und friedlich da!
Aber schon Morgen wird das Geschrei und Blut der Kämpfer dem Land seine Reinheit stehlen und mir vielleicht mein Leben!
Oder werden es meine Freunde sein, die man vom Felde trägt?
Ich sehe im Stahl des Schwertes mein Gesicht, doch das was ich da sehe, das bin ich nicht. Es ist ein fremdes Gesicht.
Es ist das Gesicht des Todes, was ich dort sehe. Für wen werde ich morgen früh der Sensemann sein, dort im grünen Tal, weit von daheim!
Nun scheint schon der Mond am Himmelszelt und das Feuer im Lager der Männer bringt neues Leben hervor! Die Flammen züngeln und daraus entstehen dunkle Gestalten die wie Geister durch das Lager gehen. Wer weiß, vielleicht werden wir morgen auch wie sie, als Geister gehen!
Und obwohl keiner im Lager schläft, ist es doch unerträglich still. Wo sind das Lachen und das Leben hin?
Meine Augen sehen rote kleine Flecken, nähert sich etwa schon der Tag? Was habe ich in der ganzen Nacht gemacht? Über viele Dinge nachgedacht!
Und plötzlich kommen mir wieder die Worte meines Vaters in den Sinn. Den Tod brauchst du nicht zu fürchten. Denn dieser steht schon fest, wenn du geboren bist!
Deswegen ehre das Leben, denn für manche ist es viel zu kurz! Suche nicht den Tod, denn jene, die Er im Griff hat, würden ihre Seele geben für eine Stunde länger leben!
Heute scheint der Himmel besonders zu Glühen, noch nie sah ich ein so schönes Morgenrot, oder sieht man manche Dinge anders kurz vor seinem Tod!
Auch die Luft riecht intensiver, es sind die süßen Düfte von den Blumen, die der Wind vom Tal herüberweht. Um mich herum scheint auch das Leben zu erblühen. Auch die Lieder der Vögel hören sich heute wie Engelstimmen an und auch der Wald hinter mir scheint voller Leben zu sein!
Aber für mich wird es langsam Zeit, meine Rüstung anzulegen, für mich wird es heute kein Glück mehr geben. Selbst sollte ich die Schlacht überleben, etwas muss ich dennoch geben!
Nun sitze ich hoch zu Ross und beobachte den Tross, der an mir vorüberzieht, ich sehe den Männern nicht ins Gesicht, so ist es leichter für mich! Denn was würde ich sehen? Nur mein Gesicht! So ziehen wir ins Tal hinab, wo der Feind sicherlich schon auf uns wartet. Auch das Gesicht jener Männer wird das meine sein. Angst ist es, die uns alle gleich aussehen lässt!
Wir stehen uns nun gegenüber. Wer wird der Erste sein, der zum Angriff übergeht.
Warum müssen wir hier stehen, warum können wir einfach nicht nach Hause gehen.
Ich versuche mich zu erinnern, was für ein Gebet mir meine Mutter beigebracht hatte, aber ich spüre, dass kein Gott für mich heute da sein wird! Dann geht es los und ich denke nur noch an mich, jetzt und hier habe ich keine Freunde noch Männer die für mich ihr Leben geben. "Halt mich fest mein Leben, lass mich nicht los, führe mich nicht in die Ewigkeit!"
Zitternd liege ich nun in meinem Zelt, es kommt mir vor, als sei dies der sicherste Ort der Welt! Von draußen höre ich meine Männer weinen und manche auch nach ihre Mutter schreien! Doch an wen wende ich mich?
Schwankend verlasse ich mein Zelt und obwohl über mir die Sterne leuchten, sehe ich sie nicht, denn wenn ich zu ihnen hoch schaue, sehe ich nur mein Gesicht!
In der Schlacht ist wieder ein Teil von mir gestorben, doch ich habe Hoffnung, dass mir eines Tages das Leben vergibt! Nun spüre ich wieder den Drang, meine Freunde und Männer zu sehen, würden sie mich verstehen!
Dass ich in der Schlacht lieber ihre Gesichter sterben sehe, als mein Gesicht! Ich denke mal nicht! Doch das zählt jetzt nicht! Wie jeder andere will ich nur nicht alleine sein!
So sprachen wir über die Schlacht, den Sieg. Und heimlich sah ich sie an und wusste, es war mein Gesicht, das mir da von ihnen entgegenblickte! Keine Angst, nur Traurigkeit und das Frohsein, noch am Leben zu sein! Und jetzt verstehe ich die Worte meines Vaters erst richtig! Ein Lächeln huscht über mein Gesicht!
© Mac Kinsey (Achim Reutlinger) |