Die Leiden des alten P.
Schwer ist's Leben für den Streiter,
der da ficht als Wegbereiter
für das Gute in der Welt,
das ohnehin nie lange hält.
So dachte auch ein Rittersmann,
der jeden Kampf bisher gewann.
Ein Paladin der alten Art,
mit Zaubern auf dem höchsten Grad.
Er galt als Retter in der Not,
wenn des Bösen Aufgebot
ganze Länder unterjochte -
weil's das konnte, weil's das mochte.
Gab es etwas zu erretten,
Jungfern, Prinzen, Opferstätten,
war er immer vorn dabei,
hieb und stach und schlug zu Brei.
Doch die Zeit, die ist nun mal
unbeständig und fatal
für alle, die das Alte suchen
und den Fortschritt jäh verfluchen.
Es trieb den alten Paladin
beinah schon in den Ruin,
denn Zombies, Ghule und Dämonen
galt es eines Tags zu schonen.
So wurden sie zwar noch verachtet,
doch nicht länger abgeschlachtet.
Ihre Waffen waren Akten,
Zahlen, Formulare, Fakten.
Unheil brachten ihre Taten,
denn die sogenannten Bürokraten
durfte man nicht mehr zerschneiden.
Es begann ein großes Leiden.
Ein jedes Wesen wurd' erfasst,
den Zahlenreihen angepasst.
Und wer da wagte Widerstand,
den hat man kurzerhand verbrannt.
Der Paladin gab ab sein Schwert,
denn es war nun nichts mehr wert.
Auch das Zaubern ließ er sein -
er hatte keinen Zauberschein.
Er hielt sich mühsam über Wasser,
wurd' zum Bürokratenhasser,
musste Handelswaren schleppen
und machte sich im Suff zum Deppen.
So ging die Zeit sehr rasch dahin,
zu schnell für'n alten Paladin.
Er sprach nur von den alten Tagen,
träumte von vergess'nen Sagen.
Er lebte still im Jammertal,
bis seine Haus ward blass und fahl.
Dann streckte er die Füße hoch
und man warf ihn in ein Loch.
Ein simpler Stein sein Grab heut ziert,
doch die Inschrift irritiert:
»Hier ruht ein irrer Zombieschlächter,
doch war er einst des Guten Wächter.«
Copyright © 2010 by Sven Später