Sie sind hier: Startseite - Stories & Lyrik - Lyrik - Der Knecht


Lyrik

Der Knecht

Weiß ist's Land, so schwarz jeder Baum,
kalt ist die Nacht, wenn der Nordwind faucht.
Das Kindlein greift nach des Rockes Saum,
da es der Mutter Wärme so braucht.

Bald ist das letzte Holzstück verbrannt,
bald wird aus Feuer sterbende Glut.
Das Gute scheint aus der Welt verbannt,
denn in der Nacht das Böse nie ruht.

Mutter und Kindlein gehen nicht in den Wald,
auch wenn die Wärme der Kälte weicht.
Zwischen Bäumen schleicht die dunkle Gestalt,
die einem buckligen Wanderer gleicht.

Der Mantel schwarz, wie ein finsteres Herz,
auf der Schulter, den Sack voller Seelen,
die nimmermehr fliegen himmelwärts,
denn sie folgen des Teufels Befehlen.

In der Hand, da hält er die garstige Rute,
mit dieser zerschlägt er das Leben.
Er sucht das Böse, verachtet das Gute,
er nimmt, denn er möchte nicht geben.

Hat auch das Kindlein nichts Böses getan,
so ist's doch besser, den Knecht zu meiden.
Ruprecht folgt seinem finsteren Plan
und wird niemals von der Erde scheiden.

Bildquelle:

  • Berliner Weihnachtsmarkt: Bilder und Geschichten aus 5 Jahrhunderten / Christa Lorenz. - Berlin-Information, 1987. - S. 22
    Sign.: B 274 Wei 1

Copyright © 2010 by Sven Später

 

© by 2010
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox