
Sternenwelten

Wilson „Bob“ Tucker
von Erik Schreiber
Herausgeber des Phantastischen Bücherbriefes

Bildquelle: www.printsations.com
Wilson Tucker, den seine Freunde ausnahmslos Bob nannten, kam unter dem Namen Arthur Tucker am 23.11.1914 in Deer Creek, Illinois, USA, auf die Welt. Seine Mutter starb, als er sieben Jahre alt war. Sein Vater war Bühnenmanager und Kartenabreisser bei verschiedenen Zirkusunternehmen, gab ihn und seinen Bruder daraufhin in ein Waisenhaus, da er sich außerstande sah, die beiden zu ernähren und zu betreuen. Er wuchs dort auf und riss mit sechzehn Jahren aus und zog quer durch die Vereinigten Staaten. Später nahm er all sein Grundwissen zusammen und bildete sich selbst weiter.
Den Namen Wilson legte er sich nur deshalb zu, weil ihm ein Redakteur erklärte, er wäre es Leid, wieder jemanden mit einem Allerweltsnamen zu veröffentlichen. Er interessierte sich seit den 1920er Jahren für die Zukunftserzählung und veröffentlichte noch in seiner Teenagerzeit eine Menge eigener Fanzines, die durch ihre geschickte und humorvolle Art bei den Fans auffielen. Mit seinen selbstverfassten Erzählungen war er nicht sonderlich erfolgreich. Er gab jedoch nicht auf und im Jahr 1941 konnte er Frederik Pohl dazu gewinnen, seine erste Erzählung zu veröffentlichen. In Super Science Novels erschien "Interstellar Way Station". Trotz des Erfolges mit der Kurzgeschichte, entschloss sich Arthur Tucker in den Bereich Romane zu wechseln. Das war in einer Zeit, da die Kurzgeschichten „boomten“, wenn ich mal diesen Neudeutschen Begriff verwenden darf, durchaus nicht die Regel. Sein erster Roman, "The chinese doll", war eine Detektivgeschichte. Der Roman war in der Tradition von Erle Stanley Gardners gehalten und er verewigte alle möglichen Bekannten aus dem SF-Fandom darin. Manch einer nannte diese Idee, Bekannte und Berühmtheiten der SF-Szene in die Erzählungen mit einzubringen, tuckerisieren. Diese Angewohnheit behielt er über all die Schaffensjahre hinweg bei. In den 1950er Jahren folgten seine ersten Zukunftsromane. 1951 "The city in the sea", 1952 "The long loud silence", 1953 "The time masters" und andere mehr. Arthur Tucker schrieb insgesamt zehn Romane und veröffentlichte zwei Kurzgeschichtensammlungen. Die Kurzgeschichten erschienen gesammelt in "The science fiction subtreasury" 1954. Seine letzten Romane erschienen 1974 "Ice and Iron" und 1981 "Resurrection days".
Er war in all seinen Jahren als Beleuchter in einem kleinen Theater in Bloomington beschäftigt (laut Reclam SF-Lexikon Filmvorführer im Kino), das in "The Lincoln Hunters" zu einer gewissen Berühmtheit gelangte. Mit Ausnahmen der Jahre 1945 - er war als Texter in einer Werbegesellschaft tätig - und 1946, als er als Elektriker bei 20th Century Fox arbeitete, konnte ihn anscheinend Nichts und Niemand aus dem beschaulichen Örtchen entführen. Er war zweimal verheiratet und hatte insgesamt fünf Kinder.
Netzwerk:
Preise:
Hugo Gernsback Award
1969 bester Fan-Autor
John W. Campbell jr. Award
1976

William Tucker
"Die Letzten der Unsterblichen"
Vor etwa zwölftausend Jahren stürzte ein unbekanntes Raumschiff über der Erde ab. Nur sechs der mehr als dreihundert Mitglieder zählenden Besatzung überlebten das Unglück. Diese sechs wurden zu Königen und Propheten, gründeten Reiche und zerstörten sie wieder. Sie galten als Götter und Dämonen, wurden gefürchtet und gefeiert. Letztlich starben auch sie, weil sie kein schweres Wasser fanden, das ihnen ihr Überleben ermöglichen würde. Das heißt, bis auf zwei. Carolyn und Gilbert. Sie stammten vom gleichen Volk und waren doch grundverschieden. Carolyn, die das Böse verkörperte, schreckte vor keiner Untat, keinem Verbrechen zurück, während Gilbert sich damit abfand, auf diesem entlegenen Planeten zu leben. Carolyn wollte jedoch weg. Die beiden standen im immerwährenden Widerstreit zueinander. |
William Tucker
"Die Unheilbaren"
Corporal Russel Gary erwacht, nachdem er seinen Rausch ausgeschlafen hat, in einer Welt, die er nicht wieder erkennt. Er hat keine Ahnung, wie er in das verlassene, menschenleere Nest kommt. Die Strassen sind übersät mit Bombentrichtern, die nicht durch Explosionswaffen verursacht wurden, sondern von Waffen geschaffen, die Bakterienkulturen freisetzten. Überall liegen Tote, keine lebenden Menschen, bis auf die neunzehnjährige Irma, die er unterwegs beim Plündern eines Juweliergeschäftes überrascht. Die beiden Überlebenden schlagen sich zum Mississippi durch und wollen auf die andere Seite. Doch dort stehen bereits Truppen, die jeden zurückdrängen, der den Fluss überqueren will. Im schlimmsten Fall erschießen sie die Person. Corporal Russel Gray ist der, zudem irrigen, Meinung, auf der anderen Seite ist noch alles in Ordnung. Daher verlässt er Irma und versucht trotz gesprengter Brücken, das Ufer zu wechseln. Es gelingt ihm nicht. Später trifft er auf Jay Oliver und das Mädchen Sally. Im Winter zieht er mit ihnen in den Süden und kehrt im Frühling wieder zurück. Er trifft Menschen, die ebenfalls versuchen, den Mississippi zu überqueren und im Tausch gegen eine Schusswaffe nennt er ihnen den günstigsten Platz. Doch der ist nicht erfolgversprechend.
Währenddessen zieht er weiter nach Wisconsin, wo er zwei Männer tötet, die gerade einen wehrlosen Jungen umbrachten. Dessen Schwester nimmt ihn mit auf die Farm der Hoffmanns. Hier arbeitet er eine Zeitlang als Beschützer.
Später versucht er, diesmal erfolgreich, die Überquerung des Flusses und erfährt, dass der Kontinent geteilt wurde. Wer vom Osten in den Westen will, wird gnadenlos erschossen, da der Osten verseucht ist. In einem Blitzangriff aus der Luft wurden alle größeren Städte vernichtet, die bakterielle Verseuchung des Landes verringert die Bevölkerung auf ein Fünftel des früheren Wertes. Gary wird als ‚Ostler’ erkannt und muss fliehen. Letztlich bleibt ihm nichts anderes übrig, als sein Leben auf der Ostseite des Flusses zu verbringen. |
William Tucker
"Zeit-Bombe"
Die Ursache der stattgefundenen Explosionen war den ermittelnden Behörden unbekannt. Aber sie folgten einer bestimmten Regel, die ausreichte, die Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen. Sie ereigneten sich immer nur in regnerischen Nächten. Die Morde betrafen nur die Anführer der radikalpolitischen Vereinigung der Söhne Amerikas. Und sie geschahen immer nur in geschlossenen Räumen, so, als ob man Unschuldige nicht zu Beteiligten oder Opfern machen wollte. Die Explosion war immer tödlich und hinterließ nie Spuren, die man hätte auswerten können. Da also nichts vorhanden war, was auf den oder die Täter hätte schließen lassen, versuchte man die Taten am Einsatzort zu vereiteln. Aber auch das schien unmöglich. |
William Tucker
"Das Jahr der stillen Sonne"
Eine Zeitmaschine bringt den Antihelden dieser Erzählung in die nahe Zukunft. Eine alptraumhafte Welt, die schlimmer nicht sein könnte, so Brian Chaney. Ein überaus spannender Roman, der die Politik der heutigen Zeit (2006) genauso wiederspiegelt, wie die Zeit, in der das Buch (1972) mit seinem kalten Krieg, erschien.
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Veröffentlichungen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Bastei Lübbe Verlag
Wilhelm Goldmann Verlag
Goldmann Science Fiction der Chefauswahl
Wilhelm Heyne Verlag
Heyne Action Taschenbuch
Arthur Moewig Verlag
Erich Pabel Verlag
Utopia Großband
Ullstein Verlag

Dieser Beitrag basiert auf dem Phantastischen Bücherbrief Ausgabe 415 vom Oktober 2006 und wurde für bearbeitet von Anke Brandt.
Den Phantastischen Bücherbrief findet man hier:
http://www.homomagi.de/buecherbrief/buecherbrief_wilson-tucker-415.pdf

Siehe auch HIER (Nachruf)
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