
Sternenwelten


Wie Leonard Nimoy als Mr. Spock zu seinen spitzen Ohren kam
Marc Daniels, der 1964 die Episode 22 »In the Highest Tradition« der US-Fersehserie »The Lieutenant« drehte, benötigte einen Schauspieler, welcher einen extravaganten, aalglatten und mit viel Charisma und Charme agierenden Typen spielen konnte.
Der damalige Agent Leonard Nimoys überzeugte Daniels in sehr hartnäckiger Art und Weise, dass dieser nachgab und Nimoy bei ihm vorlesen durfte. M. Daniels war so überrascht, sah Nimoy an und meinte: »Ok, Sie haben den Job.« In dieser Episode übernahm Nimoy die Rolle des Gregg Sanders.
In einem Gespräch mit Gene Roddenberry erfuhr Majel Barrett, dass an Bord der Enterprise ein Typ vorgesehen sei, der ein wenig satanisch aussehen sollte. Majel erinnerte sich während dieses Gespräches an Leonard Nimoy, dessen Sekretärin sie ja in »The Lieutenant« spielte, und fragte Roddenberry, ob nicht dieser für die Rolle des Alien infrage kommen würde. Gene wölbte die Augenbrauen – wie später Spock selbst – und lächelte Majel an. So bekam Leonard Nimoy seinen Posten als vulkanischer Erster Offizier.
Ein erstes Treffen zwischen Gene und Leonard wurde organisiert. Beide erkannten, dass die Figur Spock ausbaufähige Möglichkeiten bieten könnte. Und das hat sie ja auch, wie uns aus heutiger Sicht bekannt ist.
Eigentlich war DeForrest Kelley ursprünglich für die Rolle des Spock vorgesehen, doch lehnte er dies kategorisch ab, einen Außerirdischen mit langen, spitz zulaufenden Ohren zu spielen. Vielleicht resultieren daraus die späteren Kontroversen zwischen Pille und Spock? Wer weiß.
Nun kommt der Maskenbildner Freddie Philips ins »Spiel«. Nach seinem Fiasko mit der grünen Orionerin (gespielt von Susan Oliver) gab es für ihn ein weiteres Problem. Gene Roddenberry gab ihm seine ungefähre Vorstellung vom Aussehen des Vulkaniers Spock.
Etliche Sitzungen musste Leonard Nimoy über sich ergehen lassen, denn mit Ohren, Augenbrauen und Haarschnitt wurde sehr lange experimentiert. Doch klappte es mit den Ohren überhaupt nicht.
In einem Schuppen am Hollywood Boulevard machten sich zwei junge Männer, die auf Spezialeffekte spezialisiert waren, an Köpfen, Händen und Füßen für außerirdische Wesen zu schaffen, die in Star Trek zum Einsatz kommen sollten, so unter anderem am Gorn-Wesen aus »Ganz neue Dimensionen«. Von Nimoys Ohren wurde ein Gipsabdruck angefertigt, danach ein Ohrenpaar aus Gummi hergestellt. Doch dieses war sofort als billige Attrappe erkennbar, die für die Spock-Sequenzen nichts taugten. Bei Nahmaufnahmen hoben sie sich in Tönung und Struktur
von den anderen sichtbaren Hautstellen ab. Was tun? Die Chefs von Desilus hatten Kosten sparen wollen und nahmen Qualitätsverluste in Kauf. Es ging hin und her. Ohren für Ohren wurden bestellt und hergestellt. Letztendlich griff Freddie Philips zum Telefon, rief seinen Freund Charlie Schram, der als Maskenbildner bei MGM arbeitete, an und teilte ihm sein Problem mit: »Ich benötige für eine Rolle ein paar Ohren, eine Mischung aus Peter Pan und Mephisto.« Darauf Charie: »Kein Problem! Schick ihn mir rüber. Ich mach einen Abdruck.«
Binnen kürzester Zeit war ein brauchbares Paar Ohren hergestellt worden. Mit diesem Paar fühlte sich Leonard Nimoy anfangs wohl in seiner Rolle als Mr. Spock. Doch im Laufe der Zeit kamen ihm ernsthafte Bedenken, dass er als Spock ausgelacht werden und sein Image als Schauspieler verlieren könnte. Heftig diskutierten Gene Roddenberry und Leonard Nimoy über diese Thematik. Gene konnte und wollte es sich nicht leisten, eine Woche vor Drehbeginn eine der wichtigsten Rolle neu besetzen zu müssen und überzeugte Nimoy.
Obwohl im Marketingbereich viel am Aussehen des Mr. Spock verändert wurde – hier wurde retuschiert, dort wurde kaschiert -, setzte sich das Erscheinungsbild des Mr. Spock nach den Vorstellungen von Gene Roddenberry durch und blieb, so wie wir ihn alle kennen, mit seinen spitzen Ohren und leicht gewölbten Augenbrauen.
© Wolfgang Brandt
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