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Sternenwelten

»DIE ÜBERRASCHUNG KOMMT ZULETZT«
MIRIAM PHARO – SEKTION 3 – HANSEAPOLIS - SCHLANGENFUTTER

Die Fakten:

  • Erstlingsroman einer deutschsprachigen Autorin
  • publiziert in einem Kleinverlag, der bislang nicht allzu sehr in Erscheinung getreten ist
  • Die Autorin lebt in der Nähe von München …
  • … und schreibt einen Science Fiction Krimi, der in Hamburg des Jahres 2066 spielt

Die Gefühle:

»Na, das kann ja was werden.«
So und genau so waren die ersten Gedanken, die mir durch den Kopf schossen, als ich den ersten Roman der deutschen Autorin Miriam Pharo zum ersten Mal in Händen hielt. Im Hinblick darauf, dass ich - zumindest in literarischer Hinsicht - einen gewissen Hang zum Masochismus habe, konnte ich das Buch nicht zur Seite legen und musste es mitnehmen. Denn ich bin nicht nur ständig auf der Suche nach Büchern und Geschichten, die mich wirklich begeistern, sondern eben auch nach dem literarischen Gegenstück zu »Plan 9 from Outer Space«. Also dem grottigsten Buch des Jahrhunderts.

So viel schon vorab. »Schlangenfutter« hat mich diesem Ziel keinen Schritt näher gebracht.

Schon zu Beginn fällt auf, dass Miriam Pharo sich die Zeit genommen hat, ihre Zukunftsvision so zu konstruieren, dass Sie absolut glaubhaft wirkt. Die Details sind bis ins Letzte durchdacht und werden gleichzeitig perfekt in die Handlung eingebunden und so erklärt, dass der Leser schon nach wenigen Seiten weiß, wo er ist und wie die Welt zu dem geworden ist, was sie zum Handlungszeitpunkt ist. Im Jahr 2066 existieren Hamburg und die umliegenden Städte nicht mehr. Durch Überschwemmungen und den darauf folgenden Wiederaufbau kam es zur Gründung von Hanseapolis, einer Mega City mit über 20 Millionen Einwohnern. Hamburg wurde zum Nobelbezirk der Stadt, die Region des ehemaligen Lübeck ist eine einzige riesige Industriezone und am Rand der Stadt liegen gewaltige, von Industriemüll verseuchte Sumpfzonen. Die unteren Etagen der Stadt sind durch Müll, Gift und Abgase so verseucht, dass es einem Todesurteil gleichkommt, sich dort ohne Schutzausrüstung aufzuhalten. Schon diese Beschreibung der neuen Hansestadt lässt dem Leser kalte Schauer den Rücken hinunterlaufen. Denn betrachtet man das aktuelle Weltgeschehen und die Umweltkatastrophen, die kein Ende zu nehmen scheinen, so wird die Entstehung der Hanseapolis zu einer leider viel zu glaubhaften Zukunftsvision.

Mitten in dieser, an Blade Runner erinnernden Megalopolis treffen zwei Ermittler des Morddezernates zum ersten Mal aufeinander, um eine grausame Hinrichtung, die vor den Toren der Stadt stattgefunden hat, aufzuklären. Louann Marine, neu in der Sektion 3, und ihr Partner Elias Kosloff. Miriam Pharo versteht es, ihre Charaktere interessant und abwechslungsreich zu zeichnen. Louann ist nicht jener milchgesichtige, unerfahrene und unfähige Grünschnabel, der in klassischen Polizeistories sonst gerne zur Hand genommen wird. Und Kosloff mag auf den ersten Blick der eigenbrötlerische und unnahbare Cop sein, als der er von Beginn an charakterisiert wird. Aber auch er ist mit ausreichend eigenen Wesenszügen ausgestattet, um nicht wie das Abziehbild eines US 0815 Cops zu wirken.

Zuerst beginnt die Story als klassische Kriminalgeschichte um den Mord an einer Unbekannten. Bald stellt sich jedoch heraus, dass mehr dahinter steckt. So zeigen die Beweise schnell in Richtung eines internationalen Mädchenhändler-Rings. Schon bald entpuppt sich Miriam Pharo als Multitalent. Sie springt zwischen den Genres und verwebt diese zu einer durchgängigen Story, die wie aus einem Guss wirkt. Vermischt Sie zu Beginn Krimi und Science Fiction, werden diese Elemente bald durch knallharte Elemente aus dem Action- und Thriller-Genre ergänzt. Dazu ein wenig Politthriller und heraus kommt ein Puzzle, dessen Teile perfekt zueinander finden und den Roman zu einem fast perfekten Ganzen machen.

Natürlich ist »Schlangenfutter« kein literarisches Meisterwerk, das in Geschichte eingehen wird. Aber Miriam Pharo schafft mit ihrem Roman etwas, das leider immer weniger Autoren schaffen: Den Leser auf knapp 250 Seiten durchgehend zu unterhalten. Dabei baut Sie eine glaubwürdige Welt und nicht weniger realistische Charaktere, die Lust auf mehr machen. »Schlangenfutter« erzählt eine spannende und actionreiche Geschichte, ohne den Leser für dumm zu halten.

Zählt »Schlangenfutter« zu jenen Romanen, die man gelesen haben muss?
NEIN!
Ist »Schlangenfutter« einer jener Romane, die man lesen sollte, wenn man einfach einmal wieder gut unterhalten werden will?
DEFINITIV: JA!

Quellen:

  • Miriam Pharo – Sektion 3 – Hanseapolis – Schlangenfutter – ACABUS Verlag – ISBN 3941404008

Copyright © 2010 by Michael Hirtzy

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© by 2010
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