Ray Bradbury
- ein Dichter unter den Science- Fiction- Autoren
(Ray Bradbury 1975)
Manfred Borchard hebt in seinem Artikel über Ray Bradbury, der im Fantasia 214/ 215 erschienen ist, die literarische Qualität der Werke dieses Autors hervor. U.a. der Roman „Fahrenheit 451“, der nach Auffassung vieler Leser und Kritiker in eine Reihe mit den großen Dystopie-Schöpfungen des 20. Jahrhunderts zu stellen ist, erhärtet diese These.
Bradbury ist „eine der wenigen Personen, deren Schriften verändert haben, wie die Bürger denken“. Seine mehr als 500 Werke – Erzählungen, Romane, Theaterstücke, Drehbücher etc. – zeigen nicht nur, dass er ein ausgesprochen kreativer Kopf ist, sondern sein durch Kritik an der Gesellschaft der Gegenwart getragener Einfluss auf Jung und Alt macht ihn zu einem Klassiker des 20. (und 21.) Jahrhunderts.
Leben:
Ray Bradbury wurde im August 1920 in Waukegan in Illinois als Sohn des Leonard Spaulding Bradbury und der Esther Marie Moberg, einer Schwedin, geboren.
1934 zog die Familie nach Los Angeles. Bereits in seiner Jugend zeigte sich Rays schriftstellerisches Talent, und er trat in die „Los Angeles Science Fiction League“ und den „Poetry Club“ ein. 1938 schloss er die High School in Los Angeles erfolgreich ab.
Beeinflusst von Helden wie Flash Gordon und Buck Rogers schrieb und veröffentlichte Bradbury in der Folgezeit Kurzgeschichten. Als er genug Erfolg damit hatte, schlug er den Weg des freien Schriftstellers ein und schrieb gegen Honorar für Zeitungen und Zeitschriften.
1947 heiratete er Marguerite Mc Clure, die im Jahr 2003 verstarb. Mit ihr hatte er vier Töchter. Gleichzeitig mit der Hochzeit erschien sein erstes Buch auf dem Markt.
Der literarische Durchbruch gelang ihm in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts mit den Büchern „Die Mars-Chroniken“ und „Fahrenheit 451“.
Bradbury ist privat mit dem Trickfilmspezialisten Ray Harryhausen und dem Schauspieler Christopher Lee befreundet. Neben seiner Arbeit als Schriftsteller war er an Spielfilmen und Fernsehserien beteiligt. Er verwendete eine Reihe von Pseudonymen.
Für sein Werk, das auch in zahlreichen Verfilmungen vorliegt, erhielt Bradbury eine Reihe von Auszeichnungen, u.a. mehrmals den Preis für die beste amerikanische Shortstory, den World Fantasy Award, mehrmals den Locus Award, den Bram-Stoker- Award, den Emmy, einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame und eine besondere Ehrung für sein Lebenswerk im Rahmen der Pulitzer-Preis-Verleihung.
Ausgewählte Werke:
Ray Bradbury schrieb und veröffentlichte eine schier unglaubliche Anzahl von Texten. Deshalb muss jeder Bericht über sein Werk – wie bei allen Autoren seines Kalibers – entweder endlos lang werden, oder unvollständig sein. Da an dieser Stelle sicherlich nicht über all seine Arbeiten gesprochen werden kann, habe ich mir vorgenommen, über „Fahrenheit 451“ und „Die Mars-Chroniken“ zu schreiben, zwei seiner wichtigsten Werke.
Bei beiden Büchern, das eine ist ein Roman, das andere eine in Romanform gebrachte Zusammenstellung von Kurzgeschichten, kann man von einer Dystopie bzw. Anti-Utopie sprechen. Eine Anti-Utopie steht im Gegensatz zur positiven Utopie „Utopia“ von Thomas Morus. Dieser beschreibt in seinem Buch eine erstrebenswerte Gesellschaftsform in der Zukunft, die man sich für die Menschheit wünschen kann, während die Anti-Utopien, von welchen im 20. Jahrhundert so einige geschrieben wurden (man denke nur an George Orwells „1984“ und Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“), einen pervertierten, oft despotischen Staat beschreiben, der die Menschen ganz entgegen ihren Wünschen und Gefühlen unterdrückt, ja oft sogar zu Tode quält.
Ziel der Autoren dieser Dystopien war und ist es, mit Hilfe einer pessimistischen Zukunftsvision vor negativen gesellschaftlichen Entwicklungen in der Gegenwart zu warnen und die Menschen zu beeinflussen, diesen negativen Entwicklungen entgegenzuwirken. Auch Bradbury steht mit seinen Werken in jener Tradition der Sozialkritik. Gerade auch dieser Aspekt seiner Arbeiten machte ihn zum Empfänger diverser SF-Literatur-Preise.
Fahrenheit 451:
(Cover von Fahrenheit 451)
Den genannten Roman veröffentlichte Bradbury erstmals 1953. Er basiert auf der Kurzgeschichte „The Fire Man“, die 1951 erschien, und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Der Titel beschreibt die Temperatur, bei welcher Papier Feuer fängt. Die bisher einzige Übersetzung ins Deutsche erschien zuerst 1955 im Verlag „Die Arche“ in Zürich.
Bradbury selber äußerte über den Roman, es sei seine Absicht gewesen, vor der Zerstörung des Interesses an Büchern durch das Fernsehen zu warnen.
Inhalt:
In dem in Fahrenheit 451 beschriebenen Staat ist es ein Verbrechen, Bücher zu lesen oder zu besitzen. Die Menschen werden in diesem Staat unmündig gehalten. Drogen- und Videokonsum werden an die Stelle selbständigen Denkens gesetzt, das – da es angeblich zu antisozialem Verhalten führt – als gefährlich gilt.
Die Aufgabe der Feuerwehr dieses Staates ist es nicht, Feuer zu löschen, sondern noch vorhandene Bücher aufzuspüren und zu verbrennen. Dabei helfen den Feuerwehrleuten mechanische Hunde. Sie jagen, fangen und töten Buchbesitzer.
Held des Romans ist der Feuerwehrmann Guy Montag. Er ist zwar zunächst ein scheinbar kritikloser Funktionär des Systems, versteckt aber zu Hause Bücher. Von der 17jährigen Clarisse wird er gefragt, ob er glücklich sei, eine Frage, die ihn zum Nachdenken bringt. Er zweifelt nun am System, das in seinen Berieselungsmedien z.B. kaum über den Krieg berichtet, in den das Land gerade verwickelt ist.
Montag will nach einigen einschneidenden Erlebnissen selbst Erfahrungen mit Büchern machen. Er sucht sich einen Lehrer, den pensionierten Literaturprofessor Faber. Obwohl dieser ihn davor warnt, sich auffällig zu verhalten, liest er seiner Frau und ihren Freundinnen ein Gedicht vor. Daraufhin denunziert ihn seine Frau bei seinem Chef, und er soll sein eigenes Haus mitsamt seinen Büchern anzünden. Zudem soll Professor Faber verhaftet werden. Da verbrennt Montag seinen Chef und flüchtet mit Fabers Hilfe in die Wälder vor der Stadt. An diesem Ort findet er Dissidenten, die dort leben und Bücher auswendig lernen, um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Montag schließt sich ihnen an.
Es kommt zu einem Fliegerangriff auf Montags Stadt, die fast völlig zerstört wird. Nach diesem Ereignis kehren die Dissidenten in die Stadt zurück. Sie hoffen, dass sie mit den Überlebenden neu anfangen können.
Die Mars- Chroniken:
(Cover von „Die Mars- Chroniken“)
Die Mars- Chroniken erschienen als Buch zuerst 1950. Einige der Kurzgeschichten, die darin zusammengestellt wurden, waren vorab einzeln in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts in diversen SF- Magazinen zu lesen. Die deutsche Erstausgabe erschien 1972. 1981 veröffentlichte der Diogenes-Verlag das Buch erneut.
Inhalt:
Die Mars-Chroniken beschreiben eine fiktive Kolonialisierung des Mars durch die Menschen, vor allem Amerikaner, in den Jahren 1999 bis 2026. (In einer englischen Ausgabe von 1997 ist der Zeitraum der Kolonisierung auf die Jahre 2030 bis 2057 verschoben.)
Die Ereignisse vollziehen sich in drei Phasen. Zunächst kommen diverse Raumfahrtmissionen von der Erde auf dem Mars an, um ihn zu erkunden. Sie treffen auf Marsianer, von denen sie auf unterschiedliche Art und Weise bekämpft werden.
Ab 2001 rücken die ersten Siedler auf dem Mars vor, die den Marsboden bearbeiten und grüne Wiesen und Felder durch Setzlinge und Samen von der Erde hervorbringen. Erste Bergarbeiterstädte entstehen, und die Siedler richten sich häuslich ein. Die Mars- Kolonien haben 90.000 Einwohner.
Später kommen andere Menschen, oft Amerikaner, während auf der Erde Kriege ausbrechen. Die Amerikaner kopieren auf dem neuen Planeten den Lebensstil ihrer Heimat.
Anschließend ziehen die auf der Erde Ausgegrenzten zum Mars, z.B. die Schwarzen aus den USA. Danach wird der Mars zum Reiseziel für Reiche von der Erde, und Gesetz und Bürokratie werden etabliert. Schließlich, da es für sie sicher genug ist, wechseln auch alte Leute von der Erde zum Mars.
Am Ende findet auf der Erde ein Atomkrieg statt. Die neuen Marsianer helfen. Nur einige wenige Familien von der Erde überleben und retten sich mit ihren Raumfähren auf den Mars. Die Erde ist nun unbewohnbar und eine Rückkehr nicht möglich. Die Menschen auf dem Mars sind nun für immer Marsianer.

A) Quellen:
- www.wikipedia.de/ Ray Bradbury
- www.wikipedia.de/ Fahrenheit 451 (Roman)
- www.wikipedia.de/ Die Mars- Chroniken
- www.raybradbury.com/ About Ray Bradbury
- www.phantastik-couch.de/ Ray Bradbury
- www.bibliotheka-phantastika.de/ Ray Bradbury
- Fantasia 214/ 215; Manfred Borchard: Ray Bradbury, 1978er Randbemerkungen zur Literatur in der SF.
B) Bilder:
- Foto: Ray Bradbury 1975, Urheber: Alan Light, August 1975.
- Buchcover von „Fahrenheit 451“; mit freundlicher Genehmigung des Heyne- Verlages.
- Buchcover von „Die Mars- Chroniken“; mit freundlicher Genehmigung des Diogenes- Verlages.
© Wolfgang Wiekert