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Sternenwelten

Autorenportrait:
Norman Spinrad

Norman Spinrad wurde 1940 in New York geboren, wo er auch die Schule und die Universität besuchte. Von 1963 an begann er zu publizieren und zwischenzeitlich arbeitete er als Literaturagent und wechselte mehrfach seinen Wohnort. Erst mit dem Roman „Champion Jack Barron“ (Originaltitel: Bug Jack Barron) erntete er größere Aufmerksamkeit - insbesondere dadurch, dass der Roman von seinem Verleger abgelehnt wurde und dann mit Unterstützung von Michael Moorcock 1968 als Vorabdruck in dem britischen Magazin New Worlds erschien. Auch in England führte der Roman aufgrund der zu obszönen Sprache zu einem Skandal, bevor er endlich doch bei Avon Books in Buchform erschien.
Mit dem nachfolgenden Werk „Der stählerne Traum“ (The Iron Dream, 1972) sorgte Spinrad durch die Bezüge zu Adolf Hitler erneut für kontroverse Diskussionen und handelte sich endgültig den Ruf eines „enfant terrible“ ein. Er gilt zudem als Mitbegründer der New-Wave-Strömung der Science Fiction.
In den folgenden Jahren erschienen weitere Science Fiction Romane, von denen hier noch „Kind des Glücks“ kurz vorgestellt werden soll. Etwas ungewöhnlich für Spinrad ist das 2003 erschienene Werk „Der Druidenkönig“ (The Druid King, 2003)- ein Historienroman über das Leben des Galliers Vercingetorix.

Norman Spinrad lebt und arbeitet in seiner Wahlheimat Frankreich.

 

  • Agent of Chaos, 1967
  • Die Bruderschaft des Schmerzes, 1982 (The Men in the Jungle, 1967)
  • Champion Jack Barron, 1982 (Bug Jack Barron, 1969)
  • Der stählerne Traum, 1981 (The Iron Dream, 1972)
  • Flammenritt, 1977 (Riding the Torch, 1974)
  • Eine Welt dazwischen, 1983 (A World Between, 1979)
  • Lieder von den Sternen, 1981 (Songs from the Stars, 1980)
  • Daß mich das große Nichts umfange, 1983 (The Void Captain's Tale, 1983)
  • Kind des Glücks, 1991 (Child of Fortune, 1985)
  • Little Heroes, 1992 (Little Heroes, 1987)
  • Russischer Frühling, 1992 (Russian Spring, 1991)
  • Deus X, 1997 (Deus X, 1992)
  • Bilder um 11, 1997 (Picture at 11, 1994)
  • Das tropische Millennium, 2001 (Greenhouse Summer, vorher Glass Houses, 1999)
  • Die Transformation, 2002 (He Walks Among Us, 2003)
  • Der Druidenkönig, 2003 (The Druid King, 2003)
  • Mexica, 2005

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Norman_Spinrad)

 

Champion Jack Barron (Bug Jack Barron, 1968/69)

Jack Barron hört in seiner Fernsehshow „Champion Jack Barron“ auf die Probleme der „kleinen Leute“ und gilt als unbestechlicher Streiter im Kampf gegen die Reichen und Mächtigen. Dieses Image beschert ihm sensationelle Einschaltquoten, doch in Wahrheit kämpft er mit stumpfen Waffen, denn er hütet sich davor, eben jene Reichen und Mächtigen ernsthaft zu attackieren.
Eher zufällig gerät er in Konflikt zu Benedict Howards, der die „Stiftung für menschliche Unsterblichkeit“ leitet – eine milliardenschwere Organisation, die Menschen einfriert, um sie eventuell in der Zukunft wieder beleben zu können.
Howards erkennt, dass Barron seine Pläne gefährden könnte, und er versucht, den Showstar mit einem Gefriervertrag zu bestechen. Barron ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Howards noch viel mehr zu bieten hat: nämlich echte Unsterblichkeit. Und so beginnt ein faszinierender Machtkampf zwischen zwei Männern, die jeweils nur auf den eigenen Vorteil aus sind.
Das besondere an „Champion Jack Barron“ ist ein überzeugend authentischer Titelheld, der eben nicht so unbestechlich ist, wie er versucht zu erscheinen. Doch gleichzeitig vermittelt das Buch auch die Überzeugung, dass JEDER bestechlich ist, sogar hochrangige Politiker und Präsidentschaftskandidaten.
Alleine dieser Umstand erklärt wohl schon einen Teil der Aufregung, die das Werk bei seinem Erscheinen auslöste. Zudem werden eben diese Politiker auch nicht gerade von ihrer besten Seite gezeigt und haben alle hier und da Dreck am Stecken.
Ein besonderes Charakteristikum von „Champion Jack Barron“ ist ohnehin die sprachliche Gestaltung. Ein Chaos von eigenwilligen Wortkreationen und monströsen Satzkonstrukten macht das lesen nicht gerade einfach und Joachim Körber, der Übersetzer der deutschen Ausgabe, gibt einen mehrseitigen Kommentar zu den Schwierigkeiten, die ihm „Bug Jack Barron“ bereitet hat.
Manchmal muss man sich als Leser regelrecht durch die verworrenen Sätze hindurchkämpfen, die die Gedankengänge der Akteure so wiedergeben, wie sie ihnen durch den Kopf gehen – also ohne Punkt und Komma und mit unvermittelten Sprüngen durchsetzt. Doch wenn man es einmal geschafft hat, sich auf diese Sprache einzulassen, wird man belohnt mit dem Genuss eines der genialsten Werke der SF überhaupt.
Das Werk endet mit einem grandiosen Showdown im wahrsten Sinne des Wortes – denn der Leser erlebt, wie sich Jack Barron einmal mehr in die vierfarbige Phosphorpünktchenrealität des „Tritt-sie-in den-Arsch-Jack-Barron“ versetzt, um seine Show als Waffe gegen Benedict Howards einzusetzen.

 

 

Der stählerne Traum (The Iron Dream, 1972)

Der Roman geht von einer Alternativwelt aus, in der Adolf Hitler politisch erfolglos blieb und in die USA auswanderte, um sich seine Brötchen als Comic-Zeichner und Schriftsteller zu verdienen. Der vorgeblich von Adolf Hitler verfasste Roman „Herr des Hakenkreuzes“ bildet den Hauptteil dieses Werkes, das bei seinem Erscheinen für einiges Aufsehen sorgte und dessen Veröffentlichung in Deutschland sich aufgrund eines Verbots durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften um einige Jahre verzögerte.

Der „Herr des Hakenkreuzes“ schildert die Abenteuer von Feric Jaggar, der sich in einer Welt voller Mutanten für die Rasse der reinen Menschen einsetzt und dieses Ziel mit höchster Brutalität verfolgt. Rassismus und Gewaltverherrlichung durchsetzen dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite, und der empfindsame Leser kann manche der Gewaltszenen nur als widerlich empfinden.
Norman Spinrad nimmt mit diesem Werk die Science Fiction und die Heroic Fantasy aufs Korn, in denen Rassismus und Gewalt an der Tagesordnung sind. Und damit hat er sicherlich nicht Unrecht – wer sich manche der Science Fiction Werke der 60er und 70er Jahre anschaut, findet oft genug das Bild von den „bösen“ Außerirdischen, die notfalls sogar mit einem Genozid gestoppt werden dürfen.
Trotzdem erscheint die Wahl der Mittel, derer sich Spinrad bedient, etwas unangepasst. Die Mutanten, gegen die Feric Jaggars kämpft, sind unter anderem in der Lage, geistige Kontrolle über andere Menschen auszuüben, und ein Kampf gegen diese Art der Manipulation könnte durchaus legitim erscheinen.
Immerhin: ein Buch, das starke Emotionen auslöst und den Leser nachdenklich stimmt.

 

 

Kind des Glücks (Child of Fortune, 1985)

Der Roman entführt den Leser in eine zeitlich nicht genau festgelegte Zukunft, in der die Menschheit bereits einige hundert Sternensysteme besiedelt hat. Passagier-Raumschiffe mit Sprungtriebwerken überbrücken die Entfernungen zwischen den Welten innerhalb weniger Wochen, so dass die Reise von Stern zu Stern kein Problem mehr darstellt. In dieser Welt ist es üblich, dass junge Erwachsene nach Vollendung ihrer Schulausbildung als „Kinder des Glücks“ zu einem Wanderjahr aufbrechen, während dem sie ihre Berufung suchen und sich einen Eigennamen wählen, den sie dann anstelle ihres Kindernamens annehmen.

Die junge Moussa ist die Tochter einer Tantra-Künstlerin und eines Erfinders von elektronischen Persönlichkeitsverstärkern. Als die Zeit ihres Wanderjahres kommt, hofft sie auf eine großzügige finanzielle Unterstützung ihrer Eltern, die jedoch ausbleibt. So begibt sie sich mit einer schmalen Börse auf den extravaganten Planeten Edoku, wo sie schon nach zwei Wochen mittellos auf der Straße steht. Nun beginnt ihr Abenteuer, denn sie hört vom Stamm der „Gipsy Joker“ und ihrem Anführer Pater Pan, der die Kinder des Glücks um sich schart. Für eine Weile wird sie die Gefährtin von Pater Pan, der von sich behauptet, schon seit Jahrtausenden zwischen den Welten zu wandeln.
Nachdem Pater Pan Edoku verlässt, bricht auch Moussa zu neuen Welten auf und findet schließlich ihre Berufung und ihren Namen.
Die zweite Hälfte des Romans, in der Moussa wochenlang durch einen Urwald wandert, mag etwas zu langatmig geraten sein. Doch alles in allem bleibt der Eindruck eines stimmungsvollen Buchs, das ganz ohne Raumschlachten, Laserwaffen und größere Actionszenen auskommt, dafür aber etliche erotische Abenteuer der Protagonistin aufweisen kann.

 

 

Der Druidenkönig (The Druid King, 2003)

Julius Cäsar hat durch die Veruntreuung von Geldern den römischen Senat gegen sich aufgebracht und hofft, als Statthalter von Gallien vor einer Verfolgung sicher zu sein und sich dort gleichzeitig eine neue Machtposition aufzubauen.
In dieser Zeit wird Keltill, der Vater des jungen Vercingetorix, getötet, als er versucht, sich selbst zum König zu krönen und die Stämme der Gallier im Kampf gegen Teutonen und Römer zu vereinigen.
Vercingetorix wird zum Druiden ausgebildet und will schließlich den Tod seines Vaters rächen und sein Erbe antreten. Als er Cäsar kennen lernt, erwägt er zunächst, die Gallier zu einem Bündnis mit den Römern zu führen. Doch dann erfährt er, dass Cäsar hinter dem Tod seines Vaters stand, und er beginnt einen Krieg, dessen Ende jedem Asterix-Leser bekannt sein dürfte.
Der Roman bildete die Grundlage für den Film „Druids“ mit Christopher Lambert in der Rolle des Vercingetorix.
Für meinen Geschmack lässt die sprachliche Gestaltung des Buches nicht immer die richtige Historien-Stimmung aufkommen. Auch der Sinn gelegentlicher Tempuswechsel in Form von eingeschobenen Präsens-Passagen erschließt sich mir nicht.
Trotzdem insgesamt noch durchaus lesenswert.

Bis auf „Der Druidenkönig“ findet sich keiner der hier vorgestellten Romane derzeit im Verzeichnis lieferbarer Bücher. Alle sind aber über die gängigen Gebrauchtbuchhändler problemlos zu bekommen.

von Berhard Weißbecker

 

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