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Sternenwelten

Düstere Visionen

von Bernhard Weißbecker


„Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley, „1984“ von George Orwell und „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury - dies sind drei düstere Zukunftsvisionen, die eine besondere Popularität erlangt haben. Die meisten haben das eine oder andere dieser Werke schon mehr oder weniger freiwillig im Englischunterricht gelesen. Für alle, deren Schulzeit schon etwas länger zurückliegt oder die noch nicht die Gelegenheit hatten, sich mit diesen Romanen zu befassen, sollen sie hier kurz vorgestellt werden.
Alle drei Werke gehen davon aus, dass die Welt durch einen oder mehrere umfassende Kriege derartig erschüttert wurde, dass sich eine totalitäre Regierung etablieren konnte, die die Menschen nach ihrem Willen formt. Ebenfalls gehen alle drei Werke davon aus, dass zu den Gesetzen einer solchen Regierung ein Verbot schöngeistiger Literatur gehören würde.
Soviel zu den Gemeinsamkeiten, nun aber zu den drei Romanen im Einzelnen:

Aldous Huxley: Schöne neue Welt
Aldous Leonard Huxley wurde am 26. Juli 1894 in Godalming (England) geboren und starb am 22. November 1963 in Los Angeles. Er entstammte einer Familie von Schriftstellern und Gelehrten und nach einem Literaturstudium in Oxford entschloss er sich im Alter von 21 Jahren, als Schriftsteller zu leben. Seine frühen Werke waren vor allem humanistsch geprägt, während er sich später, nach seiner Übersiedelung nach Kalifornien, unter dem Einfluss der buddhistischen Lehre auch der Mystik zuwandte.
Weitere Infos zum Autor: http://de.wikipedia.org/wiki/Aldous_Huxley

Schöne neue Welt (Brave new World)
Der Titel des Buches bezieht sich auf einen Ausspruch aus Shakespeares „Der Sturm“: Schöne neue Welt, die solche Bürger trägt!
Die Handlung spielt im Jahr 632 nach dem Erscheinen des Ford T-Modells, dessen Schöpfer als Gott verehrt wird., nach unserer Zeitrechnung also im 26. Jahrhundert.
In Brutanstalten werden künstlich befruchtete Eizellen mit Hilfe des Bokanowsky-Verfahrens behandelt, um eine Vielzahl genetisch identischer Menschen zu erhalten. Nur die „Alphas“ und „Betas“, die die oberen Kasten der „Schönen neuen Welt“ bilden, sind wirkliche Individuen. Die Embryonen der niederen Kasten werden durch mangelnde Sauerstoffversorgung und einen Zusatz von Alkohol in ihrer Entwicklung gehemmt, um eine dumme und anspruchslose Arbeiterschicht zu bilden.
Kleinkinder werden mit Elektroschocks und Schlafschullektionen so konditioniert, dass sie optimale Bürger des Staates werden. Dieser Staat unterstützt oberflächliche Sexualbeziehungen und versorgt alle Menschen mit der Droge „Soma“. Begriffe wie „Vater“ und „Mutter“ werden als obszön betrachtet, und man fällt schon unangenehm auf, wenn man mehrere Wochen lang nicht seinen Sexualpartner wechselt.
In dieser Welt lebt Bernard Marx als ein Außenseiter, der sich sowohl durch sein Aussehen als auch in seinen Gefühlen von der Norm abhebt. Obwohl er der obersten Kaste angehört, ist er nicht so groß und gut aussehend wie die übrigen „Alphas“. Er verbringt seine freie Zeit gerne alleine und ärgert sich über seine Kollegen, die Frauen nur wie Stücke von Fleisch behandeln.
Während eines Ausflugs in ein Indianerreservat lernt er einen jungen „Wilden“ namens John kennen, dessen Eltern aus der „Schönen neuen Welt“ stammen. Pikanterweise ist Bernards Vorgesetzter der Vater des „Wilden“ und Bernard nutzt diesen Umstand, um seinen Chef zu Fall zu bringen und dadurch seine drohende Zwangsversetzung zu vermeiden.
John übernimmt in dieser Phase des Romans die Rolle des Protagonisten und der Leser erlebt sein Scheitern bei dem Versuch, sich in der für sein Empfinden absurden „Schönen neuen Welt“ zurechtzufinden.

Huxley selbst war ein wenig verwundert darüber, dass einige Leser seiner „Schönen neuen Welt“ durchaus positive Seiten abgewinnen konnten. Insbesondere das junge Publikum war von der Vorstellung freizügiger Sexualität und legalisierter Drogen angetan. Erklärtes Ziel von Huxley war es jedenfalls, eine Dystopie, also eine negative Zukunftsvision zu erschaffen.
Trotzdem erscheint seine „Schöne neue Welt“ im Vergleich mit den später erschienenen Werken „1984“ und „Fahrenheit 451“ recht harmlos. Immerhin ist es erklärtes Ziel des Staates, seinen Bürgern Bequemlichkeit und Glück zu bieten, wofür allerdings Wahrheit und Schönheit geopfert werden. Menschen, die sich dieser Welt nicht anpassen können, werden auf Inseln abgeschoben, wo sie nach ihrem Belieben leben können.

In deutscher Sprache erschien das Werk erstmalig 1932 unter dem Titel „Welt - wohin?“. In späteren Ausgaben wurde der Titel zunächst in „Wackere neue Welt“ und schließlich in „Schöne neue Welt“ geändert. In der ursprünglichen Übersetzung von H.E. Herlitschka wurde die Handlung des Romans von London nach Berlin verlegt, und auch die Namen einiger Charaktere wurden geändert, um Anspielungen des Autors dem deutschen Leser verständlich zu machen - so wurde beispielsweise aus dem Familiennamen Mond (britische Industrielle und Politiker) im Deutschen der Name Mannesmann.

Das obige Bild zeigt die deutsche Ausgabe von 1953, erschienen in der Fischer Bücherei
Derzeit erhältlich beim Fischer Taschenbuch Verlag
252 Seiten
ISBN: 3596200261

George Orwell: 1984
George Orwell (eigentlich Eric Blair) wurde 1903 als Sohn eines englischen Kolonialbeamten in Indien geboren. Nach seiner Schulausbildung in England reiste er nach Burma, wo er bei der britischen Kolonialpolizei diente. 1927 kehrte er nach England zurück, mit der Absicht, Schriftsteller zu werden, doch weder in London noch in Paris fand er ein Einkommen. Bis 1936 lebte er in bitterer Armut. Im Spanischen Bürgerkrieg kämpfte er auf der Seite der Arbeiterpartei der Marxistischen Einheit und wurde schwer verletzt. Im zweiten Weltkrieg arbeitete er als Kriegsberichterstatter.
1945 gelang ihm der Durchbruch mit seinem Roman „Animal Farm“. 1949 erschien „1984“, doch George Orwell erlebte den großen Erfolg seines Werkes nicht mehr. Er starb 1950 an Tuberkulose.
Weitere Infos zum Autor: http://de.wikipedia.org/wiki/George_Orwell

1984
George Orwell zeichnet in seinem 1949 erschienenen Roman 1984 ein durchweg düsteres Bild der Zukunft. Die Welt ist aufgeteilt in drei große Machtblöcke: Ozeanien umfasst Nord- und Südamerika, die Britischen Inseln, Australien und Südafrika, Russland bildet zusammen mit dem einverleibten Europa den Staat Eurasien, und Ostasien umfasst China und einige benachbarte Länder. Diese drei Superstaaten liegen ständig in Krieg miteinander, doch die Kriege dienen nicht der Expansion der Staaten, sondern der Vernichtung industrieller Erzeugnisse, um die Bevölkerung in Armut und einem Gefühl der Angst und Spannung zu halten.
Die „Partei“ des Staates Ozeanien, personifiziert in dem „Großen Bruder“, überwacht die Bürger und bestraft jede Abweichung mit brutalsten Mitteln. In jeder Wohnung hängt ein Televisor, der die Bewohner nicht nur mit Parteiparolen berieselt, sondern auch ihre ständige Beobachtung ermöglicht.
Der „Held“ des Romans ist Winston Smith - er ist 39 Jahre alt, hat Krampfadern und reagiert auf jede Anstrengung mit Hustenanfällen. Er arbeitet im Londoner „Wahrheitsministerium“, wo er damit beschäftigt ist, Zeitungsartikel in verflossenen Ausgaben der London Times zu korrigieren, wenn sie nicht mehr mit den aktuellen Dogmen der Partei übereinstimmen. Es ist offensichtlich für ihn, dass die Partei die Menschen betrügt, doch der Beweis dafür ist nur sein eigenes Gedächtnis und er ist sich bewusst, dass die Partei die Vergangenheit nach ihrem Belieben formen kann.
Als er die junge Julia kennen lernt, findet er eine Verbündete, mit der er seine Gedanken teilen kann. Zusammen genießen sie Dinge, die die Partei ihnen vorenthalten will - Sex, echten Kaffee und die vage Hoffnung, zu einer Vernichtung der Partei beitragen zu können.
Schließlich werden sie gefangen und unter der Folter muss Winston erkennen, dass er keinem seiner Grundsätze treu bleiben kann - dem Vorsatz, Julia nicht zu verraten und der Freiheit zu sagen, dass zwei und zwei gleich vier ist.
An den Text angehängt ist eine „Kleine Grammatik“ der Neusprache, mit der die Partei dafür sorgen will, dass es keine Worte mehr gibt, mit denen abweichende Gedanken formuliert werden können.

Das obige Bild zeigt die deutsche Ausgabe von 1981, erschienen bei Bertelsmann
Derzeit erhältlich beim Ullstein-Verlag
384 Seiten
ISBN 3548234100

Ray Bradbury: Fahrenheit 451
Ray Douglas Bradbury wurde am 22. August 1920 in Waukegan / Illinois geboren. Schon in seiner Schulzeit wurde er in die „Los Angeles Science Fiction League“ aufgenommen und im Jahr 1938 veröffentlichte er seine erste Kurzgeschichte in Imagination! Seit seinem Durchbruch mit den „Mars-Chroniken“ (1950) entwickelte er sich zu einem der erfolgreichsten und produktivsten Schriftsteller in den Sparten Science Fiction und Fantasy. Nebenbei wagte er sich auch in andere Sparten und schrieb z.B. das Drehbuch zu dem 1956 produzierten Film „Moby Dick“. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt er 2002 einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.
Weiter Infos zum Autor: http://de.wikipedia.org/wiki/Ray_Bradbury

Fahrenheit 451
Fahrenheit 451: Die Temperatur, bei der Buchpapier Feuer fängt und verbrennt.
In einer zeitlich nicht genau festgelegten Zukunft sind alle Häuser feuerfest und die Feuerwehr hat daher eine neue Aufgabe übernommen: das Verbrennen von Büchern. Guy Montag ist einer dieser „Firemen“ (die Übersetzung „Feuerwehrmann“ ist zwar prinzipiell korrekt, trifft den Kern der Sache aber nicht wirklich).
Die meisten Menschen in dieser Zeit beschäftigen sich mit oberflächlichen Vergnügungen, so wie Montags Frau Mildred, die den Tag mit interaktiven Fernsehsendungen auf den Ganzwand-Bildschirmen verbringt, die bereits drei Wände ihres Wohnzimmers einnehmen. Auch in den Nächten lässt sie sich über Ohrhörer mit dem Radioprogramm berieseln.
Doch es gibt auch noch andere Menschen - so wie die sechzehnjährige Clarisse, die in der Nachbarschaft wohnt. Sie geht gerne im Wald spazieren, sammelt Schmetterlinge und findet es toll, Regentropfen mit dem Mund aufzufangen.
Montag ist beeindruckt von dem Mädchen, denn er selbst ist auch nicht so oberflächlich wie die meisten anderen Menschen und hat heimlich einige Bücher mit sich nach Hause genommen und dort versteckt.
Als bei einem der Einsätze eine alte Frau sich mit ihren Büchern verbrennen lässt, merkt er, dass er nicht weiterhin ein Leben als „Fireman“ führen kann. Er beschließt, einen Mann aufzusuchen, den er ein Jahr zuvor in einem Park kennen gelernt hat. Dieser rät ihm, zunächst die Fassade aufrecht zu erhalten, doch schon am gleichen Tag gerät Montag außer sich, und liest seiner Frau und ihren Freundinnen aus einem Gedichtband vor. Trotzdem tritt er seinen Dienst in der Feuerwache an, aber die nächste Fahrt der Feuermänner führt zu seinem eigenen Haus.
Montag muss fliehen und wird von einem achtbeinigen Roboterhund durch die Stadt gehetzt. Zugleich muss er erfahren, dass sein Land in einen neuerlichen Krieg eintritt. Montag erreicht schließlich das freie Land außerhalb der Stadt, wo er auf Menschen trifft, die sich dem Erhalt der Literatur verschrieben haben. Und obwohl der Krieg das Land zu vernichten droht, gibt es so doch noch eine Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Das obige Bild zeigt die englische Ausgabe von 1990, erschienen bei Grafton Books
Derzeit in deutscher Sprache erhältlich beim Heyne Verlag
186 Seiten
ISBN: 3453164121

 

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