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Geisterwelten

Tobias Bachmann

Ein Autorenprofil

Während des MarburgCon 2007 lernte ich Tobias Bachmann kennen. Eine symphatische Persönlichkeit.
Auf der Suche nach biographischen Daten seines bisherigen Lebens ergab nicht viel. Prompt schrieb ich ihm eine Mail, um sein Wirken als Autor hier in vorstellen zu können.

Zu seiner Person sagt er selbst:

„Geboren am 25.11.1977 in Erlangen wuchs ich dort mehr oder weniger wohlbehütet in einem kleinen Vorort auf. Die Sommer- und Winterferien verbrachte ich stets lesend im Bett, da ich sämtliche Kinderkrankheiten just dann bekam, wenn die Schule pausierte. Der Alltag war also entsprechend dröge, und die Phantasie wuchs, zunächst durch Die drei ???, TKKG und die Fünf Freunde, später durch Karl May, Fritz Steuben, dann bald Agatha Christie, Iain Flammings Bond Romane und Edgar Wallace, dann kam Stephen King, dann Clive Barker, Lovecraft, Poe, Kafka und der ganze Rest. Dann wurde ich 14 und schrieb meine erste Geschichte für eine Art Schülerzeitung. Ich machte Musik (spielte als Keyboarder in diversen HardRock-Gruppen und trat in regionalen Rockschuppen auf, was ich ab und an auch heute noch in unveränderter Weise tue), doch nach und nach nahm mich das Schreiben immer mehr in Anspruch. Ich vernachlässigte deswegen die Schule, blieb 2mal sitzen, schaffte einen eher durchschnittlichen Realschulabschluss und machte zunächst mal meinen Zivildienst in einem Wohnheim für geistig Behinderte. Dem folgte ein Praktikum und eine dreijährige Ausbildung, die dazu führte, dass ich immer noch im selben Wohnheim sitze und versuche, meine Schreiberei in ordentliche Bahnen zu lenken, damit ich da jemals wieder rauskomme. 2004 erfolgte aus inspirativen Gründen ein Umzug nach Fürth, was sich gelohnt hat, denn neben "Auspizien" entstand "Novalis Traum", "Das Arkham-Sanatorium" (gemeinsam mit Markus K. Korb), (erscheint im Oktober bei Atlantis), "Das Spiel der Ornamente" (Roman, erscheint irgendwann dieses Jahr noch bei Eloy Edictions) u.v.w.m. Anfang 2006 kam es wieder aus familiären Gründen zur Rückkehr nach Erlangen. Mein Privatleben verbringe ich mit Lebensgefährtin und gemeinsamer Tochter, die vor kurzem ein Jahr alt wurde.“

Nun wissen die Leser, wer der Autor Tobias Bachmann ist.
Einen kleinen Vorgeschmack auf seinen im Februar 2007 erschienenen Roman „Auspizien“ soll die folgende Leseprobe geben.

Das Treffen der drei Alten - I

Nach und nach zähmt uns das Vergessen.

So schwinden auch die furchtbaren Erinnerungen, die mich Woche für Woche an jedem Sonntag heimsuchen. Sechs Tage benötigte ich, um den ersten Schock zu überwinden, doch bereits am siebten Tag musste ich begreifen, dass mein Gedächtnis wohl auf unbestimmte Zeit mit dem Nachklang jenes Sonntags zu kämpfen haben würde. Der Sonntag ist zu einem persönlichen Gedenktag für mich geworden, und Gott weiß, dass ich diesen abends in der Kirche verbringe, um nach der Abendmesse für die Seelen der drei Alten zu beten.

Der letzte Sonntag des Monats war für die drei Alten stets dazu gedacht und geeignet, sich zu treffen, Tee zu trinken, Zigarren zu rauchen und sich in der wohligen Atmosphäre eines, beim letzten Treffen auserkorenen Ortes Geschichten zu erzählen. Gruselige Geschichten, für gewöhnlich, denn alle drei hatten eine Schwäche für dieses Genre und alle drei liebten jenes unscheinbare Gefühl der knisternden Angst, der leichten Gänsehaut und der wohligen Schauer und es schien, als wäre es ihre einzige Bestimmung, um nicht zu sagen, ihr Lebenszweck, diese Treffen abzuhalten.

Der erste war Hans Krautstein, pensionierter Anwalt und stolzer Besitzer einer Bibliothek, gefüllt mit ausschließlich unheimlicher Literatur, deren Geschichten für etliche Treffen über Generationen hinweg ausreichen würden. Vor jedem Treffen suchte er sich sorgfältig eine Geschichte aus, las sie oft genug um sie an dem jeweiligen Sonntag frei vortragen zu können.

Die zweite Person der drei Alten nannte sich Klaus Böhmer und war begabter Verfasser erfolgreicher Schauerromane, welche man an jedem Bahnhofskiosk erwerben konnte. Selbstverständlich verkaufte er diese nicht unter seinem richtigen Namen, denn er besaß mittlerweile ein bekanntes und einschlägiges Pseudonym. Er verdankte es seiner Karriere, dass er stets Geschichten auf Lager hatte, welche er zum besten geben konnte, und wenn er sich einmal nicht vorbereitet hatte, so improvisierte er stets eine auf die Schnelle, was ihm scheinbar kein Problem bereitete.

Andreas Gerhardt war der dritte und letzte der interessanten Gruppe. Keiner wusste so recht, woher er den Stoff seiner Geschichten schöpfte, zumal er imposanter weise jedes Mal angab, all seine Erzählungen selbst erlebt zu haben, was ihm natürlich niemand glaubte. Er beharrte dennoch auf diese Erklärung und seit dem letzten Treffen, von dem ich hier berichten möchte, würde ihm dies auch jeder glauben, sofern Gerhardt noch am Leben wäre.

Dieser Sonntag, an dem das - wie sich später herausstellen sollte - letzte Treffen der drei Alten stattfand, war wie geschaffen für das Erzählen unheimlicher Geschichten. Der Mond kämpfte sich anfangs noch erfolgreich durch die dicke Wolkenmasse, welche nach und nach immer dichter wurde, wodurch der volle Mond komplett vom Himmelszelt verbannt wurde. Es dauerte nicht lange, da platzte ein dichter Regen auf die Erde nieder, Donnergrollen erfüllte die Luft und die Gewitterwolken entluden ihre elektrische Ladung in Form greller Blitze, die wütend auf die Welt einstachen.

Das alte Herrenhaus Krautsteins kam vollends zur Geltung, glich einem Spukschloss als Klaus Böhmer mit seinem Wagen die Einfahrt herauf rollte. Er parkte unmittelbar vor dem Eingangsportal mit dem wackeligen Geländer und rannte, seine Jacke über den Kopf haltend, die knarrenden Stufen hinauf. Eilig klingelte er Sturm und ich, die damals noch als Hausdame des wohlhabenden Krautsteins beschäftigt war, öffnete mit einem aufrichtigen Lächeln auf den Lippen.

“Guten Abend, Herr Böhmer”, grüßte ich den Schriftsteller. ”Sagen Sie, haben Sie dieses Wetter bestellt?”

“Aber selbstverständlich, werte Dame”, erwiderte Böhmer mit ironischem Unterton, der verriet, dass er scherzte. “Wussten Sie nicht, dass ich einen direkten Draht zu Petrus habe?”

Mein Lächeln verwandelte sich in ein leichtes Auflachen und beide gingen wir ins Innere des prächtigen Hauses. Nachdem ich Böhmers Mantel in Empfang genommen hatte, geleitete ich ihn in den Salon, wo Krautstein in seinem hohen Lehnsessel wartete. Der Tee stand bereits dampfend auf einem fahrbaren Serviertischchen bereit, und nachdem sich die beiden Männer aufs herzlichste begrüßt hatten, unterhielten sie sich über Böhmers neues, zur Veröffentlichung anstehendes Buch.

Wenn die Treffen der drei Alten bei meinem Arbeitgeber stattfanden, durfte ich, ganz gegen die üblichen Gepflogenheiten, mit anwesend sein. Die einzige Bedingung war, das ich mich diskret im Hintergrund hielt, und dazu bereit war, die drei Alten mit Tee und Knabbereien zu bewirten. Dies hatte ich eines Tages mit Krautstein vereinbart, hatte er doch vollstes Vertrauen zu mir, zumal ich schon seit sehr langer Zeit seine Angestellte war und er wusste, dass ich eine aufrichtige, gewissenhafte Person bin. Ich mochte es, Geschichten zu hören, liebte es schon als Kind, wenn mir meine Eltern Märchen vorlasen, und auch heute noch besuche ich gerne Lesungen verschiedener Autoren. Die Treffen der drei Alten waren daher stets ein Genuss für mich, so dass ich mucksmäuschenstill den Bedingungen Krautsteins nachkam.

Gerhardt ließ sich ganz entgegen seiner Gewohnheiten erheblich viel Zeit, und die beiden mussten eine geschlagene halbe Stunde auf ihren gemeinsamen Freund warten. Sie beschlossen, dass sein zu Spätkommen auf das Wetter zurückzuführen sei, und leerten derweil die erste Kanne Tee. Schließlich, es war bereits nach neun Uhr abends, führte ich den bereits Vermissten in den Salon und die Wartenden blickten ihn entsetzt an. Gerhardt sah aus, als hätte er dem Tod persönlich gegenüber gestanden. Seine Haare waren weiß wie Schnee und seine Haut von garstigen Falten überzogen.

“Andreas! Bist du krank?” fragten beide gleichzeitig und in höchster Sorge.

“Ich werde Euch alles erzählen, meine Freunde. Doch vorher werdet Ihr mir eure Geschichten erzählen, denn ich weiß, dass die meinige alles übertreffen wird, was Ihr euch nur vorstellen könnt. Etwas schreckliches ist passiert. Doch lasst mich erst einmal setzen.” Er blickte mich an und bat mich, eine frische Kanne Tee zu bereiten, er sei durch den Regen gelaufen und bräuchte etwas zum aufwärmen. Dann setzte er sich den beiden anderen gegenüber und stopfte seine Pfeife mit einem wohlriechenden Tabak, so wie er es immer tat, was Krautstein und Böhmer einigermaßen beruhigte.

Die mitgenommene Erscheinung Gerhardts war in der Tat sehr sonderbar. Es schien, als sei er innerhalb eines kurzen Zeitraums über Jahre hinweg gealtert. Das irritierendste jedoch war, dass er tiefe Falten an den dafür untypischsten Stellen bekommen hatte. Es haftete etwas regelrecht unnatürliches an ihm, und mit leichtem Frösteln ging ich in die Küche, um den gewünschten Tee zu bereiten. Ich wählte einen starken Earl Grey, wusste ich doch, dass Gerhardt diesen am liebsten trank. Ich wartete, bis der Tee gut durchgezogen war, dann nahm ich die Kanne und begab mich wieder in den Salon, um den wunderbaren Geschichten zu lauschen.

Den Anfang machte diesmal Krautstein selbst. Er saß völlig entspannt in seinem Lehnsessel, blickte einige Male kopfschüttelnd zu Gerhardt und begann schließlich mit seiner Erzählung.

“Die Geschichte, die ich heute für euch ausgesucht habe, trägt den Titel Grønn und stammt aus einem alten Gruselbuch, einer Anthologie mit dem Titel Gänsehaut. Ich habe leider vergessen, wer der Verfasser des Buches ist; sofern es jemanden interessiert, kann ich später noch einmal in die Bibliothek gehen und nachschauen.”

“Ist doch völlig egal”, warf Böhmer ungeduldig ein.

“Nun gut”, sagte Krautstein, und begann zu erzählen...

Romane

Die Ruhe nach dem Tod
Taschenbuch mit ca. 260 Seiten
Cover Artwork by Steve Assell (USA)
Erschienen im Dezember 2003 im MG Verlag, Plaidt
ISBN 3-931164-94-7

Dem Wahnsinn nahe, versucht Ben Carter sein Leben nach dem Tod neu zu ordnen. Als er Beweise dafür findet, dass eine obskure Geheimgesellschaft die Vernichtung der Menschheit akribisch genau geplant zu haben scheint, macht er sich auf die Suche nach den geistigen Führern dieser Mördertruppe, die sich aus politischen und wirtschaftlichen Führungskräften der gesamten Welt zusammensetzt, und entdeckt dabei das Geheimnis seines eigenen Todes, der in Kürze bevorsteht, und doch bereits geschehen ist.

Novalis’ Traum
Taschenbuch mit ca. 160 Seiten
Cover Artwork by Timo Kümmel
Erschienen im Dezember 2006 im Atlantis Verlag, Stolberg
ISBN 3-936742-47-2

Seit jeher faszinieren und beunruhigen Träume den Menschen. Im Traum begegnen uns Menschen, die längst verstorben sind. Wir befinden uns unversehens in fernen Dimensionen. Fremde, unvorstellbare Wesen sprechen zu uns, und wir selbst sind im Besitz von Fähigkeiten, die uns im Wachen völlig unmöglich erscheinen. Würde uns jemand von real stattgefundenen Traumerlebnissen erzählen, so müssten wir an seinem Verstand zweifeln. Doch was würden wir nicht alles tun, um unsere Träume festzuhalten? Wie fängt man einen Traum?...

Auspizien
Taschenbuch mit farbigem Schutzumschlag, mit ca. 160 Seiten
Cover Artwork by Walter L. Kelch
Erschienen im Februar 2007 im MG Verlag, Plaidt
ISBN 3-93164-40-3

In einem alten, abseits gelegenen Anwesen veranstalten drei alternde Herren regelmäßige Treffen, und unterhalten sich dabei mit dem Erzählen von Schauergeschichten. Doch aus der Phantasie wird makabere Wirklichkeit. Schauder und Furcht greifen über, in die Realität, um diese zu beherrschen. Die Geschichten finden ihre unheimliche Bestätigung in der sich steigernden Angst der drei Alten, deren Tod bereits seit deren Kindheit auf der Schwelle wartet.

Das Arkham-Sanatorium
Gebundene Ausgabe, 230 Seiten
Atlantis Verlag, Stolberg
Erscheint im Oktober 2007
ISBN 3936742782

Arkham im Oktober 1951. Immer mehr Menschen werden nach schrecklichen Erlebnissen in das verrufene Sanatorium von Arkham eingewiesen. Dr. Reynolds, stellvertretender Leiter der psychiatrischen Einrichtung, bekommt Besuch von einem geheimnisvollen Fremden. Dieser weiß um die Ursache des Wahnsinns, der wie eine ansteckende Krankheit um sich greift... und möchte diese für seine eigenen Zwecke missbrauchen...

Die Autoren Markus K. Korb und Tobias Bachmann haben gemeinsam einen Roman geschrieben, der mehr ist, als nur eine schlichte Huldigung und Hommage an den Stadtgründer von Arkham, Howard Philips Lovecraft. Es ist eine vielfältige Geschichte um den Wahnsinn in uns allen. Die Einzelschicksale der Patienten treten ebenso in den Mittelpunkt, wie das Schicksal der gesamten Anstalt, das seine düsteren Schatten und knochendürren Finger bis weit in unsere Zukunft ausstreckt. Eine Zukunft, der wir uns nur schwer entziehen können...

Kaleidoskop der Seele
Retrospektive 1993-2007
Paperback, ca. 270 Seiten
Coverartwork by Mark Freier
Atlantis Verlag, Stolberg
Erscheint voraussichtlich im Sommer 2007
ISBN-10: 3-936742-75-8

Mit Anlehnung an den Stil eines Kafka und Poe, jedoch mit einer ganz persönlichen Note, führt der Autor den Leser durch eine Ansammlung unheimlicher Begegnungen und dunkler Machenschaften. Das Kaleidoskop der Seele spielt mit der Unsicherheit und Angst des Lesers, wie sie vielleicht am besten mit Dämmerlicht kurz vor der Dunkelheit vergleichbar ist. Man weiß, dass der Schatten ein Baum ist, und man weiß, dass es keine Ungeheuer gibt. Aber warum hat man dieses komische Gefühl der Angst und Beklemmung wenn der Schatten sich plötzlich bewegt?

Das Spiel der Ornamente
Roman
Cover by Timo Kümmel
erscheint voraussichtlich im August 2007
Eloy Edictions, Augsburg
ISBN noch nicht bekannt

Das Spiel nahm seinen Lauf. Unaufhörlich bildeten sich die Ornamente neu. Sie fügten sich zusammen, verbanden sich, offenbarten die Klippen, an die das Meer aus Quarzessenz brandete, und vervollständigten ihr geheimes Puzzle...

Weitere Informationen zu seinen Werken findet der interessierte Leser auf den Webseiten des Autors unter:

www.tobias-bachmann.de

© Wolfgang Brandt

 

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