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![]() Abbildung 1: Kings Haus |
Er beginnt mit dem Schreiben von Kurzgeschichten. Von sich selbst sagt er:
“[…] I was made to write stories and I love to write stories. That's why I do it. I really can't imagine doing anything else and I can't imagine not doing what I do.
Doch zunächst vermag seine Kunst nicht ihn und seine Familie zu ernähren. Daher muss King zunächst als Englischlehrer an der Hampton Public High School in Maine unterrichten.
1974 veröffentlicht er seinen erstes großes Werk, den Roman Carrie, jene Geschichte, die sich dem Schicksal eines Mädchens widmet, welches durch den religiös bedingten Fanatismus ihrer Mutter in eine Psychose flieht, die verheerende Folgen nach sich zieht. Der Roman wird ein voller Erfolg und bereits zwei Jahre nach seiner Publikation unter der Regie von Brian de Palma und in der Hauptrolle mit Sissy Spacek verfilmt. King hat später in seiner Autobiographie „Das Leben und das Schreiben“ offenbart, dass er selbst von Carrie derart enttäuscht gewesen sei, dass er das Manuskript in den Mülleimer befördert habe, woraufhin seine Frau Tabitha dieses wieder hervor geklaubt und ihn darin bestärkt habe es einzusenden und abzuwarten, was passiere.
![]() Abbildung 2: Press Photo © 2006 Amy Guip |
Nach diesem grandiosen Erfolg, der ihm unter anderem auch den inneren „Reichsparteitag“ beschert hat, dass jener Verlag, der zuvor zwei seiner Werke, nämlich „Todesmarsch“ und „Menschenjagd“ abgelehnt hatte, die Rechte an Carrie gekauft hatte und er sie auf diese Art und Weise von seinem Können zusätzlich hatte überzeugen können, beendet King seine pädagogische Laufbahn.
Weitere Romane folgen seinem Erstlingswerk, so werden „Brennen muß Salem“ und kurze Zeit später Shining zu Bestsellern, die sich in die Alpträume der Leser weltweit hineinschleichen und die Faszination des Gruselns zusätzlich schüren. Mit der Veröffentlichung von Shining im Jahre 1977 und der Verfilmung mit Jack Nicholson als axtschwingenden Psychopaten Jack Torrance in der Hauptrolle unter der Regie des Hollywoodgurus Stanley Kubrik, hat Stephen King endgültig den Olymp der Weltliteratur erstürmt, auch wenn oftmals seine Arbeiten als „undisciplined and inelegant“ ab klassifiziert worden sind, so konnte Stephen King auch nach Shining noch unzählige Male sein Genie unter Beweis stellen und die Welt davon überzeugen, daß er „a talented storyteller“ ist „ whose books gain their effect from realistic detail, forceful plotting, and the author’s undoubted ability to involve and scare the reader“. Denn wer will bestreiten, dass ihm oder ihr nicht auch der eiskalte Schauer über den Rücken gelaufen ist, als Jack Torrance mit einer Axt bewaffnet schleichend dem Wahnsinn verfallend seiner Familie in einem gottverlassenen eingeschneiten Hotel am Rande der Ewigkeit nachstellt und so manche Situation heraufbeschwört, die mehr als nur eine Nervensaite anzuklingen vermag.
Stephen King ist ein Mann der Extreme, extrem talentiert, extrem erfolgreich, aber auch extrem durch geknallt, würden nicht nur seine Kritiker von ihm behaupten. Ein Mensch, der eine solche Phantasie hat, kann auch nicht wirklich ganz dem entsprechen, was man allgemeinhin als „normal“ bezeichnen würde.
Im Jahr 1996 stellte King einen Literaturrekord auf, indem sechs seiner Bücher zur gleichen Zeit die Hitlisten der Buchhandlungen im Sturm erobert hatten. Damit krönte er sozusagen seine bisherige Karriere, die vor allem darin bestand, dass alle Bücher aus seiner Feder auf den Bestsellerlisten der Welt Einzug gehalten hatten.
Auch unter dem Pseudonym Richard Bachmann machte er sich einen Namen und wurde somit selbst zum Pseudonym für Horrorliteratur der Oberklasse und ein wesentlicher Garant für ein gleichbleibendes Maß an diesbezüglicher Spitzenqualität. Das Pseudonym hatte sich King zunächst nur aus einem Grund zugelegt, er wollte nach den Erfolgen seiner ersten Romane herausfinden, ob seine Bücher nur wegen des Namens oder wegen ihrer inhaltlichen Qualität gekauft würden. Der Erfolg der Bachmannveröffentlichungen zeigte ihm, dass letzteres der Fall war, doch nachdem bekannt wurde, wer sich hinter dem Pseudonym verbarg, schossen die Verkaufszahlen der Richard Bachmann Veröffentlichungen zusätzlich in die Höhe.
Lange Jahre behielt King einen kontinuierlichen Rhythmus bei und veröffentlichte jedes Jahr mindestens ein Buch. Mit diesem sprichwörtlichen Bienenfleiß, oder sollte man in seinem Falle eher von einer Besessenheit sprechen, hat er sich ein beachtliches Vermögen zusammengeschrieben. Sein Jahreseinkommen wird auf 40 Millionen Dollar geschätzt und doch scheint er sich selbst treu geblieben und auf dem Boden der Realität geblieben zu sein. Als typischer Mittelklasseamerikaner lebt er mit seiner Familie in Bangor/ Maine.
Doch das Leben des Stephen King ist mitnichten eine reine Erfolgsgeschichte amerikanischen Traumvorbilds. Es gab auch eher negative Facetten dieser mustergültigen Karriere. So kam es 1985 zu einem tiefen Absturz Kings in die Drogen- und Alkoholabhängigkeit, aus der er sich nur mühsam unter Mithilfe seiner Familie und seinen Freunde heraus kämpfen konnte.
Am 19. Juni 1999 meinte es das Schicksal erneut nicht so gut mit King, denn während eines Spaziergangs wurde Stephen von einem Kleinbus erfasst und erlitt schwerste Verletzungen. Bryan Smith hieß der unglückselige Fahrer des Unfallwagens, war zur Zeit des Unfalls betrunken gewesen. King wurde von der lokalen Presse zunächst für tot erklärt, jedoch lag er effektiv drei Wochen in der Klinik und konnte während dieser Zeit der Rekonvaleszenz sogar seinen Roman „Dreamcatcher“ schreiben. Jahre später erwarb King das Unfallfahrzeug, was ihm beinahe sein Leben genommen hatte und zerstörte es in einem rituellen Akt, um es endgültig als eine potentielle Gefahr aus dem Verkehr zu ziehen.
Der Fahrer, Bryan Smith, trug noch unfreiwillig zu einigen Gerüchten um Stephen Kings Person bei, denn Smith verstarb genau am Tage des 53. Geburtstages von Stephen King. Gerade Stephen Kings Fangemeinde lechzte nach so viel Mystifikation um ihren Liebling und bauschten die ganze Sache derart auf, dass King selbst dieser Tatsache einen Teil seines literarischen Werkes widmete, indem er Bryan Smith und den Umstand seines Todes in dem Roman „Der Turm“ erwähnt.
Dass seine Fangemeinde nicht immer nur ein Segen für King war, musste er mehrmals im Zuge seiner Karriere feststellen und nicht nur in solch einer harmlosen Angelegenheit, wie der oben beschriebenen. 1991 beispielsweise wurde er aufs härteste von einem weiblichen Fan verbal attackiert, die ihn des Plagiats bezichtigte. Physischer jedoch waren die Handlungen des Fans Eric Keene, der in Kings Haus einbrach und dessen Frau Tabitha bedrohte. Diese und andere Erlebnisse hat Stephen King in vielen seiner Bücher verarbeitet, am eindrucksvollsten aber wohl in seinem Roman „Sie“, indem beschrieben wird, wie ein fanatischer Fan ihr literarisches Idol gefangen hält, um den Autor dazu zu zwingen seine Geschichte nach ihren Wünschen fortzusetzen. Sollte er ihrem Wunsch nicht Folge leisten, so droht ihm ein unvorstellbar grausames Schicksal.
Obwohl Stephen King sich nie wirklich von den Folgen des Autounfalls erholt hat und in Folge der Nachwirkung mit schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, weshalb er 2002 auch offiziell verkündet hatte, sich vom Schreiben zurückzuziehen, konnte er es doch nicht lassen und er erfreut auch heute noch mit seiner gewohnten Art die menschliche Psyche auf eine harte Probe zu stellen.
Lange Zeit hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass sich Stephen King vor allem wegen einer schleichenden Erblindung von seinem Beruf oder sollte man in seinem Falle gar von einer Berufung sprechen, zurückziehe. Auf seiner offiziellen Page äußert sich der Autor zu dieser Frage selbst:
No, I'm not. I have a predisposition--and it's a genetic thing--to macular degeneration and that's a disease you can read about on the internet. It eventually results in blind spots and a loss of vision but I don't have any of the symptoms yet-just that predisposition and I think it's something that I may have to face in the future, but, no, I'm not going blind.
So bleibt seiner Fangemeinde nur zu hoffen, dass sich die Disposition nicht in Bälde zu einer wirklich fortschreitenden Erblindung auswächst, auf dass uns King noch viele seiner Geschichten offenbaren kann.
Unterdessen umfasst sein Gesamtwerk mehr als fünfzig Romane, über 160 Kurzgeschichten und zahlreiche Novellen und Drehbücher. Die Zahl der Ehrungen und Preise, die er dank seines Talents zusammengeschrieben hat, lassen sich kaum noch ausmachen. Seine Schaffenskraft und die damit verbundene Popularität haben dazu beigetragen, dass mittlerweile mehr Bücher über den Meister des Horros geschrieben worden sind, als er selbst hat schreiben können. Dennoch ist auch er nicht frei von kritischen Angriffen der sogenannten Literaturexperten. So werfen ihm einige Kritik vor, sein Talent, den Menschen den blanken Horror in die Glieder fahren zu lassen, sei nur mäßig ausgeprägt, seine Erzählweise sei zu langatmig und somit unerträglich langweilig, doch zeichnet der Erfolg am Markt ein anderes Bild.
Während Stephen King sich selbst an Werken von so bekannten Autoren wie Robert Browning, Edgar Allan Poe, H.P. Lovecraft und Tolkien orientierte, ist er längst selbst zum lebenden Vorbild für Generationen aufstrebender Autoren geworden.
Das Leben und Wirken des Stephen King ist derartig vielschichtig, dass selbst eine umfassende Biographie seiner Person nicht gerecht werden könnte, daher will dieser kurze Abriss über seine Biographie diesen hehren Versuch nicht einmal in Ansätzen wagen und erhebt daher auch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.
Die die Anzahl seiner geschriebenen Bücher und Kurzgeschichten derartig umfangreich ist, habe ich nur einige wenige ausgewählt, die ich exemplarisch für sein Gesamtwerk kurz vorstellen möchte. Denjenigen, die gedenken dem Autor Stephen King noch mehr ihrer ungeteilten Aufmerksamkeit zu widmen, sei die Stephen King Wiki anempfohlen, ein Portal im Wikipediaformat, welches in deutscher Sprache nicht nur umfassende Informationen zur Person Stephen Kings bereithält, sondern vor allem eine Auflistung seiner Werke, mit Links zu entsprechenden Detailseiten bietet, auf denen man sich bis ins kleinste Detail über Teilaspekte seiner Romane, Kurzgeschichten etc. informieren kann. Allemal einen Besuch wert.
Doch ehe ich mich den von mir exemplarisch ausgewählten Werken Kings zuwenden möchte, lasse man mich bitte noch einige Zeilen über den von ihn verkörperten und ausgelebten Schreibstil verlieren.
![]() Abbildung 3: Autobiographie, http://bodmas.org/blog/category/ntk/ |
King selbst hat sehr ausführlich diese Frage im Rahmen seines Buches „On writing“ erörtert und hierbei festgestellt, dass eine gut geschriebene Geschichte aus seiner Sicht nicht etwas sei, was man im Vorhinein bis ins letzte Detail planen könne, vielmehr sei der Grundstock für eine Geschichte eine beliebige Begebenheit, die auf fruchtbaren Boden falle und sich dort im Zuge des Schreibens entwickeln würde. An anderer Stelle hat King einmal konstatiert, dass er als Autor ähnlich arbeite wie ein Paläontologe. So seien die Geschichten bereits im Urgestein des Geistes fossiliengleich vorhanden und seine Aufgabe als Autor bestünde lediglich darin diese Zeugnisse schichtweise freizulegen und einer breiten Öffentlichkeit zu offenbaren.
Auch wenn er demnach nicht geplant und gezielt schreibt, sondern das zu Papier bringt, was sein Unterbewusstsein zu Tage fördert, so ist sein Gesamtstil dennoch nicht nur kunstfertig, sondern vor allem akribisch, soweit es seine detailreichen Beschreibungen von alltäglichen Dingen, in denen etwas Wahnwitziges zu schlummern scheint, betrifft.
Oftmals fragt man sich, woher dieser Mann seine Ideen nimmt, auf seiner eigenen Webpage äußert sich Stephen King zu dieser Frage, indem er sagt:
„I get my ideas from everywhere. But what all of my ideas boil down to is seeing maybe one thing, but in a lot of cases it's seeing two things and having them come together in some new and interesting way, and then adding the question 'What if?' 'What if' is always the key question.
Eine recht profane Antwort auf eine so brennende Frage, denn gerade bei diesem Autor, der von sich selbst behauptet haben soll, dass er schreiben müsse, damit er keine Morde begehe; wahrscheinlich wegen der vielen abstrusen Einfälle, die er in seinen Büchern verarbeitet, würde man eine fantastischere Antwort auf die Frage nach seiner Inspiration erwarten.
Sein Spiel mit den Ängsten seiner Protagonisten ist so durchschnittlich alltäglich und damit für den Durchschnittsmenschen umso realitätsnaher, dass aus einem literarischen Reigen mit den Urängsten seiner Figuren, letztlich ein makaberer Totentanz mit Gänsehauteffekt bei seinen Lesern entsteht.
Da seine Figuren nicht selten Allerweltsmenschen sind, die dem alltäglichen und nicht übernatürlichen Wahnsinn verfallen, wie beispielsweise in Shining, wird seine subtile Form des Horrors umso kompromissloser, da man sich kaum ihrer Faszination entziehen kann.
Allerdings ist seine Art zu schreiben auch oftmals etwas gewöhnungsbedürftig und man muss sich als unbeleckter Neuleser zunächst an seinen ständigen Tempus- und Szenenwechsel gewöhnen, die ein Zurechtfinden, gerade nach längeren Lesepausen erschweren. Wobei dem entgegengehalten werden kann, dass wenn man einmal einen King in die Hand genommen hat, dann legt man ihn nicht mehr so schnell aus der Hand.
Um das Faszinosum der Welt des Stephen King noch zusätzlich zu forcieren, habe ich nun folgende exemplarische Werke herausgesucht, die ich nachfolgend detaillierter zu beschreiben beabsichtige.
Carrie
Shining
Schwarz
Friedhof der Kuscheltiere
ES
SIE
Wahn
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Seine Bücher
Carrie 1974
Abbildung 4: Filmplakat, www.allmoviezone.com
Erschienen 1974 verfilmt 1976 unter Regie von Brian De Palma und in der Hauptrolle mit Sissy Spacek sowie John Travolta.
Carrie White ist die Hauptprotagonistin des gleichnamigen Romans von Stephen King. Das junge Mädchen wächst unter der Obhut ihrer religiös fanatischen Mutter in der US-Kleinstadt Chamberlain auf. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, da er noch vor ihrer Geburt auf einer Baustelle ums Leben gekommen ist.
Schon als Kleinstkind offenbaren sich Carries besondere Fähigkeiten. Mit Hilfe von Telekinetik lässt die Dreijährige einen Steinregen auf ihr Elternhaus herabregnen. Ab diesem Zeitpunkt wird Carrie von ihrer eigenen Mutter in religiös fanatisch übersteigertem Wahn verfolgt, kann sich jedoch, nach und nach, nachdem sie sich im Teenageralter ihrer besonderen Fähigkeiten bewusst geworden ist, gegen die Mutter, die ihr gar nach dem Leben trachtet, behaupten.
Ihr Reifungsprozess vom Kind zur Frau, wirft Carrie vollends aus der Bahn, nicht zuletzt, da die Mutter ihr keinerlei Verständnis entgegenbringt und ihr die Veränderungen des eigenen Körpers plausibel macht (Carrie bekommt ihre erste Periode, vor der sie sich fürchtet, weshalb sie von reiferen und weniger religiös infiltrierten Mitschülerinnen ausgelacht wird), sondern vielmehr die Sündhaftigkeit Carries dieser schonungslos vorhält.
Doch findet Carrie in einer wohlgesonnenen Lehrerin einen Mutterersatz, die ihr die Angst vor der eigenen Reife nimmt. Carrie entwickelt daraufhin ein Mindestmaß an Selbstbewusstsein, was letztendlich dazu führt, dass sie zusammen mit einem Schüler, Tommy, auf den örtlichen Frühlingsball geht und dort gar zusammen mit ihrem Begleiter zum König und der Königin des Balls gekürt wird. Die Freude hierüber währt jedoch nicht lang, da sich einige Halbstarke des Ortes in den Kopf gesetzt haben, Carrie in aller Öffentlichkeit bloßzustellen, indem sie einen Eimer Schweineblut über sie aus zu gießen gedenken. Chris Hargensen, ist jene Figur, die den Stein ins Rollen bringt.
Zunächst flieht Carrie, blutbesudelt und will sich verstecken, doch dann reift ihn ihr ein grausamer Racheplan. Ihre telekinetischen Fähigkeiten ausnutzend kehrt sie zurück und richtet ein Inferno an ihrer Schule an, dem bis auf 12 Personen alle anderen Anwesenden zum Opfer fallen. Auf dem Weg zu ihrer Mutter verwüstet Carrie ganze Straßenzüge. Carrie hegt nun auch den Gedanken ihre Mutter zu töten, doch diese versucht ihr zuvorzukommen und sticht ihr unbeholfen in die Schulter, worauf Carrie das Herz der Mutter telekinetisch zum Stillstand bringt.
Wenig später wird Carrie von einer Mitschülerin, Sue Snell, die ihr stets wohlgesonnen war und die sogar den Rachefeldzuge Carries verstehen kann, im Sterben liegend gefunden.
Auch wenn Telekinese der Hauptgegenstand der Geschichte Carrie ist, so erwächst ihr eigentlicher Horror vielmehr aus der Gesamtsituation, in der sich Carrie befindet. Von ihrer eigenen Mutter gegeißelt und zurückgestoßen, findet diese geschundene menschliche Seele nicht einmal Zuflucht bei ihrer sonstigen Umgebung. Nur schwer fasst sie Vertrauen zu der Welt, die sie umgibt und dieses Vertrauen, welches auf allzu tönernen Füßen steht, wird in einem Maße missbraucht, so dass sich die Qualen ihrer Seele in einem Ausbruch übermenschlichen und übersinnlichen Zorns entladen. Die Faszination steckt hier im Alltäglichen der Umwelt, in der Carrie heranwächst, so dass man als Leser nicht umhin kann, Parallelen zur eigenen Realität zumindest angedeutet zu finden.
Shining 1977
Abbildung 5: Filmcover, www.allmoviezone.com
Der psychisch labile und leicht heruntergekommene Intellektuelle Jack Torrance hat sich als Hausmeister für ein in den Wintermonaten geschlossenes Hotel namens Overlook beworben und erhält diese wenig reizvolle Stelle. In der Abgeschiedenheit der winterlichen Bergregion Colorados soll Jack zusammen mit seiner Frau Wendy und dem fünfjährigen Sohn Danny das gottverlassene Hotel hüten, bis im Frühjahr wieder der Betrieb für die nächste Saison allmählich anlaufen kann.
Schon recht bald werden die drei Bewohner des Hotels Zeuge einiger Merkwürdigkeiten, die sich an diesem Ort abzuspielen scheinen. Vor allem der kleine Danny, der das „Shining“ besitzt, also die Fähigkeit das Böse und Übernatürliche zu spüren und zu sehen, merkt, dass dieser Ort viele schreckliche Geheimnisse birgt.
Anfangs ist es lediglich ein Fahrstuhl, der sich scheinbar grundlos in Bewegung setzt und zunächst vermag Jack Torrance sich und seine Familie davon zu überzeugen, dass alles eine plausible Erklärung hat, doch je länger der Aufenthalt währt, die Ereignisse sich häufen; so scheinen Partys in den Räumen gefeiert zu werden, da man des Nachts Musik hört; und Jack immer mehr an einer Psychose, die in direkter Verbindung mit seiner Schreibblockade als Autor steht, zu leiden beginnt, die er im Alkohol zu ertränken versucht, beginnen seine Erklärungen ins Wanken zu geraten. Er verfällt dem Bösen, welches an diesem Ort zu hausen scheint.
Das Hotel hat im Laufe seiner Existenz viele Schicksale und teilweise grausame Szenen erlaubt, so schwebt lange Zeit die Ungewissheit um das Schicksal des vorigen Hausmeisters wie ein Damoklesschwert im Raum und bemächtigt sich unheilvoll der Phantasie aller Beteiligten. Die Lage spitzt sich immer weiter zu und entlädt sich in einer Katastrophe, die menschliche Abgründe auftut, in denen der Leser schier zu ertrinken droht.
Stanley Kubriks Verfilmung in der Hauptrolle mit Jack Nicholson besetzt, gibt den Stoff des Buches erschreckend authentisch wieder. Die schauspielerische Leistung des Hauptdarstellers darf hierbei auf keinen Fall unterbewertet werden, denn die Rolle des Jack Torrance scheint Nicolson wie auf den Leib geschrieben zu sein und der Wahnsinn, in den Augen des Schauspielers wirkt so echt, dass man als Zuschauer von der Furcht ergriffen wird, ebenso diesem Wahn, der aus ihnen hervor sprüht zu verfallen.
Schwarz 1982
Abbildung 6: www.stephen-king.org
Schwarz ist der Auftakt zu Stephen Kings Heptalogie (hepta „sieben“)
Der Revolvermann Roland Deschain macht sich auf die Suche nach dem Dunklen Turm, jenen Ort, an dem alle Energie des Universums gebündelt zu sein scheint und von dem aus seit geraumer Zeit unheilvolle Entwicklungen für alles, was von dieser Energie abhängig ist, auszugehen scheint.
Bei seiner Suche könnte ihm der „Mann in Schwarz“ behilflich, doch dieser setzt seine magischen Fähigkeiten dafür ein, Roland tückische Fallen zu stellen. So lässt der Mann in Schwarz das Dorf Tull in einen religiös motivierten Wahn verfallen, so dass Deschain keine andere Wahl bleibt, alles alles und jeden in diesem Dorf zu vernichten, um nach diesem Massaker weiterziehen zu können.
Auf seinem weiteren Weg stolpert Roland über einen Jungen namens Jake, der in seinem vorherigen Leben in New York City gestorben ist und den es wundersamerweise in Rolands Wüstenwelt verschlagen hat. Roland nimmt sich des Jungen an, ahnt jedoch nicht, dass dieser Teil einer weiteren tödlichen Falle des Manns in Schwarz ist.
Bei ihrer weiteren gemeinsamen Suche stoßen Roland und Jake auf ein Orakel, welches den Jungen in seinen Bann zu ziehen vermag, doch Roland kann den Kleinen vor dem sicheren Verderben retten. Um jedoch etwas über seine eigene Zukunft zu erfahren, lässt sich Roland darauf ein mit dem Orakel ein sexuelles Ritual zu durchlaufen, welches er nur Dank der Einnahme einer Droge zu überstehen vermag.
Hiernach setzen Roland und Jake ihre Reise fort, begegnen in den Bergen auf die sogenannten Langsamen Mutanten und entdecken ein in den Tiefen des Berges verborgenes Monument. Hier scheint die Spur des Manns in Schwarz gegenwärtiger denn je zu sein und so kommt es dann auch hier, an diesem Ort in der Tiefe des Felsens zu einer Entscheidung. Roland muss sich entscheiden, ob er das Geheimnis des Dunklen Turms und des Manns in Schwarz lüften will oder stattdessen das Leben des Jungen Jake bewahren. Er opfert den Jungen und es kommt zu einer Unterredung mit dem Mann in Schwarz. Dieser ist nicht nur ein Zauberer, vielmehr ist er Rolands eigener Dämon. Der Mann in Schwarz, der sich selbst als Walter bezeichnet, offenbart Roland, dass er gemeinsam mit einem anderen mächtigen Zauberer namens Maerlyn den Tod von Deschains Vater zu verantworten habe. Walter zieht für Roland drei Karten aus einem Tarotkartensatz, die symbolisch für die drei Gefährten Rolands auf dessen Suche nach dem Dunklen Turm stehen sollen. Darüber hinaus lüftet er einige Geheimnisse um den sagenumwobenen Dunklen Turm, die allerdings mehr Fragen, denn Antworten aufbieten.
Roland schläft zum Ende des Gesprächs ein und erwacht Jahrzehnte später und erkennt, dass sein Gesprächspartner, der Mann in Schwarz bereits zu Staub zerfallen ist und seine eigene Suche noch längst nicht an ihr Ende gelangt ist.
Die Bände Drei (1987), Tot (1991), Glas (1997), Wolfsmond (2003), Susannah (2004) und Der Turm (2004) komplettieren die Heptalogie.
Friedhof der Kuscheltiere 1983
Abbildung 7: Filmcover, www.schnittberichte.com
Das wohl mit Abstand bekannteste und bisher auch kommerziell erfolgreichste Buch Stephen Kings ist „Friedhof der Kuscheltiere“. Hierbei versetzt King den Leser in die scheinbare Idylle der Familie Creed, die erst kurz zuvor in die Stadt Maine gezogen sind, da das Familienoberhaupt, Dr. Louis Creed den Posten als Leiter der Krankenstation der Universität Maine übernommen hat. Sehr schnell beginnt die Familie in dem „fiktiven“ Ort Ludlow Fuß zu fassen und ein freundschaftliches Verhältnis zu dem Nachbarn Jud Crandall aufzubauen. Crandall berichtet der Familie viel wissenswertes über Ludlow und vor allem über den nahegelegenen Tierfriedhof.
Schon sehr bald wird Louis Creed mit einem schockierenden Erlebnis an seiner neuen Wirkungsstätte konfrontiert. Der Student Victor Pascow kommt buchstäblich unter die Räder. Beim Joggen wird er von einem Lastwagen angefahren. Im Sterben liegend warnt Pascow den Arzt vor dem Tierfriedhof.
Während Louis Frau, Rahel, zusammen mit den beiden Kindern Ellie und Gage bei ihren Eltern weilt, wird der Familienkater auf der gleichen Straße überfahren, wie zuvor der Student. Um dem Kater eine würdige letzte Ruhe zu gewähren, beerdigen der Nachbar Jud und Louis gemeinsam den Kater auf dem Tierfriedhof. Doch nicht direkt auf dem Friedhof, sondern auf einem verborgenen Felsplateau in der Nähe wird der Kater letztendlich beigesetzt, es handelt sich hierbei um einen speziellen Friedhof der Micmac-Indianer. Zu Louis Verwunderung kehrt der Kater am nächsten Tag von den Toten zurück, doch die Freude über seine wundersame Wiederkehr wird von einem penetranten Geruch und einer Wesensveränderung, die das Tier aufweist, überschattet.
Nach der Rückkehr seiner Frau zusammen mit den Kindern, trifft Louis Creed ein schwerer Schicksalsschlag, denn Gage wird ebenfalls auf der nahegelegenen Route 15 überfahren und entgegen aller Warnungen, die Jud, der Nachbar, verlauten lässt, beerdigt Louis sein Kind an jener Stelle, wo auch der Kater seine „nicht wirklich letzte Ruhestätte“ gefunden hatte.
ES 1986
Abbildung 8: Filmcover, www.weltbild.de
Die Kleinstadt Derry, wiederum im Bundesstaat Maine, ist der Ort der Handlung des Romans von Stephen King, der den unprätentiösen Titel „ES“ trägt. Die Freunde Bill, Mike, Ben. Beverly, Stan, Richie, Eddie lernen sich im Alter von 11 Jahren kennen und bilden, aufgrund einer Gemeinsamkeit, die sie alle verbindet; nämlich jeder von ihnen besitzt einen Makel; den Klub der Verlierer und versuchen sich mit diesem Zusammenschluss gegen die Hänseleien ihrer Altersgenossen aus dem Ort zur Wehr zu setzen. Besonders Henry Bowers, ein sehr aggressiver Junge macht den sieben Freunden sehr zu schaffen, vor allem als Henry beginnt mehr als nur prügeln zu wollen.
Gleichzeitig zieht aber ein düsterer Schatten über dem Ort auf, denn kurz hintereinander werden mehrere Kinder in der Stadt ermordet. Da eines der Opfer Bills Bruder Georgie gewesen ist, stellen die Freunde Nachforschungen an, in derem Zuge sie herausfinden, dass in einem wiederkehrenden Zyklus von 27 Jahren immer Katastrophen in Derry passieren. Sie setzen sich auf die Spur des Grauens und stoßen dabei auf ES. ES haust in der Kanalisation von Derry und seine Besonderheit besteht darin, dass ES die Gestalt dessen annehmen kann, vor dem sich sein jeweiliges Opfer am meisten fürchtet. Gewöhnlich jedoch erscheint ES in der Gestalt des Clowns Pennywise.
Die sieben Freunde stellen sich der Kreatur und glauben ES im Zuge eines Kampfes besiegt zu haben. Nachdem die Gefahr gebannt zu sein scheint, beginnen die sieben Freunde ihr jeweiliges eigenes Leben. Sie werden erwachsen und in ihrem Beruf erfolgreich. Ihre Kindheit und das Erlebte versuchen sie zu verdrängen, nur Mike hält als Leiter der Stadtbibliothek an seinen Erinnerungen fest und als Jahre Später, 1985, ES wieder auftaucht benachrichtigt er die Freunde von einst und ersucht sie, ihm im Kampfe beizustehen. Seinem Aufruf folgen alle, bis auf Stan, der sich direkt nach Mikes Anruf in seiner Badewanne umgebracht hat.
SIE 1987
Abbildung 9: Filmcover, www.allmoviezone.com
In diesem Roman entführt uns Stephen King einmal mehr in die verschneiten Berge Colorados. Der Erfolgsautor Paul Sheldon ist auf dem Weg in seine Schreibklausur, denn immer wenn er an einem neuen Werk zu arbeiten gedenkt, sucht er die Ruhe der verschneiten Bergwelt. Gerade erst hat er die Hauptprotagonisten seiner Misery Chastain Serie sterben lassen und sich somit von dieser, von ihm als Last empfundenen literarischen Bürde befreit und will seine Klausur als Möglichkeit zum Schreiben eines neuen Romans nutzen. Doch er kommt an seinem Ziel nicht an, da er mit seinem PKW verunglückt.
Die gelernte Krankenschwester Annie Wilkes, die in dieser Einöde lebt, findet den bewusstlosen Mann und nimmt sich seiner an. Da sie keine Hilfe holen kann, bringt sie ihn in ihr Haus und beginnt ihn zu pflegen. Zunächst scheint alles eitel Sonnenschein zu sein und Paul Sheldon beginnt sich wunderbar zu regenerieren. Die Stimmung schlägt jedoch jäh um, nachdem Annie Wilkes den neuesten Misery Chastain Roman aus Sheldons Feder zu lesen bekommt, denn Annie Wilkes ist nicht nur Sheldons größter Fan, sondern derartig von Misery besessen, dass sie den Autor zwingt ihr Idol nicht sterben zu lassen, sondern ihr persönlich eine eigene Ausgabe zu schreiben. Sheldon muss aufgrund physischer Gewaltandrohung und deren Anwendung einwilligen. Für ihn spitzt sich die Situation jedoch zusätzlich zu, nachdem er herausgefunden hat, dass Annie Wilkes nicht nur ein fanatischer Fan ist, sondern auch eine Serienmörderin ist , deren Androhung ein Beil im Garten für ihn Sheldon bereitliegen zu haben, durch diesen Umstand eine grauenerregende Bedrohlichkeit zukommt.
Wahn 2008
Abbildung 10: Cover, www.buecher.de
Der Baulöwe und Multimillionär Edgar Freemantle wird durch einen Unfall mit einem zurücksetzenden Kran derartig zwischen diesem und einem Pickup eingeklemmt, dass er diverse schwerwiegende Brüche erleidet und sogar seinen rechten Arm verliert. Die Rekonvalesenz verläuft nicht wunschgemäß. Edgar wird aggressiv, so dass Wutausbrüche an der Tagesordnung sind. Während eines solchen unkontrollierten Ausbruchs bedroht er seine Frau mit einem Plastikmesser, worauf diese umgehend nach fünfundzwanzig Jahre währender Ehe die Scheidung einreicht.
Sein Psychiater verordnet Freemantle einen Ortswechsel, worauf hin er nach Duma Key, einer kleinen Insel in der Nähe der Küste Floridas zieht. Er mietet ein Haus und widmet sich der Kunst. Durch Zeichnen versucht er die Albträume auszusperren und zieht sich immer mehr in seine Kunstwelt zurück.
Während seines Schaffens lichten sich allmählich einige der dichten Schleier, die über dem Ort liegen, der vor allem von der Familiegeschichte der Elizabeth Eastlake genährt wird, der die meisten Immobilien des Ortes gehören. Edgars Malkünste beginnen von einer nicht zu benennenden Macht inspiriert und beherrscht zu werden, so dass er selbst nicht mehr weiß, welche Werke seiner wirklich eigenen Inspiration erwachsen sind. Als dann mit einem Male die Geister aus der Kindheit seiner Vermieterin, Elisabeth Eastlake, auftauchen und Besitz von ihm und seinem Wirken ergreifen, wird die bis dato bereits unheimlich anmutende Situation schaurig überhöht.
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Mit der vorliegenden Darstellung der sieben von mir ausgewählten Romane Stephen Kings hoffe ich all denjenigen Lesern das Werk des Autors nähergebracht zu haben, die bisher nur wenig mit ihm in Berührung gekommen sind. Ich möchte es vor allem nicht versäumen, den interessierten Leser dazu einzuladen, die im Anhang befindlichen Quellenverweis auszunutzen und sich besonders der Stephen King Wikipedia zuzuwenden, da gerade diese wertvolle Informationen nicht nur zu dem Leben des Autors bereithält, sondern vor allem über Personen, Orte, Begebenheit etc. aus seinen Büchern.
Ich selbst war nie ein besonderer Freund Stephen Kings und habe daher lange Zeit sein Werk und seine Person lediglich durch den Nebel von Gerüchten und sogenannten selbsternannten Expertenaussagen betrachtet. Im Zuge meiner Recherchen zu diesem Beitrag hat sich mir jedoch ein anderes Bild erschlossen, welches nicht nur mein Interesse an der Inspiration und dem Leben dieses bemerkenswerten Mannes geweckt hat, sondern vor allem auch an seinem Werk, selbst wenn ich zugeben muss, dass Horror nicht unbedingt zu meinen Favoriten zählt.
Sein Stil mag gewöhnungsbedürftig sein und auch die Auswahl seiner „Themen“ wird sicher nicht jeden Geschmack treffen und für manchen allzu verworren sein, doch gerade darin liegt der besondere Reiz eines echten Stephen King Romans.
Er hat Horrorfiktionsgeschichte geschrieben und dem Genre zu neuer Blüte verholfen. Dank seines Werkes wurde der Grusel über die Grenzen von Poltergeistern, Vampiren und Dämonen emporgehoben und durch mancherlei alltäglichen und allzu menschlichen Wahnsinn ergänzt und damit hat er sich und seine Arbeit in mancherlei Hinsicht unsterblich werden lassen.
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Quellen:
Bildernachweise:
© Florian Kayser