Sie sind hier: Startseite - Literatur - Geisterwelten - Hexe, Werwolf und Vampir


Geisterwelten

Hexe, Werwolf und Vampir

Mystische Sagen und Legenden aus Thüringen

In all den Jahren ihrer Existenz sind die Wesen der Nacht so nach und nach in Vergessenheit geraten. Doch nicht zuletzt riefen die Romane von Anne Rice und anderer Autoren sie in unser Gedächtnis zurück. Im Aberglauben und in der Tradition vieler Länder Europas nahmen die Geschöpfe der Nacht wie Hexen, Werwölfe und Vampire einen gewichtigen Platz ein. Sie waren Mittel zum Zweck, um einen Sündenbock für plötzlich auftretende und unerklärliche Krankheiten oder Missernten benennen und ihn bestrafen zu können.
Besonders im Mittelalter glaubte die Menschen daran, dass sie von höheren Kräften umgeben seien. Doch lag es daran, dass sich zu jener Zeit der Bildungsstand auf einem niedrigen Niveau befand. Wie sollte man für uns heute allgemein verständliche Dinge wie zum Beispiel das Zusammenspiel der Jahreszeiten, Naturgesetze und -gewalten richtig deuten und erklären?
Die Menschen beriefen sich auf Überlieferungen, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Die Geschichten über Magie, Wunder und Zauber reichen bis in unsere heutige Zeit, so auch Geschichte über Hexen, Zauberer, Werwölfe und Vampire.

In dem vorliegenden Buch Hexe, Werwolf und Vampir nehmen Steffen Grosser und Verleger und Autor Michael Kirchschlager den Leser auf eine kleine Zeitreise in die Welt der Mythen, Sagen und Legenden Thüringens mit. Unter anderem geht es zum Teufelsbad. Vom diesen erzählen sich die Umwohner des Schneekopfs eine Menge Märchen, welche an die Rübezahlgeschichten des Riesengebirges erinnern. Unterhalb des Gipfels des Schneekopfes, welcher seinen Namen aufgrund des lange darauf liegenbleibenden Schnees von der Schneekoppe im Riesengebirge erhielt, befinden sich weit und breit verrufene Sumpfstellen. Verirrt man sich in diesem Gebiet, findet man sich nicht so schnell wieder heraus, besonders dann nicht, wenn der Geist des Gebirges die ganze Gegend in Nebelschleier hüllt. Am gefährlichsten ist das Teufelsbad. Wer dort hineinfällt, ist rettungslos verloren. Viele Sagen erzählt man sich darüber, so unter anderem, dass ein leichter Gegenstand, welchen man in das Teufelsbad warf, in einem Arnstädter Brunnen wieder auftauchte. Als Blut in das Teufelsbad gegossen wurde, quoll dieses in Mäbendorf (heute ein Ortsteil von Suhl) aus einem Felsbrunnen hervor. Liegt es am Teufel, der sich darin badet? Oder liegt es an den Geistern, welche in den einsamen bewaldeten Höhen ihr Unwesen treiben? Und was hat es mit dem Hecktaler auf sich? Lassen wir uns vom Schriftsteller, Bibliothekar und Archivar Ludwig Bechstein an dieser Stelle etwas über das Teufelsbad erzählen:

Eines Abends begab sich ein armer Bergmann nach seinem Tagwerk auf den Heimweg. Unterwegs begegnete ihm ein großer stattlicher Reitersmann, in einen roten Mantel gehüllt. Dieser fragte ihn, ob er ihm gegen ein gutes Trinkgeld den Weg auf den Schneekopf und zu den Teufelskreisen zeigen könnte. Da der Bergmann ein Zubrot gut gebrauchen konnte, willigte er ein und begleitete den Fremden. Bei den Teufelskreisen angekommen, ließ sich der Reiter an den größten führen, stieg vom Roß und gab dem Bergmann die Zügel, um sein Ross zu halten. Danach breitete er seinen Mantel auf der Erde aus und sprach zum Bergmann, dass dieser auf ihn warten und darauf achten sollte, ob sich das Wasser blutrot färben würde. Der Mond schien so hell, dass der Bergmann alles genau sehen konnte, dem ein großes Grauen ankam. Doch das Wasser blieb unverändert.
Der Fremde stieg wieder aus dem Sumpfloch heraus, nahm seinen Mantel, stieg auf sein Ross und ließ sich vom Bergmann durch den Wald wieder auf die Straße führen. Dabei befahl er ihm, seinen Kober (Anmerkung: Rückentrage, Kiepe) mit dem Laub von den Büschen zu füllen, die er am Wege finden würde. Ohne Dank und Lohn ritt der Fremde davon, und der Bergmann hatte nicht den Mut besessen, den fremden Reiter an das versprochene Trinkgeld zu erinnern. Auf dem Heimweg wurde dem Bergmann bange vor der schmählichen Zunge seines Weibes. Er hörte bereits in Gedanken ihre Schimpfkanonaden , weil er so spät in der Nacht heimkomme und nichts mitbringe als einen Kober voll Laub. Aus diesem Grund schüttete der Bergmann seinen Kober verächtlich aus. Endlich daheim erzählte er, wer ihm begegnet war, und ertrug die Strafpredigt seines Eheweibes mit gewohnter Geduld. Am andern Morgen wollte die Frau ihrem Mann das Essen in den Kober tun und sah, dass sich jedes hängen gebliebene Laubblatt in ein Goldstück verwandelt hatte. Nun merkten beide erst mit großem Verdruss, was es mit dem so unklug weggeworfenen Laub für eine Bewandtnis gehabt hatte.

Zum Buch Hexe, Werwolf und Vampir schreibt Michael Kirchschlager im Vorwort:

»Schier unendlich lang scheinen die Reihen in den Regalen der Buchhandlungen mit Büchern meist belletristischen Inhalts zum Thema Hexen, Werwölfe und in letzter Zeit besonders zu Vampiren zu sein und es wäre müßig, hier auch nur zwei oder drei zu benennen, unterliegen die meisten von ihnen doch einem gewissen Zeitgeschmack. Müßig wäre es, hier ins Detail zu gehen. Allen diesen Figuren ist eines jedoch gemein, sie entstammen den Federn von Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Ob Vampirjäger, Vampirdetektiv, Vampirlover - alle wollen beißen, wollen Blut oder genauer betrachtet, alle wollen uns in eine Scheinwelt locken, uns von der Gegenwart entrücken.
Und ganz nebenbei lassen sie vergessen, dass die Ursprünge der alten Mythen um Blutsauger, Werwölfe, kopflose Reiter eben nicht in einem Keller einer amerikanischen Großstadt liegen sondern in den Dörfern Europas und einige sogar in denen Thüringens!
Und da gibt es Figuren, die nicht einmal Blutsauger sind, die uns aber dennoch das Fürchten lehren. Wer kennt nicht das Märchen von Frau Holle, jener alten Frau mit den langen Zähnen (!), die die Goldmarie mit Gold überzieht und der Pechmarie das Pech über den Wanst gießt?
Frau Holle tritt hier eindeutig als gerechte Oma auf. Doch sie kann als Perchta auch anders und da kann eine Pechmarie noch von Glück reden! Im Vogtland muss man an ihrem Tag, dem Dreikönigstag oder Perchtentag, Fische und Klöße essen. Kann man sich nicht für diese kulinarische Obskurität begeistern, kommt sie höchst grollend und hart strafend daher und schneidet dem Ungehorsamen den Leib auf, füllt ihn mit Häckerling und näht ihn mit einer Pflugschar und einer Eisenkette wieder zu ...
Besonders gefährlich aber waren die thüringischen Werwölfe, die im Jahre 1400 im Gebiet um Wangenheim sogar ein Mägdelein am helllichten Tage fraßen! Nicht minder übel hausten die schmatzenden und kauenden Toten von Brotterode, die Ur-Vampire der deutschen Mythologie.
Dieser Text-Bild-Band, als eine Art kleine Dämonologie, möchte die Leserschaft, egal ob jung oder alt, an den Ursprung der alten Mythen und Legenden um den Teufel, Hexen, Nachzehrer, Werwölfe, kopflose Reiter und Weiße Frauen führen und dies im Besonderen auf die mystischen Sagen und Legenden Thüringens ...«

Angaben zum Buch:

Steffen Grosser, Michael Kirchschlager
Hexe, Werwolf und Vampir
Mystische Sagen und Legenden aus Thüringen
Covergestaltung: Steffen Grosser, Leipzig; Nicole Laka, Hamburg

Hardcover mit Lesebändchen, Fadenbindung
Verlag Kirchschlager, Arnstadt, November 2011
88 Seiten / 14,80 €
ISBN: 9783934277328

Text- und Bildquellen:

  • www.verlag-kirchschlager.de
  • Ludwig Bechstein: Die Sagen aus Thüringens Vorzeit, von den drei Gleichen, dem Schneekopf und dem thüringischen Henneberg, Verlag der Kesselringschen Hofbuchhandlung Meiningen und Hildburghausen, 1837
  • Veröffentlichung des Vorwortes und der Illustrationen mit freundlicher Genehmigung des Verlages
  • Illustrationen Copyright by Steffen Grosser
Copyright © 2011 by Wolfgang Brandt

 

© by 2011
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox