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James Frazer: The Golden Bough (1890) Sir James George Frazer erforscht in seinem Werk eine Vielzahl von Mythen und Märchen als Spektrum quer durch die Kulturen und Jahrhunderte. Er weist auf die auffallende Ähnlichkeiten zwischen ihnen hin. Seine Themen sind u. a. Magie und Hexerei, Tabus und sexuellen Riten, die Natur der Seele und der Religion, Sündenböcke und Menschenopfer sowie große Literatur und Legenden. |
Eustace Clare Grenville Murray: Doine: Or the National Songs and Legends of Romania (1854) |
E.B. Mawr: Roumanian Fairy Tales and Legends (1881) Angesichts der langen und vielfältigen kulturellen Geschichte Rumäniens ist es keine Überraschung, dass das Land reich an Volkssagen, Märchen und Legenden ist. Es ist ein Glück, dass so viele dieser Geschichtenüber die bewegte Geschichte des Landes überlebt haben. »Roumanian Fairy Tales & Legends« ist eine Sammlung von 15 faszinierenden rumänischen Erzählungen, von E.B. Mawr sorgfältig erforscht und geschickt übersetzt. |
Emily Gerard: The land beyond the forest; facts, figures, and fancies from Transylvania (1888) Emily Gerard verfasste ihre einflussreichsten Essays über transsylvanische Folklore während des Lebens in der Stadt Temesvar, Rumänien. Ihr Mann, Chevalier de Miecislas Laszowski, ein österreichisch-ungarischer Kavallerieoffizier, war dort in den 1880er Jahren stationiert. Ihre Berichte stießen bei einer breiten Leserschaft durch ihre Einbeziehung in den wichtigsten Zeitschriften der Epoche auf Interesse. |
Alle diese ausgewählten Werke richten mehr oder weniger ihren Fokos auf den Vampirglauben.
Eine weitere wichtige Quelle der Inspiration für Stoker war »An Account of the Principalities of Wallachia and Moldavia« von William Wilkinson, 1820 veröffentlicht. Aus Wilkinsons Berichten entnahm Stoker, dass Transsylvanien eine der drei ehemaligen Fürstentümer war - die anderen sind Moldavien und Walachei. Zu der Zeit, als Bram Stoker »Dracula« schrieb, war Transsylvanien Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie. Daraus erschließt sich wahrscheinlich die Erkenntnis, dass Stoker seine Protagonisten anfänglich in der Steiermark agieren lassen wollte.
Doch es kam wie bekannt ganz anders. Bram suchte Hilfe und Unterstützung bei Professor Arminius Vambéry. Im Verlaufe des Gesprächs während eines Dinners war Stoker von den Geschichten des Professors über Dracula den »Pfähler« beeindruckt. Nachdem Vambéry nach Budapest zurückgekehrt war, schrieb Bram ihm, dass er noch mehr Details über den Fürtsen und das Land des berüchtigten 15. Jahrhunderts wünsche. In »Dracula« gibt es unter anderem einen Hinweis darauf, dass Vambéry Stoker Informationen über Vlad gab, auch wenn in den persönlichen Notizen von Bram keine Verweise zu finden sind.
»... I have asked my friend Arminius, of Buda-Pesth University, to make his record, and from all the means that are, he tell me of what he has been. He must, indeed, have been that Voivode Dracula who won his name against the Turk, over the great river on the very frontier of Turkey-land. If it be so, then was he no common man, for in that time, and for centuries after, he was spoken of as the cleverest and the most cunning, as well as the bravest of the sons of the `land beyond the forest.' That mighty brain and that iron resolution went with him to his grave, and are even now arrayed against us. The Draculas were, says Arminius, a great and noble race, though now and again were scions who were held by their coevals to have had dealings with the Evil One. They learned his secrets in the Scholomance, amongst the mountains over Lake Hermanstadt, where the devil claims the tenth scholar as his due. In the records are such words as `stregoica' witch, `ordog' and `pokol' Satan and hell, and in one manuscript this very Dracula is spoken of as `wampyr,'which we all understand too well ...« (Aus: Kapitel 18, MINA HARKER'S JOURNAL, Dracula)
Sicherlich hat sich Bram Stoker für seine Blutdurst-Metapher auch des Bamberger Dracula-Druckes von 1491 bedient, welcher seit 1846 im Besitz des Britischen Museums ist, um sich über den Vampirglauben ein Bild zu machen. Es ist nicht die Gestalt des Dracula, die er vordergründig behandelt. Vielmehr ist es für das prüde Viktorianische Zeitalter die Verknüpfung von Erotik und Sexualität und der Begriffe Vampir und Liebe. Es ist anzunehmen, dass Bram Stoker mit dem subtilen sexuellen Subtext des Romans seine eigene Fantasien beschreibt. Der Vampirismus diente ihm dabei als Ersatz für schrankenlosen Geschlechtsverkehr. Stokers Dracula folgt ausschweifend und sexbesessen seinem Ziel und unterminiert so die Prüderie und das verlogene Wertesystem der Gesellschaft des Viktorianischen Zeitalters.
Copyright © 2010 by Wolfgang Brandt