
Geisterwelten

Abbildung 1: http://www.movieforum.com/features/y2k/iamlegend/richardmatheson.shtml
Richard Matheson wurde am 20 Februar 1926 als Sohn norwegischer Immigranten in Allendale New Jersey geboren.
Aufgewachsen ist Matheson in Brooklyn, wo er auch bis 1943 zur Schule ging. In jenem Jahr schloss er seine Schulausbildung an der Brooklyn Technical High School ab und meldete sich zur Armee. Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er als Infanteriesoldat.
Nach dem Krieg begann er ein Journalistikstudium an der University of Missouri, welches er 1949 mit dem Bachelor Degree erfolgreich beendete.
1951 siedelte er nach Kalifornien um und heiratete ein Jahr später.
Matheson hat vier Kinder, von denen drei, Richard, Chris und Christian in die Fußstapfen des Vaters getreten sind und ebenfalls Schriftsteller geworden sind.
Matheson wurde im Jahre 1950 durch seine erste veröffentliche Kurzgeschichte, die seinerzeit im „Magazine of Fantasy and Science Fiction“ erschienen ist berühmt, der Titel lautete „Born of Man and Woman“ und handelte von einem Kind, welches im Keller seines Elternhauses in Ketten gefangen gehalten wurde und aus der ICH-Erzähler Perspektive in naiver und damit authentischer Sprache sein Leiden beschreibt.
Nach diesem literarischen Durchbruch folgte in den Jahren 1950 bis 1971 eine ganze Serie von Geschichten, die dem Genre des Horrors, der Fantasy und des Science Fiction Bereichs zuzuordnen sind.
Auch wagte sich Matheson an Sketche und satirischen Humor heran, lebendige Zeugnisse dieser durchaus ernst zunehmenden Projekte des Autors sind beispielsweise „Trespass (1953), Being (1954) Mute (1962)“ und viele andere.
Matheson versuchte sich aber auch in der moralisch mahnenden Literatur, wobei er sich vor allem der Frage zugewandt hat, wie sich Normalsterbliche den moralischen und physischen Belastungen alltäglicher und übernatürlicher Belastungen stellen. „The Curious Child (1954)“ beispielsweise widmet sich der Frage der persönlichen Paranoia, die dadurch bedingt wird, dass die alltägliche Umgebung mit einem Mal fremd und bedrohlich erscheint.
Eine Vielzahl von Büchern und Drehbüchern stammen aus seiner Feder und haben die Vorlage für diverse Verfilmungen geliefert. Jüngst erst und das ist auch der Aufhänger für die vorliegende Kurzbiographie, ist die abgewandelte Verfilmung seines Buches „I am Legend“ (1954) in den Kinos zu sehen gewesen und unterdessen, dank unserer schnellebigen Zeit, auch bereits als DVD erhältlich.
Matheson sagt von sich selbst, dass er froh darüber sei, nie bei einem Genre hängengeblieben zu sein, sondern seine Ideen immer in mehrere Richtung entwickelt gelassen zu haben, so dass er sich diversen Genres zuschreiben kann und sich in diesen auch wohlfühlt:
“I always wrote what I felt like writing. I’ve never been one to hang onto one area of thought. I’m satisfied with the fact that I did not hang around in one genre. I always keep looking in different directions.“
(„Ich habe immer das geschrieben, wonach mir der Sinn stand. Ich war nie jemand, der immer am gleichen Gedanken festgehalten hat. Ich bin damit zufrieden, mich nicht auf ein Genre festgelegt zu haben. Ich war immer darum bemüht in mehrere Richtungen meine literarische Aufmerksamkeit zu lenken.“)
[http://lastheplace.com/2007/12/21/words-on-paper-advice-for-writers-from-living-legend-richard-matheson/, Interview mit Richard Matheson im Jahr 2004 durchgeführt findet sich unter vorstehendem Link abgedruckt.]
Matheson selbst hat während seiner schriftstellerischen Entwicklungszeit bei vielen berühmten Vorgängern Inspirationspunkte gefunden, beispielsweise in den Werken von Edgar Allen Poe. Matheson selbst wurde aber auch zum Vorbild genommen, unter anderem von dem Meister des Horror Genres, Stephen King.
Trotz seiner enormen Schaffenskraft, ist „I am Legend“ wohl sein bekanntestes Werk. Nachdem es bereits zweimal unter anderem Titel verfilmt worden ist, wurde der Stoff 2007 erneut aufgegriffen und mit Will Smith in der Hauptrolle erneut verfilmt. Am 23.05.2008 ist „I am Legend“ als DVD in den Handel gekommen.
Mathesons Arbeit zeichnet sich vor allem durch akribische Vorrecherchen aus, wodurch er seinen Werken einen zusätzlichen Authentizitätsbonus verleiht. Wie er selbst in einem Interview konstatierte, sei es immer sein Bestreben gewesen, zu wissen, wovon er rede und anderen den Eindruck dessen auch glaubhaft zu vermitteln.
Im Folgenden möchte ich mich mit der „Originalvorlage“ des Romans „I am Legend“ auseinandersetzen und danach auf die jüngste, bereits angesprochene, Verfilmung mit Will Smith eingehen.
Das Buch „I am Legend“
Die Geschichte spielt im Amerika der 70er Jahre, was aus Sicht der Entstehung des Romans; er wurde bereits 1954 veröffentlicht; noch ferne Zukunft war. Matheson beschreibt eine Welt, in der alle Menschen durch eine von Moskitos übertragene Seuche infiziert worden und gestorben sind. Als Vampire stehen sie jedoch wieder von den Toten auf und treiben ihr Unwesen. Allein Robert Neville hat die Seuche überstanden und scheint gegen sie immun zu sein. Er nimmt den Kampf gegen die Verfolgung der nachtaktiven Vampire auf, rüstet sein Haus zu einer Festung auf, in der er sich des Nachts, wenn sein Haus von Vampirhorden belagert wird, verschanzen kann. Nur tagsüber wagt er sich heraus, streift durch seine Heimatstadt Los Angeles und versucht die für ihn notwendigen Alltagsgegenstände aufzutreiben. Hierbei töte er alle schlafenden Vampire, die er finden kann. Im Laufe der Zeit beginnt er aber Nachforschungen anzustellen, um herauszufinden, was die Krankheit auslöst und wie man sie ggf. umkehren kann. Er entdeckt hierbei, dass die Seuche durch ein Bakterium im Blutkreislauf ausgelöst wird, welches, sobald es in Kontakt mit Luft kommt, vergeht. Das erklärt ihm, weshalb Vampire durch einen Pfahl ins Herz getötet werden können. Es ist nicht die Zerstörung des Herzens, sondern das Öffnen des Blutkreislaufes und der daraus resultierende Kontakt mit der Luft, der das Bakterium vernichtet.
Noch wähnt sich Robert Neville allein als einziger Überlebender unter den „toten Vampiren“, doch eines Tages steht eine Frau vor ihm, die ganz offensichtlich nicht infiziert zu sein scheint, da sie, genau wie er, im Tageslicht ungehindert wandeln kann. Robert baut Vertrauen zu der Frau auf, schöpft neue Hoffnung auf ein Leben in einer Enklave von Gesunden. Doch er entdeckt durch Zufall, dass die junge Frau ebenfalls infiziert ist. Die Frau schlägt ihn nieder und flieht. In einem ausführlichen Brief erzählt ihm die Frau, dass einige Infizierte es geschafft hätten, ein Medikament zu entwickeln, welches ihnen das Wandeln bei Tage ermöglichen würde, weshalb sie sich von den anderen Vampiren, die nur nachts aktiv sein könnten, unterscheiden. Sie fährt fort und offenbart Neville, dass sie als Spionin zu ihm geschickt worden sei, um seine Schwachstellen zu finden, damit man ihn dingfest machen könne. Sie rät ihm, sich in die Berge zu fliehen, da man bereits einen gezielten Angriff auf seine „Festung“ geplant habe. Robert entscheidet sich dagegen und verschanzt sich in seinem Haus. Es kommt zu einem Kampf, in dessen Zuge Robert schwer verwundet wird und die „lebenden Vampire“, also jene, die auch am Tage existieren können, die „toten Vampire“ vollends ausrotten. Die „lebenden Vampire“ begründen damit eine neue Gesellschaft.
Neville wird inhaftiert und als er wieder zu sich kommt, offenbart ihm die junge Frau, dass man ihn hinrichten werde, da er nicht mehr in diese neu entstandene Vampirgesellschaft passe. Sie gibt ihm eine Pille, um sich selbst zu entleiben. Neville erkennt, dass er nun, da alle „toten Vampire“ ausgerottet sind und die „lebenden Vampire“ zur Normalität geworden sind, seinerseits zu einem „anormalen“ Subjekt geworden ist, ähnlich wie es die Vampire waren, als die Menschen noch existierten. Bar jedweder Zukunftsaussicht, schluckt er in aller Öffentlichkeit die todbringende Pille und stirbt mit den Worten, die auch den Titel des Buches gegeben haben: „Ich bin Legende“.
Die Verfilmung
Die Verfilmung der Romanvorlage „I am Legend“ mit Will Smith in der Hauptrolle, als Robert Neville, ist eine vorlagennahe filmische Umsetzung des Werkes von Richard Matheson. Robert Neville, (Will Smith) ist ein Wissenschaftler im Dienste des amerikanischen Militärs, der nach dem Ausbruch einer Seuche; die ausgelöst worden ist durch einen neuen Wirkstoff, der angeblich Krebspatienten vollends heilen kann; mit der Aufgabe betraut worden ist, die Ausbreitung dieser Seuche im Großraum Los Angeles einzudämmen.
Die Seuche tötet die meisten Menschen, die von ihr infiziert worden sind. Diejenigen, die diese Seuche überleben, werden zu lebenden Toten, vampirähnliche Wesen, die das Licht scheuen und sich von dem Fleisch und Blut von Menschen ernähren.
Abbildung2: http://www.pinoyraketonline.com/wp-content/uploads/2008/06/i_am_legend_ver4.jpg
Ganz offensichtlich ist der Versuch die Seuche einzudämmen, kläglich gescheitert, denn der Zuschauer sieht Robert Neville durch die gewüsteten Straße Los Angeles streifen, auf der Jagd nach Rehen und auf der Suche nach Medikamenten und sonstigen Gegenständen, die für sein Überleben wichtig sind. Das einzige Lebewesen, was sein volles Vertrauen genießt, ist sein Hund, der stets auf der Jagd bei ihm ist. Sobald es dunkel wird, zieht sich Neville in sein festungsähnliches Haus zurück und harrt der Dinge, die da kommen mögen.
In dem Keller seines Hauses hat Robert Neville ein Labor eingerichtet, in dem er Versuche an infizierten Tieren, aber auch Vampiren durchführt, da er hofft so zu einem Gegenserum zu gelangen und die noch verbliebene „Menschheit“ von diesem Übel befreien zu können.
Täglich versucht er aus dem Hafen von Los Angeles per Funk Nachrichten in alle Welt zu senden, in der Hoffnung, dass er nicht der einzige Überlebende ist, denn Neville scheint immun gegen die Seuche zu sein.
Bei einer dieser Streifzüge, wird Neville ins Dunkel eines Gebäudes gezwungen und in einen Kampf mit Vampiren verwickelt.
Abbildung 3: http://www.thedailygreen.com/cm/thedailygreen/images/F6/i_am_legend_will_smith__1_.jpg
Er kann nur schwer entkommen. Hierbei trifft er erstmalig auf einen Vampire, der offenbar über eine überdurchschnittliche Intelligenz verfügt und entsprechend strategisch taktisch agiert. Neville ist hiervon einerseits fasziniert, da er ein solches Verhalten bisher noch nicht beobachtet hat, aber andererseits auch beunruhigt, da die Bedrohung nun intensiviert worden ist. Er stellt seinem neuen Gegner eine Falle, wird aber hierbei seinerseits in eine Falle gelockt und entkommt nur, durch einen glücklichen Zufall. Er wird von einer jungen Frau und ihrem kleinen Sohn gerettet, zwei offenkundig ebenfalls gesunde Menschen, die ihrerseits gegen die Angriffe von Vampiren zu kämpfen haben und die seine Nachricht empfangen hatten und sich deshalb auf die Suche nach ihm gemacht hatten. Die junge Frau flieht zusammen mit Neville und ihrem Sohn in sein Haus, allerdings hat sie hierbei nicht darauf geachtet den Fluchtweg so zu verschleiern, dass das Haus, in dem sich Robert die ganze Zeit versteckt hatte, unentdeckt bleiben konnte. Als die Nacht hereinbricht, wird das Haus von Massen von Vampiren angegriffen. Der Angriff ist zu heftig, als dass sie sich dagegen wehren könnten, weshalb Neville in sein Labor flüchtet, um hier einen letzten verzweifelten Kampf zu kämpfen. Er entdeckt hierdurch zufällig, dass eine seiner gefangenen Probandinnen auf ein Serum, welches er jüngst entwickelt hat, anspricht und ein Heilungsprozess einsetzt. Da er weiß, dass ihm nur wenig Zeit bleibt, füllt er das Blut der Probandin und damit das Serum ab, gibt beides der jungen Frau und ihrem Sohn mit, damit sie durch einen im Keller befindlichen Fluchtweg entkommen können. Um ihre Flucht zu decken, entscheidet sich Neville dafür sein Leben zu opfern und sich, mitsamt der im Haus befindlichen Vampire in die Luft zu sprengen. Er stirbt mit der Gewissheit etwas erreicht zu haben, denn die junge Frau hatte ihm kurz vorher noch berichtet, dass sie aus einer Enklave stamme, in der sich immune Menschen zusammengefunden hätten und gegen die Seuche und deren Ausbreitung zur Wehr zu setzen in der Lage fühlten.
Abbildung 4: http://images.teamsugar.com/files/users/1/13839/50_2007/I-AM-Legend-1.preview.jpg
Die junge Frau und ihr Sohn können auch aus Los Angeles fliehen, in ihr Ressort zurückkehren und das Serum an die in dieser letzten verbliebenen Enklave verbliebenen Wissenschaftler übergeben. Damit endet der Film und die „Legende“ von Robert Neville, der eine Heilung für die Krankheit gefunden hat, ist geboren.
Einschätzung
Wie so oft im kunstschaffenden Leben, herrscht eine Kluft zwischen der literarischen Vorlage und ihrer filmischen Adaption im Falle von „I am Legend“ vor. Richard Matheson hat in seinem Roman um den vampirjagenden Robert Neville das Bild eines Mannes entworfen, der sich nicht nur mit den lebenden Toten zu messen hat, sondern der vor allem der Frage ins Augen sehen muss, weshalb gerade er vom Schicksal „begünstigt“ worden zu sein scheint, vor dem alles aufzehrenden und die Menschen in lebende Tote verwandelnden Bakterium verschont geblieben zu sein, um sich dem Kampf gegen die Krankheit widmen zu können. Die Zweifel und die anhaltenden Schuldgefühle sind ebenso Thema des Romans, wie auch der Kampf gegen die fortschreitende Einsamkeit und der Umgang mit der Anomalität der eigenen Umgebung. Robert Neville muss im Laufe der Geschichte erkennen und vor sich selbst eingestehen, dass längst nicht mehr seine Umgebung sein Problem ist, sondern dass er das Problem für seine Umgebung geworden ist.
Im Vergleich hierzu ist jener Robert Neville, den Will Smith in der jüngsten Verfilmung des Romans verkörpert zwar ebenso von Einsamkeit und Selbstzweifeln getrieben bzw. leidet unter ihnen, doch entwirft die Hollywoodtraumfabrik einmal mehr den klassischen Traum von der Rettung der Welt durch einen einzelnen Mann, natürlich einem Amerikaner. Das Publikum erwartet dies und entsprechend wird dem Wunsch des Publikums auch einmal mehr Rechnung getragen, was jedoch der Qualität des Films und auch seiner grundlegenden Thematik keinen Abbruch tut, zumal eine Botschaft mehr in die aktuelle Umsetzung von den Filmemachern mit eingeflochten worden ist, nämlich die Frage danach, wie weit der Mensch bei seinem Kampf um das Überleben gehen darf, denn in „I am Legend Der Film“ ist nicht ein Bakterium der Auslöser für die Verwandlung der Menschen in lebende Tote, sondern ein pharmazeutischer Versuch. Bei der Suche nach einem Allheilmittel für Krebs, züchten Wissenschaftler ein Bakterium heran, welches dazu dienen soll die Menschen vom alles verzehrenden Übel der Krebserkrankung zu heilen, der Versuch misslingt und das, was den Menschen helfen sollte, trägt zur Vernichtung der Menschheit bei. Es ist also die wissenschaftliche Verantwortung, die auch moralischen Grundsätzen und Lebenssystematiken unterworfen bleiben sollte, die hier angesprochen wird, gerade in einer Zeit, da die Diskussion um Genmanipulation über die Grenzen der genetisch veränderten Lebensmittel hinausgeht und den Bereich menschlichen Lebens beeinzuflussen beginnt.
Mathesons Grundstoff des Buches "I am Legend" bietet mit anderen Worten breiten Raum zur dichterischen Freiheit und zum Transport von aktuellen sozialkritischen Themen, womit der Roman wiederum dem Genre des rein plakativen Horrorromans entflieht und sich als sehr vielfältig erweist.
Literaturgrundlage:
www.wikipedia.de
Bildnachweise:
Siehe Quellenangaben unter den entsprechenden Abbildungen.
© Florian Kayser
|