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Spannungswelten

Sebastian Fitzek

Der Autor und Mensch

Am 13. Oktober 1971 erblickte Sebastian Fitzek in Berlin das Licht der Welt. Über seine Kindheit und Jugend schweigt er sich im Internet beharrlich aus, doch so, wie ich ihn kennen gelernt habe, gehe ich mal davon aus, dass diese Zeit eine ganz normale Entwicklung genommen haben muss. Denn heute wirkt Sebastian Fitzek sehr ausgeglichen, ruhig und freundlich.
Nach seinem Jura-Studium und anschließender Promotion im Urheberrecht verschlug es den jungen Mann zum Rundfunk. Er arbeitete bei verschiedenen Radiostationen in der Programmdirektion und ist auch heute noch freier Mitarbeiter bei einem Radiosender. Während seiner Tätigkeit beim Rundfunk lernte er die absonderlichsten Persönlichkeiten kennen, stark verhaltensauffällige Menschen, die ihn unter anderem zu seinen Thrillern inspiriert haben. Fasziniert von Psychothrillern ist er jedoch, seit er „Das Schweigen der Lämmer“ konsumiert hat. Und den letzten Schliff bekommt er von seinem Bruder, der ihm von Berufs wegen Einblick in die menschliche Psyche gewähren kann.
Diese drei Dinge zusammen bilden nun eine entscheidende Voraussetzung für das Schreiben eines Thrillers. Was noch fehlte, war eine Idee. Und die stellte sich mehr oder weniger zufällig von ganz allein ein. In einem überfüllten Wartezimmer einer Arztpraxis wartete Sebastian Fitzek, dass seine damalige Freundin wieder aus dem Behandlungszimmer heraus kommt. Es dauerte unglaublich lange und da stellte sich dem Wartenden die Frage: Was wäre, wenn nun alle behaupten würden, die Freundin hätte das Behandlungszimmer gar nicht betreten? Über diese Thematik dachte Fitzek ein Jahr lang nach und entwickelte daraus ein Exposé mit einer schlüssigen Story. Erst dann begann er mit dem Schreiben. Sebastian Fitzeks Mutter war die erste Testleserin und reichte das Exposé ohne Wissen ihres Sohnes bei mehreren Verlagen und einem Agenten ein. Die Verlage sagten alle ab, aber der Agent interessierte sich für das Thema. Dieser Agent war niemand anderes als Roman Hocke, einstiger Lektor von Michael Ende.
Kurz vor der Veröffentlichung des Buches „Die Therapie“ im Juli 2006 starb Fitzeks Mutter. Sie konnte das Buch, für das sie sich so engagiert hatte, nie in den Händen halten. Trotz dieses traurigen Ereignisses landete das Buch innerhalb kürzester Zeit auf den Bestsellerlisten und Sebastian Fitzek wurde zu einem der wenigen deutschen Thrillerautoren, der diesen Erfolg mit den folgenden Büchern wiederholen konnte. Schlag auf Schlag erschienen von ihm „Amokspiel“, „Das Kind“ und vor am 1. September diesen Jahres „Der Seelenbrecher“.
Damit gehört Sebastian Fitzek heute zu den bekanntesten Autoren seines Genres. Seine Bücher wurden in ca. 20 Sprachen übersetzt, sie werden auch in England und den USA verlegt und „Die Therapie“ wird sogar verfilmt.
Zum Erfolg trägt sicher Fitzeks Selbstdisziplin bei. Wie er selbst sagte, hat er keine Schreibblockaden, sofern eine Idee vorhanden ist. Deshalb schreibt er täglich mindestens eine Seite. Seine Devise lautet, dass er lieber 3 Seiten Müll am Tag produziert als gar nichts zu schreiben und am Abend auf einen leeren Bildschirm zu starren. Damit er die nötige Energie dafür aufbringt, trinkt er beim Schreiben gern Red Bull. Verleiht ihm dieses Getränk etwa die kreativen Höhenflüge?

Die Bücher

 

Keine Zeugen, keine Spuren, keine Leiche. Josy, die zwölfjährige Tochter des bekannten Psychiaters Viktor Larenz, verschwindet unter mysteriösen Umständen. Ihr Schicksal bleibt ungeklärt.
Vier Jahre später: Der trauernde Viktor hat sich in ein abgelegenes Ferienhaus zurückgezogen. Doch eine schöne Unbekannte spürt ihn dort auf. Sie wird von Wahnvorstellungen gequält. Darin erscheint ihr immer wieder ein kleines Mädchen, das ebenso spurlos verschwindet wie einst Josy. Viktor beginnt mit der Therapie, die mehr und mehr zum dramatischen Verhör wird …

Dieser Tag soll ihr letzter sein. Die renommierte Kriminalpsychologin Ira Samin hat ihren Selbstmord sorgfältig vorbereitet – zu schwer lastet der Tod ihrer ältesten Tochter auf ihrem Gewissen. Doch dann wird sie zu einem brutalen Geiseldrama in einem Radiosender gerufen. Ein Psychopath spielt ein makabres Spiel: Bei laufender Sendung ruft er wahllos Menschen an. Melden die sich am Telefon mit einer bestimmten Parole, wird eine Geisel freigelassen. Wenn nicht, wird eine erschossen. Der Mann droht, so lange weiterzuspielen, bis seine Verlobte zu ihm ins Studio kommt. Doch die ist seit einem halben Jahr tot. Ira beginnt mit einer aussichtslosen Verhandlung, bei der ihr Millionen Menschen zuhören …

Strafverteidiger Robert Stern ist wie vor den Kopf geschlagen, als er sieht, wer der geheimnisvolle Mandant ist, mit dem er sich auf einem abgelegenen und heruntergekommenen Industriegelände treffen soll: Simon, ein zehnjähriger Junge, zerbrechlich, todkrank – und fest überzeugt, in einem früheren Leben ein Mörder gewesen zu sein. Doch Robert Sterns Verblüffung wandelt sich in Entsetzen und Verwirrung, als er in jenem Keller, den Simon beschrieben hat, tatsächlich menschliche Überreste findet: ein Skelett, der Schädel mit einer Axt gespalten. Und dies ist erst der Anfang. Denn nicht nur berichtet Simon von weiteren, vor Jahren hingerichteten Opfern, schon bald wird auch die Gegenwart mörderisch …

Drei Frauen – alle jung, schön und lebenslustig – verschwinden spurlos. Nur eine Woche in den Fängen des Psychopathen, den die Presse den ›Seelenbrecher‹ nennt, genügt: Als man die Frauen wieder aufgreift, sind sie verwahrlost, psychisch gebrochen – wie lebendig in ihrem eigenen Körper begraben.
Kurz vor Weihnachten wird der Seelenbrecher wieder aktiv, ausgerechnet in einer psychiatrischen Luxusklinik. Ärzte und Patienten müssen entsetzt feststellen, dass man den Täter unerkannt eingeliefert hat, kurz bevor die Klinik durch einen Schneesturm völlig von der Außenwelt abgeschnitten wurde. Verzweifelt versuchen die Eingeschlossenen einander zu schützen – doch in der Nacht des Grauens, die nun folgt, zeigt der Seelenbrecher, dass es kein Entkommen gibt ...

Die Klappentexte verraten immer nur genau so viel, dass sie den Leser neugierig machen. Wer sich auf einen Thriller von Sebastian Fitzek einlässt, wird jedoch immer sehr schnell merken, dass die Handlung meist eine ganz andere Entwicklung nimmt, als auf dem Buch angekündigt war. Das Thema an sich spielt zwar anfänglich eine Rolle, doch dann nimmt der Autor den Leser durch ständige Überraschungsmomente mit auf ein Abenteuer, welches man nicht einfach nur liest, sondern in das man sich hineingezogen fühlt.
Beim „Amokspiel“ beispielsweise wartet man beim Lesen ständig darauf, dass das eigene Telefon klingelt. Desweiteren fiebert man mit der Heldin Ira Samin mit, hofft und bangt mit ihr und wartet auf die alles entscheidende Antwort, warum sie sich denn nun wirklich das Leben nehmen wollte und ob dieser Entschluss tatsächlich wirklich überlegt war.
Gesteigert wird dieses Bangen und Hoffen dann im „Seelenbrecher“. Durch die zwei Handlungsstränge bekam dieses Buch eine gewisse Art von Interaktivität verliehen, der sich der Leser nicht entziehen kann. Die detaillierten Beschreibungen versetzen den Leser direkt in das Geschehen in die Teufelsbergklinik hinein. Und auch wenn man das Buch fertig gelesen hat, ist die Handlung eigentlich noch nicht beendet. Erst dann bemerkt man als Leser, wie der Autor einen mit in die Handlung einbezogen hat. Das Grübeln setzt tatsächlich erst am Ende des Romans ein. Doch warum das so ist, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, um denjenigen, die eben dieses Buch noch nicht gelesen haben, nicht die Spannung zu nehmen.
Was Fitzeks Bücher so unverwechselbar macht, ist wohl das Spiel mit der menschlichen Psyche. Auf den ersten Blick meint man, dass in den Romanen viel Blut fließt, dass es viele Tote gibt. Doch schnell bemerkt man, dass die menschliche Grausamkeit, derer Fitzek sich bedient, viel schlimmer ist als Mord und Totschlag. Man möchte sich gewisse Situationen nicht einmal vorstellen, in die der Autor seine Protagonisten bringt. Nur diese Vorstellung allein reicht aus, um auch dem Leser eine Gänsehaut zu verleihen.

Was bei Fitzeks Büchern aber auch nicht unerwähnt bleiben darf, sind seine sehr liebevollen und ausführlichen Danksagungen. Es soll ja unterdessen schon Leser geben, die diese wegen des Unterhaltungswertes als Erstes lesen, obwohl sie am Schluss der Bücher erscheinen.
Es fehlt dabei auch niemals der Hinweis auf die E-Mail-Adresse des Autors mit dem Hinweis, dass er sich über jede Meinung freut und auch jede Mail beantwortet. Nun, das kann ich bestätigen, denn nur dadurch kamen der Kontakt zu Sebastian Fitzek, das Interview während der Buchmesse und dieser Beitrag erst zustande.
Alle Bücher sind im Knaur Verlag erschienen. Lübbe Audio hat mit dem Sprecher Simon Jäger die Hörbücher dazu produziert.

Quellen:

Persönlicher Kontakt mit dem Autor
www.knaur.de
www.sebastianfitzek.de
Interview geführt von Florian Hilleberg

© Anke Brandt

 

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