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Wunderwelten

Tad Williams
(* 14. März 1957 in San José, Kalifornien als Robert Paul Williams)

von Rebecca Hagelmoser

Die Anfänge

Der Grundstein für die überbordende Kreativität Tad Williams´ wurde nach eigenen Aussagen in seiner Kindheit gelegt. Die Familie gehörte nicht zu den Reichsten, so musste Kreativität ersetzen, was Geld nicht kaufen konnte – und Kreativität wurde in der Familie sehr gefördert.

Dass die Erziehung zur Kreativität auf fruchtbaren und eigenwilligen Boden fiel, wird klar, wenn man die weiteren Lebensstationen von Tad Williams betrachtet. Sein Entschluss, nicht wie seine Geschwister oder Freunde das College zu besuchen und für sich selbst zu sorgen, zog eine ganze Reihe von Jobs hinter sich her, die eine weite Bandbreite umfassten und somit sicherlich wertvoll für seine schriftstellerische Tätigkeit waren: Er arbeitete auf dem Bau, als Versicherungsvertreter, Schuhverkäufer, trieb Schulden ein und bereitete Tacos zu. Ein Spektrum, welches Einblick in verschiedenste Bereiche der Gesellschaft ermöglichte.
Seine Freizeit blieb das Refugium für kreative Tätigkeiten, so sang er in einer Rockband namens „Idiot“, moderierte eine Radio-Talkshow, designte Gebrauchsgraphiken, zeichnete, schrieb Drehbücher, schauspielerte und hat „andere merkwürdige Dinge ausprobiert“ („Tad über Tad“ auf www.tadwilliams.de/autor_mitte.html, 18.01.2007).

„Ehrgeiz ist wie Tinkerbell: wenn man aufhört, daran zu glauben, stirbt er“
(„Tad über Tad“ auf www.tadwilliams.de/autor_mitte.html, 18.01.2007).

Der unerschütterliche Glaube an den eigenen Erfolg trug irgendwann auch Früchte: Nachdem die Schriftstellerei mit der Zeit immer wichtiger für Tad Williams wurde, stellte sich irgendwann auch ein erster Erfolg ein, DAW, ein großer New Yorker Verlag, zeigte sich an seinem Roman „Traumjäger und Goldpfote“ interessiert. Weitere und größere Erfolge folgten, zunächst die Quadrologie „Der Drachenbeinthron“, „Der Abschiedstein“, „Die Nornenkönigin“ und „Der Engelsturm“. Den bisher größten Erfolg stellt das Science-Fiction Werk „Otherland“ dar, welches ebenfalls in vier zusammenhängenden Teilen erschienen ist und in Deutschland von dem namhaften Hörspielregisseur Walter Adler als Hörspiel umgesetzt wurde.
„Shadowmarch“ ist ein Projekt, welches zwar schon seit längeren Jahren immer wieder Blüten treibt, sei es als geplantes –und abgelehntes- Filmprojekt oder als Internetroman. Inzwischen wird „Shadowmarch“ als Roman verlegt, der erste Teil „Die Grenze“ ist bei Klett-Cotta erschienen, der zweite Teil wird für 2007 erwartet, das englische Original wird im März 2007 erwartet.

Stil

Der Vergleich mit J.R.R. Tolkien wird meistens so oft und unpassend verwendet, dass er schon beinahe entwertet ist. Wenn man Tolkien allerdings in seiner Rolle als einen eigenständigen Vorreiter und Vorantreiber des Genres sieht, so hält Tad Williams diesem Vergleich durchaus stand: Seine Weltentwürfe bestehen grundsätzlich nicht aus plumpen Mittelerde-Zitaten, sondern integrieren Motive aus verschiedenen Mythologien und aktuellen Themen auf eine eigene neue Art und Weise. Kritiker bemängeln bisweilen eine gewisse Langatmigkeit der Geschichten, Angesichts des wunderbaren Schreibstils und den erfrischenden Ideen des Autors kann man jedoch auch leicht Gefallen daran finden und sich in den Geschichten ein wenig treiben lassen. Auch machen sich im Schreibstil Tad Williams´ wohl die Erfahrungen als Drehbuchautor bemerkbar. Er lenkt den Leser durch seine sehr plastischen Beschreibungen, dass leichtfällt, sich Geschichte bildhaft, wie einen Film, vor sich ablaufen zu lassen. Auch Dramaturgie, Dialoge und Tempo (ja, auch das gibt es) ähneln bisweilen einer filmischen Erzählart.

OTHERLAND

Wie so oft klingt die Geschichte anfänglich vertraut: Eine engagierte Dozentin versucht, den Grund für die mysteriöse Erkrankung ihres Bruders herauszufinden und trifft bei ihrer Recherche im Netz – welches sie gleichzeitig auch als Quelle der Krankheit vermutet- sowohl auf verschiedenste Mitstreiter als auch auf eine übermächtige Bruderschaft, die es zur Rettung vieler Kinder zu bezwingen gilt. Ein Muster, welches nicht nur Fantasy-Lesern bekannt sein dürfte. Das besondere an Otherland liegt aber gerade darin, modernes und neuartiges mit alten Mustern zu verbinden. So finden sich alte Mythen der Aborigines, die der alten Griechen, Märchenmotive und Klischees neben Netznachrichten, Blogs und dem Entwurf einer in naher Zukunft liegenden Welt, wie man sie vielleicht in ein paar Jahren tatsächlich antreffen könnte. Das Internet ist nicht nur zum vorherrschenden Kommunikations- und Handelsmittel geworden, sondern auch die Hoffnung einiger weniger Wirtschaftsmagnate, Unsterblichkeit zu erlangen. Dieses Ziel und das Rätsel um die „verschwundenen“ Kinder verbindet Tad Williams zu einem Werk in gewohnt epischer Breite. Doch wieder macht er die Langatmigkeit, die seinen Büchern meistens anhaftet, fließend wett durch einen überbordenden Ideenreichtum, viele, runde Charaktere und wunderbare Sprache: Die Welten, die die Helden auf ihrer Reise durchqueren, versetzen einen einerseits in Spannung, weil man nicht erwarten kann, was der nächste Weltentwurf wohl bietet. Andererseits sind sie mitunter auch Schauplätze exquisiter Grausamkeiten, die nicht vergessen lassen, dass die Abenteuer der VR hier durchaus tödlich sein können.
Auch wenn sich über vier Bücher hinweg immer wieder Spannungsfelder auftun, sei es in der VR oder der realen Welt, finden Liebhaber temporeicher Thriller erst am Ende des vierten Bandes, also nach fast 900 Seiten, ihren Genuss. Nichtsdestotrotz lohnt es sich, diese Hürde zu nehmen, der Weg ist hier nämlich auch ein Ziel.
Für diejenigen, die auch nach bezwungenem Bücherberg noch nicht genug bekommen können, sei gesagt, dass demnächst mit „Der glücklichste tote Junge der Welt“ eine Fortsetzungsgeschichte erscheinen wird.

Wem dies allerdings doch zuviel sein sollte, dem sei das von hr2 produzierte Hörspiel empfohlen. Es ist nah am Text, aufwändig produziert und mit namhaften und interessanten Stimmen umgesetzt.

DER BRENNENDE MANN

Im englischen Original ist diese Geschichte Teil eines Kurzgeschichtenbandes. Überrascht stellen wir fest, dass Tad Williams sich auch kurz fasst, anscheinend sogar mehrmals. So verwundert man dies feststellt, so unbefriedigt lässt einen dieser Band zurück. Zwar spielt die Geschichte auf dem Hochhorst in Osten Ard, und man trifft sogar auf einen bekannten, man wird jedoch den Eindruck nicht los, dass der Autor hier bei sich selbst abgekupfert hat:

Die Ich-Erzählerin Breda, die nun als alte Frau auf dem verfallenen Hochhorst lebt, erzählt die melancholische Geschichte ihrer verlorenen ersten Liebe und das schwierige Verhältnis zu ihrem Stiefvater. Ihr Stiefvater ist immer noch in Trauer um seine erste Frau, weswegen er die Religion in Frage stellt und auf dunkelmagischen Pfaden wandelt und ihrer Rettung bedarf.
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Ja, diese Geschichte ist uns wohlbekannt - seit dem Drachenbeinthron. Der Hochkönig Elias verfällt dort durch den Tod seiner Frau Ebekah dem Wahnsinn und den dunklen Mächten. Auch wenn es romantisch ist – es ist eben auch aufgewärmt.

Auch reicht dieser kurze Nachmittagsausflug leider nicht, sich wieder in die schöne Welt Osten Ard einzufinden – das Sprachtalent Tad Williams´, findet in Kurzgeschichten nicht die passende Plattform, die weitläufigen Romane bieten dafür buchstäblich (haha) mehr Platz. Deshalb gibt es hierfür, auch wegen der übertriebenen Aufmachung des Verlags als Hardcover, kein Lob.

Gesamtübersicht über die Werke

Osten Ard
• Der Drachenbeinthron (The Dragon Bone Chair)
• Der Abschiedsstein (Stone of Farewell)
• Die Nornenkönigin (To Green Angel Tower – Part 1: Siege)
• Der Engelsturm (To Green Angel tower. Part 2: Storm)

Otherland

• Stadt der goldenen Schatten (City of Golden Shadows)
• Fluß aus blauem Feuer (River of Blue Fire)
• Berg aus schwarzem Glas (Mountain of Black Glass)
• Meer des silbernen Lichts (Sea of Silver Light)
• Der glücklichste tote Junge der Welt ( The Happiest Dead Boy in the World)

Shadowmarch

• Shadowmarch: Die Grenze (Shadowmarch: Volume One)
• Shadowplay: Volume Two
• Shadowfall: Volume Three

Weitere Werke:

• Traumjäger und Goldpfote (Tailchaser´s Song)
• Die Insel des Magiers (Caliban´s Hour)
• Die Stimme der Finsternis (Child of an Ancient City) mit Nina Kiriki Hoffmann
• Der Blumenkrieg (The War of Flowers)
• Rite: Short Work

Ein Interview mit Tad Williams bei uns im : siehe HIER

 

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