
Wunderwelten

Orks
Von Anke Brandt
Mit dem Roman „Die Orks“ von Stan Nicholls haben diese endgültig ihren Platz in der Fantasy-Literatur eingenommen. Ich erinnere mich noch gut an den Herbst 2002, als mit Erscheinen des Buches ein wahrer Ansturm darauf erfolgte.
2006 erschien ein weiterer Fantasyroman um Orks, „Die Rückkehr der Orks“ von Michael Peinkofer, vor einigen Wochen die Fortsetzung.
Und aus dem „Herr der Ringe“ sind Orks so ziemlich jedem Fantasyliebhaber bekannt. Doch warum sind sie so beliebt, dass mit ihnen ganze Geschichten erzählt werden? Was fasziniert so an diesen Wesen? Spielen sie nicht eigentlich immer die Rolle des Bösen?
Ich möchte an dieser Stelle zunächst einmal versuchen, Orks ein wenig zu beschreiben.
Der Begriff Orks leitet sich vielleicht ab aus dem Wort Orkus. Orkus (oder Orcus) bezeichnet in der römischen Mythologie die Unterwelt, das Toten- oder Schattenreich, gleichzeitig aber auch den Herrn des Toten- oder Schattenreiches, der das Leben dahinrafft und verderben lässt.
Aber auch im altenglischen Helden-Epos „Beowulf“, welches vermutlich aus dem 8. Jahrhundert stammt, taucht im Vers 112 das Wort „orcneas“ (steht für Totengeister) auf.
In der goidelischen oder gälischen Sprache, die zu den keltischen Sprachen gehört, bedeutet „orc“ Schwein.
Soweit könnten das die Quellen sein, und was daraus entstanden ist und weitgehend als Ork beschrieben wird, sieht dann ungefähr so aus:
Das Aussehen von Orks variiert von affenähnlich bis zum schleimspeienden Ungeheuer. Oft sind Orks grün, behaart, mit Hauern und sonnenscheu, aber man findet sie in der Fantasy auch als dunkel und unbehaart beschrieben.
Tolkien beschreibt seine Orks dunkelhäutig, mit Schlitzaugen, platten Schnüffelnasen und Reißzähnen. Sie haben krumme Beine, lange Arme und sind etwas kleiner als Menschen.
In Mittelerde sind Orks „Soldaten des Bösen“, doch in anderen Fantasy-Welten unterscheidet sich ihr Wesen deutlich von Tolkiens Orks.
In der Spielewelt „DAS SCHWARZE AUGE“ sind Orks kulturschaffende Wesen mit menschenähnlichen Zügen, in der Fantasywelt „EARTHDAWN“ sind sie den Menschen sogar gleichgestellt. Ebenfalls gleichrangig mit Menschen, Trollen, Elfen und Zwergen agieren die Orks im SHADOWRUN-Universum, und als eines der ältesten Völker gehören sie zu WARHAMMER 40.000.
In der klassischen Fantasy jedoch verkörpern Orks zumeist das Böse. Sie werden zum Kämpfen gezüchtet, der Stärkere hat das Sagen, und doch stellt sich die Frage: Ist der Ork als Individuum wirklich durch und durch böse? Oder wird er zum Bösen verführt?
Antworten auf diese Fragen findet man in den folgenden Büchern, die ich nun kurz vorstellen möchte. Diese Bücher sind aus der klassischen Fantasy genauso wenig wegzudenken wie die Orks selbst, sie gehören einfach dazu.
Sympathische Orks???
Michael Peinkofer hat in seinem ersten Roman „Die Rückkehr der Orks“ das Kunststück fertig gebracht, den wohl lautesten und ausgiebigsten Durchfall in die Literaturgeschichte einzubringen. Rammar, hinter einem Felsen hockend, entgeht so einem Kampf gegen grünfratzige Gnome. Den Kampf lässt er, während er sich lautstark entleert, seinen Bruder Balbok ausfechten, der in seinen Augen etwas minderbemittelt geraten ist.
Solche Situationen sind bezeichnend für den Verlauf der Handlung. Das Großmaul Rammar schafft es immer wieder, sich in Notsituationen aus der Affäre zu ziehen.
Nach einem Kampf vergessen die Orkbrüder leider den alten Orkbrauch, den Kopf ihres gefallenen Kommandanten zu ihrem Häuptling zurückzubringen, und dieser schickt die beiden los, eben jenen Kopf innerhalb eines Mondes herbeizuschaffen. Und wie sich Balbar und Rammok durch das Reich von Schmugglerzwergen bis ins ewige Eis vorwagen, welche Abenteuer sie bestehen müssen und welche Rolle dabei der böse Zauberer Rurak spielt, darum geht es im ersten Abenteuer „Die Rückkehr der Orks“.
Mit „Der Schwur der Orks“ sind die beiden Brüder wieder da. Und wenn man nur die ersten Seiten liest, erkennt man, dass sich die „liebenswürdige“ Art von Rammar gegenüber Balbok nicht geändert hat, trotz der argen Langeweile, die beide auf dem Orkthron plagt. Den Thron hat natürlich Rammar belegt, der Superheld, der immer dann in Erscheinung tritt, wenn Balbok allen Gefahren getrotzt hat. Balbok darf auf einer niedrigeren Nachbildung eines Thrones faulenzen.
Und außer Essen, Trinken, Rülpsen und Furzen scheint erst einmal nicht viel zu passieren. Bis ein Mensch ins Geschehen tritt und die beiden Helden aus ihrer Langeweile reißt.
Ein Mensch bei den Orks, und dann noch ein lebendes Exemplar???
Warum das so ist, kann man im gerade erschienenen Buch von Michael Peinkofer „Der Schwur der Orks“ nachlesen. Und ich bin sicher, es gibt wieder eine Menge Spaß bei den Abenteuern und besonders bei den Dialogen der beiden ungleichen Orkbrüder.
 
Tad Williams hat sich zum Buch „DIE ORKS“ so ausdrückt:
„Der größte Spaß, den Sie je mit einem Haufen Orks haben werden!"
Die Welt Maras-Dantien, die bevölkert wird von alten Rassen, von Menschen und eben auch von Orks, lebt im Krieg untereinander. Orks leben für den Kampf, so auch der Ork Stryke mit seinem Trupp, den Vielfrassen. Und dieser Trupp wird von Königin Jennesta beauftragt, ein gestohlenes Artefakt wiederzubeschaffen. Die Suche nach diesem Artefakt gestaltet sich schwierig, die Orks bekommen Probleme mit Kobolden und können ihren Auftrag nicht zur Zufriedenheit der Königin ausführen. Deshalb werden sie für vogelfrei erklärt und sind nun selbst die Gejagten.
DIE ORKS BLUTRACHE! Stryke und sein schlagkräftiger Orktrupp kehren zurück! Und sie sind noch gefährlicher, noch hässlicher – und sie stecken in einer noch tieferen Patsche als in „Die Orks“. Da hilft kein Zaudern und Verzagen, ein Ork muss tun, wozu er geboren und spätestens seit dem „Herrn der Ringe“ verdammt ist: kämpfen!
Der 2. Teil erscheint im Mai 2007.
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