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Wunderwelten

Peter Christen Asbjörnsen

Leben:

Peter Christen Asbjörnsen wurde im Januar 1812 in Kristiania, dem heutigen Oslo, Norwegen, geboren. Seine Wurzeln allerdings lagen in Gudbrandsdalen, deutsch Gudbrandstal, dem mit 320 Kilometern Länge längsten norwegischen Tal. Diese Gegend birgt eine reiche volkstümliche Tradition.
Während des Studiums lernte Asbjörnsen Jörgen Moe kennen. Mit diesem reiste er dann durch ganz Norwegen. Sie sammelten dabei Volkserzählungen, zeichneten diese auf und veröffentlichten sie ab 1841.
Jacob Grimm regte sie dazu an, die Erzählungen möglichst originalgetreu wiederzugeben. Dadurch erwarben sie sich Verdienste um ihre Muttersprache.
Asbjörnsens Sammlungen fanden sehr weite Verbreitung, und das norwegische Nationalbewusstsein wurde durch sie gestärkt.
Bald aber beendete er diese Tätigkeit. Anschließend arbeitete er von 1858 bis 1876 als Forstmeister. Nebenher verfasste er viele naturwissenschaftliche Werke.
Am 6. Januar 1885 starb Peter Christen Asbjörnsen in Oslo.

Werk:

Peter Christen Asbjörnsen veröffentlichte über 50 Märchen, von denen einige unter anderem Namen wie zum Beispiel »Frau Holle« und »Die sieben Raben« im deutschen Sprachraum bekannt sind. Auch diverse Motive der norwegischen Märchen werden im deutschen Märchengut verwendet.
Es gibt zudem den Film »Der Eisbärkönig« von 1991 nach Märchen von Asbjörnsen und Jörgen Moe.
Asbjörnsens Porträt ziert außerdem den norwegischen 50-Kronen-Schein.

Ausgewählte Werke:

1. »Marienkind«

Dieses Märchen ist auch in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm enthalten.

Inhalt:
Ein armer Holzhacker hat eine kleine Tochter, die er nicht ernähren kann. Sie begegnen der Jungfrau Maria. Diese nimmt das Mädchen mit in den Himmel, wo es gut versorgt wird. Als das Kind vierzehn Jahre alt ist, macht Maria allein eine Reise und lässt ihm dreizehn Schlüssel da, von denen es einen nicht benutzen darf. Fortan benutzt das Mädchen jeden Tag einen der Schlüssel und freut sich mit den Engeln über die zwölf Apostel hinter den Türen. Dann aber öffnet es die dreizehnte Tür, sieht dahinter die Dreieinigkeit und berührt den Glanz. Davon wird sein Finger golden. Als Maria dies sieht und hinterfragt, gibt das Mädchen den Ungehorsam nicht zu. Da wird es auf die Erde verstoßen.
Es lebt zuerst jämmerlich in einem Baum in der Wildnis. Ein König findet es schließlich und heiratet es. Es ist aber stumm. Später bekommt die Stumme drei Kinder, die Maria ihr wegnimmt.
Die Leute denken, sie sei eine Menschenfresserin, und drängen den König, sie zu töten. Auf dem Scheiterhaufen gesteht sie schließlich ihre Verfehlung. Da löscht der Regen die Flammen, und Maria gibt ihr die Kinder zurück und schenkt ihr zudem Lebensglück.

2. »Die Puppe im Gras«

Inhalt:
Ein König hat zwölf Söhne. Als sie erwachsen sind, befiehlt er ihnen, in die Welt hinaus zu ziehen und sich eine Frau zu suchen. Diese Frau aber muss spinnen, weben und ein Hemd an einem Tag nähen können, sonst will er sie nicht zur Schwiegertochter. Jeder Sohn bekommt vom Vater Pferd und Rüstung. Nun ziehen sie in die Welt hinaus, wollen aber den jüngsten Bruder namens Aschenper nicht mitnehmen, da er doch zu nichts taugt.
So bleibt Aschenper traurig zurück. Er steigt vom Pferd, setzt sich ins Gras und weint. Nach einer Weile bewegt sich plötzlich ein Grasbüschel, und ein kleines, weißes, zartes Mädchen tritt hervor. Es fragt, ob er nicht mitkommen und das Püppchen im Gras besuchen will. Aschenper geht mit. Als er sich zu ihr niederbeugt, sitzt die Puppe im Gras auf einem winzigen Stuhl und ist schön und herausgeputzt. Sie fragt Aschenper, wohin er will und warum er diese Reise macht.
Da erzählt er, er und seine Brüder seien vom Vater in die Welt hinaus geschickt worden, um sich Frauen zu suchen, die weben, spinnen und ein Hemd an einem Tag nähen könnten. Er sagt zur Puppe im Gras, wenn sie dies tun und seine Frau werden wolle, werde er nicht länger weiter ziehen.
Die Puppe im Gras macht sich sofort an die Arbeit. Sie näht schließlich ein Hemd an einem Tag. Es ist allerdings so winzig wie sie selbst.
Mit diesem Hemd kehrt Aschenper zu seinem Vater zurück, und obwohl er sich schämt, weil es so winzig ist, sagt sein Vater, er könne das Mädchen ruhig heiraten.
Da reitet Aschenper zur Puppe im Gras zurück, um sie heim zu holen. Als er sie aber auf sein Pferd heben will, will sie lieber in einem silbernen Löffel fahren, bespannt mit zwei Schimmeln. So reisen sie schließlich auf diese Weise. Die zwei Schimmel aber sind zwei weiße Mäuse. Unterwegs hält sich Aschenper immer auf der einen Seite, seine Braut aber fährt auf der anderen, denn er hat Angst, sein Pferd könne auf seine winzige Braut treten.
Als sie aber an ein großes Wasser kommen, scheut Aschenpers Pferd, gerät auf die andere Straßenseite und wirft den Löffel um. Die Puppe im Gras fällt ins Wasser. Aschenper ist traurig, da er nicht weiß, wie er sie retten soll. Kurze Zeit später aber taucht ein Meermann mit ihr auf, und sie ist nun so groß wie ein erwachsener Mensch und noch schöner als zuvor.
Da setzt Aschenper sie auf sein Pferd und reitet mit ihr nach Hause. Als sie ankommen, sind auch die Brüder mit ihren Bräuten eingetroffen. Diese aber sind alle böse, hässlich und widerwärtig und streiten miteinander. Die Brüder sind neidisch auf Aschenper.
Der König aber ist von seiner Braut so angetan, dass er die Brüder nebst ihren Bräuten vor die Tür setzt. Aschenper und seine Liebste halten Hochzeit und leben zufrieden und glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Quellen:

Bilder:

  • Bildnis von Peter Christen Asbjörnsen, Knud Bergslien, 1870, gemeinfrei

Copyright © 2010 by Wolfgang Wiekert

 

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