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Wunderwelten

Orientalische Märchen aus dem Sperling-Verlag

Wüstenlied - Orientalische Märchen
Sperling-Verlag, Nürnberg, 2011
248 Seiten, Hardcover
Umschlaggestaltung und Illustrationen: Irina Piechulek
Druck: Lange OHG, Berlin
ISBN: 9783942140067
Preis: 19,95 €

Rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit hat der Sperling-Verlag, Nürnberg, eine Sammlung orientalischer Märchen herausgebracht. Das als Hardcover erschienene Buch ist äußerlich ein Schmuckstück, unter anderem wegen der zahlreichen, hübschen Illustrationen der Verlagseignerin, Irina Piechulek, die zudem selbst ein Märchen zum Inhalt beisteuert. Aber auch die fantasievollen Erzählungen der vierundzwanzig verschiedenen Autoren und Autorinnen bieten etwas für jeden Geschmack. Hilfreich ist, dass am Anfang des Buches Begriffe aus der arabischen Welt, die im Inneren verwendet werden, erklärt sind.
Das Märchenbuch basiert nicht – wie andere Bücher des Verlages – auf einer Ausschreibung und darauf folgender Auswahl der besten Geschichten, sondern die Autoren wurden vom Verlag angeschrieben und gebeten, orientalische Märchen für die Sammlung zu produzieren.
Die Märchen der Anthologie sind alle lesens- und auf ihre Weise liebenswert, sodass es schwerfällt, nur einige von ihnen hervorzuheben. Dennoch soll an dieser Stelle der Inhalt von zwei Märchen beschrieben werden, um dem potenziellen Leser einen ersten Eindruck zu vermitteln.

1. Auf der Suche von Tilly Boesche Zacharow

Der alte Sultan von Delhi stirbt, und sein Sohn folgt ihm auf den Thron. Er ist zunächst klug und wohlgestaltet, aber das gute Leben auf dem Thron macht ihn träge und fett an Leib und Seele.
Sein Arzt prophezeit ihm nun ein kurzes Leben, und er lässt sich in einer Sänfte zum Gestade eines Sees bringen, von welchem man die Gefilde der Seligen schauen kann.
Eines der schönen Mädchen aus dem Paradies (diese heißen in der arabischen Welt Huris) erbarmt sich seiner, zeigt sich ihm und bittet ihn, zu ihm zu kommen. Dann würde es ihm allein gehören. Es zeigt ihm die Türme einer Stadt am Horizont, wo es auf ihn warten will.
Er lässt sich auf den See rudern, weil er denkt, die Stadt der Schönen liege am anderen Ufer. Ein Sturm lässt seine Sklaven ertrinken, und er muss nun selber weiterrudern. Auf der anderen Seite des Wassers aber befindet sich eine Wüste, die er durchquert. Dann erhebt sich ein großer Berg vor ihm, über welchen er klettern muss, … (Es folgt eine Reihe weiterer Anstrengungen.) –
Nach langer Zeit - er hat sich während der langen Reise zu einem schlanken, kräftigen und respektablen Mann entwickelt – kommt er endlich an die Mauern einer Stadt, die er immer wieder in der Ferne gesehen hat. In der Stadt herrschen Räuberbanden, die er mit dem Schwert vertreibt.
Die Kämmerer und Wesire der Stadt wollen ihn anstatt ihres ehemaligen Gebieters, der sie vor langer Zeit verlassen hat, zum Sultan machen. Da erkennt er sie als seine Kämmerer und Wesire. Er ist einmal rund um die Erde gewandert.
Die Huri aus dem Paradies aber lässt dem alten und neuen Sultan die Gnade des Vergessens zuteil werden. Er vergisst sie, seine große Liebe, und nimmt die Tochter eines Würdenträgers zur Frau, mit der er glücklich wird.

2. Sternentee von Laila Mahfouz

Der Straßenjunge Bashar stolpert und fällt in einen Berg von wertvollem Geschirr, das sofort zerbricht. Der Eigentümer, ein Geschirrhändler, zwingt ihn, mit ihm zu ziehen und seine Schuld abzuarbeiten.
Als sie die restlichen Schüsseln, Schalen, Teller und Tassen verkauft haben, fährt der Händler, der den Namen Hassan trägt, im Pferdewagen mit ihm nach Osten zu einem fremden Emirat. Dort holen sie aus einem Palast Nachschub an Waren.
Während Bashar beim Einladen hilft, betritt er einen wunderschönen Garten und hört dort eine unsagbar süße Frauenstimme, deren Gesang ihn betört. Als sie alles in den Wagen geladen haben, fahren sie wieder fort, um ihre Ware in der weiten Welt zu verkaufen. Wenn sie dabei einmal Streit bekommen, kocht Hassan einen ganz besonderen Tee, und alle Gegner sind besänftigt, wenn sie davon trinken. –
Sieben Jahre dient Bashar dem Händler Hassan, kommt dabei immer wieder zu dem wunderschönen Garten zurück, und hört dort die zauberhafte Stimme. Als er einmal allein die Waren aus dem Palast holt, weil Hassan schläft, sucht und findet er die Sängerin, die junge Narjis, die Tochter des Emirs, der sie vor der Welt versteckt. Bashar küsst Narjis, und sie verlieben sich ineinander.
Als dann die Wachen nach ihr suchen, verlässt sie Bashar und weint eine Träne, die er in einem seidenen Taschentuch auffängt. Bashar ist traurig, weil sie dort bleiben muss und er sie nicht bekommen kann, denn der Emir will seine Tochter nicht hergeben und würde ihn töten lassen.
Hassan, der den Jungen lieb gewonnen hat, bemerkt Bashars Traurigkeit. Dieser erzählt ihm von Narjis und seinem Leid. Da verrät ihm Hassan, dass der Tee, mit dem er immer den Streit geschlichtet hat, etwas Besonderes ist. Die Prinzessin weint in jeder sternenklaren Nacht auf ihrem Balkon, und ihre Tränen werden von einer Dienerin aufgefangen. Diese benetzt damit ihren Tee und gibt dann dem befreundeten Hassan etwas von diesem
Sternentee.
Hassan schenkt Bashar den Rest von dem Tee, den er noch hat. Er soll damit tun, was er will. Bashar geht damit zum Emir, der verbittert ist, da ihm all sein Reichtum keine Gesundheit und kein ewiges Leben kaufen kann. Er kocht für den Emir den Sternentee und gibt noch das Taschentuch mit Narjis‘ Träne in die Kanne. Als der Emir davon trinkt, überkommt ihn ein Glücksgefühl, und er wird ein glücklicher und zufriedener Mensch. Er gibt Bashar zum Dank seine Tochter zur Frau, und dieser berichtet ihr von dem Tee, der durch ihre Tränen zum Zaubertee wurde.

Copyright © 2011 by Wolfgang Wiekert

 

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