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Wunderwelten

Hans Christian Andersen

- vom Schustersohn zum berühmtesten Dichter Dänemarks

Das Leben Hans Christian Andersens:

Hans Christian Andersen wurde am 2. April 1805 auf der dänischen Insel Fünen in der Stadt Odense geboren, die heute die drittgrößte Stadt Dänemarks ist, zu Andersens Zeit aber eine kleine Stadt war. Er war der Sohn des verarmten Schusters Hans Andersen und der alkoholkranken Wäscherin Anne Marie Andersdatter.


(Dieses Haus in Odense wurde zum Geburtshaus des Dichters „erklärt“, da niemand - nicht einmal er selber - noch wusste, wo genau in Odense er geboren war. Heute ist das Gebäude Teil des Andersenmuseums.)

Nach dem Tod des Vaters ging der Sohn – im Alter von 14 Jahren – nach Kopenhagen. Dort wollte er Theaterschauspieler werden, was ihm aber nicht gelang. Er versuchte sich auch als Sänger, ebenfalls vergeblich. In dieser Zeit verfasste er schon erste Gedichte.

Endlich nahm ihn der damalige Direktor des Königlichen Theaters Kopenhagen, Jonas Collin, in sein Haus auf. Dort fühlte sich der junge Andersen besonders zum Sohn des Hauses, Edvard, hingezogen. Dieser war jedoch durch Andersens Zuneigung befremdet und blieb distanziert. So pflegte Andersen eine enge Freundschaft mit der jüngsten Tochter des Hauses, Louise.

Vom Theater und König Friedrich VI. gefördert, besuchte Andersen 1822-26 und 1826-28 Lateinschulen in Slagelse und Helsingör. Anschließend studierte er an der Universität Kopenhagen.

Gegen Ende seiner Schulzeit schrieb er das Gedicht „Das sterbende Kind“, in welchem er die Welt aus der Sicht eines kleinen Kindes beschreibt. Diese Perspektive wurde später typisch für seine Arbeiten. Das Gedicht wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Während seines Studiums verliebte sich der Dichter in Riborg Voigt, die Schwester eines befreundeten Kommilitonen. Sie aber war einem anderen Mann versprochen. Dies verarbeitete der Autor möglicherweise in seinem Märchen „Die kleine Meerjungfrau“, einem Märchen über die unerfüllte Liebe einer Meerjungfrau zu einem Menschenprinzen. Die Skulptur der kleinen Seejungfrau im Hafen von Kopenhagen, geschaffen vom Kopenhagener Bildhauer Edvard Eriksen, erinnert an dieses Märchen.

Nach der Hochzeit seiner „unglücklichen Liebe“, Riborg Voigt, unternahm Andersen Reisen nach Deutschland, England, Italien, Spanien und in das Osmanische Reich. Insgesamt machte er dreißig große Reisen in alle Welt, so dass man ihn durchaus als „Weltbürger“ bezeichnen kann. Während seiner Reisen kam er 32 Mal nach Maxen bei Dresden, wo er Freunde hatte, die Mäzenen Friederike und Friedrich Anton Serre.

In späteren Jahren war er mit vielen prominenten Frauen befreundet, blieb aber unverheiratet. Mit Edvard Collin verband ihn jedoch auch nach dessen Heirat eine Freundschaft auf Distanz. Aufgrund solcher Gegebenheiten wird in der Wissenschaft diskutiert, ob Andersen homosexuell war.

Am 4. August 1875 starb Andersen als international verehrter, berühmter Künstler im Alter von siebzig Jahren in Kopenhagen.

Hans Christian Andersens Werk:


(Andersen- Briefmarke der Deutschen Post von 2005)

Andersen schuf 156 Märchen, die er von 1835 bis 1848 in acht Bänden publizierte. Dabei bearbeitete er nicht nur Volksmärchen, bis sie seinen literarischen Ansprüchen entsprachen und auch – was ihm vermutlich sehr wichtig war – von Kindern verstanden werden konnten. Außerdem schrieb er, in Anlehnung an historische Begebenheiten und Sagen, dem Volksglauben entlehnte und von der Literatur der Zeit beeinflusste Kunstmärchen, die heute wohl fast jedem Menschen, der sich auch nur ein wenig mit dem Lesen beschäftigt, zumindest zum Teil bekannt sind.

So kennt man die Geschichte vom hässlichen Entlein, das nach einem schweren Dasein am Ende zum stolzen Schwan wird, die Geschichte vom kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzchen, das in einer kalten Silvesternacht erfriert oder die Geschichte von der Prinzessin, die so empfindsam ist, dass sie durch zwanzig Matratzen und zwanzig Daunenbetten hindurch die Erbse in ihrem Bett spürt.
Weltbekannt sind auch die Märchen vom Tannenbaum, der zunächst ein schön geschmückter Weihnachtsbaum ist und am Ende vom Dachboden geholt und verbrannt wird und vom Kaiser, der Betrügern Unsummen für Kleider zahlt, die er zwar nicht sehen kann, weil es sie nicht gibt, die er aber nach ihren Worten nur dann nicht sehen kann, wenn er dumm ist und für sein Amt nicht taugt, was er nicht zugeben will. Ein kleines Kind deckt schließlich die wahre Dummheit des Kaisers auf.

Manche Märchen Andersens sind allerdings weniger bekannt, wie auch seine Novellen, Dramen, Gedichte, Reiseberichte und autobiografischen Schriften. Auch seine Romane „Der Improvisator“ von 1835, mit dem er in Deutschland mehr Anerkennung fand als in seiner Heimat und „Die beiden Baroninnen“ von 1848 sind nicht sehr bekannt.
Insgesamt umfasst sein Werk 18 Bände, nur drei davon sind Märchen. Zudem bastelte er in seiner Freizeit noch mehr als 800 Scherenschnitte.

Dass Andersens Märchen oft schlecht ausgehen, hat seine Ursache wohl darin, dass der Autor aus eigener Beobachtung wusste, dass Leid und Elend im Leben oft die Oberhand behalten.
Heute sind Andersens Schöpfungen Teil der Weltliteratur, zig Millionen Mal gedruckt, in über 120 Sprachen übersetzt und werden noch immer verkauft. Sie wurden im Laufe der Zeit in verschiedenen Versionen für das Theater bearbeitet und in diversen Ländern verfilmt.
Andersen ist heute der meist gelesene Autor der Welt.

Zu guter Letzt ist noch zu erwähnen, dass der wichtigste internationale Kinderbuchpreis, auch als „kleiner Nobelpreis“ bezeichnet, nach ihm benannt wurde, der „Hans Christian Andersen Award“, den u.a. Erich Kästner, James Krüss und Astrid Lindgren erhielten.

Quellen:

Fotos:

  • A) Foto H.C. Andersen, Wikipedia.de/ Public Domain
  • B) Foto des Geburtshauses H.C. Andersens in Odense, Fotograf Marco Kahlund, 13. Juni 2006
  • C) Foto der Skulptur „Die kleine Seejungfrau“, Rechte: Denny Richter, August 2003
  • D) Foto der Briefmarke H.C. Andersen, Deutsche Post AG, 2005,

© Wolfgang Wiekert

 

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