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Wunderwelten

Josef Haltrich

- Sammler sächsischer Volksmärchen aus Siebenbürgen

Leben:

Josef Haltrich wurde am 22. Juli 1822 in Sächsisch Regen, Siebenbürgen, geboren. Er besuchte vier Jahre lang die evangelische Volksschule seiner Vaterstadt und wechselte 1836 zum evangelischen Gymnasium in Schäßburg, das heute in Rumänien liegt.

1845 erwarb er dort das Abitur und schrieb sich im selben Jahr an der Universität Leipzig ein, wo er zwei Jahre lang Theologie, Philologie und Geschichte studierte.

Im Herbst 1847 schloss er sein Studium ab und kehrte zunächst nach Schaas bei Schäßburg zurück. Im Januar 1848 wurde er Hauslehrer der Kinder eines Grafen in Klausenburg, bevor er – noch im selben Jahr – sehr schwer an Wechselfieber erkrankte und diese Stelle aufgeben musste. Er zog zurück in sein Elternhaus, das Ende 1848 abbrannte, so dass er zu Verwandten nach Bistritz ziehen musste.

Im Dezember 1848 trat er eine Lehrerstelle im Schäßburger Obergymnasium an, die er bis Februar 1849 innehatte.

In der Folge von Kriegshandlungen in Siebenbürgen schloss sich Haltrich der Schäßburger Garde an und ging mit ihr nach Kronstadt, das bald von General Joseph Bem eingenommen wurde. Haltrich flüchtete zurück nach Schäßburg, wo er bald wieder als Lehrer tätig war.

1850 wurde er zum Professor des Obergymnasiums berufen. Im Juli 1869 bekam er den Rektorsposten der Schäßburger Bergschule, ein Amt, das er bis 1872 innehatte.

Im August 1872 übernahm Haltrich das Pfarramt in Schaas. Dort beobachtete er auch das Wetter und hielt dies schriftlich fest.

Im Mai 1886, im Alter von 64 Jahren, starb Josef Haltrich in Schaas an einem Herzschlag.

 

Werk:


(Titelseite der „Deutschen Volksmärchen aus dem Sachsenlande in
Siebenbürgen“.)

Josef Haltrich gehört zu den großen Erforschern des siebenbürgisch-sächsischen Volkslebens. Sein bekanntestes Buch ist seine im Geist der Romantik verfasste Märchensammlung „Deutsche Volksmärchen aus dem Sachsenlande in Siebenbürgen“, deren erste Auflage in Berlin gedruckt wurde, nachdem die Gebrüder Grimm dies vermittelt hatten.

Deutsche Wissenschaftler, wie zum Beispiel die Gebrüder Grimm, schätzten Haltrichs Publikationen sehr, die sich vor allem mit der Erforschung der Überlieferungen des siebenbürgisch- sächsischen Volkstums beschäftigten.

Haltrichs weit über hundert Märchen, von denen es bis heute acht Auflagen und diverse Einzelveröffentlichungen gibt, gehören zur am häufigsten bildnerisch dargestellten Literatur aus Siebenbürgen. Seine zahlreichen Tiermärchen wurden später in die allgemeine Märchensammlung übernommen.

Ab 1851 leistete Haltrich im Auftrag des Vereins für siebenbürgische Landeskunde zudem die Vorarbeit zur Erstellung eines siebenbürgisch- sächsischen Wörterbuchs nach dem Vorbild des Wörterbuchs der deutschen Sprache der Gebrüder Grimm. Daraus wurde ein Jahrhundertwerk, an welchem noch heute gearbeitet wird.

Es folgten noch viele weitere Arbeiten. Sein Gesamtwerk sichert Haltrich, der als Mensch wohl sehr bescheiden war, einen Platz unter den herausragendsten Persönlichkeiten der siebenbürgisch- sächsischen Kulturgeschichte.

1972 wurde zu seinem Andenken die deutschsprachige Schäßburger Bergschule nach ihm benannt.

Quellen:

Bilder:

  • Porträt von Josef Haltrich, in: www.hog-schaessburg.de/ Josef Haltrich
  • Josef Haltrich, Deutsche Volksmärchen aus dem Sachsenlande in Siebenbürgen, Wien, Graeser, 1882. Titelseite. Gemeinfrei.

© Wolfgang Wiekert

 

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