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Wunderwelten

Der phantastische Bücherbrief

John M. Ford
(*10. 04. 1957; +24. 09. 2006)

von Erik Schreiber

September 2006 unabhängig kostenlos Ausgabe 414

Völlig überraschend kam für mich die Meldung von dem SF-Magazin Locus, dass man seine Leiche morgens um zwei Uhr des 24. Septembers gefunden hat. Leider fehlt die Meldung, woran der Schriftsteller im Alter von neunundvierzig Jahren verstarb. Er arbeitete vor allem als Schriftsteller, Herausgeber und als Spieledesigner.
John Ford wurde in Indiana geboren, wo er bis zu seinem Tode auch blieb. Er besuchte das College und studierte Physik und Theaterwissenschaften, die man nicht gerade als ergänzendes Studium bezeichnen kann. Zu dieser Zeit entdeckte er seinen Hang und die Liebe zur Schriftstellerei. Seit 1975 ist er freiberuflicher Schriftsteller. 1975 erschien seine erste Kurzgeschichte in Astounding Science Fiction. Ihr folgten zahlreiche weitere Kurzgeschichten, die meist in Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin erschienen, die wiederum in Deutschland, von Friedel Wahren betreut, herausgegeben wurden. Der rote Faden in diesen Kurzgeschichten war die Alternities Corporation. Eine Gesellschaft, die ihren Nervenkitzel darin fand in andere Welten transportiert zu werden. Was nicht immer dazu führte, auch in der angestrebten Welt anzukommen. Daneben veröffentlichte John auch eine Vielzahl von Gedichten, die u.a. in Einladung nach Camelot vom Bastei Lübbe Verlag, ihren Eingang fanden. Allerdings wurden nur die wenigsten seiner Romane ins Deutsche übersetzt. Vor allem sind da seine Star Trek Romane zu nennen und den Pseudohistorischen Roman Der Thron des Drachen. Er schrieb auch an dem Shared World Projekt mit, an dem auch Charles L. Grant beteiligt, war, der ebenfalls in diesem Monat verstarb.
Der erste Roman von John M. Ford erschien 1980 unter dem Titel Web of Angels. Manch einer sieht in diesem Roman einen Vorläufer der Cyberpunk-Bewegung, vergisst aber dabei den 1978 erschienenen Roman Hirnspirale von Fred Saberhagen. Es geht dabei um das Universum umfassende Computernetz und die gegenseitige Beeinflussung von Mensch und Maschine. Gleichzeitig griff er die mögliche politische, wirtschaftliche und religiöse Entwicklung auf.
Der Folgeroman The Princes of the air war ein reiner Space Opera Roman. Erst sein dritter Roman, der etwas weiter unten besprochene Der Thron des Drachen, erscheint mir für John am herausragendsten zu sein. John M. Ford ist ein ausgesprochen vielseitiger Autor. Er schrieb SF, Fantasy, Jugendbücher (zum Teil unter Pseudonym), Spionageromane und Gedichte. Er lässt sich auf keine Stilrichtung festlegen, probiert gern mal hier, mal dort und fühlt sich als Schriftsteller eigentlich überall zu Hause. Mit ihm ist ein sehr ideenreicher und vielseitiger Autor von uns gegangen.

John M. Ford Der Thron des Drachen Wilhelm Goldmann Verlag
John M. Ford Star Trek - Was kostet dieser Planet Wilhelm Heyne Verlag

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John M. Ford Der Thron des Drachen
Originaltitel: the dragon waiting (1983)
Übersetzung: Hermann Voelkel Titelbild: ?

Wilhelm Goldmann Verlag (1985) HC 381 Seiten ? DM
ISBN: 3-442-30051-7

auch als:

John M. Ford Der Thron des Drachen
Originaltitel: the dragon waiting (1983)
Ü
bersetzung: Hermann Voelkel Titelbild: Janni Wurts
Wilhelm Goldmann Verlag (1988) 381 Seiten 12,80 DM
ISBN: 3-442-23933-8

 

Wir befinden uns in der Zeit der Rosenkriege. Die Tudors streiten gegen die Plantagenets um den englischen Thron und die Herrschaft auf der britischen Insel. Der Schriftsteller John M. Ford ersetzte in seiner Parallelwelterzählung jedoch die roten und weisen Rosen auf den Schildern der Kontrahenten durch Drachen. Dabei steht der rote Drache für Wales und der weisse Drache für England. Daher kommt dann auch der Titel, der auf eben diese beiden Drachen anspielt. Er lässt aber auch die Geschichte einen anderen Gang nehmen, denn die Tudors werden den Rosenkrieg nicht gewinnen.
Der junge Hywel Peredur trifft auf einen Zauberer, der von Soldaten des byzantinischen Reiches gefangen gehalten wird. Er hilft dem Magier, verlangt aber als Gegenleistung, dass er in Magie ausgebildet wird.
Der junge Dimitrios ist Anwärter auf den Thron aber seine Familie wurde als Verwalter in die Provinz abgeschoben. In der abgelegenen gallischen Provinz freundet er sich mit der einheimischen Bevölkerung an.
Die Ärztin Cynthia stammt mit ihrem Vater aus Florenz. Sie betreuen den schwerkranken Handelsherrn Lorenzo di Medici.
Gregor von Bayern, Vampir und Fachmann für Munition verschlägt es auf die britischen Inseln. In einem Europa, dass nur noch Britannien als freies Land kennt, während der Rest von Byzanz beherrscht wird, versuchen die genannten Handlungsträger den Thron Englands für König Richard III. zu bewahren. Indem sie ihm helfen, bewahren sie dem Königreich die Unabhängigkeit.
Im alten Byzanz liess der Herrscher die absolute Religionsfreiheit zu. Keine Religion wurde Unterdrückt, keine gefördert. Aus diesem Grund blieben die Christen eine kleine Minderheit. Dahingegen ist der Mitrakult eine der verbreitetesten religiösen Vereinigungen.

Mit diesem Roman gewann John M. Ford 1984 den World Fantasy Award. Er begibt sich mit dem vorliegenden Roman tief in die Geschichte Europas, verändert sie in verschiedensten Punkten. Damit erreicht er, dass zwar einiges bekannt erscheint, in Wirklichkeit aber einen ganz anderen Gang geht. Daher muss er sich auch nicht sklavisch an die Geschichtsschreibung halten, sondern kann mit einem guten Allgemeinwissen und einer guten Portion Phantasie eben dieser freien Lauf lassen. Um in den vollen Genuss des Romans zu kommen, sollte der Leser und die Leserin zumindest ein paar Grundinformationen aus der Geschichte haben. Manch einer mag die Erzählung für ein wenig verworren halten. Dem kann man allerdings getrost entgegenhalten, den Roman nicht gründlich gelesen zu haben. Ich liebe seine Anspielungen und die Möglichkeit, mir selbst weitergehende Gedanken zu machen.

 

Star Trek Classic 36. Band
John M. Ford Wieviel kostet der Planet?
Originaltitel: how much for just the planet? (1987) Übersetzung:
Titelbild: Boris Vallejo
Wilhelm Heyne Verlag 5844 (1992) 280 Seiten 12,80 DM
ISBN: 3-453-05844-5

 

Dilithium ist für die Förderation ein sehr wichtiger Rohstoff, denn ohne ihn fliegt kein Raumschiff. Daher ist der Rohstoff nicht nur selten, sonder teuer. Aus diesem Grunde sind Forschungsschiffe der Förderation ständig auf der Suche nach neuen Vorkommen, die es lohnt abzubauen. Eines dieser Forschungsraumschiffe ist die Jefferson Randolph Smith. An Bord dieses Raumschiffes befinden sich drei Crewmitglieder. Das Ziel von Captain Tatyana Trofimov, dem Ersten Offizier Tellihu - einem Withiki - und der vulkanischen Wissenschaftsoffizierin T'Vau ist es, Dilithium-Vorkommen aufzufinden. Mit T’Vau fliegt eine schlampige Vulkanierin mit, was an und für sich bereits ein Anachronismus darstellt. Gleichzeitig ist der Bordcomputer der Meinung, sie trachte ihm nach dem Leben. Man vermutet, dass die Störung durch T’Vau an diesen seltsamen Anwandlungen Schuld ist. Sie hatte vulkanischen Milchshake über die Tastatur geschüttet. Die drei Förderationsmitglieder sind aber ganz und gar unmotiviert. Am liebsten würden sie wieder nach hause fliegen.
In der Nähe der JRS fliegt der klingonische Kreuzer Feuerblüte. Fast gleichzeitig finden Klingonen und Förderation Dilithium auf der Welt Direidi.
Der ganze Trubel geht erst richtig los, als die JRS-Besatzung mittels Rettungskapseln auf dem Planeten landet, die Klingonen im Orbit herumdüsen und der Bordcomputer die Enterprise zur Hilfe ruft. Währenddessen schlagen die Kolonisten von Direidi mit Plan C zurück.
Klingonen und Förderation wollen das Dilithium, aber die Bewohner dieser Welt natürlich auch. Denn wenn sie über das seltene Erz bestimmen, können sie nicht nur den Preis festlegen, sondern auch viel Geld für ihren Planeten dabei herausholen.

John M. Ford bewies mit diesem Roman, dass Star Trek nicht nur bierernst genommen werden muss. Auch der Humor hat seine Berechtigung. Und diese Aussage nutzt er schamlos aus. Ich habe mich bei diesem Roman köstlich amüsiert. Und jeder andere wird es genauso tun. Lediglich Hard-Core-Fans werden in den Keller gehen um später zu lachen, wenn keiner hinguckt.

 

Veröffentlichungen:

Bastei Lübbe Verlag

  • 20132 Einladung nach Camelot 1989 invitation to camelot 1988
  • Wintersonnenwende, Haltestelle Camelot winter slostice, camelot station 1988

Wilhelm Goldmann Verlag

  • Der Thron des Drachen 1985 HC the dragon waiting 1983
  • 23933 Der Thron des Drachen 1988 the dragon waiting 1983

Wilhelm Heyne Verlag

  • 3776 Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin 8 Hrsg. : Birgit Reß-Bohusch 1980
  • Mandalay mandalay 1 978
  • 4011 Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin 19 Hrsg. : Friedel Wahren 1983
  • Der dunkle Begleiter the dark companion 1981
  • 4034 Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin 20 Hrsg.: Friedel Wahren 1983
  • Amy am Treppenfuß amy, at the bottom of the stairs 1982

Star Trek Classic

  • 4528 Der letzte Schachzug 1988 the final reflection 1984 17. Band
  • 4922 Was kostet dieser Planet? 1992 how much for just the planet? 1987 39. Band
  • 9744 Botschaft für Raumschiff „Enterprise“
  • Der letzte Schachzug 1996 the final reflection 1984 17. Band

Wilhelm Heyne Allgemeine Reihe

10961 the other limits Hrsg.: Debbie Notkin, Roger Stewart 1999 unbekannt unknown 1996

Verfasservermerk:

Der phantastische Bücherbrief erscheint monatlich kostenlos. Die Auflage beträgt zurzeit 750 gedruckte Ausgaben. Er darf teilweise oderganz vervielfältigt werden, wenn die Quelle genannt wird. Abdruck honorarfrei. Eine kurze Nachricht und / oder Belegexemplar wären nett. Im Internet finden sich auf www.phantastik-news.de und www.taladas.de weitere Rezensionen. Zudem wird er auf den Internetseiten www.science-fictionportal.de , www.terranischer-club-eden.com , www.taladas.de , www.sftd-online.de und ebenfalls auf der Seite www.homomagi.de zum Herunterladen bereitgehalten. Weitere Rezensionen sind bereits im Internet verteilt.

Der phantastische Bücherbrief kann auch als .pdf-Datei angefordert werden.

Copyright und Verantwortlich: Club für phantastische Literatur, Erik Schreiber, Kranichsteiner Strasse 9, 64289 Darmstadt, erikschreiber@gmx.de

 

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