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Blogtour mit Wolfgang Hohlbein und »Infinity«

 

Hallo, liebe Hohlbein-Fans,

heute präsentieren wir die Specials, welche in Zusammenarbeit mit dem Autor, dem Medienservice Dieter Winkler und dem Piper Verlag entstanden. Im Exklusivinterview beantwortet Wolfgang Hohlbein einige Fragen zur Entstehung des Romans Infinity, gibt einen kleinen Einblick in die Entwicklung der Charaktere und äußert sich zu Gedanken, wie es weitergehen könnte. Viel Spaß beim Anschauen des Interviews wünscht

das Team von www.geisterspiegel.de.

Interview mit Wolfgang Hohlbein
moderiert von Tanja Winkler

Leseprobe aus Infinity - Der Turm
Seite 23 - 41

Auszug:

Craiden Es war ein Bild der Ehre, das seine Brust vor Stolz schwellen ließ, und zugleich ein Bild der Schande, das seine beiden Herzen wie eine eiserne Faust zusammenpresste und ihm das Atmen schwer machte.
Die Krieger zu zählen war unmöglich. Manche standen dicht an dicht gedrängt da, eng genug, um sich gegenseitig zu behindern und bei der geringsten Unvorsichtigkeit wohl auch zu verletzen, und eine lebende Mauer bildend, an der jeder Feind einfach zerschellen musste, andere, zumeist beritten, bildeten kleine Inseln purer zerstörerischer Kraft, die nur darauf warteten, entfesselt zu werden und den Feind zu zerschmettern, wieder andere standen in Reih und Glied ausgerichtet da, präzise wie auf einem mit großer Akribie gemalten Plan, wenig innovativ vielleicht, aber diszipliniert und bereit, ihr Bestes zu geben – was viel war.
Sie waren die Besten der Besten, der Stolz von Belagerung und einer ganzen Generation, bereit zuzuschlagen und weder den Tod noch Schmerz oder auch den wildesten Feind zu fürchten.
»Was für eine Verschwendung«, grollte Torman.
Craiden brachte ihn mit einem ärgerlichen Blick zum Verstummen, unter dem Torman zwar den mächtigen, vierfach gehörnten Schädel senkte und demütig einen Schritt zurückwich, der das trotzige Funkeln in seinen senkrecht geschlitzten Reptilienpupillen aber nicht auszulöschen vermochte.
So wenig wie die dünne, flüsternde Stimme in Craiden, die darauf beharrte, dass sein Gajin recht hatte.
Das Heer marschierte. Zögernd, scheinbar chaotisch und doch einem ebenso komplizierten wie von vielen Generationen verfeinerten Plan folgend, setzte sich die ganze gewaltige Masse in Bewegung und strebte einem Feind entgegen, dem sie niemals in die Augen sehen würde, und einem Schlachtfeld, das nur aus der ersten Hälfte dieses Wortes bestand und Tod ohne Ehre bereithielt, Schmerz ohne Belohnung und Furcht ohne Sinn.
»Du musst dir das nicht ansehen«, sagte Torman gesenkten Blickes und in demütigem Ton, aber dennoch fordernd, beinahe schon zornig. »Du weißt, warum sie uns diese Bilder zeigen. Um uns zu demütigen. Und bei dir gelingt es ihnen offenbar!«
Craiden schluckte mühsam alles herunter, was ihm dazu auf der Zunge lag – es war genug, um ihm das Gefühl zu geben, daran ersticken zu müssen –, und beruhigte sich selbst mit dem Gedanken, dass es schließlich die Aufgabe eines Gajin war, in einem Moment wie diesem zornig, ja sogar unverschämt und herausfordernd zu klingen. Das bewahrte Torman vermutlich vor einer schmerzhaften Tracht Prügel oder Schlimmerem und entsprach nebenbei auch der Wahrheit, aber es machte das, was er sah, nicht besser.
Das Heer marschierte. Die Erde selbst erzitterte unter dem Stampfen zahlloser Füße und Klauen, die Luft erbebte unter dem kampflustigen Gebrüll aus Tausenden menschlicher und nichtmenschlicher Kehlen, und Waffen wurden gezogen und gegen einen Feind geschüttelt, der sich immer noch nicht zeigte und sich auch nicht zeigen würde.
Dafür öffneten sich die Pforten der Hölle.
Obwohl er wusste, was kam, obwohl er diese Bilder schon unzählige Male gesehen hatte und sie wie ein glühendes Messer in seine Brust gefahren und niemals heilende Narben auf seiner Seele hinterlassen hatten, traf ihn der Anblick dennoch wie ein Schlag ins Gesicht. Tränen der Wut füllten seine Augen, und seine Hände schlossen sich so fest um das Zaumzeug, dass das tausend Jahre alte Leder knirschte.
Blitze erschienen aus dem Nichts und verschwanden wieder, hoch in der Luft und zuerst ohne irgendetwas zu berühren, auch wenn sie Panik unter Mensch und vor allem Tier verursachten und die langsam vorrückende Formation störten, schließlich zum Teil sogar zum Stehen brachten, als die ersten, haarfeinen
Linien aus blauem Licht ihr Ziel trafen und Metall schmelzen und Blut kochen ließen, Fleisch in roten Fontänen explodieren sowie Haut und Schuppen zerfließen ließ.
Craiden schloss die Augen, aber es nutzte nichts. Er hatte diese Bilder zu oft gesehen, als dass die Dunkelheit hinter seinen Lidern ihm Schutz vor ihnen bieten konnte.
Das Heer rückte weiter vor, ungeachtet der Bahnen explodierender Verheerung, die das lautlose Blitzgewitter in seine Reihen brannte. Hunderte starben, aber Tausende marschierten weiter und schrien dem unsichtbaren Feind ihre Wut nur noch trotziger entgegen.
Dann begann das Sterben wirklich.
Die Blitze loderten weiter, viele, aber längst nicht genug, um den Vormarsch der gewaltigen Armee wirklich aufzuhalten oder auch nur nennenswert zu verlangsamen, doch nun erschienen Wirbel inmitten der Krieger, tanzenden Windgeistern gleich, kaum mehr als Staub, den ein Luftzug bewegte. Nur dass dieser
Staub tötete. Wo er Fleisch, Schuppen oder Horn berührte, da … verschwand es einfach, löste sich auf wie ein Trugbild aus Nebel, das nur in eine scheinbar lebendige Form gezwungen worden war und diese Fessel nun abschüttelte. Mehr und schlimmere Bahnen grausamer Zerstörung durchzogen das Heer, noch immer, ohne es bremsen zu können, obwohl der Blutzoll größer wurde, den der Stolz von Belagerung für jeden Fußbreit Boden bezahlte, über den er schritt.
Als auch das nichts fruchtete, schlugen unsichtbare Fäuste zu, manche tatsächlich nicht größer als eine Faust, sodass Reiter aus ihren Sätteln geschleudert, Krieger zu Boden geworfen und Tiere von den Füßen gerissen wurden, andere groß wie ein Wagen oder ein ganzes Haus, und Mensch und Tier einfach … verschwanden, zu rotem Nebel und blutigem Brei zermalmt und halbmetertief in den Boden gerammt, der wie ein lebendes Wesen aufschrie.
Und als auch das nicht half und das Heer noch immer und eher noch schneller werdend weiterstürmte, erschienen die Spinnen.
Vielleicht war dies der einzige Teil des grausamen Geschehens, in dem zumindest eine Spur von Ehre lag. Es waren keine wirklichen Spinnen, sondern große, aufrecht gehende silberne Gestalten, drei Meter hoch und mit zwei dünnen, staksigen Beinen und vier Armen, die in langen Sensenklingen und schnappend gezahnten Klauen endeten, doch immerhin kämpften sie nicht mit magischem Feuer und unsichtbarem Tod, sondern ehrlichem Stahl und schierer, knochenzermalmender Kraft. Etliche von ihnen fielen sogar, von der bloßen Übermacht der heranstürmenden Krieger überrollt, auch wenn sie nicht wirklich starben, sondern eher zerbrachen.
»Sieh dir das nicht weiter an!«, sagte Torman noch einmal. »Oder willst du, dass es genau das bewirkt, was es soll «
Glaubte der Gajin etwa, er wäre nicht stark genug, um auch den Rest dieses Augenblicks der Schande zu ertragen? Craiden erwartete, zornig auf Torman zu werden, er wollte zornig auf ihn werden, doch dieses Gefühl wollte sich nicht einstellen. Stattdessen fragte er sich, was er getan hatte, um diese Erwartung in seinem Gajin zu erwecken ...

Der vollständige Text kann H I E R gelesen werden.

Veröffentlichung des Videointerviews und der Leseprobe mit freundlicher Genehmigung von Medienservice Dieter Winkler und Piper Verlag

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