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Wunderwelten


Hans Joachim Alpers

Hans Joachim Alpers wurde am 14. Juli 1943 in Wesermünde / Bremerhaven geboren. Nach der Schule absolvierte er eine Schiffschlosserlehre und arbeitete auf der Deutschen Werft. Der Schlosserlehre folgte ein Ingenieurstudium in Bremen. Als Ingenieur arbeitete er in einem Konstruktionsbüro. An der Universität Hamburg folgte ein Studium in Maschinenbau, Politik und Erziehungswissenschaft. Bereits während des Studiums schrieb er Kurzgeschichten, die in Fanzines erschienen. 1967 veröffentlichte er unter dem Pseudonym Jürgen Andreas eine Kurzgeschichtensammlung unter dem Titel Erde ohne Menschen. Es folgten nach weiteren Kurzgeschichten, einige Heftromane, die auch für andere Autoren als Sprungbrett dienten. Etwa unter dem Verlagspseudonym Gregory Kern für die Bastei-Serie Commander Scott. Ihnen folgten Jugendbücher in den Bereichen Science Fiction und Krimis. Unter anderem erschienen diese unter dem Pseudonym Daniel Herbst. Viele Jugendbücher verfasste er mit Ronald M. Hahn, mit dem er auch später intensiv zusammenarbeitete.
Seine Arbeit als Autor trat in den Hintergrund, als er die Tätigkeit als Herausgeber und Lektor in den 1970er Jahren aufnahm. Aber auch als Sachbuchautor trat er hervor, als es galt, die Science Fiction mit Fachwissen aufzuarbeiten. So arbeitete er unter anderem am Heyne Science Fiction Lexikon mit. Hier kam ihm seine Arbeit als Herausgeber der halbprofessionellen Zeitschrift Science Fiction Times zugute. In den 1960er Jahren, während seines Studiums, gab er dieses Magazin heraus, an dem fast alle heutigen Autoren und Kritiker der SF in der einen oder anderen Weise beschäftigt waren.
Hans Jürgen Alpers schrieb für Zeitschriften Buchbesprechungen, steuerte fundierte Artikel und Aufsätze zu Werken der SF-Literatur bei. Bei dem kurzlebigen Profimagazin Comet (1977 und 1978) arbeitete er in dieser Zeit als Redakteur mit. Ebenso war er Redakteur bei der Zeitschrift Wunderwelten, Mitherausgeber und Redakteur von Parsek, das 1990 in Zusammenarbeit mit Gerd Maximovic entstand. Von 1978 bis 1980 war er der Herausgeber der Taschenbuchreihe Knaur Science Fiction, bevor er 1980 zum Verlag Moewig wechselte. Dort war er für die Reihen Moewig Science Fiction und Moewig Bibliothek Science Fiction tätig. Dort beendete er seine Tätigkeit 1986 mit Einstellung der Reihe.

Er schrieb in all den Jahren eigene Geschichten, übersetzte, rezensierte, arbeitete als Herausgeber, arbeitete an Hörspielen mit, schrieb Sachbücher und vieles mehr. In seiner Arbeit war er immer irgendwie der Phantastik, hauptsächlich der Science Fiction, verhaftet. Als 1984 Ulrich Kiesow im Gefolge von Dungeons & Dragons das deutsche Rollenspiel Das Schwarze Auge entwickelte, waren Hans Joachim Alpers und Kiesows Schwager Werner Fuchs dabei. Das Schwarze Auge ist bis in die heutige Zeit das erfolgreichste deutsche Rollenspiel, mit umfangreichen Regeln, Modulen und Handyspielen. Bereits ein Jahr vorher hatten sie die Firma Fantasy Productions gegründet, die heute als FanPro firmiert. Unter dem Pseudonym Claus Lenthe veröffentlichte Alpers DSA-Abenteuer-Module. Bis zu seinem Tod schrieb er zudem DSA-Romane, die zuerst im Wilhelm Heyne Verlag, später im Piper Verlag erschienen. Dabei entwickelte er die Reihe Rhiana. Sie beginnt mit einer jungen Amazone, die sich in den bis jetzt erschienenen sieben Abenteuern immer weiter entwickelte. Die Welt nennt sich Aventurien und wird seit mehr als 25 Jahren von ihren Schöpfern, ohne den leider viel zu früh verstorbenen Ulrich Kiesow, weiter entwickelt. Die Beschreibungen von Städten und Ländern, Personen und Monstern, Zaubersprüchen und Waffen umfassen inzwischen mehrere Regelwerke.

Als Hans Joachim Alpers am 16. Februar 2011starb, verließ uns wieder einmal mehr ein ideenreicher Mensch, der mit seinen Taten wichtige Akzente setzte.

Pseudonyme

  • Jürgen Andreas, Thorn Forrester, Daniel Herbst, Gregory Kern, Mischa Morrison, P. T. Vieton, Ashe Hyams, Claus Lenthe und Jörn de Vries

Preise

  • Kurd Laßwitz Preis
  • 1981 Sonderpreis: Hans Joachim Alpers, Werner Fuchs, Ronald M. Hahn und Wolfgang Jeschke für das Lexikon der Science Fiction Literatur
  • 1983 Sonderpreis: Hans Joachim Alpers, Werner Fuchs und Ronald M. Hahn für Reclams Science Fiction Führer
  • 1986 Beste Erzählung: Hans Joachim Alpers und Ronald M. Hahn, Traumjäger
  • 1991 Sonderpreis: Für langjährige sekundärliterarische Leistungen
  • 1995 Bester Roman: Das zerrissene Land
  • 1996 Bester Roman: Die graue Eminenz

Werke - Eine Auswahl

Das Schwarze Auge
Rhiana, die Amazone 1. Band
Der Flammenbund

Rhiana von Talania ist die Tochter der Kriegsgöttin Rondra und des Königs Arlos. Ihr Vater wurde von Thronräubern ermordet, sie selbst konnte mit einigen Getreuen fliehen. Die Thronräuber stellen ihr aber immer noch im Exil nach. Die Flucht vom Inselkönigreich der sieben Winde auf das Festland hat ihr nicht viel geholfen. Ihre Mutter legt ihr das Schicksal des Landes Aventurien in ihre Hände, während die Amazone Neel, Tjalmar der Thorwaler und andere für eine umfassende Ausbildung als Kriegerin sorgen. Die junge Frau ist zunächst gar nicht begeistert. Erst als sie in die Hände von Verschwörern gerät, ihr väterlicher Freund und Beschützer Tjalmar getötet wird, nimmt sie den Kampf gegen die dunkle Bedrohung auf. Ihr sorgloses Leben als Teenager ist mit einem Schlag zu Ende. Rhiana macht sich auf den Weg, den Mord an ihrem Vater aufzuklären. In ihrer Begleitung finden sich ihr Wolfshund Eisfell und die Halbelfin Finni. Zu dritt nehmen sie den Kampf auf. Dabei lernt sie zum ersten Mal dunkle Magie und ihre Auswirkungen kennen. Unter anderem erfährt sie von den Plänen ihrer Stiefmutter. Die albernische Baronin ist im Thronraub verwickelt, da sie die Herrschaft über Talania übernehmen will. Es gibt aber noch die geheimnisvolle Gruppierung, der »Flammenbund«, vor dem sich das junge Mädchen in Acht nehmen muss. Der Flammenbund will einen der mächtigen Ur-Drachen wieder ins Leben zurückrufen. Dabei stört eine lebende Halbgöttin aber.

Das Schwarze Auge
Rhiana die Amazone 4. Band

Verschwörung in Havena

Endlich haben Rhianas Getreue geeignete Schiffe gefunden, um das ungeliebte Havena zu verlassen. Der Exodus steht unmittelbar bevor, als etwas Unvorhergesehenes passiert: Die von dem obersten Hetman Bjarnison angeführten Thorwaler greifen mit einer mächtigen Flotte die Hafenstadt an.
Das Trio folgt während ihrer Zeit in Havena dem jungen Menno. Er steht anscheinend unter dem Einfluss von Fremden, denn er hatte den Speicher seiner Mutter angezündet. Jetzt soll er eine zweite Aufgabe erhalten, wie die Frau, die eben noch eine Beschwörung durchführte, offenbart. Rhiana und Finni erkennen in ihr Elidana. Die Frau, die sich ihnen schon einmal aufdrängte und nur Ungemach verbreitete. Sie ist jetzt die Abgesandte des Dragor und will ihre Macht ausweiten, was sie mit Hilfe von Kultisten erreichen will und Menno soll das Opfer werden. Und Rhianna glaubt fest daran, dass der Flammenbund dahinter steckt. Auf der Flucht vor Elidana gerät das Trio in einen weiteren Konflikt. Die drei jungen Leute werden dabei nicht nur Augenzeugen, wie sich etwa 50 Thorwaler mit Schilden und Knüppeln, statt Schwertern der Stadt nähern. Sie sind mittendrin, denn gegen diese Übermacht haben weder die drei noch der Wolf etwas entgegenzusetzen.
Jedes Schiff in Albernia wird für die Seeschlacht gegen die Thorwaler gebraucht. Rhiana, die ihre Gefährten und sich aus der Auseinandersetzung heraushalten wollte, wird durch eine Intrige gezwungen, mit in die Schlacht zu ziehen. Doch die Amazone muss sich nicht nur dem Feind, sondern auch den Bestimmungen Rahjas, der Göttin der Liebe, stellen: Sie ist auserwählt, sich inmitten aller Kriegswirren zu verlieben. Wer aber verliebt sich wirklich und in wen? Wichtig scheint nur, dass es Rashid ist, der Junge aus der Wüste.

Ronald M. Hahn, Werner Fuchs, Hans Joachim Alpers
Lexikon der Horrorliteratur

Das vorliegende Buch gibt sich den Anspruch, ein Lexikon der Horrorliteratur zu sein. Es beginnt mit einer Einführung in die Horrorliteratur. Auf diesen 21 Seiten findet sich ein langer, in vielen Dingen oberflächlicher Artikel. Peinlich erscheint mir, dass England und die Vereinigten Staaten von Amerika jeweils große Artikel erhalten, die deutsche Gruselliteratur sich aber mit Frankreich, Polen und Russland einen Artikel teilen muss.
Der redaktionelle Teil mit dem Autorenlexikon ist sehr ausführlich und interessant. Viele dieser Autoren sind jedoch für den deutschen Sprachraum vollkommen unwichtig. Die Bücher dieser Herren sind in Deutschland nämlich nicht in deutscher Übersetzung zu haben.
Die Auflistung der Heftromanserien am Schluss des Bandes ist sehr ausführlich, aber ein wenig unübersichtlich. Hinter jeder Heftnennung wäre die Jahreszahl nicht notwendig gewesen, die Nennung des echten Autorennamen hingegen aufschlussreicher und übersichtlicher.
Wenn ich nun den viel zu hohen Preis von 89,- DM nenne, habe ich alles erwähnt, was mir negativ auffiel. Viele fragen sich jetzt, was denn nun positiv übrigbleibt. Allein der Ansatz, dieses Buch herauszugeben, ist schon erwähnenswert. Während im Science Fiction Bereich sehr viele Nachschlagewerke existieren, ist dies im Gruselbereich nicht der Fall. Im Format eines Taschenbuches herausgegeben, würde das Lexikon sicherlich mehr Käufer finden. So wird es ein Liebhaberstück für Sammler und Interessierte bleiben. Es ist schade um die Mühe, die sich die Herausgeber machten, die in diesem Sinn nicht gewürdigt wird.

Dieser Beitrag basiert auf dem Phantastischen Bücherbrief Ausgabe 560 vom Februar 2011.

Copyright © 2011 by Erik Schreiber

 

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