Sie sind hier: Startseite - Literatur - Wunderwelten - Gesa Schwartz und die Gargoyles


Wunderwelten

Gesa Schwartz und die Gargoyles

Gesa Schwartz wurde 1980 in Stade geboren. Sie hat Deutsche Philologie, Philosophie und Deutsch als Fremdsprache studiert. Ihr besonderes Interesse galt seit jeher dem Genre der Phantastik. Nach ihrem Abschluss begab sie sich auf eine einjährige Reise durch Europa auf den Spuren der alten Geschichtenerzähler. Zurzeit lebt sie in der Nähe von Hamburg in einem Zirkuswagen.
Mehr Informationen zu Gesa Schwartz auf ihrer offiziellen Homepage: www.gesa-schwartz.de

Eine neue Autorin erscheint auf der Bühne der Literaten und nimmt sich des phantastischen Genres mit dem Thema Gargoyle an, um die eher unbekannteren Fabelwesen bekannter zu machen und vorzustellen.
Bereits in der Romanik und später in der Gotik und Renaissance verwendeten die Baumeister, insbesondere bei größeren Kirchengebäuden, häufig dämonische Gestalten oder Tiere in einer symbolischen Bedeutung. Da sie sich als Wasserspeier an der Außenfassade der Kirchen und verständlicherweise niemals innen befinden, symbolisieren sie den Einfluss des Teufels auf die irdische Welt, der in Kontrast zur Reinheit des Himmelsreiches - symbolisiert durch das Innere der Kirche - steht. Diese wasserspeienden Wesen werden Gargoyles, auch Gargylen genannt und haben den Ruf, Beschützer zu sein. Ihr dämonisches Aussehen soll den Geistern und Dämonen einen Spiegel vorhalten, soll sie vergraulen und somit Kirchen und Klöster vor bösen Mächten schützen. Gargoyles werden oft mit animalischem Körper und Gesicht dargestellt, seltener mit menschenähnlichem Körper und dämonischen Gesichtszügen. Häufig haben sie Schwingen, mit denen sie aber laut Mythologie nicht fliegen, sondern nur gleiten können. Gargoyles besitzen mächtige, dreifingrige Klauen und sind, wie Drachen, sechsgliedrige Lebewesen.

GRIM 1. Band
DAS SIEGEL DES FEUERS

Lyx Verlag (03/2010)
ISBN: 9783802583032

Grim ist ein besonderer Gargoyle, ein Vulkangeborener und somit einer der besonders widerstandsfähigen und stärksten seiner Gattung. Steinhart, unbeweglich und gefühllos sitzt er, wie viele seiner Mitstreiter auch, an der Mauer einer Kirche oder ähnlicher Gebäude und wacht über Paris und die Wesen der Anderswelt. Er ist ein sogenannter Schattenflügler und als solcher der Anderswelt zugehörig. Dabei stützt er sich auf das eherne Gesetz seines Volkes, dem GBG (Gesetzbuch der Gargoyles), dass kein Mensch je erfahren darf, dass es die Wesen der Anderswelt gibt. Umgekehrt darf kein Wesen der Anderswelt sich den Menschen zu erkennen geben. Geschieht dies dennoch, so muss dem Menschen die Erinnerung genommen oder er gar getötet werden. Wobei die letztere Option die humanere ist, da bei der Gedächtnislöschung meist nur lallende Idioten übrig bleiben. Diese Entscheidung trifft die OGP, die Oberste Gargoyle Polizei. Andererseits schützt er aber auch die Menschen vor dem Bösen, dass aus der Anderswelt kommt.
So weit, so gut, doch gerade er bemerkt, wie sich seine Mentorin Moira eines Abends an einen Menschen, einen recht jungen Burschen wendet und ihm ein Päckchen übergibt. In diesem befindet sich ein geheimnisvolles Pergament, das mit dem Siegel des Feuers versiegelt ist. Grim stellt grimmig seine Mentorin zur Rede, muss er sie wegen Verstoßes gegen das Gesetz seinem Chef Mourier von der OGP melden. Moira verweigert eine Auskunft, sagt ihm nicht, was sie zu dem Menschen sagte, erwähnt nicht, was sie ihm übergab. Der Vertrauensbruch zwischen den beiden ist sehr groß, doch Moira erdreistet sich zudem, Grim zu bitten, auf den Menschen aufzupassen. Am folgenden Tag bekommt Grim mit, wie sich Moira das Leben nimmt. Ihm bleibt nur noch der schwere Weg, seinem Vorgesetzten den Tod von ihr zu vermelden.
Eines Tages begegnet ihm das Mädchen Mia, eine Sterbliche, die über eine besondere Gabe verfügt. Daher kann sie den Gargoyle Grim als Lebewesen aus der Anderswelt erkennen. Die 17jährige Mia ist die Tochter eines berühmten Künstlers, der, weil er dachte, er sei verrückt, Selbstmord beging. Als sie am Abend aus dem Fenster hinaus in die Nacht sieht, meint sie ein unheimliches Wesen zu sehen. Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, ist, es war Grim, auf der Suche nach dem Jungen, dem Moira etwas übergab und auf den er jetzt aufpassen soll. Ebenso wie Mia ist er erschrocken, glaubte er doch, von ihr erkannt zu werden. Sie läuft zu ihrem älteren Bruder Jakob und wartet in dessen Wohnung auf ihn. Hier erlebt sie einen weiteren Schreck, denn Jakob erscheint nicht durch die Tür, wie ein normaler Mensch, sondern kommt durch eine Art Portal in seine Wohnung zurück. Überrascht von der Anwesenheit seiner Schwester erklärt er ihr die besonderen Fähigkeiten. Mia berichtet von ihrem Erlebnis, welches sie sehr verängstigte, und daher herkam, um Jakob davon zu berichten. Er erkennt, auch sie besitzt die Gabe der Hartidien und erklärt ihr diese Fähigkeit. Er bezeichnet sich, den Vater und Mia als Hartidin. Eine Art Seher. Er nimmt Mia mit durch das Portal und so betritt sie zum ersten Mal in ihrem Leben die Anderswelt. Erstaunt stellt sie fest, dass sich unter Paris eine ganz neue Welt befindet. Die Stadt Ghrogonia, die Stadt der Gargoyles. Jakobs Schwester ist fasziniert von den Wesen, die die unterirdische Stadt bevölkern. Neben den Gargoyles leben dort die unterschiedlichsten Wesen, von denen Gnome, Waldschrate, Werwölfe, Vampire und Dämonen die ihr bekanntesten sind. Bei der Ankunft in Ghrogonias werden die Geschwister Zeuge einer Hinrichtung von Hybriden. Hybriden sind Mischlinge zwischen Menschen und Andersweltler. Zurzeit dienen sie als Sündenböcke, weil viele Wesen der Anderswelt geradezu hingemetzelt werden. Auch Grim, der Wasserspeier-Gargoyle ist anwesend und entdeckt die beiden Menschen.
Der Besuch in Ghrogonia ist jedoch gefährlich, denn sie dürfen nicht gesehen werden. Trotzdem scheint sie jemand gesehen zu haben. Kaum haben sie die ersten Verfolger abgehängt, werden sie von einer anderen Gruppe gejagt. Jakob ist sicher, dass diese Halbwesen nur ihn jagen, deshalb versucht er seine jüngere Schwester zu schützen. Er erzählt von einem Päckchen, dass er von Moira erhalten hat. Auf ihrer Flucht versteckt sich Mia und befreit zudem einen Hybriden von seiner magischen Fessel. Jakob versucht unterdessen die Gargoyles abzuschütteln. Grim, gebunden an sein Versprechen Moira gegenüber, versucht Jakob zu schützen. An abgelegener Stelle steht er Jakobs Verfolgern gegenüber. Sie sind keine Gargoyles. Sie verfügen über Magie, die so stark ist, dass Grim ihr viel entgegenzusetzen hat. Grim hält die Verfolger kurz auf und Jakob gelingt die Flucht. Kurz darauf stirbt Jakob und Mia muss sich um das geheimnisvolle Päckchen kümmern, in dem sich der Schlüssel zur Rettung der Welt befinden soll. Als Jakob beerdigt wird, tauchen Jakobs Verfolger auf und Mia kann gerade noch von Grim gerettet werden. Die beiden schließen sich zusammen, um herauszufinden, wer die Verfolger sind und welche Ziele sie verfolgen.

Die Welt um sie herum ändert sich, weil der König der Gargoyles gestürzt wurde. Dadurch verschiebt sich das Gleichgewicht der Kräfte zwischen Gut und Böse zu Ungunsten der Gargoyle. Um diese vor einer Schreckens- und Gewaltherrschaft zu schützen, müssen Mensch und Gargoyle zusammenarbeiten. Denn es steht auch die Welt der Menschen auf dem Spiel. Wie gut, dass Mia eine Seherin des Möglichen ist. Mit ihren Kräften kann sie das Zünglein an der Waage sein, um alles zum Besseren zu wenden. So könnte man in einfachen Worten die Handlung zusammenfassen. Doch von dieser groben Einteilung geht es schnell in die Einzelheiten, wenn Grim und Mia zusammen arbeiten müssen.
Der erste Roman im Phantastik Genre von Gesa Schwartz ist ein durchaus gelungenes Abenteuer. Die Leser werden zwar nicht überrumpelt, aber von der Handlung dennoch überrascht. GRIM – DAS SIEGEL DES FEUERS sind wir nicht nur beim Titel des Buches angelangt, sondern auch bei dem Geheimnis, dass es zu lösen gilt. Die Autorin erzählt nicht lange von der Welt und der Anderswelt. Die unsrige Welt wird als bekannt vorausgesetzt, die Anderswelt findet langsam Eingang in die Geschichte, so wie sie Mia kennenlernt. Jakob, der die Anderswelt nun schon etwas länger kennt, erklärt Mia und damit zwangsläufig den Lesern die Besonderheiten und Wesen, die in der Anderswelt leben. Der lebendige Stil der Autorin lässt die Leser als Beobachter dabei sein, wahrt damit etwas Abstand zu der gefühlvollen Erzählung. Durch die unterschiedliche Sicht versteht der Leser die jeweilige Ansicht der handelnden Personen. Und aus dieser Sicht sind selbst die Bösewichte verständlich in ihren Handlungen. Die Personen sind abwechslungsreich beschrieben, mit ihren Gefühlen von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt findet sich alles. Gerade die Hauptpersonen wie Mia und Grim sind sehr liebevoll beschrieben.
Nachdem die Romane um Orks, Zwerge, Halblinge, Zauberer etc. alle durch sind, findet sich nun eine neue Gattung in der Riege phantastischer Lebewesen. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass wir keine Fantasy-Welt haben, sondern die heutige Welt. Daher fällt der Roman, will man ihn denn in eine Schublade einordnen, zur Kategorie Parallelwelt.
Die Aufgabe, die die Charaktere zu erledigen haben, wurde ausführlich, für mich sogar zu ausführlich, beschrieben. Daher erschien er mir stellenweise etwas lang.

Copyright © 2010 by Erik Schreiber

Dieser Beitrag basiert auf dem Phantastischen Bücherbrief Nr. 540 und wurde für den Geisterspiegel bearbeitet von Anke Brandt.

Foto: Gesa Schwartz, privat

Unsere 15 neuen Fragen beantwoertete Gesa Schwartz HIER

 

© by 2010
nach oben Zurück Optimiert für 1024x768 Pixel
im IE & Mozilla Firefox