Wunderwelten

Fantasy-World
Die nun vorliegende 2. Auflage der Anthologie Fantasy-World gibt mir zusätzlich zu einer Besprechung beispielhafter Geschichten dieses Buches die Gelegenheit zu einer Vorstellung des Verlages.
Der net-Verlag ist ein kleinerer Verlag, der in erster Linie Fantasy und Krimis veröffentlichen möchte, darüber hinaus aber noch eine ganze Reihe weiterer Genres bedient. Dabei schreibt die Verlegerin, Maria Weise, die selber manchmal in ihren Anthologien vertreten ist und auch Einzelveröffentlichungen vorzuweisen hat, gerne mehrere Anthologien für das jeweils laufende Jahr aus. Die Teilnahme an den Ausschreibungen und die Veröffentlichung in diesen Anthologien ist kostenlos und man muss bei Veröffentlichung auch keine Bücher abnehmen. Außerdem gibt es bei vielen dieser Anthologien auch Preise für die beste(n) Geschichte(n) zu gewinnen. Ferner hat der Autor auf den Internetseiten des Verlages manchmal die Möglichkeit, den Titel einer kommenden Ausschreibung durch Wahl mitzubestimmen.
Bei Einzelveröffentlichungen allerdings kann es sein, dass der Autor bestimmte Dienstleistungen des Verlages bezahlen muss.
Zuletzt ist noch zu erwähnen, dass die Autoren mit einer Veröffentlichung im net-Verlag auch die Möglichkeit erhalten, einen Text über ihre Person - evtl. mit Angabe von Veröffentlichungen - auf den Seiten des Verlages online zu stellen.
Nach dieser Vorstellung des Verlages möchte ich nun auf die Anthologie Fantasy-World eingehen. Sie ist eine für den Verlag recht typische Anthologie, in welcher 28 Fantasy- Geschichten von 22 Autoren enthalten sind, die meistens in der Fantasy- Szene eher wenig bekannt sind.
Die erste Auflage erschien bereits 2010. Bei der Prüfung der eingesandten Manuskripte wurden die besten 3 Geschichten prämiert. Der Verlag schreibt im Klappentext über das Buch:
»Dieses Buch lässt der Fantasie der Autoren freien Lauf. Geschichten aus der Gegenwart, verbunden mit mystischen Ereignissen oder märchenhaften Erzählungen für Jung und Alt, erfundene Welten und Wesen – all das finden Sie unter Fantasy-World vereint.«
Ich möchte in den nun folgenden Passagen drei Geschichten der Anthologie sowie deren Autorinnen vorstellen:
Tarek und das Hexenquartett von Astrid Plötner
Diese Geschichte gewann den 1. Preis der Ausschreibung. Die Autorin ist 1967 geboren und wohnt mit ihrer Familie in Westfalen. Sie veröffentlichte seit 2008 zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien und gewann mit der vorliegenden Geschichte zum ersten Mal eine Ausschreibung.
Inhalt:
Mette trifft in einem Haus, das sie angeblich geerbt hat, ihre verschwundene Mutter, ihre Großmutter und ihre Zwillingsschwester. Sie hatte bis dahin geglaubt, sie sei ein Einzelkind, dessen Großmutter und Mutter gestorben seien, weshalb sie allein beim Vater hätte aufwachsen müssen. Dies alles hatte ihr der Vater erzählt, weil er, als er bemerkte, dass seine Frau eine Hexe war, diese samt Mettes Zwillingsschwester aus dem Haus geworfen hatte.
Mette glaubte zuerst nicht an Hexen, wird aber nun mit deren Existenz konfrontiert. Die anderen drei Frauen der Familie sind – gute – Hexen, was sie ihr beweisen.
Sie erzählen Mette vom Zauberer Tarek, der eine düstere Burg in der Nachbarschaft bewohnt. Zuerst war er ein guter Zauberer. Dann aber wurde er böse und nun will er das Haus der drei Hexen zerstören und diese vertreiben.
Am nächsten Tag wird Vollmond sein, und Mette soll mit den drei mit ihr verwandten Hexen zusammen Tareks Angriff abwehren. Sie hat aber noch nie gehext. Sie fragt, ob man nicht den verschwundenen Sohn Tareks herbeiholen könne, damit er seinen Vater besänftige, denn Tarek sei wegen dessen Verschwinden böse geworden. Die drei Hexen aber bilden lieber Mette in der Hexerei aus, denn sie wollen Tarek als Hexenquartett entgegentreten.
Nach der eintägigen Ausbildung ruft Mette ihren Vater an. Dieser brüllt ins Telefon, sie solle nach Hause kommen und nichts mit »diesen Weibern« anfangen. Mette aber brüllt zurück, sie werde den drei Hexen helfen.
In der Nacht greift Tarek an. Als die Hexen zu unterliegen scheinen, greift plötzlich Mettes Vater, der herbeigeeilt ist, in das Geschehen ein. Er ist der verlorene Sohn Tareks, der ein Leben ohne Zauberei hatte führen wollen. Nun aber besiegt er seinen bösen Vater mit Hexerei und rettet die vier Frauen.
Die Glimmbobs oder Das Geheimnis der Badewannenklappe von Saza Bacheh
Die Autorin wurde 1969 am Niederrhein geboren und lebt seit einiger Zeit mit belgischem Pass in Belgien. Sie ist gelernte Illustratorin und gestaltet u.a. Buchcover für den net- Verlag. Zusätzlich schreibt sie auch und veröffentlicht ihre Geschichten.
Inhalt:
Die Autorin beschreibt auf humorvolle Weise in der Ich-Form, wie ihre Mutter sich beim Sockenwaschen ständig gegenüber den anderen Familienmitgliedern beschwerte, dass oft die zweite Socke eines Paares verschwunden war.
Also wollte die Erzählerin der Sache auf den Grund gehen. Sie tat ein Paar Socken als Köder in den Wäschekorb und legte sich auf die Lauer. Als die anderen schliefen, öffnete sich plötzlich die Klappe an der Badewannenseite und es erschien ein kleines, grün leuchtendes Männchen. Dieses flitzte zum Wäschekorb und zurück und war Sekunden später wieder hinter der Klappe verschwunden. Eine der Socken hatte es mitgenommen.
Die Erzählerin wollte nun wissen, welchen Grund das Männchen hatte, Socken zu stehlen. In der nächsten Nacht fing sie deshalb das kleine Leuchtwesen mit einem Schmetterlingsnetz und fragte es nach den Socken. Es sagte, es sei ein Glimmbob. Es hause mit fünf Brüdern unter der Badewanne. Sie ernährten sich alle von Katzenfutter. Leider aber könnten die Katzen sie sehen, weil sie leuchteten und jagten sie. So tarnten sie sich mit den Socken der Menschen, die aber oft zu groß seien. So stolperten sie oft und verhedderten sich mit ihnen im Gebüsch, was die Socken zerfetze.
Die Erzählerin holte daraufhin sechs hässliche Filzeierwärmer herbei, die die Mutter ausgemustert hatte, und schenkte sie dem Glimmbob. So brauchte er keine Socken mehr zu stehlen.
Requiem von Carola Kickers
Carola Kickers aus Kempen schreibt schon lange und erfolgreich Kurzgeschichten und Romane. Im Fantasygenre ist sie seit 2010 auch unter dem Pseudonym Carol Grayson bekannt. Sie schreibt Vampirstories (u. a. Jason Dawn), Kindergeschichten und Krimis.
Inhalt:
Es ist eine laue Sommernacht. Über dem Städtchen Almond Grove zieht ein Gewitter auf. Mit den Gewitterwolken aber kommt ein Heer von Vampiren über die Stadt, das bei den wegen der Hitze geöffnete Wohnungsfenstern leichtes Spiel hat, Alle Bewohner des Städtchens werden ausgesaugt, auch Emily Haynes, die glaubt, in dem Vampir in ihrem Zimmer ihren Verlobten John zu erkennen, mit dem sie am Tag zuvor Streit hatte.
Als am nächsten Tag Sheriff Tucker aus dem Nachbarort die Stadt besichtigt – Verwandte aus anderen Orten haben ihn alarmiert, weil sie die Bewohner telefonisch nicht erreichten, obwohl keine Störung vorlag – findet er die blutleeren Toten. Er informiert die Bundespolizei. Agent Stanley Ford kann sich die Dinge nicht wirklich erklären und Tucker glaubt, die Taten hätten Vampire als Werkzeuge Gottes verübt, um Rache an den Bewohnern zu nehmen, die meist in schmutzige Geschäfte verwickelt gewesen seien. Ford sieht ihn an, als sei er geisteskrank.
Copyright © 2011 by Wolfgang Wiekert