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Wunderwelten

Eviva Espana

oder die Suche nach europäischer Phantastik abseits des Mainstreams

Befragt man heutzutage den Durchschnittsbürger auf der Straße zum Thema Phantastik, bekommt man zu 95 Prozent Begriffe wie Conan, Harry Potter, Mittelerde oder Krieg der Sterne zu hören.
Neuerdings auch Aussagen zum Thema Vampir, allerdings mitsamt all seinen auf Kommerz getrimmten, pubertierenden und Gehirn erweichenden Nebenwirkungen.
Dabei gibt es im Süden unseres Kontinents eine Literaturlandschaft, wie sie phantastischer und surrealistischer nicht sein könnte.
Die Rede ist hier von Spanien, die Enkel von Dali und Picasso lassen grüßen.

Es dürfte dem Leser dieses Artikel wohl klar sein, das hier nicht alle Werke zeitgenössischer spanischer Autoren erwähnt werden können, aber die wenigen der hier genannten Personen sind durchaus stellvertretend für die Phantastik-Szene in ihrem Land.
Wer sich mit dieser etwas genauer beschäftigt, wird rasch erkennen, was für ein ungeheures Potential dahinter steckt. Noch sind diese Autoren hierzulande beinahe unbekannt, aber das wird sich in den nächsten Jahren schnell ändern. Einige Werke fanden bereits Aufnahme in erfolgreich erschienenen Anthologien, ein Roman bekam kürzlich nach seiner Umsetzung als Hörspiel den Kurt Lasswitz Preis, andere Werke erschienen bei Suhrkamp, Bastei und rororo als Taschenbuch.

Die 1957 geborene Autorin Elia Barcelo wurde mit ihrer Erzählung »Tausend Euro, ein Leben« in der von Andreas Eschbach herausgegebenen Anthologie »Eine Trillion Euro« aufgenommen, welche vom Bastei-Verlag veröffentlicht wurde. Im Herbst 2004 erschien zudem ihr phantastisch-surrealistischer Liebesroman »Das Geheimnis des Goldschmiedes« als Hardcover bei Piper.
Juan Jose Millas, Javier Tomeo, Antonio Munoz Molina und Jose Louis Sampredo haben einen Band mit modernen spanischen Horrorgeschichten erschaffen, der die gesamte Bandbreite des Schreckens von übernatürlichen Ereignissen bis hin zum bizarren Horror abdeckt, erschienen als Taschenbuch Nr. 1038 beim Aufbau-Verlag.

Zu den aktuellsten Veröffentlichungen zählen derzeit Werke des Schriftstellers Carlos Ruiz Zafon, der mit »Der Schatten des Windes« und »Das Spiel der Engel« die ohne Zweifel erfolgreichsten zwei phantastischen Bücher Spaniens seit Don Quijote geschrieben hat.
Arturo Perez-Revertes Roman »Der Club Dumas« wurde als »Die neun Pforten« verfilmt und auch Eduardo Vacquerizos Roman »Stranded« war hierzulande im Kino zu sehen.

Apropos Film, auch diese Erscheinungsform hat sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt und so ist es nicht verwunderlich, dass man derzeit davon spricht, dass Spanien im Moment die wohl innovativsten Filmemacher Europas beherbergt.
Wer sich davon ein Bild machen will, dem seien folgende Filme ans Herz gelegt:
»Open your Eyes«, »Das Kovak-Labyrinth«, »Sie sind unter uns« und »Uncertain Guest«.
Es muss also nicht immer Hollywood sein, in anderen Ländern findet man auch Perlen dieses Genres.
Darum schließe ich meinen kleinen Hinweis auf eine hoffentlich bald bekannter werdende spanische Phantastikszene mit dem Sprichwort:

Warum denn in die Ferne schweifen …

Text- und Bildquellen:

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