
Wunderwelten

Christoph Hardebusch
„Die Trolle“
18. Oktober 2006
von Anke Brandt

Wer in den letzten Jahren Fantasy gelesen hat, wird nach den Orks, Elfen, Zwergen und Drachen bestimmt auch „Die Trolle“ entdeckt haben. Dank der wunderbaren Cover dieser Buchreihe fallen die Titel in jeder Buchhandlung sofort auf und laden zum Schmökern ein. Und genau das möchte ich an dieser Stelle auch erreichen: wer gute Fantasy mag, der sollte unbedingt „Die Trolle“ gelesen haben.
„Sten, ein junger Krieger und Rebell, wird von seinen Feinden dem Wald übergeben – in einem Käfig ausgesetzt in einem Land, dessen wilde Natur von dunklen Geschöpfen durchstreift wird. Verzweifelt versucht er zu entkommen, steht doch neben seinem Leben auch die Freiheit seiner Freunde und womöglich des ganzen Landes auf dem Spiel. Als mit Einbruch der Nacht riesenhafte Wesen, Ungeheuern gleich, auf der nahen Lichtung erscheinen, erstarrt Sten – es sind Trolle, Bestien mit blutigen Hauern und Feinde der Menschen. Doch bevor es zu einem tödlichen Kampf kommt, macht Druan, der Anführer der Trolle, dem jungen Rebellen einen ungewöhnlichen Vorschlag: Sten soll die Trolle in die Welt der Menschen führen. Denn die Trolle brauchen Hilfe – eine unbekannte Macht bedroht ihr Volk, geheimnisvolle Magie lässt uralte Gänge und Höhlen der Trolle einstürzen und stärkt ihre Erzfeinde, die Zwerge. Sten ahnt, wer hinter diesen Geschehnissen stecken könnte, tragen sie doch die Handschrift auch seines Feindes. Hilft er den Trollen, könnte sich auch sein Schicksal wenden. Und so macht er sich gemeinsam mit Druan und dessen unberechenbaren Trollkumpanen auf die gefährliche Reise zu der Quelle des Bösen. Nur wenn Menschen und Trolle sich verbünden, kann eine Zeit der Finsternis verhindert werden.“
(Quelle: www.bol.de)
Wie diesem Text zu entnehmen ist, spielen auch Menschen in dem Roman eine große Rolle. Dafür musste der Autor eine Menge Kritik einstecken, jedoch halte ich das Buch für einen der unterhaltsamsten und gelungensten Fantasy-Romane, die in diesem Jahr erschienen sind. Und zur Rolle der Menschen in diesem Buch habe ich Christoph unter anderem im folgenden Interview gefragt. Aber er stand auch Rede und Antwort zu vielen anderen Fragen, und stellt sich dadurch den Lesern selbst vor:
GS: Bitte erzähl uns doch zuerst etwas über dich.
Hallo. Mein Name ist Christoph Hardebusch und ich bin 32 Jahre alt. Ursprünglich habe ich mal Geisteswissenschaften studiert, bin dann in der Werbung gelandet und heute schreibe ich Bücher.
GS: Wie bist du zum Schreiben gekommen?
„Einfach so“ klingt natürlich wenig spektakulär, entspricht aber der Wahrheit. Es war keine bewusste Entscheidung, ich habe einfach seit langer Zeit für mich Geschichten aufgeschrieben.
GS: Mit deinem ersten Roman hast du ja gleich den Heyne-Verlag überzeugt. War das ein „Glückstreffer“ oder musstest du lange nach einem Verlag suchen?
Obwohl es definitiv Glück war, liegt der genaue glückliche Punkt vorher: als ich nämlich die Zusammenarbeit mit meiner Agentur Schmidt & Abrahams GbR begann. Die hat mich dann an Heyne vermittelt.
GS: Warum hast du dir Trolle als Romanthema ausgesucht?
Das Thema ist im Gespräch mit den Lektoren vom Heyne Verlag entstanden. Da ihnen mein Stil und meine eingesandte Arbeit gefielen, haben sie mich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, in der losen Serie zu schreiben. Gemeinsam haben wir dann über die verschiedenen Möglichkeiten diskutiert und die Trolle haben sich dabei heraus kristallisiert.
GS: In Rezensionen findet sich der Vorwurf, dass eigentlich die Menschen die Handlung des Romans ausmachen. (ich sehe das anders, auch in „Die Elfen“ gibt es Menschen!)
Wie gehst du mit genau dieser Kritik um? Besonders in bezug auf einen 2. Band?
Nicht aus der Perspektive der Trolle zu schreiben, war eine bewusste Entscheidung, denn ich wollte einen gewissen Sense of Wonder behalten, der schnell verloren geht, wenn der Leser sich mit den Figuren identifizieren kann. Die Trolle sind Auslöser und treibende Kraft der Geschichte. Da ich mich im zweiten Band mehr dem Ursprung der Trolle und ihrer Welt zuwende, habe ich mich entschieden, den Blickwinkel zu erweitern.
GS: Charakterisiere uns doch bitte mal kurz einen Troll aus deiner Sicht. Haben „deine“ Trolle Besonderheiten gegenüber z.B. Tolkiens Trollen? Und wenn ja, welche?
Tolkiens Trolle reichen ja von einfältigen, aber gefährlichen Monstern („The Hobbit“), bis hin zu den Schocktruppen Saurons („The Lord of the Rings“). Insgesamt sind die Trolle dort wenig mehr als grausame Antagonisten. Ich wollte ein wenig differenzierter herangehen und meine Trolle als Wesen zeigen, die einer bestimmten Umwelt entstammen und eigene Ziele und Motivation besitzen.
GS: Auf deiner Homepage kann man lesen, dass der 2. Teil der Trolle in Arbeit ist. Gibt es schon einen Veröffentlichungstermin?
Wenn alles gut geht, wird der Roman im Frühjahr 2007 erscheinen.
GS: Kannst du uns schon etwas verraten, um die Leser neugierig zu machen?
Wie schon erwähnt, werden wir diesmal die Trolle auch in ihrer natürlichen Umgebung kennen lernen. Und natürlich viele alte Bekannte wieder treffen, aber auch neue Charaktere kennen lernen.
GS: Hast du außer den „Trollen“ noch andere Geschichten geschrieben oder sind noch andere Projekte in Planung?
Auf meiner Webpage gibt es Leseproben von anderen Projekten, unter anderem auch einen kompletten Roman, der im Shadowrun Universum (3. Edition) angesiedelt ist. Für nächstes Jahr sind durchaus einige Sachen im Gespräch, aber momentan konzentriere ich mich noch voll auf das aktuelle Projekt.
GS: Welcher Schriftsteller ist dein großes Vorbild?
Ein einzelnes Vorbild zu nennen wäre aufgrund der vielen schönen Bücher, die ich bisher gelesen habe und die mich sicherlich beeinflussen, relativ vermessen.
GS: Welches Buch liest du gerade?
„Reisen im Mittelalter“ von Norbert Ohler. Auch abgesehen von Recherche, lese ich gerne historische Sach- und Fachbücher.
GS: Was sind deine Lieblingsbücher bzw. Autoren?
Da gibt es viele, die ich bewundere, jeweils für verschiedene Eigenschaften. Ich mag Pratchett wegen seines Humors, Martin wegen seiner Sprache und der großartigen Welt, Gaiman wegen der Ideen, Marquez wegen der Magie in seinem Werk, Pérez-Reverte wegen der Sprache und Authentizität, Forrester wegen des nautischen Wissens, und und und. Ich lese allgemein sehr viel und auch quer durch fast alle Genres; da fällt es schwer nur wenige Autoren zu nennen.
GS: Und weil wir neugierig sind, und auch die „Klangwelten“ bei uns im Geisterspiegel als Rubrik haben, interessiert es uns natürlich, welche Musik du gern hörst.
Da bin ich nicht auf Genres festgelegt; was mir gefällt, höre ich auch. Hauptsächlich aber Wave/Gothic/EBM, Mittelalterrock, Indie, ein wenig Punk und Pop. Beim Schreiben habe ich meistens einen Soundtrack laufen, oder seltener auch Klassik.
GS: Wie sieht bei dir ein ganz normaler Arbeitstag aus?
Eher langweilig. Ich sitze ja nur vor dem Rechner und schreibe. Oder lese Bücher zur Recherche. Ich schreibe so lange, bis ich mein Pensum erfüllt habe, das ich mir für den Tag setze.
GS: Was machst du in deiner Freizeit?
Ich treibe( momentan zu wenig) Sport, hauptsächlich Laufen und Schwimmen. Ich gehe sehr gerne ins Kino. Hin und wieder auch ins Theater und in das eine oder andere Museum. Seit meiner Kindheit lese ich gerne und viel, aber in den Schreibphasen lese ich deutlich weniger. Ich spiele Rollenspiele und zocke am Computer. Ich mag verrauchte Kneipen und düstere Clubs.
GS: Welchen Rat würdest du jungen Autoren und „Schreiberlingen“ für ihre Arbeit geben?
Man braucht Hartnäckigkeit. Einfach dranbleiben und schreiben. Immer schreiben, das ist wichtig, denn man lernt es vor allem, indem man es tut.
GS: Apropos „Schreiberling: Warum nennst du dich eigentlich so?
Weil Autor und Schriftsteller so gewichtig klingen.
GS: Vielen Dank für das Interview!
Das Interview ist auch HIER zu lesen...
In seinen aussagekräftigen und klaren Antworten hat Christoph eigentlich alles vermittelt, was man wissen sollte, aber wem das zu wenig war, der kann sich weiter informieren auf seiner Homepage:
www.hardebusch.net
Dieser Beitrag entstand übrigens nicht nur, weil mir das Buch „Die Trolle“ sehr gut gefallen hat. Beeindruckt hat mich der Autor selbst, als ich ihn auf der Frankfurter Buchmesse kurz kennen gelernt habe. Ein junger, sympathischer Mensch, der sich sofort für unsere Arbeit am interessierte und seine Unterstützung für diesen Beitrag zugesichert hat.
An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Christoph Hardebusch. Ich wünsche ihm viele „trollige“ Ideen und einen super Erfolg für das neue Buch um die Trolle.
Ein weiterer Beitrag zum Thema, siehe HIER
© Anke Brandt
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