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Wunderwelten

Bernhard Hennen

Was wäre die Fantasyliteratur ohne ihn?
Schon 1992 machte Bernhard Hennen in der Welt des Fantasy-Rollenspiels auf sich aufmerksam durch die preisgekrönte Kampagne um Phileason Foggwulf für das deutsche Rollenspiel „Das schwarze Auge“. Darauf folgte die Greifenfurth-Kampagne, zu welcher Hennen zusammen mit Wolfgang Hohlbein die Roman-Trilogie „Das Jahr des Greifen“ schrieb.
Und damit gab es einen Fantasy-Autor mehr. Dass es ein vielversprechender werden würde, ließ die Tatsache vermuten, dass der erste Roman dieser Trilogie „Der Sturm“ als beliebtester deutscher Fantasy-Roman von den Lesern der Fachzeitschrift „Wunderwelten“ ausgezeichnet wurde.

Der Weg dorthin klingt wie eine Bilderbuchkarriere.
1966 in Krefeld geboren, verschlug es Bernhard Hennen nach seiner Kindheit und Schulzeit nach Köln zum Studium. Seine Studienfächer Germanistik, Archäologie und Geschichte legten mit Sicherheit einen Grundstein für die Schriftstellerei, denn sein Wissen schlägt sich in allen seinen Büchern nieder.
Nach dem Studium arbeitete Hennen als Rundfunk- und Magazinjournalist und als Redakteur beim Fanzine „ZauberZeit“.
Während seiner Arbeit beim Rundfunk bereiste er Mittelamerika und den vorderen Orient.
Doch für seine Leser bleibt die wichtigste Entscheidung Hennens die Zusammenarbeit mit Wolfgang Hohlbein für seinen ersten Roman.
Was danach folgte, bereicherte jedes Regal mit Fantasy und historischen Romanen. Das liegt nicht zuletzt an der Sprachgewalt und Experimentierfreudigkeit, die der Autor zuweilen an den Tag legt. In „Das Jahr des Greifen“ schafft er es zum Beispiel, einer bösen Figur eine bis dahin unbekannte Sympathie zu entlocken, in „Die Nacht der Schlange“, einem Krimi aus der Welt von „Das schwarze Auge“ greift er auf Dürrenmatts Kriminalfall aus „Der Richter und sein Henker“ zurück. In „Die Elfen“ fließen jede Menge historische Fakten ein, von der Begräbnispraxis im alten Rom bis zum Leben in Alexandria.
Doch das eigentliche Meisterstück, das Bernhard Hennen geschaffen hat, ist sein autobiografisch geprägter Roman „Nebenan“.
Ein autobiografischer Fantasyroman!
Man kann es kaum glauben, wenn man den Klappentext liest:

Der Altgermanistik-Student Till Küster ist wirklich ein Pechvogel. Sechs Jahre hat er in sein Studium investiert, seinen Eltern auf der Tasche gelegen, und jetzt wirft ihn sein Professor samt seiner Magisterarbeit über Oswald von Wolkenstein aus dem Büro. Dabei fühlt sich Till dem mittelalterlichen Ritter und Dichter ausgesprochen seelenverwandt. Doch ach, der starrköpfige Professor sieht das anders. Voller trüber Gedanken macht sich Till auf zum Samhaim-Fest, in der Hoffnung, seine schlechte Laune in diversen Krügen Met zu ertränken. Beschließen möchten er und seine Freunde den Abend mit einem altehrwürdigen Ritual: mit einer Geisterbeschwörung. Als die angerufenen Fabelwesen dann tatsächlich auftauchen, ist buchstäblich der Teufel los. Und Till hat plötzlich ganz andere Sorgen als eine missratene Magisterarbeit.
"Nebenan", das ist unsere Welt, aus der Sicht der "Dunklen" betrachtet. Diese "Dunklen" - das sind Graf Cagliostro, der Erlkönig und ein geistig etwas minderbemittelter Werwolf...

Wer sich ein wenig über den Autor informiert, wird viele Ähnlichkeiten mit dem Protagonisten Till erkennen. Auch stimmen alle örtlichen Gegebenheiten in Köln. Nur über die Existenz der Heinzelmännchen könnte man streiten, denn die hat schon lange kein Mensch mehr gesehen.
„Nebenan“ ist ein Roman, der den Vergleich mit einem Autor wie Terry Pratchett nicht zu scheuen braucht. Hennen spielt mit der Sprache, mit der Geschichte und Mythologie und seinen erlebten Abenteuern, wie es nur wahre Meister des Fachs, nämlich des geschriebenen Wortes vermögen. Für meinen Geschmack ist „Nebenan“ Bernhard Hennens bisher bestes Buch.

Damit möchte ich allerdings die Qualität seiner anderen Werke nicht in Frage stellen, denn mit seinen Trilogien um die Elfen und Elfenritter (der 3. Band erscheint im Herbst 2oo8) hat er sich die Herzen der Liebhaber klassischer Fantasy im Sturm erobert.
Mit der Trilogie um die Elfen bewies Bernhard Hennen wieder einmal seine Experimentierfreudigkeit und sein sprachliches Geschick. Mit Band 1 „Die Elfen“ beginnt er eine Geschichte und schließt die Handlung ab. In Teil 2 „Elfenwinter“ und Teil 3 „Elfenlicht“ schreibt er entstandene Lücken aus dem 1. Teil zu und somit eigentlich Geschichten in der Geschichte. Der Leser weiß, wie am Ende alles ausgehen wird und dennoch ist es fast nicht möglich, sich dem Spannungsbogen zu entziehen, den der Autor in diesen Geschichten aufbaut. Es ist die Liebe zum Detail, die diese Bücher zu etwas ganz besonderem machen.
Mit der Trilogie um die Elfenritter kehrt Bernhard Hennen in die Welt der Elfen zurück und siedelt eine neue Handlung mit neuen Protagonisten dort an. Hier ist es der Leser, der in die Welt zurückkehrt wie in einen 2. Urlaub an den gleichen Ort, und das tut man nur, wenn es einem beim ersten Mal wirklich gut gefallen hat. Ich würde auch gern noch ein weiteres Mal nach Fjordland oder Albenmark reisen, denn diese Welten sind so komplex beschrieben, dass man sie beim Lesen immer wieder vor Augen hat.

Zwei Elfen und ein Barbarenhäuptling ziehen gemeinsam in den Kampf gegen eine dunkle Bedrohung. Eine Bedrohung, die erst durch die unsterbliche Liebe zu einer Elfe Tod und Verderben über die Welt der Menschen brachte und das Schicksal aller Beteiligten für immer verändern wird.

In „Elfenritter“ kehrt der Bestsellerautor in die mythische Welt der Elfen zurück und lüftet das große Geheimnis um das Schicksal Albenmarks: Dies ist die Geschichte von Gishild, Königin des Fjordlands und letzte Hoffnung für die freien Völker der Welt. Und es ist die Geschichte Lucs, Ritter im Dienste eines mächtigen Ordens, dem Todfeind der Elfen. Als Kinder unzertrennbar, stehen sie sich nun an der Spitzer zweier Heere gegenüber. Denn der Kampf um die alte Welt hat längst begonnen …

Bernhard Hennens Werk umfasst mittlerweile mehr als 25 Romane und etliche Kurzgeschichten. Neben der Fantasy widmet er sich auch gern historischen Themen wie zum Beispiel in „Die Könige der ersten Nacht“.

Neben dem Turiner Grabtuch sind die Gebeine der Heiligen Drei Könige die kostbarsten Reliquien der Christenheit. Als Rainald von Dassel, der Erzbischof von Köln und zugleich Reichskanzler des Kaisers Barbarossa, im Jahre 1162 Mailand belagert, sieht er sich am Ziel: Hier, in einer kleinen Kapelle, sollen die Gebeine der Könige ruhen. Er wählt vier Ritter aus, die ihm die Reliquien aus der Stadt bringen sollen. Doch auch die Mailänder wissen um den unschätzbaren Wert der Gebeine, die über verschlungene Wege aus Konstantinopel in die Lombardei kamen. Ein gefährliches Versteckspiel beginnt. Als Rainald die Heiligen in seinem Besitz wähnt, erkennt er, dass er betrogen wurde: In die Haare einer der Mumien eingeflochten findet er ein Diadem, das eine Schlange darstellt. Ganz offensichtlich handelt es sich um die Gebeine einer Frau. Rainald bleibt nur eine Rettung: Die vier Ritter müssen den dritten König im Heiligen Land für ihn finden.
Ein großes Abenteuer des Mittelalters!

Mit diesem historischen Roman veröffentlichte er 1999 sein erstes Hardcover, dem noch zwei weitere folgten. „Die Könige der ersten Nacht“ wurde durch ein Stipendium der Sparkassenstiftung zur Förderung rheinischen Kulturguts unterstützt.

Zu guter Letzt darf natürlich Bernhard Hennens Anteil an „Das schwarze Auge“ nicht unerwähnt bleiben. Neben Romanen, die er zur Serie geschrieben hat, entwickelte er die Storyline für ein Computerspiel und verfasste verschiedene preisgekrönte Abenteuermodule für Fantasy-Rollenspiele unter dem Label „Das Schwarze Auge“.

Dies ist die atemberaubende Geschichte des Sklaven Omar, der mit der Tochter seines Herrn in die Wüste flieht – verfolgt von einem finsteren Magier, der nicht eher ruhen wird, bis er Omar für diesen Frevel bestraft hat ...

Abschließend bleibt mir nur noch zusagen: Wer beim Lesen viel Spannung, nette Unterhaltung, eine wunderbare Sprache, etwas Humor und ausgefallene Storys sucht, der ist mit einem Buch von Bernhard Hennen immer gut beraten.

Quellen:

Ein Interview mit Bernhard Hennen findet ihr HIER!!

© Anke Brandt

 

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