
Wunderwelten

Eveline Mattle
Die Saga von Andalaya
Das letzte Zeitalter
Fantasy, Hardcover mit 20 Illustrationen und Karte
Persimplex Verlag, Wismar, Oktober 2008
ISBN: 9783940528544
Kurzinhalt:
Erwartungsvoll fiebert das Volk der Murjaner dem großen Fest, welches alle 850 Jahre begangen wird, entgegen. Am letzten Tag des Zeitalters verabreden sich Myaàlej, Pévyl, Ninlaia und Narl, um gemeinsam dieses große Ereignis zu erleben.
Ein plötzlich aufkommendes Grollen veranlasst die vier jungen Murjaner, sich auf dem naheliegenden Nebelberg in Sicherheit zu bringen. Dort werden sie Augenzeuge, wie eine riesige Flutwelle ihren Heimatort mit all seinen Einwohnern und Gästen vernichtet.
Zur gleichen Zeit plant der König der dunklen Meereselfen einen Angriff auf Galand, die Stadt im Meer der Stille, in der auch Nanii und ihre Eltern leben. Die junge Meereselfe flieht aus der Stadt und begegnet auf wundersame Weise Myaàlej und dessen Gefährten.
Die Freunde ahnen bereits, dass die Ursache dieser Ereignisse keineswegs nur in den Kräften der Natur zu suchen ist und entschliessen sich, die Quelle ausfindig zu machen. Eine abenteuerliche Reise durch ganz Andalaya beginnt …
»Das letzte Zeitalter« ist der Auftakt zur mehrteiligen Fantasy-Romanreihe der schweizerischen Autorin Eveline Mattle unter dem Gesamttitel »Die Saga von Andalaya«.
Eigentlich bin ich nicht der Fantasy-Freak. Als ich den Debütroman von Eveline Mattle in den Händen hielt und mit dem Lesen begann, kam ich von der Story nicht mehr weg. Die Autorin wartet mit einem spannenden Roman auf, in welchem sie viele Protagonisten in verschiedenen Handlungssträngen agieren lässt.
Die Schweizerin versteht es, mit einem guten Schreibstil den geneigten Leser in die Geschichte um Myaàlej, Pévyl, Ninlaia, Narl und die anderen Figuren regelrecht hineinzukatapultieren. Man fühlt mit den Personen, nimmt an deren Freuden, Ängsten und Hoffnungen teil und hofft auf ein glückliches Ende. Was bringt das neue Zeitalter? Eveline Mattle wird es uns in den Folgebänden wissen lassen.
Der Roman »Die Saga von Andalaya - Das letzte Zeitalter« wurde mit 20 Illustrationen von Michael Franke ergänzt, die zu ausgewählten Szenen sehr gut passen.
Die Autorin:
Eveline Mattle wurde 1987 in der Ostschweiz geboren und wuchs dort als jüngstes von vier Geschwistern auf. Bereits als Kind erschuf sie sich Fantasiewelten, in denen sie mit ihren Freunden die wildesten Abenteuer erleben konnte. Zurzeit studiert sie Psychologie und Englisch an der Universität Bern, mit dem Ziel, später als Kinder- und Jugendtherapeutin tätig zu sein.
»Das letzte Zeitalter« ist ihr Debütroman. Weitere Bände sind vorgesehen.

Leseprobe:
Die endlose Halle liegt in vollkommener Dunkelheit. Doch wer diese Strecke schon so viele Male hinter sich gebracht hat wie die drei Männer, braucht kein Licht, um sich darin zurechtzufinden. Gerüche und andere Sinnesempfindungen sind ihnen Anhaltspunkte genug.
Von Weitem sind die drei Männer nicht auseinanderzuhalten. Allesamt tragen sie schwere, lange Mäntel, die bis zum Boden hinunter reichen und an denen eine weite Kapuze befestigt ist, die das Gesicht des Trägers völlig verdeckt. Sie sind ganz in dieser eigentümlichen Farbe gekleidet, die nirgends genau einzuordnen ist und wohl eine Mischung zwischen Grau und Schwarz darstellt. Selbst die behandschuhten Hände sowie die Stiefel, welche zwischendurch unter dem Mantel zu erkennen sind, scheinen in demselben Farbton gehalten zu sein. In der rechten Hand hält ein jeder der Männer einen langen, gewundenen Schwarzholzstab, der sich vom Boden bis über ihre Köpfe schlängelt.
Am Ende des Ganges ist nun ein schwacher Lichtschimmer zu erkennen, auf den die drei Männer geradewegs zugehen. Als sie endlich die Halle hinter sich lassen, gelangen sie in eine winzige Kammer, die kaum groß genug ist, um all ihre Körper in sich aufzunehmen. Doch die Männer verlieren kein Wort und machen sich stattdessen daran, sich zu den drei Seitenwänden zu begeben und sich dort auf den Boden niederzulassen.
Der erste der Männer – derjenige, welche dem Gang zur Halle gegenübersitzt – macht einen kurzen Griff in eine Tasche seines Mantels und zieht ein kurzes Stück Kohle daraus hervor. Langsam und andächtig beginnt er, damit seltsame, ineinander verschlungene Zeichen auf den steinigen Boden in ihrer Mitte zu malen. Dann reicht er die Kohle den beiden anderen, damit sie seine Abbildung vervollständigen.
Nach den anfänglich scharrenden Lauten der Kreide wird es plötzlich totenstill. Für einen Moment liegt eine erregte Spannung in der Luft, die sich schließlich in den Worten des Mannes entlädt, der das Schweigen bricht.
Seine Stimme trägt einen lauten und durchdringenden Klang in sich, scheint ihn jedoch nicht mehr Anstrengung zu kosten als ein lautloses Flüstern. »Es ist soweit«, sagt er, während er die Kapuze tiefer ins Gesicht zieht und sich von den Handschuhen befreit. Langsam legt er seine Hände in den Schoß, und die beiden anderen Männer tun es ihm gleich.
Die nächsten Worte des Mannes knistern geradezu vor Magie. Sie scheinen eine solche Macht zu enthalten, dass sogar die Fackeln an der Wand hell aufleuchten und einen flackernden Schimmer auf die Symbole am Boden werfen. »Eorðstyren … Ýþfaru!«, ruft er laut und streckt beim letzten Wort die Arme hoch in die Luft, um seinem Zauberspruch eine größere Wirkung zu verleihen.
Es dauert nur wenige Sekunden, bis auch die beiden anderen Männer in seine Beschwörung einfallen und sie mehrere Minuten lang immer und immer wiederholen. Auf ein Handzeichen von ihm senken sie schließlich ihre Arme wieder und erheben sich bedächtig, sichtlich erschöpft von der Anstrengung, die der Zauber sie gekostet hat. Die Anwendung von Magie hinterlässt immer ihre Spuren.
Nun stehen die drei Männer da, streichen ihre Mäntel glatt und werfen die Kapuzen zurück. Der kaum merkliche Anflug eines Lächelns zeigt sich auf ihren Gesichtern – sie haben gute Arbeit geleistet. Obwohl jeder von ihnen vollkommen andere Gesichtszüge trägt, so haben sie doch alle mehrere auffällige Gemeinsamkeiten. Vorab sind sie alt. Gewiss, nicht alt im Sinne von gebrechlich und müde, sondern sie wirken eher erfahren und weise. Dies scheinen drei bodenlose Quellen von Wissen zu sein.
Und dann sind da noch die unterschiedlichen Symbole, die ein jeder von ihnen auf der Stirn trägt. Anstatt bloß eingeritzt, scheinen sie vielmehr in die Haut eingebrannt worden zu sein, um eine größere Wirksamkeit zu erlangen. Auf der Stirn des ersten Mannes prangt ein abnehmender Mond, der von einem Pfeil durchbohrt wird. Der Zweite hat einen nach oben offenen Halbkreis eingebrannt, der mit einer Wellenlinie bedeckt ist, und der Dritte trägt mit stolzer Miene ein hoch loderndes Feuer in einem Kreis auf seiner Stirn.
Dies sind die Drei Fürsten. Meistermagier und zugleich mächtige Herrscher, denen eine entsetzliche Stärke innewohnt. Und genau diese drei Männer sollen fortan auf die Probe gestellt werden.

Mit freundlicher Genehmigung des Persimplex Verlages
© W. Brandt
|