
Wunderwelten

William Morris
Quelle: www.wikipedia.de
William Morris, der Begründer der modernen Fantasy, wurde am 24.03.1834 in Walthamstow, Essex geboren.
Schon als Kind begeisterte sich Morris für das Mittelalter. Er las mit Begeisterung die Romane von Walter Scott und glaubte, dass Kunst und Handwerk im Mittelalter eine harmonische Einheit bildeten.
William Morris wurde von Privatlehrern auf ein Studium der Theologie vorbereitet, welches er aber abbrach.
Während des Studiums gehörte Morris einer Gruppe von jungen Männern an, die die Veränderungen des Industriezeitalters im Gegensatz zum Mittelalter diskutierten. Dabei richtete sich ihr Augenmerk besonders auf die Auswirkungen auf die Kunst.
Als Morris die Volljährigkeit erreichte, verhalf ihm ein Erbe zu einem sorgenfreien Leben.
Mit seinen Freunden brachte er eine literarische Zeitschrift heraus, in der auch seine eigenen ersten schriftstellerischen Versuche erschienen.
Nach dem Studienabbruch begann Morris stattdessen eine Lehre als Architekt, doch auch die brach er nach einem Jahr ab, um sich der Malerei zu widmen. Seine Misserfolge brachten ihn aber bald zu der Erkenntnis: „Ich habe die Phantasie eines Dichters, nicht die eines Malers.“
Die Vorstellung vom ganzheitlichen Kunstschaffen, wie er es in mittelalterlicher Handwerkskunst sah, war der Grund für die unterschiedlichen künstlerischen Tätigkeiten, an denen Morris sich versuchte. Damit wollte er seinen Beitrag zur Entschärfung der Industrialisierung leisten. Und diese Idee setzte er nach seiner Heirat mit einer eigenen Werkstatt, in der er ganze Wohnungseinrichtungen herstellte, um.
Morris entwarf Muster für Tapeten und Wandbehänge und wurde durch diese Kunst zu einem Mitbegründer des Jugendstils.
Außer mit künstlerischem Schaffen engagierte sich William Morris aber auch politisch gegen die Industrialisierung. Sein Ziel war eine humane sozialistische Gesellschaft, die zur mittelalterlichen Produktionsweise zurückkehrt. Diese Vorstellung verarbeitete er in zwei utopischen Schriften, wovon „Kunde von Nirgendwo“ am bekanntesten wurde.
Morris gründete sogar noch eine Partei, um in die Politik eingreifen zu können, doch dieser Versuch scheiterte und er wendete sich wieder verstärkt der Kunst zu, besonders der Buchkunst. Morris Vorstellung von ganzheitlichem Kunstschaffen in der Buchkunst ließ ihn zu dem Schluss kommen, dass ein literarisches Kunstwerk auch in ein ebenso künstlerisch gestaltetes Buch verpackt sein müsse. So brachte er seine eigenen dichterischen Werke in selbst gezeichneten Handschriften heraus und vertiefte damit sein Interesse an Druck- und Buchkunst.
Im Jahr 1889 gründete William Morris KELMSCOTT PRESS, Verlag und Druckerei.
Damit verwirklichte er seine Vorstellungen von Buchkunst und wurde ein Wegbereiter für die Druckkunst des 20. Jahrhunderts.
Mit KELMSCOTT PRESS widmete sich Morris nun auch wieder mehr dem Schreiben.
Obwohl er schon in jungen Jahren Lyrik bevorzugte (seinen Gedichtzyklus „The Earthly Paradise“ hatte er schon vor ca. 20 Jahren geschrieben), begann er 1886 Prosatexte zu schreiben.
Aus Interesse an den alten Sagas der großen nordischen Sagenkreise erlernte Morris die isländische Sprache und übersetzte Sagas in Englische.
Und für KELMSCOTT PRESS konnte sich Morris nun auch seinen Wunsch des eigenen Bücherschaffens erfüllen. Die Politik trat in den Hintergrund, sie hatte Morris sein Vermögen und seine Gesundheit gekostet, so dass er einfach nicht mehr die Kraft dafür hatte. Er wusste um seinen Gesundheitszustand, dass seine Lebensjahre gezählt waren.
Und in diesen letzten 5 Jahren schrieb William Morris seine Fantasy-Romane. Er war der erste Autor, der für einen Fantasyroman eine fiktive Welt mit eigener Geschichte, Geographie und Mythologie erschuf. Damit gründete er die Erzähltradition, die J.R.R. Tolkien fortsetzte.
Die Fantasy-Romane waren nach Morris’ Tod aber schnell wieder in Vergessenheit geraten. Erst mit Erscheinen des „Herr der Ringe“, was einen regelrechten Boom auslöste, wurden auch Morris’ Romane wieder entdeckt und neu aufgelegt. Und 80 Jahre nach Erscheinen wurden die Bücher dann auch ins Deutsche übersetzt:
Das Reich am Strom
Die Quelle am Ende der Welt
Die Zauberin jenseits der Welt
„Die Quelle am Ende der Welt“ wurde William Morris’ bekanntester Fantasy-Roman.
Heute sind Morris’ Fantasy-Romane wieder vergriffen und nur antiquarisch zu erwerben.
Die Quelle am Ende der Welt
Dieser Roman gilt als der Ursprung der modernen Fantasy. Er vereint eine Mischung aus nordischen Heldensagen, frühmittelalterlichen Lebensformen und eine erfundene Grals-Mythologie. Die Handlung spielt in einer fiktiven Welt mit einer eigenen Geschichte, Geographie und eben einer eigenen Mythologie.
Der Königssohn Ralph zieht aus, um die Welt außerhalb des kleinen, friedlichen Königreiches seines Vaters zu erkunden. Diese Reise endet in der Suche nach der Quelle am Ende der Welt, denn deren Wasser soll ein langes Leben, Frieden und Weisheit bringen.
Die Quelle ist eine Quelle des Lebens, wie sie auch aus Märchen bekannt ist, aber ebenso auch ein Ort des Friedens und der Erlösung.
Ralph begegnet auf seiner Reise einer Vielzahl von Menschen, deren Lebensgeschichten erzählt werden. Diese Geschichten vermitteln Ralph die Weisheit des Lebens. Er lernt verschiedene Gesellschaftsformen kennen, er lernt, dass Macht den Menschen immer negativ beeinflusst und dass nur freie Menschen ein humanistisches Leben führen können.
Der Leser sieht die Welt durch Ralphs Augen, denn Ralph lernt die Geschichte seiner Welt durch die Geschichten der Menschen, die er trifft, kennen.
Ralph findet die Quelle am Ende der Welt und erwirbt durch die Reise Lebensweisheit. Er kehrt heim und trifft noch einmal die Menschen wieder, denen er auf dem Weg zur Quelle begegnet ist und erfährt dabei deren Schicksale. Er kommt zu der Erkenntnis, dass es sich lohnt, für ein humanistisches Leben zu kämpfen.
Quelle: Das große Buch der Fantasy, Hrsg. Michael Görden
© Anke Brandt
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