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Wunderwelten

Gevatter Tod
“DU BIST DRAN!”

30. Juni 2006

von Anke Brandt

Ein Portrait des wohl sympathischsten Tod – Darstellers in der Fantasy – Literatur
Nachzulesen in den Romanen von der bizarren Scheibenwelt von Terry Pratchett

Pratchetts Bücher einzeln vorzustellen, wäre fast so, als würde man einen Witz erzählen, und mit der Pointe anfangen. Denn es würde zuviel verraten werden. Deshalb habe ich mir meine Lieblingsfigur ausgewählt, und werde diese hier näher vorstellen. Dabei gibt es aber auch ein paar allgemeine Informationen zur Scheibenwelt, damit hier keiner denkt, ich hab sie nicht mehr alle...

Die Scheibenwelt ist, wie der Name sagt, eine Scheibe. Diese ruht auf den breiten Schultern von Berilia, Tubul, Groß – T`Phon und Jerakeen, vier riesigen Elefanten. Und die Elefanten stehen auf dem Rücken der Sternenschildkröte Groß – A`Tuin. Um eine Vorstellung von der Größe zu bekommen, sei noch angemerkt, dass der Durchmesser der Scheibenwelt rund 10000 Meilen misst. Soweit die Geografie.
Das Cover zu „Wahre Helden“ veranschaulicht die Beschreibung vielleicht noch etwas:

Wahre Helden

Die Scheibenwelt unterliegt ganz eigenen Gesetzen. Zum Beispiel dreht sie sich einmal in 800 Tagen, was zur Folge hat, dass es acht Jahreszeiten gibt, jeweils zwei der uns bekannten. Es gibt auch acht Farben im Scheibenweltspektrum. Die achte Farbe ist Oktarin, und ist zu beschreiben als grünlich – purpurnes gelb.
Auf der Scheibenwelt kann fast Alles Intelligenz entwickeln. Felsen, Gebäude, Birnbaumholz...
Metaphern neigen dazu, sich hier sehr ernst zu nehmen. So ist Gevatter Tod nicht nur eine Metapher des Todes, sondern er existiert wirklich. Und das, weil an ihn geglaubt wird. Wenn man fest an etwas glaubt, wird es Wirklichkeit, jedoch trifft das auch auf das Gegenteil zu.
Genauso verhält es sich mit der Magie. Wenn jemand einen spitzen Hut aufsetzt, und die Leute glauben, man kann zaubern, hat es derjenige schon fast geschafft.
Bevölkert ist die Scheibenwelt von vielen Völkern, ihre Letzte Verabredung haben aber alle mit einem...

Gevatter Tod

Er wird beschrieben als der beste Arzt der tödlich Verletzten, als Assasine-gegen-den-kein-Riegel-hilft, als fast ältestes Geschöpf im Multiversum. Fast? ... Es musste ja vorher etwas sterben.
Tod ist ein gut 2 m großes Skelett mit blauen Lichtern in den Augenhöhlen. Er kleidet sich in eine Kutte aus absoluter Dunkelheit und hat eine Sense. Die sieht auch so aus, nur ist die Klinge so dünn, dass Tod damit Flammen zerschneiden und Geräusche zerhacken kann. Und wenn man die Klinge als normal Sterblicher sehen könnte, könnte man durch sie hindurchschauen, weil sie so dünn ist. Das kann man aber nur, wenn man tot, eine Katze oder Magier ist. Übrigens, Gevatter Tod hat Katzen sehr gern.
Sollte Gevatter Tod doch mal einem Lebenden erscheinen, sieht derjenige in ihm keine Bedrohung. Das liegt wohl daran, dass niemand mit seinem eigenen Tod rechnet.
Tod reitet auch auf der Scheibenwelt stilecht auf einem weißen Pferd namens Binky. Dazu entschloss er sich, nachdem er es mit einem knöchernen Ross und einem Feuerross probiert hat. Das knöcherne Ross ist ständig auseinandergefallen und musste mit Draht oder Bindfaden repariert werden, und das Feuerross hat ständig das Heu entzündet.
Gefühle kennt Tod nicht, denn Gefühle erfordern Drüsen. Deshalb ist der Tod auch nicht grausam und er wird nicht zornig.
Tods Zuhause entspricht einem Landhaus mit Garten. Durch Beobachten der Menschen entstand es in dieser Form. Da Tod gut beobachtet, gibt es in seinem Haus sogar Haarbürsten und ein Schlafzimmer und ein Bad. Nur, Tod schläft nicht, und dass Rohre innen hohl sind, hat er auch erst später erfahren. Und es gibt noch einen gravierenden Unterschied zu einem „menschlichen“ Landhaus. Tods Anwesen besteht nur aus schwarz, weiß und allen Farbschattierungen dazwischen.

Gevatter Tods Wirken auf der Scheibenwelt

Tod hat in den Romanen von Terry Pratchett viele Auftritte. Gestorben wird immer. Und überall. Auch auf der Scheibenwelt. Fast in jedem Buch erscheint Tod und dramatisiert seinen Auftritt damit, dass er nur in GROSSBUCHSTABEN redet.
In ein paar Geschichten spielt Tod aber eine größere Rolle, und diese Romane möchte ich nun kurz vorstellen.

Der erste „Tod – Roman“ heißt (wie auch sonst):

Gevatter Tod
Gevatter Tod

 

Der junge Mort ist verzweifelt auf der Suche nach einer Lehrstelle. Das Angebot Gevatter Tods kommt ihm daher gerade recht: freie Kost und Logie, Nutzung des betriebseigenen Pferds, Sonderurlaub für die Beerdigung naher Verwandter nicht erforderlich. Mort macht seine Sache so gut, dass der Tod beruhigt in den Urlaub aufbricht. Doch schon bald gibt es Probleme: Statt die Seele einer Prinzessin einzusammeln, die bei einem Attentat ums Leben kommen soll, rettet Mort das Mädchen. Und er muss erkennen, dass er damit nicht nur seine Stelle, sondern das Gefüge aus Leben und Tod auf der Scheibenwelt aufs Spiel gesetzt hat…

Alles Sense!
Alles Sense!

 

Das hätte einfach nicht passieren dürfen: Tod, dem Sensenmann der Scheibenwelt, ein Stundenglas in die Hand zu drücken und ihn ungefragt in den Ruhestand zu schicken, ist wirklich ein starkes Stück. Der Schnitter jedenfalls ist tödlich beleidigt und macht sich vom Totenacker. Bleibt den Verschiedenen vorerst nichts anderes übrig, als der Untoten-Selbsthilfegruppe beizutreten - Himmel oder Hölle, das Leben ist ein Jammertal, wenn nicht einmal mehr ordentlich gestorben werden kann ...

Schweinsgalopp
Schweinsgalopp

 

Auch auf der Scheibenwelt gibt es so etwas Ähnliches wie einen Weihnachtsmann: Er hat einen Bart und eilt alljährlich mit einem Schlitten voller Gaben durch die Lüfte herbei. Dieses Jahr bleibt er allerdings verschwunden, und so muss niemand Geringerer als Tod für ihn einspringen. In der Zwischenzeit begibt sich seine Enkelin Susanne auf die Suche nach dem Verschollenen ...

Rollende Steine
Rollende Steine

 

Gevatter Tod kriegt die Midlifecrisis. Als er von einem Tag auf den anderen spurlos verschwindet, muss seine Enkelin Susanne das Geschäft für ein paar Tage übernehmen. Bei ihrer neuen Arbeit bekommt sie es nur zu bald mit einem merkwürdigen Phänomen zu tun, das jede Menge Turbulenzen verursacht: Es geht um eine neue Musik, die ein Barde, ein Zwerg und ein Troll erfunden haben. Die magischen Melodien stellen Tods Enkelin vor ungeahnte Probleme: Nicht nur, dass sie im deprimierenden Haus vom Tod wohnen muss, sie verliebt sich auch noch unsterblich in den Gitarrenspieler dieser „Band mit Steinen Drin“. Doch das Trio wird Geschichte machen – wobei Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und Musikgruppen, siehe Titel, einmal mehr rein zufällig und völlig unbeabsichtigt sind.

Der Tod ist also auch nur ein Mensch (oder wenigstens ansatzweise). Wer könnte da Angst haben? Man muss nur fest daran glauben, dass auch Gevatter Tod nur dein Bestes will, dann wird das ja sehr schnell wahr. Zumindest auf der Scheibenwelt. Nur dumm, dass bei einer Begegnung mit Tod das Beste dein Leben ist...

Zum Schluss noch ein paar kurze Worte zum genialen Schöpfer der Scheibenwelt:

Terry Pratchett

Terry Pratchett
Bildquelle: www.wikipedia.de

Terry Pratchett, geboren 1948 in Beaconsfield, England, war Lokalredakteur und Sprecher der zentralen Elektrizitätserzeugungsbehörde. In den achtziger Jahren erfand er eine ungemein flache Welt, die auf dem Rücken von vier Elefanten und einer Riesenschildkröte ruht. Sie wurde ein schier unglaublicher Erfolg: Ein Prozent aller in Großbritannien verkauften Bücher sind »Scheibenwelt«-Romane. Weiteres zum Autor: www.terrypratchettbooks.com

Neugierig geworden?
Dann noch ein guter Tipp: Fangt beim Lesen mit dem ersten Buch „Die Farben der Magie“ an. Das ist zwar kein Tod-Roman, aber eben der Anfang. Und wer noch ein paar Tage warten kann, dem sei gesagt, dass im August bei Piper ein Sammelband mit den ersten drei Scheibenwelt-Romanen erscheint. Das Buch wird heißen:

„Die Magie der Scheibenwelt“
Piper, ISBN 3-492-28519-8, 896 Seiten, 10,00 €
„Die Magie der Scheibenwelt“

Quellen:
Terry Pratchett, Die Scheibenwelt von A-Z
Terry Pratchett, Das Scheibenwelt-Album
www.morpork.net
www.randomhouse.de


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