
Slaterman's Westernkurier



Mail-Order Brides on the Frontier
Als der Westen von Trappern, Abenteurern und Entdeckern erforscht wurde, waren Indianerinnen ihre weiblichen Gefährten. Die Männer erwarben durch Kauf oder Tauschhandel ihre Ehefrauen und genossen den Schutz ihres Stammes. Viele berühmte Erforscher wie Kit Carson, Jim Bridger und William Bent waren Squawmänner. Nicht alle beschränkten sich auf eine einzige Frau und es war eine Bindung auf Zeit. Während die ersten Trecks gen Westen zogen, waren Frauen noch in der Minderheit. Je mehr weiße Frauen sich im Westen niederließen, desto anstößiger war es, sich mit Indianerinnen einzulassen.
Je länger die Männer ohne weibliche Gesellschaft waren, desto mehr vermissten sie die Frauen. Der weibliche Anteil Ende der 40er Jahre betrug etwa 2 Prozent. Auch wenn eine Frau von Natur aus mit wenig Schönheit ausgestattet war, fand sie in kürzester Zeit einen Ehemann, sofern sie wollte. Offiziersfrauen beklagten sich, dass ihre Hausangestellten innerhalb weniger Tage heirateten. Doch wie sollte ein Mann, fern jeglicher Zivilisation, eine Frau kennen lernen? Hilfe bot sich in Form von Heiratsanzeigen an. Heiratsvermittler hegten nicht immer nur gute Absichten, sondern zogen den Suchenden das Geld aus der Tasche.
Matrimonial News, eine Zeitung in San Francisco, widmete sich im großen Stil der Heiratsvermittlung. Wer das nötige Geld besaß, warb nicht nur mit einer Anzeige, sondern auch mit einer Fotografie von sich. Frauen verließen ihre Heimat und reisten oft sehr weit, um Männer zu ehelichen, die sie nur aus Briefen kannten. Männer, die dem Alter nach ihre Väter und Großväter sein konnten. Manche hatten die Wahrheit in den Briefen beschönigt, die bittere Erkenntnis traf beide beim ersten Treffen. Für Frauen gab es wenige Verdienstmöglichkeiten. Für die meisten bedeutete ein Ehemann Schutz und ein geregeltes Einkommen. Einige gewannen viel, andere verloren alles. Zeitungsartikel und Tagebucheintragungen geben Einblicke in das Schicksal der Heiratssuchenden.
Eleanor Berry
wurde 1851 in Gilroy, Kalifornien geboren. Sie antwortete auf eine Annonce, die am 12. April 1873 im San Francisco Magazine erschien.
Lonsome miner wants wife to stake and prospects.
Please respond to Louis Dreibelis in Grass Valley, California.
Einige Monate korrespondierten Eleanor und Louis, bis er ihr einen Heiratsantrag machte. Auf dem Weg zu ihm, wurde ihre Kutsche von Banditen überfallen, die es auf den Safe mit 7.000 Dollar abgesehen hatten, der transportiert wurde. Nach ihrer Ankunft in Nevada City und der ersten Begegnung mit ihrem zukünftigen Ehemann, machte sich Eleanor für die Hochzeitsfeierlichkeit zurecht. Die beiden unterzeichneten nach einer kurzen Zeremonie die Papiere. Erschrocken sah sie die Narbe am Handrücken ihres frisch Angetrauten. Dieselbe Narbe hatte sie an einem der Banditen gesehen. Wie groß muss ihr Entsetzen gewesen sein, als sie registrierte, dass sie einen Verbrecher geehelicht hatte? Sie lief weg und ließ ihren Ehemann stehen, der sich ihr sonderbares Benehmen nicht erklären konnte. Er hatte sie als eine der Passagiere der Kutsche erkannt, die er überfallen hatte, aber sie konnte ihn unmöglich identifizieren, dachte er.
Sie erklärte, dass alles ein Missverständnis sei, und reiste nach Hause zurück.
Dreibelis wurde zwei Monate später verhaftet. Er machte einen Deal mit der Staatsanwaltschaft, indem er seine ehemaligen Kumpels verriet und gegen sie aussagte. Freiheit, ein Ticket nach Illinois und das Verbot kalifornischen Boden jemals wieder zu betreten, waren der Preis.
Möglicherweise hatte sich die Geschichte in Eleanores Heimat herumgesprochen. Wahrscheinlich aus Scham und Verbitterung unternahm sie einen Selbstmordversuch. Es ist nicht überliefert, was nach ihrer Genesung aus ihr wurde.
Mary Zadow
war 15 Jahre alt, als sie auf die Anzeige des 28jährigen Calvin Howell antwortete. Er lebte in Ophir, nahe Auburn, Kalifornien. Nach drei Monaten heimlicher Korrespondenz nahm Mary den Heiratsantrag von Calvin an. Er besuchte sie in Iowa Hill und beide verliebten sich beim ersten Treffen ineinander. Marys Eltern waren von dem Arrangement nicht begeistert. Sie hielten Mary für zu jung und verboten weitere Treffen. Liebe macht erfinderisch und die beiden trafen sich weiterhin heimlich. Nach angemessener Zeit hielt Calvin nochmals bei Marys Eltern um die Hand ihrer Tochter an. Sie glaubten nicht, dass er für Mary gut sorgen konnte, da sein Claim sehr wenig Ertrag brachte. Trotz vieler Tränen ließen sich ihre Eltern nicht umstimmen. Auch ihre Drohung mit Selbstmord wurde nicht ernst genommen. Mary sah keinen anderen Ausweg, als sich zu vergiften und starb in den Armen ihrer Mutter. Als Calvin vom Tod seiner Liebsten hörte, vergiftete er sich mit Arsenik.
Kathleen Forreststall
antwortete als 18jährige auf die Heiratsanzeige von Leutnant Fred Carey im Jahr 1851. Im zweiten Brief schickte er ihr das Geld für die Reise von Irland nach Amerika. Während der Reise auf dem Schiff wurde ihr Bargeld gestohlen. Von San Francisco aus schrieb sie ihrem Bräutigam von dem Verlust. Er arrangierte die Weiterreise per Postkutsche nach Fort Klamath, wo er sie erwartete. Bevor die Hochzeit statt fand, musste er als Soldat dienstlich ausrücken. Nach seiner Rückkehr erfuhr er von seinen Kameraden, dass sich seine Braut bei Tanzveranstaltungen und dergleichen vergnügt hatte. Erbost über ihr Verhalten, löste er das gegebene Versprechen. Kathleen reiste zurück nach San Francisco und antwortete erneut auf eine Anzeige. Sie heiratete und eröffnete mit ihrem Ehemann eine Pension. Leutnant Carey hat nie geheiratet.
Benton Brides
Tagebucheintragungen von Constance Ranney und Josephine Ann Gibney erzählen von ihrem beschwerlichen Trip von Elliott City, Maryland nach Oregon.
Kurz nach Kriegsende blieben Mädchen und Frauen als Waisen, Witwen und alleinerziehende Mütter zurück. Im Osten waren sie in der Überzahl, nicht so auf den Goldfeldern und in Oregon, das gerade besiedelt wurde.
Die Benton Brüder besaßen eine Sägemühle in Albany und suchten im Auftrag vieler einsamer Männer nach heiratswilligen Frauen, die sich nicht scheuten, in ein Land zu reisen, dass erst zivilisiert werden musste. In Elliot City schickten sie an jeden Haushalt Inserate und warben um Ehefrauen. Unzählige neugierige Frauen kamen zur Veranstaltung, bei der das Vorhaben erklärt wurde.
Am 16. Jänner 1865 stach der Schoner Osceolo mit über hundert Frauen an Bord in See. Das Schiff transportierte üblicherweise Waren und Tiere und dementsprechend war die Ausstattung. Die Unterkünfte der Frauen waren mehr oder weniger Stallungen. Die vielen Frauen aus gutem Hause empfanden dies als Zumutung und verlangten in den Hafen zurückgebracht zu werden. Unter Anleitung ihrer Geschlechtsgenossinnen der unteren Klasse lernten sie putzen und kochen. Nichts anderes, als sie auch später machen würden.
Am 4. April trafen sie im Hafen von Oregon ein. Über 150 Männer verschiedenen Alters und Berufe hatten sich eingefunden, um die Frauen zu begrüßen. Innerhalb eines Jahres waren bis auf sieben Frauen alle verheiratet. Constances und Josephines Tagebucheintragungen endeten mit ihrer Ankunft in Oregon.
Mercer Girls
Asa Shinn Mercer warb in Lowell, Massachusetts für seine Stadt Seattle, die reich an Arbeitsplätzen und unverheirateten Männern war. Viele Frauen begrüßten die Idee nach Seattle zu ziehen, denn der Bürgerkrieg hatte ihre Männer dahingerafft und die Textilfabriken in Lowell waren geschlossen. Doch nur wenige konnten die hohen Kosten der Reise aufbringen. Ein Ticket um 250 Dollar war für die meisten unerschwinglich. Im März 1864 trat Mercer mit acht Damen die Reise mit der Eisenbahn von Lowell aus an und reiste per Schiff nach New York weiter. Dort stießen zwei weitere Damen dazu. Die jüngste der Frauen war 15, die älteste 35. Am 16. Mai 1864 traf die Truppe in Seattle ein. In kürzester Zeit waren die meisten der Frauen verheiratet. Zwei Jahre später organisierte Mercer eine weitere Reise, an der 34 unverheiratete Damen teilnahmen. Eine der Frauen, Annie E. Stephens, heiratete Mercer am 15.Juli 1866.
Nachkommen der Mercer Girls, halten heute noch gemeinsame Zusammenkünfte ab.
Sie verrichteten an der Seite ihrer Ehemänner schwere Arbeiten, erzogen ihre Kinder zu anständigen Mitmenschen und zauberten ein den Umständen entsprechendes gemütliches Heim. Durch ihre Unterstützung wurden Kirchen gebaut, Schulen und Bibliotheken gegründet. Viele unter diesen Umständen entstandene Verbindungen waren glücklich. Unzählige Begebenheiten wurden niemals niedergeschrieben, die Namen dieser mutigen Frauen sind vergessen, doch sie haben mitgeholfen, das Land zu zivilisieren.
Heiratsanzeigen der Matrimonial News, San Francisco, May 1873
A bachelor of 40, good appearance and substantial means, wants a wife. She must be under 30, amiable and musical.
Young lady of good family and education would like to correspond with some gentleman of means, one who would be willing to take her without a dollar, as she has nothing to offer but herself.
Anzeigen der Matrimonial News, Kansas City, January 1887
241 – I am a widow, aged 28, have one child, height 64 inches, blue eyes, weight 125 pounds, loving disposition. I am poor; would like to hear from honorable men from 30 to 40 years of old: working men preferred.
287 – An intelligent young fellow of 22 years, 6 feet height, weight 170 pounds. Would like to correspond with a lady from 18 to 22. Will exchange photos, object: fun and amusement, and perhaps when acquainted, if suitable, matrimony.
So long Fellows
Eure Montana
Quelle:
- Hearts West – True Stories of Mail-Order Brides on the Frontier, Chris Enss
Copyright © 2011 by Montana
|