
Slaterman's Westernkurier



Der längste Friedhof der Welt
Bis in die 40iger Jahre des 19. Jahrhunderts erkundeten Pelzhändler, Trapper und verschiedene Expeditionen die Wege nach Oregon, einem fruchtbaren Land im Westen der Vereinigten Staaten. 1858 wurde es als 33. Bundesstaat aufgenommen und trägt den Beinamen »Beaver State« (Biberstaat).
Führende Politiker wollten die Einwohnerzahlen in Oregon und Kalifornien erhöhen, um die Gebiete an die Vereinigten Staaten anzugliedern. Dazu musste die Bevölkerungsanzahl von Amerikanern, die der Briten in Oregon und die der Mexikaner in Kalifornien übertreffen. Spanien erhob Anspruch auf Kalifornien, die Briten wollten Oregon für sich haben. Werbekampagnen sollten Siedler veranlassen, sich dort niederzulassen.
Wirtschaftskrisen, Hungersnöte, Bürgerkriege, religiöse Intoleranz und Abenteuerlust bewegte die Menschen dazu, ihr vertrautes Heim zu verlassen und ihr Glück in der Neuen Welt zu suchen. Es gab ein Land der Verheißung, Oregon, so hatten sie gehört. Wer gewillt war, hart zu arbeiten, der würde reich belohnt werden. Viele sparten sehr lange für die Schiffspassage, nahmen ihr gesamtes Hab und Gut, von dem sie dachten, es in der neuen Heimat gebrauchen zu können, und begaben sich auf die lange Reise.
 
Die ersten kleinen Wagenzüge der Auswanderer starteten 1841/42 von Elm Grove, Missouri, aus nach Oregon und Kalifornien. Der allgemeine Ausgangspunkt des Oregon Trail war Independence oder Westpoint, Missouri. Über 2.000 Meilen durch Prärie, Wüste, reißende Flüsse und Berge waren zu überwinden.
Ab 1843 begann die Massenwanderung nach Oregon. Die Trecks mussten im Frühjahr starten, um im Sommer die Berge zu überqueren. Wer zu spät aufbrach, wurde vom Schnee überrascht. Die Siedler brauchten nur den Namen Donner zu hören, um ihre Tiere voranzutreiben. Der Donner-Treck mit 89 Auswanderern wurde 1846 in den Bergen vom Winter überrascht. 15 von ihnen wollten sich bis Kalifornien durchschlagen. Als ihre Vorräte aufgebraucht waren, aßen sie ihre toten Kameraden. Sieben von ihnen erreichten ein Indianerdorf. Vom gesamten Treck überlebten 45 Menschen.
Für die ersten Trecks übernahmen erfahrene Mountain Men die Führung. Die Bezahlung war unterschiedlich. Entweder verlangten sie einen Pauschalbetrag von 80 bis 500 Dollar oder sie berechneten pro Person oder Planwagen. Später gab es Landkarten, auf denen die Route eingezeichnet war.
Viele Meilen lang waren die Kolonnen, die aus mehreren Trecks bestanden. Noch heute sind die Guernsey Ruts zu sehen, die von Tausenden Overlandern in den Boden der Plains gegraben wurden. Bis Ende der 60iger folgten über 350 000 Menschen dem legendären Trail. Das brachte große Probleme mit sich. Die Suche nach geeigneten Lagerplätzen war schwierig, es gab wenige Weiden für die Tiere und kaum Wasserstellen. Die Staubwolken waren für die hinteren unerträglich. Forts wurden errichtet, um die Versorgung zu gewährleisten, doch sie befanden sich viele Meilen voneinander entfernt. Zwischen den Forts errichteten einige Händler Versorgungsstationen. Einer der Ersten, der eine Handelsstation betrieb, war der Mountain Men Jim Bridger. Er konnte weder lesen noch schreiben, aber er errichtete im Südwesten von Wyoming den bekannten Handelsposten Fort Bridger.
Von Hollywood Filmen kennen wir das Klischee von kriegerischen Indianern, die hilflose Pioniere massakrieren. Die Wirklichkeit war undramatischer. Die meisten Auswanderer bekamen nie einen Indianer zu Gesicht. Hin und wieder kam es zu Übergriffen auf Nachzügler oder Indianer versuchten, nachts Rinder und Pferde zu stehlen. Begegnungen verliefen meist friedlich, wenn Indianer Wegzoll verlangten. Tagebucheintragungen erzählen von Tauschhandel mit »halbnackten Wilden« und dass ihnen Krankheiten wie Skorbut durch die Hilfe von Trappern und Indianern erspart geblieben wäre.
Während der monatelangen Reise waren die Frauen erfüllt von der Furcht, Gefangene von Indianern zu werden. Zu schlimm waren Geschichten, die man sich hinter vorgehaltener Hand erzählte. Scheußlichkeiten, die gefangene Frauen bei den Indianern westlich des Mississippis zu ertragen hatten. Indianerüberfälle mehrten sich erst, als immer mehr Weißen indianische Gebiete verlangten, doch zu dieser Zeit war der Oregon Trail bereits mehr oder weniger verlassen. Die Landnahme wurde nie angezweifelt, denn nur jemand, der das Land urbar machte, war würdig, es zu besitzen.
Weniger gefürchtet als Indianer, aber weitaus todbringender waren Krankheiten wie Cholera, Pocken und Malaria. Je mehr Menschen in das Land strömten, desto rascher verbreiteten sich Seuchen.
Die Prärie war übersät mit Hausrat, von dem die Frauen dachten, es sei in der neuen Heimat wichtig. Standuhren, Tische, Pflüge und Truhen waren überflüssiger Ballast. Spätestens vor der Überquerung der Rocky Mountains wurden unnötige Habseligkeiten von den Overlandern geworfen. Man wollte die erschöpften Zugtiere so gut wie möglich entlasten. Vier oder sechs Maulesel oder Ochsen zogen die Wagen, ein weiteres Gespann erholte sich für die nächste Etappe. Im Durchschnitt legten die Trecks an einem Tag ungefähr 25 Kilometer durch flaches Gebiet zurück.
In die Granitwände des Independence Rock sind unzählige Namen, Jahreszahlen und Nachrichten geritzt.
Viele mussten ihren Besitz aufgeben, weil die Wagen zusammenbrachen oder die Zugtiere starben. Schicksale und Tragödien haben sich ereignet, die niemand niederschrieb. Hab und Gut ging teilweise verloren. Man nimmt an, dass für 30.000 Menschen der Traum von der neuen Heimat mit dem Tod endete. Unzählige Gräber wurden unkenntlich gemacht, um sie vor Leichenfledderei und der Ausgrabung durch wilde Tiere zu schützen.
Bis Ende der 60iger Jahre zogen die Menschen über den Oregon Trail, danach verlor er an Bedeutung. Eisenbahnlinien wurden durch das Land gebaut.
Über 20 % der Bevölkerung von Oregon ist deutscher Abstammung.
Historische Einwohnerzahlen
Jahreszahl |
1850 |
1860 |
1870 |
1880 |
1890 |
1900 |
Einwohner |
12.093 |
52.465 |
90.923 |
174.768 |
317.704 |
413.536 |
So long Fellows
Eure Montana
Quellen:
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