
Slaterman's Westernkurier



Die Damen von Lusk
Das älteste Gewerbe der Welt konnte Reichtum oder den frühen Tod bedeuten. Das zeigen die folgenden Begebenheiten, die sich beide im selben Ort zutrugen.
1876 kam eine Frau mittleren Alters mit ihrem Partner nach Lusk, Wayoming und errichtete entlang des Cheyenne-Black Hills Trail eine Hütte. Die schäbige Unterkunft war Saloon, Spielhölle und Bordell zugleich. Ihr Partner Davis, der sich Dangerous Dick nannte, war ein Bandit. Die Hütte wurde bald zum Treffpunkt zwielichtiger Gestalten, die ihre Beute der Frau zur Aufbewahrung gaben.
Die Frau, deren Namen niemand kannte, ritt nicht im Damensattel, wie man es von einer Dame erwartete, sondern rittlings auf dem Pferd. Da ihr Kleid beim Reiten ihre gerüschten Beinkleider freigab und sie wie eine Henne im Schneidersitz aussah, wurde sie Mother Featherlegs genannt.
Eines Tages im Sommer 1879 wurde Mother Featherlegs tot aufgefunden. Man nahm an, Dangerous Dick habe sie ermordet und war mit der Beute der Banditen geflüchtet. Noch immer kannte niemand den wirklichen Namen der Frau.
14 Jahre später machten sich zwei Schuljungen einen Scherz und gruben die Tote aus. Als sie statt eines Skeletts eine Mumie zutage förderten, war ihr Schreck groß. So erzählte später einer der Jungs, Russell Thorp.
Dangerous Dick ging nach Lousiana, wo er Jahre später verhaftet und wegen Mordes und Raub angeklagt wurde. Vor seiner Hinrichtung gab er den Mord an Mother Featherlegs zu und erzählte, ihr richtiger Name war Charlotte Shepard und sie gehörte einer Bande an, die nach dem Bürgerkrieg ihr Unwesen in Louisiana trieb.
Jim Griffith und Bob Arrow hatten die Idee, einen Gedenkstein für diese Frau zu errichten. 1964 fand an der Postkutschenlinie Denver - Deadwood die Einweihung statt, an der einige Hundert Menschen teilnahmen. Die Kosten für die Einweihungsfeier wurden aus Spenden der Gemeinde Lusk gedeckt.
Die angeblichen Beinkleider Mother Featherlegs sind im Stagecoach Museum in Lusk ausgestellt.
Kurios erscheint die Tatsache, dass für Mother Featherlegs ein Gedenkstein errichtet wurde. Wegen ihrer Dienstleistung oder ihrer Ermordung? Würde man für jede Frau, die Dienstleistungen dieser Art verrichtete und für jeden Menschen, der ermordet wurde, Gedenktafeln errichten, dann wären die Vereinigten Staaten überfüllt davon.
Eine weitere Befürworterin der Feier war Dell Burke. 1888 als Mary Fisher Ada in Ohio geboren, war die hübsche Frau das häusliche Leben bald leid. Sie zog von einer Stadt zur nächsten und verdiente angeblich 10.000 Dollar jährlich.
1919 kam sie nach Lusk und bot ihre Dienste in einem Zelt an. Bald mietete sie ein Haus, stellte mehrere Mädchen ein und kaufte innerhalb eines Jahres ein zweistöckiges luxuriöses Haus gegenüber dem Eisenbahngebäude. Wegen des hellen Anstrichs wurde es Yellow Hotel genannt. Dell war nicht nur clevere Geschäftsfrau, sondern auch Mildtäterin, die bedürftigen Familien half. Die Dienste der hübschen, diskreten Mädchen im Yellow Hotel schätzten Politiker, Geschäftsleute, Rinderbarone, honorige Bürger und Cowboys. Aus Anstand den Kirchgängern über blieb ihr Etablissement sonntags geschlossen. Souverän meisterte Dell alle Hürden, die sich ihr in den Weg stellten. Sie überwand die Zeit der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkrieges, doch nach und nach verblassten ihr Glanz und der des Hotels. Einem Journalisten erzählte sie, sie sei hierhergekommen, weil sie annahm, der Name des Ortes bedeutete Lust. Im Alter von 91 Jahren stürzte sie von ihrem Hotel, zog sich einen komplizierten Bruch zu und verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens im Niobrara County Pflegeheim. Als sie 1981 starb, kam keiner ihrer Verwandten zur Trauerfeier. Sie ließen den Leichnam einäschern und verstreuten die Asche über Wyoming.
Ihr Vermögen wurde auf 1.300.000 Dollar geschätzt.
Antiquitätenhändler, private Sammler und unzählige Neugierige erschienen zur Auktion, als das Inventar des Yellow Hotels versteigert wurde.

Die Ruine des Yellow Hotels
So long Fellows
Eure Montana
Quellen:
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