
Slaterman's Westernkurier



Colonel Chivington, Captain Soule und das Sand Creek Massaker
Was haben die beiden Männer gemeinsam, außer dass sie zur selben Zeit beim Militär dienten? Beide beteiligten sich am Sand Creek Massaker. Soule hätte gern den Lauf der Geschehnisse gestoppt, doch er war nicht in der Position, dies zu befehligen.
In den 1850igern brach in den Rocky Mountains der Goldrausch aus. Unzählige Goldsucher und Siedler nahmen das Land in Besitz. Das brachte Konflikte mit Cheyenne und Arapaho hervor, die seit Generationen in dieser Gegend lebten. Nach mehreren Gewaltakten zwischen Weißen und Indianern sandte Gouverneur John Evans die Miliz aus, um den Frieden wieder herzustellen. Die Stämme verpflichteten sich, ihr Land an die Vereinigten Staaten abzutreten und in ein Reservat südlich des Sand Creek zu ziehen.
Black Kettle schlug mit seinen Leuten 40 Meilen von Fort Lyon sein Lager auf und ließ ausrichten, seine Gruppe habe den Frieden erklärt.
Colonel Chivington marschierte trotzdem mit 700 Soldaten zum Lager, um einen einfachen Sieg zu erringen. Am Morgen des 29. November 1864 blickten die Soldaten auf das Lager der friedlebenden Cheyenne und Arapaho. Vor Black Kettles Zelt waren die amerikanische und eine weiße Fahne gehisst. Der Colonel befahl den Angriff. Captain Soule verweigerte den Befehl. Er nannte es Mord. Im Dorf befanden sich Frauen, Kinder und einige alte Männer. Die Krieger waren auf der Jagd.
Der Angriff begann mit einem Kanonenschuss. Während Soules Truppe keinen einzigen Schuss abfeuerte, schossen Chivingtons Männer auf alles, was sich bewegte. Viele Indianer flüchteten stromaufwärts und gruben sich in die Sandbänke am Flussufer ein. Von den ca. 500 Menschen wurden an die 150 getötet, viele wurden schwer verwundet. (Verschiedene Quellen geben verschiedene Zahlen an) In ihrem Blutrausch verstümmelten die Soldaten die Menschenleiber, skalpierten sie, schnitten Körperteile ab und zündeten das Dorf an. Die Halbblutsöhne von William Bent, einem weißen Händler, George und Charles waren an diesem Tag im Lager anwesend. Manche Quellen geben an, sie wurden verschont, weil viele Soldaten ihren Vater kannten, anderen Quellen zufolge gelang ihnen die Flucht.
Als die Soldaten in Denver einritten und menschliche Trophäen schwenkten, wurden sie als Helden gefeiert.
Chivington prangerte Soule als Feigling an und die Attacke wurde in der Presse vorerst als Sieg gepriesen. Doch nach und nach meldeten sich mehrere Augenzeugen, die das Gegenteil behaupteten. Obwohl das Massaker während des Bürgerkriegs stattfand, war die Nation über die Brutalität, der Verstümmelung der Leichen und der Zurschaustellung der Körperteile schockiert. Aufgrund der öffentlichen Meinung entschied das Militär, den Angriff zu untersuchen.
Am 14. Dezember 1864 schrieb Captain Soule an Major Edward Wynkoop einen Brief, in dem er von unvorstellbaren Grausamkeiten erzählte. Frauen und Kinder baten auf Knien vergeblich um Gnade, kleine Kinder wurden zu Tode geprügelt, Lebenden wurden Gliedmaßen abgetrennt, Mädchen und Frauen vergewaltigt, bevor sie ermordet wurden. Frauen, denen es möglich war, töteten erst ihre Kinder, dann sich selbst. Alle wurden auf schreckliche Weise verstümmelt. Für Soule war es schwer zu verstehen, wie ein weißer Mensch so etwas tun konnte.
Am 19. Dezember schrieb Leutnant Joseph Cramer in einem Brief an Major Wynkoop, dass er sich schäme, dabei gewesen zu sein und dass er hoffte, solch einen Anblick niemals wieder sehen zu müssen.
Silas Soule belastete den Colonel vor Gericht. Nach seiner Aussage wurde er von Charles W. Squires ermordet, der für diese Tat nie verurteilt wurde. Manche waren der Ansicht, Chivington sei der Auftraggeber.
Der Untersuchungsausschuss fand an Chivingtons Sieg gegen die Indianer nichts auszusetzen. Gouverneur Evans zeichnete Chivington und seine Soldaten für ihre Tat aus. Im Jahr darauf wurde er deshalb von Präsident Andrew Johnson abgesetzt.
Obwohl Chivington nie verurteilt wurde, zwang man ihn, das Militär zu verlassen. Wegen Anfeindungen musste er sich auch aus der Politik zurückziehen. Er lebte in mehreren Städten und schlug sich mit verschiedenen Arbeiten durchs Leben, bis er sich in Denver niederließ und als stellvertretender Sheriff arbeitete. 1894 starb er an Krebs. Bis zu seinem Tod hielt er an der Richtigkeit seines Tuns am Sand Creek fest.
Diesem Massaker folgte ein mehrjähriger Krieg, der auf beiden Seiten viele Todesopfer forderte. Die Cheyenne glaubten nicht mehr an ein friedliches Zusammenleben zwischen Roten und Weißen. Eine Gruppe gründete die Dog Soldiers und tötete aus Rache zahlreiche Siedler.
John Milton Chivington (1821 – 1894) konvertierte zu den Methodisten und wurde Geistlicher. 1853 arbeitete er mit den Wyandot Indianern in Kansas. Als strikter Sklavereigegner erhielt er Drohbriefe und wurde von seiner Kirche nach Nebraska versetzt. 1860 ernannte die Methodistenkirche ihn zum Vorsitzenden des Rocky-Mountain-Distrikts und er übersiedelte mit seiner Familie nach Denver, Colorado.
1862 führte er Unionstruppen zur Schlacht gegen die Konföderierten am Glorieta Pass in New Mexico. Zwei Jahre später befehligte er als Colonel ein Freiwilligenregiment gegen die Cheyenne und Arapahoe.
Silas Stillman Soule (1839 – 1864) wuchs in einer Abolitionistenfamilie in Maine auf. In den 50iger Jahren übersiedelte die Familie nach Massachusetts, dann weiter nach Kansas. Ende der 50iger Jahre gründete er mit Freunden das Coal Creek Library, die erste Bücherei von Kansas. Seine Großnichte Martha Smith hatte bis 1926 die Verwaltung der Bücherei über und feierte 2007 ihren 102. Geburtstag.
Wie viele andere junge Männer wurde Soule zu Beginn des Bürgerkrieges in die Armee einberufen. Er kämpfte ebenfalls am Glorieta Pass in New Mexico. Er wurde bis zum Captain befördert und befehligte unter Colonel Chivington eine Truppe Soldaten am Sand Creek.
Black Kettle wurde um 1801 in den Black Hills geboren. Durch Georg Bent, der seine Nichte heiratete, aus der oben genannte Söhne Georg und Charles entstammten, sind einige Informationen überliefert.
Black Kettle war ein angesehener Krieger und heiratete Little Sage Woman, eine schöne Cheyenne. Dem Brauch zufolge zog er in die Gruppe seiner Frau und wurde in den 30iger Jahren ihr Führer. Bei einem Kampf gegen die Ute wurde seine Frau entführt und konnte nicht wieder gefunden werden. Danach heiratete er Medicine Woman Later.
Vom Sand Creek flüchtete er mit seiner schwer verwundeten Frau. Er war immer ein Mann des Friedens gewesen und trotz der schlechten Erfahrung setzte er sich weiterhin für ein friedvolles Zusammenleben zwischen Weißen und Indianern ein. Ein Jahr nach dem Angriff auf sein Lager unterschrieb er am 14.10.1865 den Vertrag von Little Arkansas, worin sich die Southern Cheyenne in Zukunft auf ein Gebiet südlich das Arkansas River beschränken mussten. Black Kettle starb zusammen mit seiner Frau und etwa hundert Cheyenne am 27.11.1868 am Washita River. Colonel Georg A. Custer griff das Lager an, obwohl das Land von der Armee vertraglich als sicher zugewiesen worden war.
Wind Woman, die Schwester von Black Kettle war 1913 noch am Leben.
Die Arapaho gedenken diesem schicksalhaften Tag mit dem Sand Creek Spiritual Healing Run. Sie laufen von Sand Creek, Colorado nach Ethete, Wyoming, über eine Distanz von mehreren Hundert Meilen. Lange Distanzen zu laufen ist eine alte, spirituelle Tradition der Arapaho.
So long Fellows
Eure Montana
Quellen:
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