
Slaterman's Westernkurier



Indianisches Heilwissen
Dies ist ein kurzer Querschnitt über die Heilkunde der Native Americans und soll aufzeigen, dass sie keine primitiven Wilden waren, wie damals böswillig behauptet wurde.
Naturvölker lebten von jeher mit der Natur, schätzten sie und nutzten ihre unerschöpflichen Quellen. Jede Pflanze hatte ihre Daseinsberechtigung, so wie jedes andere Lebewesen. Tiere wurden als Nahrungsquelle gejagt und getötet, doch nicht minder geachtet.
Als die Weißen Nordamerika ohne Pardon einnahmen, waren sie gepeinigt von Seuchen und Infektionskrankheiten. Sie, die sich als zivilisiert betrachteten, waren zu verbohrt, um das Wissen der Indianer über Heilkunst anzuerkennen. Ihrer Meinung nach konnten primitive Wilde kein Wissen über Medizin besitzen. Heilungen wurden ignoriert, Zufällen oder anderen Phänomenen zugeordnet.
Man war der Auffassung, dass das Streben nach Macht und Reichtum höchste Bedeutung hatte und Bestandteil von zivilisierten Kulturen war. Da dies bei den nordamerikanischen Stämmen nicht beobachtet wurde, ging man davon aus, dass es sich um unterentwickelte Rassen handelte. Rituelle Gesänge und Tänze waren den weißen Eroberern rätselhaft und fremd.
Schon vor Jahrhunderten wurde in den Chroniken spanischer Eroberer die Sauberkeit der Indianer erwähnt. Ihre Angewohnheit, täglich nackt zu baden und sich mit Kräutermischungen zu pflegen, stieß bei den Europäern auf Empörung.
Der englische Naturforscher William Bartram besuchte zwischen 1773 und 1778 Wohnsiedlungen der Creek- und Cherokee-Nationen. Die Häuser waren wasserdicht mit Schindeln aus Baumrinde und Moosschichten bedeckt, die Fugen abgedichtet und die Innenräume mit Fellen und Webstoffen behängt. Alle Häuser hatten eine Belüftung. Für Erkrankte gab es eigene Häuser, in denen sie gepflegt wurden. Also kannten Indianer die Bedeutung von Quarantäne. Die infektiösen Krankheiten, die die Europäer einschleppten, waren den Indianern unbekannt. Die Ursachen der Erkrankungen erkannten sie jedoch früher als die Weißen. Für die Natives galten die Eindringlinge als ausgesprochen schmutzig und gesundheitsgefährdet. Deshalb wurde großen Wert auf Sauberkeitspflege nach Berührung mit den Weißen geachtet.
Entgegen vieler Annahmen waren Indianer nicht gierig auf Zucker und Salz. Sie lernten sehr rasch, dass raffinierter Zucker und Kochsalz gesundheitsschädigend waren. Süßen Sirup gewannen sie aus verschiedenen Ahornbäumen und würzten ihre Speisen mit Kräutern.
Gründliche Reinigung des ganzen Körpers auch während der kalten Wintermonate war für die Natives selbstverständlich. Für die verklemmten Europäer waren sie scham- und zügellose Wilde. Indianer waren der Meinung, die Haut sei wie die Lunge ein Atmungsorgan. Abgestorbene Hautschichten und Unreinheiten mussten mit täglicher Reinigung entfernt werden. Die weißen Mediziner begegneten dieser Ansicht mit beißendem Spott.
Die Benutzung des Schwitzbades war ein Reinigungsritus für Körper, Geist und Seele. Eine unerlässliche Zeremonie, mit sich selbst und der Natur ins Reine zu kommen. Verschiedene Kräuter wurden vorbeugend zur Stärkung des Immunsystems oder als Nachbehandlung von versorgten Wunden verwendet.
Sesshafte Völker besaßen eine Vielzahl von Schwitzhütten. Nomadische Völker bauten aus gebogenen Weidenruten ein Kuppelgeflecht, das mit Zweigen und Bisonhäuten abgedichtet wurde.
Einen wichtigen Bestandteil in ihrem Leben nahmen rituelle Gebete, Tänze und die Benutzung der Tabakpfeife ein. Sie glaubten an den Großen Geist, die Macht der Geister, die beseelte Natur und an die Kraft von Visionen. Während sie fasteten, suchten sie in der Einsamkeit der Wildnis nach ihren Visionen und nahmen Kontakt zu ihrem Schutzgeist auf.
Der gebräuchliche Begriff Medizinmann, den die Weißen erfanden, ist irreführend. Es gab verschiedene Begriffe für Menschen mit verschiedenen Aufgaben und Fähigkeiten: Heiler, Priester, Seher, Beschwörer, Heyoka – Gegenteilmann, Heiliger Mann.
Während die Mütter- und Säuglingssterblichkeit bei den Kolonisten sehr hoch war, war dies den Indianern unbekannt. Anwendungen von empfängnisverhütenden Mitteln, Abtreibung oder die Verabreichung schmerzlindernder Mittel waren den Weißen verboten. Sogar eine Erleichterung bei problematischen Geburten, die von vornherein den Tod von Mutter und Kind bedeuteten, galt als verwerflich und unchristlich. Der Schmerz bei der Geburt war die Strafe Gottes für die Sünde der Empfängnis. Man hatte das Gottesurteil anzunehmen.
Werdende indianische Mütter nahmen zu Beginn der Schwangerschaft kräftige Nahrung zu sich, im weiteren Verlauf aßen sie leicht verdauliche, pflanzliche Nahrungsmittel und tranken Kräutertees. Diese Diät sollte die Wehen verkürzen und die Geburt beschleunigen. Abtreibungen, die jedoch nur selten vorgenommen wurden, und Geburtenregelung durch bestimmte Kräutermixturen waren ihnen ebenso vertraut. Sie achteten darauf, dass der Bevölkerungszuwachs im Rahmen blieb und sich den Lebensbedingungen anpasste.
Im Gegensatz zu den Weißen bekämpften die Indianer nicht die Krankheit, sondern suchten die Ursache dafür. Die Riten mit monotonen Gesängen, Trommel- und Rasselgeräuschen war kein Hokuspokus, sondern dienten dazu, den Patienten auf eine Diagnosebereitschaft einzustimmen und dem Heiler den Zugang zu den Ursachen für die Leiden zu zeigen. Menschen, die sich heute mit Schamanismus auseinandersetzen, werden dieser Aussage zustimmen.
Bereits vor Hunderten von Jahren besaßen indianische Heiler ein umfangreiches Wissen über Wechselwirkungen zwischen seelischen und körperlichen Störungen. Sie erkannten, dass starke Emotionen, wie Kränkung, Hass, Enttäuschung und anderes Krankheiten hervorrufen können.
Nach Überlieferungen von Trappern wissen wir, dass sie sich sowohl in der Chiropraktik auskannten, als auch Massagen vornahmen. Unter Anwendung tierischer und pflanzlicher Öle diente die Massage zur Beseitigung von Muskelverspannungen und um den Geist zu erfrischen.
Schwerverwundete wurden geheilt, sofern nicht lebensnotwendige Organe verletzt waren. Den Patienten blieben nur Narben zurück. Schlangen- und Insektenbisse behandelten sie ebenfalls sehr geschickt.
Obwohl in großen Teilen Nordamerikas in den langen Wintermonaten große Kälte und Frost herrschten, gibt es nur wenige Erzählungen über Erfrierungen und Frostschäden der Indianer. Großen Wert wurde auf besondere Bekleidung gelegt, die die Körperwärme an der Hautoberfläche erhielt. Weich gegerbtes Leder wurde durch Pflanzensäfte imprägniert und als Unterkleidung getragen. Als Oberbekleidung trugen sie weich gegerbte Pelze, die ebenfalls imprägniert waren. Körperliche Abhärtung ab dem Kindesalter an und spezielle Kräutermischungen trugen ebenfalls ihren Teil dazu bei, extreme Kälte unbeschadet zu überstehen.
Gegen jede Art von Krankheit wuchsen in der Natur entsprechende Pflanzen in Hülle und Fülle. Seit Generationen wurde das Wissen darüber weitergegeben. Nur den Infektionskrankheiten der Weißen standen sie machtlos gegenüber. Als die Indianer aus ihren Gebieten, die die Weißen besiedeln wollten, zurückgedrängt, ihre Vorräte vernichtet und sie gejagt wurden, veränderte sich ihr Leben drastisch.
Es kann nicht verleugnet werden, dass die indigenen Völker in Hygiene, Gesundheitspflege und Heilkunst den weißen Eroberern weit voraus waren. Ein Großteil der indianischen Heilkunst ist für immer verloren. Die Menschheit hätte vieles lernen können, doch dies wurde verpasst.
Viele Natives versuchen heute, den traditionellen Weg ihrer Vorfahren zu gehen.
Heinz J. Stammel hat in jahrelanger Arbeit Informationen über Heilpflanzen und ihre Anwendungen zusammengetragen und ein umfassendes Buch über indianische Medizin erstellt.
So long Fellows
Eure Montana
Quelle: Heinz. J. Stammel, das Heilwissen der Indianer
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