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Slaterman's Westernkurier

Pioniermedizin

Als die Europäer Amerika entdeckten, wurden sie seit Jahrhunderten von Seuchen und Krankheiten geplagt, gegen die sie keine Medizin kannten. Heute weiß man, dass dies zum Teil auf mangelnde Körperpflege und Hygiene zurückzuführen war.

Die katastrophalen Wohnverhältnisse in den Unterkunftsbaracken der Einwanderer waren Stätten von Bazillen und Krankheitserregern. Die Mietshäuser in den Städten waren nicht komfortabler.
Sanitäre Einrichtungen, Hygiene und Trennung von Tieren und Menschen waren unbekannt. Die Armen teilten ihre Unterkunft mit Hühnern und Schweinen, die in den Wohnungen geschlachtet wurden. Eine Unmenge an Kakerlaken, Flöhen, Zecken und Wanzen nisteten in den Behausungen. In den Hinterhöfen bildeten sich Berge von Abfall, über denen schwarze Wolken von Insekten schwebten. Menschliche Abfälle der Plumpsklos sammelten sich in Sickergruben, die oft überliefen, bevor neue gegraben wurden. Viele Lebensmittel waren verdorben und mit Parasiten verseucht. Zu einer Zeit, wo das Pferd als Fortbewegungsmittel diente, waren die Straßen mit einem bräunlichen, stinkenden Belag von Pferdemist bedeckt. Erschwerend kam hinzu, dass Einwanderer, die monatelang auf den Schiffen auf engstem Raum zusammengepfercht waren, Infektionsseuchen einschleppten.

In den Boomstädten, die sprichwörtlich über Nacht aus dem Boden wuchsen, waren die Zustände nicht besser. In den Hinterhöfen der Geschäfte und Saloons entstanden riesige Müllberge, die zum Himmel stanken. Ratten, Mäuse, Flöhe und anderes Ungeziefer waren Krankheitsüberträger. Um Ratten vorübergehend abzuschrecken, wurden einige lebend gefangen und mit Petroleum angezündet. Die gepeinigten Tiere sollten mit ihrem Geschrei ihre Artgenossen vertreiben. Flüsse und Bäche waren noch Meilen von den Städten entfernt mit Unrat verseucht.

Körperpflege war den meisten unbekannt, die Pflege des Unterleibs war unmoralisch. An Zahnpflege dachte niemand. Zudem rechtfertigte man sich damit, dass sich nur schmutzige Menschen waschen, dem stand die Aussage der Indianer gegenüber, dass viele Weiße wie Stinktiere riechen. Die Wasserbeschaffung in den Städten war beschwerlich. Aus wenigen gemeinschaftlichen Brunnen wurde es in Eimern in die Wohnungen geschleppt. Viele besaßen nur die Kleidung, die sie am Leib trugen. Die einzige Garderobe zu waschen, war zeitraubend. Am Sonntag saß man, eingehüllt in eine Decke, in der Wohnung und wartete, bis die Kleidungsstücke, die im Sommer aus dem Fenster gehängt wurden, trocken waren.

Für die Ärzte waren Dreck und Unrat keine Brutstätten für Krankheiten. Ihrer Meinung nach waren Seuchen die Strafe Gottes und von Krankheiten wurden körperlich und seelisch Schwache befallen. Mediziner, die fortschrittlicher dachten, wurden verspottet und ausgelacht.
Da Masern bei Erwachsenen häufig tödlich verliefen, rieten Ärzte den Eltern, ihre Kinder so früh wie möglich mit masernkranken Kindern zusammenzubringen. Die Todesrate unter diesen vorbeugenden Erkrankten war sehr hoch, da oft eine Lungenentzündung hinzukam.
Eine gängige Behandlungsmethode war zur Ader lassen, egal ob bei starken oder schwachen Patienten. Es ist nicht abzuschätzen, wie viele Patienten dabei getötet wurden und bei wie vielen das Immunsystem des Körpers geschwächt wurde und sie für Krankheiten noch anfälliger wurden. Eine ebenso beliebte Methode war Klistiere. Den Patienten wurden durch den Darmausgang Lösungen verabreicht: gelöster Pferdemist, Petroleum, Terpentin, Senfmixturen und Wagenschmiermischungen. Aus heutiger Sicht unvorstellbar, welche Torturen die Patienten über sich ergehen ließen. Ebenso beliebt waren Brechmittel wie Pflanzenmixturen, heißes Maschinenöl und Quecksilberchlorid. Dass den Überlebenden Zähne, Haare und Nägel ausfielen, störte die Ärzte nicht. Auch die Blasenerzeugung war Ziel dem Körper Gift zu entziehen. Auf Wunden und Entzündungen wurden Senfpulver, verdünnte Salzsäure aufgetragen, man ließ Wollknäuel auf der Haut abbrennen, oder versengte die Haut mit glühenden Eisenstücken, bis sich Blasen bildeten.

Möglicherweise wären manche Krankheiten früher erforscht worden, wenn in den Lehrsälen der Krankenhäuser mehr Leichen zu Studienzwecken zur Verfügung gestanden hätten. Ab den 60iger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden Verstorbene obduziert, um Krankheiten und Todesursache festzustellen. Vorher galt es als Totenschändung. Für die Studien wurden viele Leichen benötigt. Die Anzahl der Hingerichteten, die man für diese Zwecke verwenden durfte, reichte bei Weitem nicht aus. Wissenschaftler und Ärzte wollten sich nicht davon abhalten lassen, die Anatomie des menschlichen Körpers zu studieren. Dafür brauchten sie frische Leichen. Der Schwarzmarkt boomte. Die Leichenräuber plünderten die Gräber der Immigranten, Farbigen und Armen, belieferten die Ärzte mit den Leichen und entsorgten sie nach Beendigung der Studien. Ein lukratives Geschäft. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Menschen aus den Armenvierteln willkürlich für medizinische Zwecke getötet wurden.

Harmlose Schussverletzungen bedeuteten oft den Tod durch Blutvergiftung. Ärzte versuchten dem entgegenzuwirken, indem sie tiefe Einschnitte vornahmen oder größere Fleischstücke herausschnitten. Da sie ihre Instrumente nicht desinfizierten, waren solche Behandlungen wenig erfolgreich. Sehr oft wurden Amputationen durchgeführt. Auch hier wurden keinerlei antiseptischen Verfahren berücksichtigt. Nach Amputationsinfektionen wurden weitere Teilamputationen durchgeführt, bis der Patient schließlich verstarb. In der Wildnis hackte man dem Unglücklichen mit einem Beil das Glied ab. Der blutende Stumpf wurde mit einem glühenden Eisen oder einer abbrennenden Schwarzpulverladung verkohlt.

Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte man Laudanum, den eingedickten Saft des Schlafmohns, als Betäubung. Viele Versuche mit Lachgas, Äther und Chloroform wurden gemacht, um sie als Narkosen zu verwenden.
Geld spielte bei ärztlichen Behandlungen eine große Rolle. Laudanum kostete ein Vermögen. Berichte von den kalifornischen Goldfeldern erzählen von einem Dollar pro Tropfen. Wer sich keine Narkose leisten konnte, wurde auf herkömmliche Art behandelt. Der Patient leerte eine Flasche Whisky und ließ die Operation im Vollrausch über sich ergehen, oder er wurde mit Kinnhaken, Schlägen auf den Kopf oder in die Herzgrube betäubt. Bei kleinen Operationen ertrug man die Schmerzen bei vollem Bewusstsein.

Eine Schwangerschaft war ein lebensbedrohendes Risiko. Die Mütter- und Säuglingssterblichkeit war sehr hoch. Das Kind im Krankenhaus zur Welt zu bringen, bedeutete ein finanzielles Problem, jedoch nicht eine bessere Versorgung.
Auch in den Krankenhäusern der großen Städte war Hygiene ein Fremdwort. Verschmutzte und blutige Verbände wurden mehrmals verwendet, Decken und Matratzen nicht gereinigt. Ärzte sezierten Leichen und behandelten anschließend Verletzte und Schwangere, ohne auf Sauberkeit und Desinfektion zu achten.

Findige Geschäftsmänner produzierten in Großserien Arzneimittel, die von fahrenden Händlern in die hintersten Winkel des Westens geliefert wurden. Die Händler gaben sich als Ärzte und Professoren aus, die Arzneien für jede Krankheit verkauften. Zumeist bestanden die Salben, Tinkturen, Lösungen und Pasten aus nutzlosen Ingredienzen. Die reisenden Quacksalber verdienten ein Vermögen für ihre Medizin, die sich fast jeder leisten konnte. Die Ursache für diesen Boom waren die Arztkosten, die für die meisten unerschwinglich waren. Ein einfacher Krankenbesuch kostete 32 Dollar laut einer Vorschlagsliste von San Franzisco aus dem Jahr 1850.

Heute mag es verwunderlich sein, warum so wenig von der indianischen Heilkultur übernommen wurde. Ärzte rieten damals dringend ab, Ratschlägen von Trappern zu folgen, die sich auf indianische Medizin bezogen. Armeeärzte gingen soweit, dass sie in den Forts verboten, »Indianermixturen« gegen Skorbut zu verwenden, eine Mangelerscheinung, die im Westen weit verbreitet war. Lieber nahmen sie den Tod vieler Soldaten in Kauf. Für die Ärzte waren Indianer rückständige Wilde, die von Medizin nichts verstanden. Heilungen wurden anderen Phänomenen zugeordnet. Die Ignoranz, mit welcher die indianische Naturheilmethode bedacht wurde, ist eklatant. Die wenigen Weißen, die längere Zeit mit Indianern lebten und Kenntnisse erwarben, hatten darauf keinen Einfluss.

So long Fellows
Eure Montana

Quellen:

  • Heinz. J. Stammel, das Heilwissen der Indianer
  • Professor Eugene J. Mark, General Hospital, Massachusetts

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