
Slaterman's Westernkurier



Auf ein Wort, Stranger, heute geht es weiter mit der Thematik Recht und Gesetz im Wilden Westen
Wie alle Eroberungsgeschichten ist auch die Besiedelung des amerikanischen Westens eine Geschichte voller Gewalt.
Das Leben im dünn besiedelten Westen hatte nichts mit den Gesellschaftsformen und Traditionen des Ostens gemein. In den Weiten des Landes und in den schwach bevölkerten Wildnisregionen mussten die Grenzer selbst für ihre Sicherheit sorgen. Wo staatliche Autorität fehlte, wurden selbsterschaffene Gesetze errichtet. Um sich selbst und die ihren zu beschützen, bekämpften sie Gewalt mit Gewalt. In vielen Minenstädten und Goldgräbercamps agierten straff organisierte Banden. Um diesen Banditen Herr zu werden, wurden Bürgerwehren, Vigilance-Komitees gegründet. Ihre Gründung geschah aus einer Notwendigkeit heraus, sie war die einzige Alternative zum Schutz der Bevölkerung. Diese Komitees entstanden dort, wo das Chaos herrschte, es kein Gesetz gab, oder die Beamten korrupt waren. Die Mitglieder besaßen keine juristischen Fähigkeiten, gingen gnadenlos vor, aber sie waren nicht mit Lynchmobs zu vergleichen. Sie waren auch nicht darauf aus, ihre Opfer zu quälen oder ungerechtfertigt Strafen zu verhängen. Gerichte wurden abgehalten, in denen der Angeklagte die Möglichkeit hatte, seine Unschuld zu beweisen. Die Vigilanten von Montana erlangten große Popularität.
Das Wort stammt aus dem lateinischen »Vigili«. Vigilance – wachsam.
Montana war ein ödes, unwirtliches Land, bis sich Goldgräber am Grasshopper Creek niederließen und Bannack City gründeten. Im Mai 1863 wurden die ersten Goldnuggets gefunden. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer und wenige Wochen später zogen Heerscharen von Glücksrittern in das Land und gründeten in der Nähe des Alder Flusses die Stadt Virginia City. Goldsucher, Abenteurer und zwielichte Elemente kamen ins Land und Bannack und Virginia wuchsen von Tag zu Tag. Spielhöllen, Saloons und Bordelle entstanden über Nacht. Bannack wurde zur Hauptstadt des Montana-Territoriums ernannt. Die Sheriffwahl gewann Henry Plummer, ein Mann mit dunkler Vergangenheit. Er war als Revolvermann bekannt. Schlägereien und Schießereien waren an der Tagesordnung und nur ein Mann, der mit dem Revolver umzugehen wusste, konnte sich behaupten. Er mimte den Gesetzesvertreter, aber in Wirklichkeit war er der Kopf einer großen Bande, wie schon in anderen Städten zuvor. Die Spione seiner Bande, die über mehr als einhundert Männer verfügte, informierten Plummer über alle Geschehnisse in und rund um die Stadt. Die Verbrechen häuften sich nach der Wahl Plummers zum County-Sheriff. Der Respekt der Bevölkerung vor der Bande war groß, doch Plummer wurde dreister und unvorsichtiger. Kleine Fehler unterliefen ihm.
Männer wie der Rechtsanwalt Wilbur Sandler und John X. Beidler wollten dem Treiben der Verbrecher ein Ende bereiten und gründeten das Vigilance-Komitee. Die Gründung bedurfte strengster Geheimhaltung und die Mitglieder wurden sorgfältig ausgewählt. Zeugenaussagen wurden eingeholt und Listen mit Namen der berüchtigtsten Banditen wurden erstellt.
Im Jänner 1864 schlugen sie zu. In einer abgelegenen Hütte stellten sie Plummer und zwei seiner Deputys. Die drei Banditen wurden in derselben Nacht an Ort und Stelle gehenkt. In den nächsten Wochen wurden weitere Banditen gehenkt. Vielen wurde das Leben geschenkt, wenn sie Verstecke ihrer Kumpanen verrieten. Sie mussten lediglich die Stadt verlassen. Diese Tatsache bewies, dass nicht willkürlich getötet wurde.
Beidler starb am 22. Jänner 1890. Zahlreiche Gedenktafeln in Montana erinnern an ihn und die Vigilanten, die der Gerechtigkeit eine Basis bildeten.
Willkürlicher war hingegen die Lynchjustiz – Selbstjustiz, die ohne Schuldfrage vollzogen wurde und möglicherweise so manchen Unschuldigen traf.
Rinder- und Pferdediebe, Berufsspieler und Mörder wurden von aufgebrachten Bürgern ohne Gerichtsverfahren gehenkt. Teils wurden sie mit Gewalt aus Gefängnissen »befreit« und gelyncht, um sie nicht der Milde der Justiz zu übergeben. Sie war eine Rachejustiz, im Gegensatz zur Vigilance-Justiz, unorganisiert und von Emotionen getrieben.
Für die Erklärung des Wortes gibt es zwei Versionen. Die eine reicht bis ins Mittelalter zurück. Der Richter James F. Lynch soll seinen Sohn wegen Betrugs und Mord eigenhändig gehenkt haben.
Die zweite und bekanntere Version geht auf Charles Lynch zurück, der in Virginia in den 70iger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Gericht unter seinem Vorsitz gründete.
Um flüchtigen Banditen schneller habhaft zu werden, fahndeten die Behörden mit Steckbriefen. Für die Ergreifung der Verbrecher wurden zum Teil beträchtliche Belohnungen versprochen. Jedem war es gestattet, sich die Belohnung zu verdienen. Berühmte Verbrecher, für die eine hohe Belohnung ausgesetzt war, wurden selten von privaten Jägern, sondern von Mitarbeitern der Detektivbüros, wie der Pinkerton Agentur gestellt. Die Detekteien waren gut durchorganisiert und fahndeten mit erfahrenen Männern nach den Verbrechern.
Die Männer, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, gesuchte Verbrecher im Namen des Gesetzes zu jagen und zu stellen, benötigten Ausdauer, Zähigkeit, Mut und Erfahrung. Sie waren auf sich alleine gestellt. Sie konnten weder Hilfe von den Bürgen noch von den Gesetzesvertretern erwarten. Obwohl sie im Schatten des Gesetzes agierten, begegnete man ihnen mit Verachtung und Abscheu. In den Augen der Menschen waren sie schlechter als die Verbrecher, die sie jagten, denn sie jagten für Geld. Für die wenigsten war es lukrativ. Wochen oder Monate lang verfolgten sie ihre Beute und handelten sich teils schwere Verletzungen ein.
Obwohl Jesse James ein Verbrecher war, wurde Robert Ford nach dem Mord an ihm angefeindet und erhielt Morddrohungen. Er verließ daraufhin seinen Heimatstaat Missouri.
Der Texaner Jack S. Dunlay, Sohn eines kleinen Ranchers, war fünfzehn, als sein Elternhaus angezündet wurde und sein Vater in den Flammen starb. Dunlay vermutete, die Täter in der Eisenbahngesellschaft, die ihre Schienen durch Dunlay-Gebiet bauen wollten. Der junge Mann stellte einen der Vorarbeiter zu Rede und schlug ihn beinahe tot. Er wurde verurteilt und ins Zuchthaus Huntsville geschickt. Er war fast achtzehn, als er entlassen wurde, arbeitslos und stand vor dem Nichts. Seine Mutter war inzwischen verstorben. Er baute mit seiner Frau eine Ranch auf, doch das Glück war ihm nicht hold. Seine Rinder erkrankten an der Zeckenpest und mussten geschlachtet werden. Danach arbeitete er als Postkutscher und Deputy-Sheriff. Bei einer Schießerei traf ihn eine Kugel in den Rücken, die ihn mehrere Monate lähmte. Kein Arzt wagte die Operation. Die Lähmung minderte sich, doch er war nicht mehr fähig, körperlich schwer zu arbeiten. Um seine Frau und das ungeborene Kind zu versorgen, trainierte er seine Schießkunst und begann Verbrecher zu jagen. 45 Verbrecher übergab Dunlay in 13 Jahren. Die Prämien, die er dafür erhielt, bewegten sich zwischen 50 und 200 Dollar, viel zu wenig, um seiner Familie einen aufwendigen Lebensstandard zu ermöglichen. 1898 wurde auf ihn ein Mordanschlag verübt, bei dem seine Frau starb. Bei der Verfolgung des Mörders stürzte er vom Pferd. Seine alte Verletzung im Rücken brach auf und brachte ihn mehrere Wochen lang an den Rand des Todes. Als er aus dem Hospital entlassen wurde, war er ein gebrochener, an den Rollstuhl gefesselter Mann. Seine Tochter Eliza schob ihn täglich durch die Straßen von Waco, wo er im Saloon Spuknäpfe reinigte. Es verging kein Tag, an dem er nicht das Grab seiner Frau besuchte.
Der junge Anwalt Elton H. Chase interessierte sich für Eliza und eines Tages waren die Dunlays verschwunden. Das Haus verkaufte der Anwalt.
1909 erschienen in einer Auflage von 400 Exemplaren Jack Dunlays Memoiren, finanziert vom Schwiegersohn Elton Chase. Das Interesse war gering, denn niemand kannte Jack Dunlay.
Prämienjäger anderer Art waren Männer, die für zahlende Auftraggeber kaltblütig töteten. Für entsprechende Geldsummen waren sie bereit, skrupellos zu morden, ohne Fragen zu stellen. Die meisten von ihnen endeten am Galgen.
Tom Horn wurde 1860 auf einer kleinen Farm in der Nähe von Memphis geboren. Seine Kindheit bestimmten strenge Erziehung und Schläge. Als Vierzehnjähriger lief er von zu Hause fort, arbeitete als Schwellenleger, Postkutschenbegleitmann, Pferdetreiber und gelangte zur Armee, wo er an den blutigen Kriegen gegen die Apachen teilnahm. 1887 verließ er die Armee und verdingte sich seinen Lebensunterhalt als Sheriff und Detektiv bei der Pinkerton Agentur. Im Jahr 1894 unterbreitet ihm ein Fremder ein lukratives Angebot, als Weidedetektiv für die »Swan Land and Cattle Company« in Wyoming zu arbeiten. Die Johnson-County-Fehde war bereits vorbei, doch die Großrancher waren daran interessiert, den immer stärker werdenden Einfluss der Siedler, Farmer und Schafzüchter abzuschwächen. Horn arbeitete offiziell als Weidedetektiv und klärte Rinderdiebstähle auf, in Wirklichkeit war es seine Aufgabe, lästige Zeugen zu beseitigen. Er erfüllte seine Aufgabe mit Kaltblütigkeit und Geschick, hinterließ weder Spuren noch Augenzeugen. Er tötete siebzehn Menschen und je tiefer er in die Machenschaften seiner Auftraggeber Einblick fasste, desto gefährlicher wurde er für sie. 1901 wurde ein vierzehnjähriger Junge aus dem Hinterhalt erschossen. Sein Vater, Kels Nickells, ein Schafzüchter, lag in ständigem Streit mit der Rindergenossenschaft. Der Verdacht lag nahe, dass der Mord ein Irrtum gewesen war und es der Mörder auf den Vater abgesehen hatte. Zwei Wochen später wurde Nickells ebenfalls erschossen. Es gab keine Spuren, aber anonyme Hinweise tauchten auf, dass Horn der Mörder sei. Er wurde festgenommen und vor Gericht gestellt. Obwohl ein anderer Mann vor Zeugen geprahlt hatte, den Jungen erschossen zu haben, wurde Horn zum Tode verurteilt. In seiner Todeszelle in Cheyenne schrieb Horn seine Memoiren. Bis zu der Zeit, als er für die Viehzüchter zu arbeiten begann, gibt es detaillierte Angaben, über die Zeit als Weidedetektiv schwieg er. Dass er als Menschenjäger agierte, stellten Historiker fest. Die Tat an sich erweckt den Eindruck, dass er seinen Auftraggebern zu unbequem wurde und beseitigt werden musste. Am 20. November 1903 wurde Horn gehenkt.
Mit dem Vordringen des Gesetzes und der steigenden Zahl der Gesetzeshüter verschwanden die Prämiengeldjäger.
Trotzdem hat sich der Berufszweig bis heute in den USA fortgesetzt. Mit den historischen ‚Jägern haben die heutigen Bounty Hunters nur noch bedingt zu tun.
Duane Dog Chapman ist der berühmteste seiner Gilde und behauptet von sich selbst, der erfolgreichste Kopfgeldjäger zu sein. Er ist Mittelpunkt der Doku-Serie »Dog the Bounty Hunter«.
Der blonde, langhaarige Muskelprotz besitzt mehrere Bail Bond Geschäfte (Kautionsbürgschaft). Erscheint ein Kunde nicht zum Gerichtstermin und die Kaution, die Dog zur Verfügung stellte, droht zu verfallen, macht er sich auf die Jagd nach dem Flüchtigen. Da er wegen Mittäterschaft zum Mord im Gefängnis saß, darf er im Gegensatz zu seinen Kollegen keine Waffen bei der Ausübung seiner Tätigkeit tragen. Er verwendet stattdessen Tränengas.
Für zartbesaitete Gemüter ist diese Tätigkeit nichts, denn die Flüchtigen sind oft schwer bewaffnet.
So long Fellows
Eure Montana
Quellen:
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