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Slaterman's Westernkurier

Auf ein Wort, Stranger, heute gibt es etwas über Pferdehändlerinnen und Viehbaroninnen

Die Erschließung des Westens weckte in vielen Menschen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. In Massen brachen sie auf und glaubten dem Glück entgegenzulaufen, darunter ein kleiner Prozentsatz Frauen. Die meisten begleiteten ihre Ehemänner, doch auch einige Alleinstehende wagten sich an das Abenteuer. Sie lernten rasch, erkämpften sich durch Fleiß, Ideenreichtum und Ausdauer ihren Platz in der Welt der Männer und setzten Meilensteine. Zu Lebzeiten waren sie starke Persönlichkeiten, doch wenig ist von ihnen überliefert.

Das genaue Geburtsdatum von Sally Skull ist ungewiss, es wird um 1820 gewesen sein. Sie war eines von dreizehn Kindern, Tochter ehrbarer Eltern, die von Philadelphia nach Texas zogen, als Sally ein kleines Mädchen war. An den wilden Lebensstil des Westens gewöhnte sie sich schnell und brannte als junge Frau mit ihrem ersten Mann durch. Nach kurzer Ehe ließ sie sich scheiden, heiratete einen anderen, und trennte sich auch von ihm nach geraumer Zeit. Mit ihrem dritten Ehemann, Georg Skull hatte sie zwei Kinder. Das hinderte sie aber nicht, auch ihn zu verlassen. Ihr Ex-Mann kümmerte sich um den Sohn, Sally schickte ihre Tochter auf ein gutes Internat.
Danach wurde sie zur skrupellosen Pferdehändlerin. In Mexiko erwarb sie Pferde, kennzeichnete sie mit ihrem Brand, trieb sie nach Texas und verkaufte sie dort. Die Herkunft der Tiere war ihr einerlei. Man nannte sie Mustang Jane, eine Frau, die angeblich nicht zögerte, jemanden zu töten, der den Tod verdient hatte. Den Umgang mit Pistole und Gewehr beherrschte sie hervorragend und mit ihrer Peitsche konnte sie eine Rosenblüte vom Strauch trennen. Sie wurde als wildes Weib tituliert, das weder Tod noch Teufel fürchtete. Sie trug Männerkleidung und vermied es, im Damensitz zu reiten, wie es sich für eine Frau zu dieser Zeit geziemte. Aufgrund ihres Mutes und ihrer Fähigkeiten vertraute man ihr während des Bürgerkrieges den Transport von Gütern an. Begleitet von ihren mexikanischen Vaqueros, die ihr treu ergeben waren, trotzte sie allen Gefahren. Die Reise war mühsam und es wimmelte von Banditen, doch um Sally machten die Gesetzlosen einen großen Bogen. Für eine Frau wie sie gab es wenige Vergnügungen. Große Freude fand sie im Glücksspiel und am Tanz. Oft ritt sie nach Mexiko, traf sich in den Spielhöllen mit den berühmten Spielern oder tanzte bis zum Morgengrauen. Juana Mestenã war gern gesehen, denn sie sprach gut Spanisch und liebte die Menschen dieses Landes. Einer Überlieferung zufolge äußerte sich ein Fremder abfällig über ihren Tanz. Am nächsten Morgen suchte sie den Mann, ließ die Kugeln um seine Füße pfeifen und er musste einen Tanz der besonderen Art aufführen.

Das Glück verließ sie, als sie einen gewissen Mr. Horsdorff heiratete. Eines Tages waren die beiden mit einer großen Geldsumme unterwegs, um Pferde zu kaufen. Mr. Horsdorff kehrte alleine zurück, Sally wurde nie wieder gesehen.
Heute gilt sie als couragierte, beeindruckende Persönlichkeit. 1971 wurde in Refugio County in Texas eine Gedenktafel für sie aufgestellt:

Sally war Rancherin, Pferdehändlerin und Meisterin im Fluchen. Ihre Ranch befand sich nordwestlich von Refugio. Im Bürgerkrieg kutschierte sie Wagen mit Baumwolle von Texas nach Mexiko und tauschte die Baumwolle dort gegen Waffen, Munition, Kaffee, Schuhe, Kleidung und andere Güter ein, die von den Konföderierten benötigt wurden.
Mrs. Skull trug mit Vorliebe Hosen und beschäftigte bewaffnete Helfer. Sie hatte stets ein Gewehr vor sich auf dem Sattel liegen und zwei Revolver umgeschnallt, die sie hervorragend handhaben konnte.

Elisabeth (Lizzie) Johnson kam 1843 in Missouri zur Welt. Familie Johnson zog ins Hays County in Texas, wo ihr Vater Thomas Jefferson Johnson das Johnson Institute gründete, die erste gehobene Bildungsstätte westlich des Colorado River. Lizzie besuchte diese Schule und begann mit sechzehn ebenfalls dort zu unterrichten.
Durch ihre ausgezeichneten Buchhaltungskenntnisse wurde sie von einigen wohlhabenden Viehhändlern beauftragt, deren Bücher zu führen. Sie verfasste Artikel für Zeitungen und Zeitschriften und verdiente ein Zusatzeinkommen, das sie allerdings vor ihrer Familie verschwieg. Das Geld investierte sie in den Ankauf von Rindern. Im Alter von achtundzwanzig ließ sie 1871 ihr eigenes Brandzeichen eintragen. Der Bürgerkrieg erwies sich für die Viehhändler als Segen. In den Kriegsjahren, als die Männer an der Front kämpften, vermehrten sich die Rinder und bald streiften Tausende von ungebrannten Kälbern umher. Lizzie gesellte sich zu den Hunderten von Männern, die nach herrenlosen Rindern suchten. Sie stellte Cowboys ein und trieb mit ihren Arbeitern ihre Herden nach Norden, wo ein großer Bedarf an Fleisch bestand. Bald hatte sie ein beachtliches Vermögen angesammelt.

Mit achtunddreißig, ein Alter, in dem die meisten Frauen schon verheiratet waren, verliebte sie sich in Hezekiah Williams, einen Witwer mit mehreren Kindern und heiratete ihn. Ein Vertrag, den ihr Mann unterzeichnete, beinhaltete, dass ihr Vermögen und ihre zukünftigen Einnahmen alleine ihr gehörten. Sich nicht nur von ihrem Herzen leiten zu lassen, sondern ihren scharfen Verstand einzusetzen, erwies sich als Segen. Hezekiah war ein miserabler Geschäftsmann und sie musste ihm mehrmals aus einer misslichen Lage helfen. Daraufhin behielt sie die Unternehmungen ihres Ehemannes im Auge. Seine Vorliebe für Alkohol traf sie schwer. Um des Friedens Willen achtete er daraufhin, nicht in Gegenwart seiner Frau zu trinken. Ihr Glaube und ihre ausgeprägte Moral hinderten sie jedoch nicht daran, auch hin und wieder Geschäfte zu tätigen, die manch einer für fragwürdig hielt. Hezekiah stieg ebenfalls mit einem eigenen Brandzeichen, unabhängig von seiner Frau, ins Viehgeschäft ein. Von 1886 bis 1889 waren die beiden auf dem Chisholm Trail unterwegs. Als erste Frau trieb Lizzie ihre eigene Herde auf diesem Weg von San Antonio in Texas nach Abeline in Kansas. Auf diesem gefahrvollen Weg begaben sich nur die mutigsten und stärksten Männer. Am Ziel angelangt, verkaufte das Ehepaar ihre Herden an den Meistbietenden. Auf den Trails wurde sie von den Männern als Ihresgleichen behandelt und sie fühlte sich unter ihnen wohl. War sie mit ihrem Ehemann auf Reisen, trug sie die elegantesten Roben und besaß Diamantengeschmeide, um die sie viele Frauen beneideten.
Hezekiahs Gesundheit verschlechterte sich. Als er starb, war Lizzie 71, sein Tod nahm ihr den Lebensmut. Sie achtete nicht mehr auf ihr Äußeres, lief herum wie eine Bettlerin, sah bald so erbarmungswürdig aus, dass sie Geldspenden erhielt. 1923 zog sie zu ihrer Nichte, ein Jahr später starb sie und hinterließ ein Vermögen aus Bargeld, wertvollem Schmuck und Geschäftsanteilen. Lizzie wurde neben Hezekiah in Austin begraben. Sie war eine starke Frau gewesen, die den Mut aufbrachte, der Etikette zu entfliehen und den männlichen Viehhändlern ebenbürtig zu sein.

Kittie Wilkins wurde 1857 in Jacksonville, Oregon geboren. Ihr Vater unterwies sie im Pferdehandel, ihre Mutter gab Obacht, dass sie die besten Schulen besuchte. Von zwei Freunden ihres Vaters erhielt sie zwei zwanzig Dollar Goldstücke. Sie betonte stets, dass diese die Grundlage ihres Unternehmens waren. Ihr Vater kaufte für Kittie ein Pferdefohlen, der Grundstein ihrer Herde, die nach einigen Jahren achthundert Tiere zählte. Die Familie zog ins Bruneau Valley, Idaho. Die Ranch gehörte offiziell ihrem Vater und ihren drei Brüdern, doch in Wirklichkeit zog Kittie die Fäden. Sie war inzwischen eine ausgezeichnete Reiterin und exzellente Pferdekennerin, erhob Anspruch auf jeden Mustang ohne Brandzeichen, der sich auf ihrem großen Besitz bewegte. Die fleißigsten und erfolgreichsten Rancharbeiter gehörten zu ihrer Stammmannschaft, mit denen Kittie gemeinsam aufs Land hinaus ritt und Pferde einfing. Alle zwei Wochen wurden auf der Ranch mehr als 100 Pferde zugeritten und verkauft. Mancher Cowboy auf Arbeitssuche war überrascht, dass es sich bei Kit Wilkins um eine Frau handelte. Die Männer erhielten 40 Dollar Lohn im Monat sowie Kost und Logis, mehr als bei vielen anderen Ranches. Verstieß jemand gegen die Regeln, wurde er gefeuert. Wer kein guter Reiter war, wenn er bei Kittie anfing, war es, wenn er aufhörte. Einige ihrer Jungs wurden als Rodeoreiter berühmt. Sie pflegte einen freundschaftlichen Ton mit ihren Arbeitern und ging mit ihnen in den Saloon, den keine ehrbare Frau zu dieser Zeit betrat. Kittie lebte nach ihren eigenen Regeln. Sie war nicht nur um das Wohlergehen ihrer Männer bemüht, ein Waisenhaus in Salt Lake City in Utah, bekam regelmäßig Spenden von ihr. Einige der Kinder erhielten eine Anstellung auf ihrer Ranch, wenn sie alt genug waren.
In den Zeitungen wurde sie als blauäugige, blonde Schönheit beschrieben, die einen Palomino ritt, dessen Fell so golden wie ihr Haar glänzte. Wenn sie zu den Pferdemärkten in den Osten reiste, hatte sie stets zwei Schrankkoffer dabei, von denen einer ihre Arbeitskleidung enthielt, der andere ihre Abendgarderobe. Trotz ihrer maßgeschneiderten Männerkleidung hatte sie ein sehr weibliches Äußeres und erregte stets Aufsehen, wenn sie die Markthallen betrat. Manch einer munkelte, sie mache bessere Geschäfte als ihre männlichen Konkurrenten. War der geschäftliche Teil ihrer Reise beendet, legte sie ihre eleganten Roben an und traf sich mit Vertretern der Presse. Sie war nicht nur harte Geschäftsfrau, sondern wusste sich auch formvollendet zu benehmen. Ihr beruflicher Erfolg und ihre Schönheit sorgten für Bewunderung. Man nannte sie die Pferdekönigin von Idaho oder die Karodame, wegen ihres Brandzeichens. 1891 war Kittie Wilkins die einzige Frau der Vereinigten Staaten, die nur vom Pferdehandel lebte. Nicht jeder war mit ihrer unkonventionellen Lebensweise einverstanden, sie hatte auch Neider. Doch Kittie Wilkins war nie in einen Skandal verwickelt. Geheiratet hatte sie nie. Es hieß, sie habe nur einen einzigen Mann geliebt, ihren Vorarbeiter, mit dem sie angeblich verlobt war. Er starb, als er einen Eindringling von Kitties Anwesen vertreiben wollte.
Sie wurde älter, ihr Haar verlor an Glanz, doch ihre Würde und ihren Großmut behielt sie. Sie lebte ihr Leben, frei und unabhängig von allen Klischees. Als sie 1936 im Alter von 79 Jahren an einem Herzinfarkt verstarb, fand man in ihrem Nachlass zahlreiche Dankesbriefe. Obwohl sie eine der bekanntesten weiblichen Persönlichkeiten ihrer Zeit war, wurde später nur wenig über sie geschrieben.

Ein Artikel, der im Fort Collins Courier (Fort Collins, Larimer County) am 18. November 1897 erschienen ist:

BREEDS BLOODED HORSES

Miss Kittie Wilkins of Idaho a Famous Horsewoman.

Out in Idaho is a woman who breeds blooded horses for a living. Her name is Miss Kittie Wilkins and she owns a ranch near Mountain Home. Besides being famous as a breeder she has also gained renown for her daring and reckless riding on the plains. Miss Wilkins is as brown as a berry from constant exposure to the sun, wind and rains. She says her horses this season have done remarkably well and she is beginning to see the results from importing Longitude, the pacer with a 2:13 record, and Parallel, with a trotting record of 2:18 to her ranch. The colts are all showing up well and give promise of becoming the best all-purpose driving horses ever shipped from the range. Miss Wilkins says that she has visited every market in the United States of any consequence. She does not expect to bring any of her horses to eastern or northern markets this year, as there is no demand at the present time for a western bred horse, no matter how good. Under ordinary conditions there is a strong demand for the western horse in south, and as soon as the yellow fever quarantine is removed she expects to send the bulk of her animals to St. Louis, Kansas City and New Orleans. Miss Wilkins says she has just an even 1,000 horses to put on the market this season and expected to send most of them south, but the yellow fever scare has ruined the market for horseflesh. She had 150 head sold in New Orleans, to be delivered this month, but she has received a message cancelling the order, as it would be impossible to get them into New Orleans, owing to the quarantine restrictions.

Henrietta King (1832 – 1925) erbte eine Ranch in Santa Gertrudis Creek, Texas, zweihunderttausend Hektar Land und 500 000 Dollar Schulden, als ihr Mann 1885 starb. Die fünffache Mutter baute gemeinsam mit ihrem Schwiegersohn Robert Justus Kleberg die Ranch wieder auf. Henrietta war eine vorausblickende Frau, die wusste, welche Investitionen sich lohnten. Sie war nicht nur eine tüchtige Geschäftsfrau, sondern auch Mildtäterin, die gut für die Bildung ihrer mexikanischen Arbeiter sorgte und großzügig für Schulen und Kirchen spendete. Es gelang ihr das trockene Land zu bewässern, züchtete Reitpferde und eine neue Rinderrasse, die Santa Gertrudis. Die Viehherden ließ sie nicht mehr auf den alten Pfaden treiben, sondern mit modernen Transportmitteln.
Als sie am 31. März 1925 starb, hinterließ sie viele Trauernde und ein Imperium, das ihre Erben bis heute stetig vergrößerten.
Ihr Begräbnis glich einem Fest. 200 Vaqueros flankierten den Leichenwagen und galoppierten als Zeichen ihrer Verehrung rund um das offene Grab.

So long Fellows
Eure Montana

Quellen:

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