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Slaterman's Westernkurier

Auf ein Wort, Stranger, heute erfahrt ihr etwas über Recht und Gesetz im Wilden Westen

Wilde Gerüchte waren in Europa im Umlauf vom »Wilden Westen«. Berichte von Reisenden erzählten von Kriminellen und Banditen, von Mord und Totschlag und von Männern, die zuerst schossen, und erst danach fragten. Durch diese Darstellungen wurden Legenden geboren.
Wer von uns kennt sie nicht, Hollywoods Filme, in denen Helden im Alleingang gegen eine ganze Bande kämpfen, fast unbeschadet aus dem Nebel des Pulverdampfs treten und eine schöne Frau in ihre Arme schließen.
Gab es die Helden, die selbstlos für Recht und Gesetz eintraten?
Wie »blutig« war der Wilde Westen wirklich?

Das weite Land, das nur von »Wilden« besiedelt war, zog nicht nur Menschen an, die sich mit Fleiß und harter Arbeit ein Heim aufbauen wollten. Entdecker, Abenteurer, Taugenichtse und Kriminelle reisten in das Land, um ihr Glück und das Eldorado zu finden. Wo Gold gefunden wurde und Bretterbuden- und Zeltstädte über Nacht entstanden, ließen Räuber und Banditen nicht lange auf sich warten.
Zusammenhalt war in der Einsamkeit und Abgeschiedenheit des Landes lebensnotwendig. Die Grenzer waren ungehobelt und ungebildet, doch sie hielten sich an den Ehrenkodex; Verletzten und Bedrängten zu helfen, keine Gewalt gegen Schwächere anzuwenden, weder auf einen Unbewaffneten die Waffe richten, noch dem Gegner in den Rücken schießen. Er berechtigte jedoch jeden der bedroht wurde, seinen Widersacher zu töten. Wer gegen dieses ungeschriebene Gesetz verstieß, wurde ausgeschlossen. Die Frontiers wussten, dass sie Recht und Ordnung aufrecht erhalten mussten, um überleben zu können. Die Entstehung des Gesetzes war ein langer, schwieriger Prozess. Ein im Aufbau befindliches Land, in dem das Recht des Stärkeren galt, verlangte manchmal unkonventionelle Methoden.

Für heutige Verhältnisse erscheinen manche Strafen grausam, doch in der Wildnis herrschten andere Regeln. Staatliche Autorität war in der Weite des Landes nicht überall zugegen, Gefängnisse gab es keine. Die Todesstrafe für Pferdediebstahl mag für uns barbarisch sein, doch ein Pferd war für einen Mann in den weiten Ebenen überlebensnotwendig. Mancher Mann, der sein Pferd verlor, zog einen schnellen Tod durch die Kugel einem langsamen Sterben vor. Pferdediebstahl war gleichzusetzen mit heimtückischem Mord. Die Waffe, Gegenstand, um Leben und Eigentum zu schützen und die Nahrungsmittelbeschaffung sicherzustellen, wurde zum Symbol des Stärkeren. Persönliche Streitereien auszuschießen wurde von den Behörden kritisiert aber trotzdem geduldet. Überlebende eines Duells wurden des Mordes angeklagt, aber freigelassen, wenn Zeugen bestätigten, dass der Erschossene früher gezogen hatte. Streitigkeiten um Land- und Wasserrechte, blutige Auseinandersetzungen zwischen Ranchern und Heimstättern führten oft zu jahrelangen Weidekriegen, in denen sich manche verfeindeten Familien gegenseitig ausrotteten. Die Beteiligten zeigten wenig Interesse und Kooperation, wenn sich Gesetzesvertreter in solche Angelegenheiten einmischten.

Beamte die das Gesetz in die Wildnis brachten, waren aus besonderem Holz geschnitzt, mussten denken und handeln wie die Pioniere und waren vielerlei Versuchungen ausgesetzt. Nicht alle waren dem Gesetz treu ergeben. Viele waren korrupt oder hatten eine Vergangenheit als Bandit. Das Gesetz war so stark, wie der Beamte, der es vertrat.
Die Amtsbezeichnungen hatten ihre Wurzeln im mittelalterlichen England. Der
City-Marshal sorgte für Recht und Ordnung in der Stadt, während der Sheriff diese Funktion für das gesamte County innehatte. Für die Staaten waren die US-Marshals und deren Deputies zuständig.
Um 1800 beauftragten Siedler harte Männer aus ihren eigenen Reihen mit diesen Ämtern. Zuerst spielte der Sheriff die primäre Rolle, da es wenige Städte und Siedlungen gab. Die Regierungen der Staaten teilten das Land in große Bezirke und verlangten von der Bevölkerung jemanden mit dieser Aufgabe zu betreuen. Es bürgerte sich eine vierjährige Amtszeit ein. Mit der steten Besiedelung des Landes war der Sheriff nicht mehr in der Lage, sich um sämtliche Probleme in seinem Distrikt zu kümmern. Das Amt des Marshalls wurde geschaffen. In den ersten Jahren kam es häufig zu Konfrontationen zwischen den Beamten, da die Aufgabenbereiche nicht konkret festgelegt wurden.
Zu den Pflichten des Sheriffs gehörte die Steuereintreibung, aus der er sein Gehalt bezog, in der Regel 5 % vom Anteil. Manche erlangten Monatsgehälter von mehreren 100 bis mehreren 1000 Dollar. Über 100 000 Sheriffs und Deputies gab es in der Pioniergeschichte, nur wenige hinterließen Spuren in Geschichtsbüchern.

Revolvermarshals, wie Dallas Stoudenmire wurden zu Hilfe gerufen, wenn die Kriminalität in den Städten überhandnahm. Die Kämpfer, die sich auf ihre Schnelligkeit im Umgang mit ihren Waffen verließen, waren einsam und alleine. Man rief sie aus einer Notwendigkeit heraus, doch nach getaner »Schmutzarbeit« sah man sie gerne fortreiten. Stoudenmire starb 1882 im Straßenstaub von El Paso. Männer wie er übten nicht nur Gewalt aus, sie gingen auch daran zugrunde. Viele wurden aus dem Hinterhalt erschossen.
Ben Thompson war ein ehemaliger Zuchthäusler, bevor er Marshal in Austin, Texas wurde. W. G. »Red« Angus, Sheriff des Johnson County war ein ebenso aufrechter Mann wie US-Deputy-Marshal Chris Madsen, der für seine Härte und Unbestechlichkeit bekannt war.
Tom Smith, Marshal in Abeline hat während seiner gesamten Dienstzeit keinen einzigen Schuss abgefeuert. Männer wie er gerieten in Vergessenheit.
Als die Besiedelung fortschritt, bildeten sich wie zuvor in den großen Städten Parteien. Wer öffentliche Ämter bekleiden wollte, für den war es unerlässlich, einer Partei anzugehören. Pat Garret verlor an Popularität, als er Billy the Kid erschoss, und wurde von seiner Partei fallengelassen und des Amtes enthoben.

Einige Anwälte und Richter zogen herum, verwendeten Satteltaschen und Holzkisten als Büro, andere machten sich sesshaft.
Temple Houston verdankte seine Ausbildung Freunden und Verwandten seiner verstorbenen Eltern. Der Texaner studierte im Osten und eröffnete mit neunzehn Jahren eine Anwaltskanzlei im Brazoria County, Texas. Trotz geringer Erfahrung war er juristisch sehr geschickt und avancierte bald zu einem der gefragtesten Anwälte Texas. Er wurde zum Bezirksstaatsanwalt gewählt mit Amtssitz in Tascosa. Im Gerichtssaal verließ er sich auf seinen gesunden Menschenverstand, um sich außerhalb bei den rauen Cowboys Respekt zu verschaffen, lernte er schießen wie ein Revolvermann. In der Presse wurde er »Revolveranwalt« genannt, da er auch an gewalttätigen Auseinandersetzungen teilnahm.
Er wurde unter anderem auch durch seine teilweise drastischen Vorführungen vor Gericht bekannt. Zur Verteidigung eines Cowboys, der einen Revolvermann erschossen hatte, schoss Houston im Gesichtssaal seinen Revolver leer. Er fragte die Geschworenen, ob ein Bürger gegen einen Killer eine Chance hätte, wenn er nicht zuerst schoss.
Eine des Mordes angeklagte Bordellbesitzerin vereidigte er ohne Vorbereitung, indem er das männliche Geschlecht anklagte, Schuld am Schicksal dieser Frau zu sein.

Roy Bean, aufgewachsen in Kentucky, lebte eine Zeitlang auf Kosten seines Bruders, schlug sich als Frachtwagenfahrer, Schmuggler, Schnapshändler und Barkeeper durch, bis er 1882 im Eisenbahnercamp Eagle’s Nest einen Handelsposten gründete. Es war ein wildes Camp, in dem Schlägereien an der Tagesordnung waren. Bean setzte sich durch, wenn nötig mit der Waffe und wurde bald als Oberhaupt der Zeltstadt akzeptiert. Er schlichtete Streitigkeiten zwischen den Schienenarbeitern und begann Gerichtssitzungen abzuhalten. Bald wurde »Richter Bean« im Lande bekannt. Texas Ranger, die in der Nähe stationiert waren, lieferten ihre Gefangenen nicht mehr im zweihundert Meilen entfernten Fort Stockton ab, sondern brachten sie zur Aburteilung zu Bean. Sein provisorisches Gericht bewährte sich derart gut, dass die Justizbehörde Texas ihn im August 1882 offiziell zum Richter ernannte. Auch im nächsten Eisenbahnercamp, Vinegaroon, das noch wilder war, sorgten er und die Ranger für Ordnung. Als das Camp zur Geisterstadt wurde, zog Bean weiter in die Nähe von Strawbridge und eröffnete einen Saloon. Nach einer Schauspielerin nannte er diesen Platz Langtry. Nach und nach ließen sich Handwerker und Farmer nieder, die ihn als Richter wählten. Er wandelte den Saloon in ein Gerichtsgebäude um und erreichte die Eröffnung eines Postgebäudes. Seine eigenwilligen Verhandlungen, für die er bekannt war, behielt er bei und war erfinderisch von Erfinden von Delikten. Strafen legte er nach seinem Gutdünken fest und verlas sie aus einem Gesetzbuch, das nichts anderes als ein Versandhauskatalog war. Das Todesurteil eines Pferdediebs wandelte er in eine Geldstrafe von 300 Dollar um, als sich herausstellte, dass der Beschuldigte 400 Dollar in den Taschen hatte. Nicht selten wurden die Verurteilten zur Bezahlung der Zeche der Anwesenden verurteilt. Besaßen die Beschuldigten kein Geld, mussten sie ihre Strafe abarbeiten. Des Nachts wurden die Gefangenen vor seinem Haus an Bäume gefesselt, am Tag arbeiteten sie. Der Generalstaatsanwalt Texas schrieb, dass er die Einnahmen der Strafen an den Staat abzugeben habe. Bean antwortete, dass er vom Staat kein Einkommen beziehe und er die Kosten des Gerichts trage. Mit seinen unkonventionellen Methoden wurde er im Land noch zu Lebzeiten zur Legende. Journalisten aus dem Osten berichteten über ihn, die Eisenbahn hielt in Langtry, um den Fahrgästen die Möglichkeit zu geben, mit Richter Bean im Saloon einen Drink zu nehmen. Von sich selbst behauptete er: »Ich bin das Gesetz westlich des Pecos.« Bean war einer der populärsten Richter und seine Gesetzespraxis ging als »Salbeibuschjustiz« in die Geschichte ein.

Völlig konträr zu Bean war Isac Charles Parker, der »Todesrichter.« Er besuchte gute Schulen in Ohio und begann seine Karriere mit einundzwanzig Jahren als Rechtsanwalt. Er engagierte sich für die Abschaffung der Sklaverei, war Staatsanwalt von Missouri und bei Ausbruch des Bürgerkriegs Kommandeur der Militärpolizei. Er gelangte in den Kongress, doch als er sich für die Rechte der Indianer einsetzte, verlor er sein Mandat. 1875 folgte die Ernennung zum Bundesrichter für das westliche Arkansas und das Indianerterritorium Oklahomas. Er übernahm das Gericht in Fort Smith und wenige Wochen danach sprach er die ersten Todesurteile aus. Die härtesten Männer ritten als US-Deputy-Marshals, die dem Richter unterstellt waren, und bekämpften das Verbrechen. Pflichtbewusst und aus innerer Überzeugung schickte Parker Verbrecher an den Galgen. Sein Pflichtbewusstsein und seine Überzeugung machten ihn zu einem verbitterten, kranken Mann. Durch seine Härte und Unnachgiebigkeit machte er sich in all den Jahren zahlreiche Feinde. Einflussreiche Anwälte, allen voran Warren Reed wurden Gegner Parkers und bekämpften ihn mit allen juristischen Tricks. Im September 1896 wurde das Bundesgericht in Fort Smith geschlossen und Parker pensioniert. Für ihn war dies der Todesstoß. Wenige Wochen später verstarb der berüchtigte »Todesrichter«, mit nur 58 Jahren.
In mehr als zwanzig Jahren verhängte er 175 Todesurteile, 88 wurden vollstreckt.
Die Zivilisation hatte das Land mit Ende des 19. Jahrhunderts erreicht. Eisenbahnnetze führten durch das besiedelte Land, das den Indianern abgerungen worden war. Für Revolverhelden, Banditen und deren Verfolger war kein Platz mehr. Die Tage des Wilde Westen waren zu Ende.

1820 wurden die ersten Indianerstämme nach Oklahoma deportiert. Jeder Stamm erhielt ein Gebiet und von der Regierung die Erlaubnis, eine eigene, ihren Traditionen entsprechende Verwaltung zu führen. Die nomadischen Völker wurden sesshaft, gründeten Schulen und eine eigene, nur für indianische Angelegenheiten zuständige Polizei. Die »Light Horses« waren berühmt für ihre Korrektheit. Es gab nur zwei Arten von Verurteilungen, Auspeitschen und die Todesstrafe durch Erschießen. Ein Schuldiger sollte bestraft, jedoch nicht gedemütigt werden. Der Tod war für Indianer menschlicher, als wie ein Tier eingesperrt zu sein. Von einem Krieger erwartete man, dass er zu seiner Tat stand. Wurde die Strafe ausgesprochen, gestand man dem Schuldigen zu, selbst dem zum Tode verurteilte Mörder, sich bis zur Vollstreckung frei zu bewegen. Er konnte sich während dieser Zeit um seine Angelegenheiten kümmern. Man erwartete von ihm, sich zum Zeitpunkt der Vollstreckung einzufinden und seinen Vollstrecker auszuwählen, denn eine Entziehung seiner Strafe käme einer unentschuldbaren Feigheit gleich.
Für die Weißen, die andere Moralvorstellungen hatten, war dies unbegreiflich.

Im 2. Teil von Recht und Gesetz geht es um Lynchjustiz, Vigilanten und Kopfgeldjäger.

So long Fellows
Eure Montana

Quelle:

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