
Slaterman's Westernkurier



Auf ein Wort, Stranger, heute geht es um das Thema Cowboyhut statt High-Heels
In jener Zeit wagten einige Frauen gegen die gesellschaftlichen Konventionen zu verstoßen, sie trugen Männerkleidung, Waffen, fluchten, verhehlten jedoch nicht, dass sie Frauen waren. Manche schlüpften in die Rolle eines Mannes, weil sie meinten, nur so genug Geld verdienen zu können. Sie verbargen ihr Geschlecht in ihrem Herzen und gaben sich ruppig, um nicht entlarvt zu werden. Auf ihre Art prägten sie die Geschichte des Wilden Westen.
Von Mountain Charleys Leben gibt es unterschiedliche Versionen. Die bekanntere wurde in ihrer Autobiographie von der University of Oklahoma 1968 herausgegeben.
Elsa Jane Forrest wuchs bei einem Mann auf, der behauptete, ihr Onkel zu sein. Im Alter von zwölf Jahren lief sie von zu Hause weg und heiratete ihren Liebhaber, der auf einem Mississippidampfer als Lotse arbeitete. Aus dieser Verbindung gingen zwei Töchter hervor. Elsas Leben veränderte sich, als sie die Mitteilung erhielt, dass ein Mann namens Jamieson ihren Ehemann ermordet hat. Binnen kurzer Zeit verlor sie ihr Haus und stand mit zwei Kindern mittellos da. Für kurze Zeit wurde sie von der Freimaurerloge unterstützt. Vergeblich bemühte sie sich um Arbeit und der Hass auf den Mörder ihres Mannes wuchs. Sie musste ihre Kinder ernähren und der Gedanke, den sinnlosen Tod ihres Mannes zu rächen wurde übermächtig. Doch das war als Frau nicht möglich, sie musste dazu in die Rolle eines Mannes schlüpfen. Schweren Herzens gab sie ihre Mädchen in ein Heim und bat einen Freund um Hilfe bei der Ausführung ihres Plans. Dieser war zuerst schockiert, doch er stattete sie mit Männerkleidung aus und stellte sein Haus als Zufluchtsort zur Verfügung.
Aus der sechzehnjährigen Elsa wurde Charley. Ihre Stimme war ohnehin tiefer als die der meisten Frauen und sie legte sich männliche Verhaltensweisen zu. Es dauerte eine Weile, bis sie ihre Rolle als Mann überzeugend spielte. Für 35 Dollar im Monat begann sie als Schiffsjunge zu arbeiten, unterdrückte sämtliche weibliche Eigenschaften und wurde zur Einzelgängerin. Ihre Töchter besuchte sie so oft wie möglich, als Elsa, im Haus ihres Freundes, der ihr Geheimnis wahrte.
Sie wechselte zur Eisenbahn, da sie dort mehr verdiente. Durch Zufall belauschte sie ein Gespräch ihres Vorgesetzten, der Mutmaßungen über ihre wahre Identität äußerte. Eilig packte sie ihre Habseligkeiten und reiste nach Detroit, wo sie Arbeit als Bremser bei der Eisenbahn fand. Den Plan, den Mörder ihres Mannes zu finden, verlor sie nicht aus den Augen. Eines Tages stand sie ihm gegenüber. Beim Versuch ihn zu töten, wurde sie verletzt und fand Unterschlupf bei einer Frau. Nach ihrer Genesung schloss sie sich einer Gruppe Männer an, die nach Westen zu den Goldfeldern zogen. In Sacramento arbeitete sie in einem Saloon, später erwarb sie Maultiere und verkaufte sie gewinnbringend. Sie führte einen Zug von Männern, Maultieren, Pferden und Rindern nach Kalifornien. Niemand bemerkte, dass sie kein Mann war und sie verdiente bei diesem Unternehmen viel Geld. In Denver eröffnete sie eine Bäckerei und einen Saloon. Sie war als mysteriöser Mountain Charley bekannt, der viel reiste. In dieser Stadt traf sie auch Jamieson wieder. Diesmal traf sie besser und der Mann starb an seiner Verletzung. Das Verlangen nach Rache, das sie jahrelang gequält hatte, war gestillt, ihr unstetes Leben vorbei. Sie enthüllte ihre Identität, trug aber weiterhin Männerkleidung.
Sie verliebte sich in ihren Barkeeper, die beiden heirateten und eröffneten gemeinsam eine Pension. Elsa holte ihre Töchter zu sich und hatte mit ihrem Ehemann noch weitere Kinder. Für die anderen blieb sie immer Elsa Mountain Charley, die für den Rest ihres Lebens Männerkleidung trug.
Ob es sich wirklich so zugetragen hatte, werden wir nie erfahren. Wir wissen nur, dass sie eine starke Persönlichkeit gewesen ist, sonst wäre ihre Geschichte nicht überliefert.
Im Frühjahr 1868 ritt Jo Monaghan durch Ruby in Idaho. Der junge Bursche war kaum größer als 1,50 und trug keine Waffe. Er besorgte sich eine Ausrüstung und begann nach Gold zu schürfen. Die rauen Arbeiter nahmen ihn in ihre Mitte auf und nannten ihn Little Jo. Irgendwann gab Jo diese schwere körperliche Arbeit auf, die ihm außer Schwielen an den Händen nichts einbrachte. Er beschloss Schäfer zu werden. Monatelang lebte er mit seinem Pferd und Hunderten von Schafen, ohne die Gesellschaft anderer Menschen. Nach drei Jahren zog es ihn wieder in die Zivilisation und er bekam Arbeit in einem Mietstall. Durch seine Verlässlichkeit und seinem Geschick im Umgang mit Pferden errang er sich Anerkennung und Achtung der Cowboys. Einer bot ihm an, seinen wilden Mustang zu reiten. Die gesamten Einwohner liefen zusammen und schlossen Wetten ab. Zu jedermanns Erstaunen hielt er sich auf dem Pferd. Er lernte den Umgang mit Waffen und wurde zum Scharfschützen. Doch wie schwer er auch arbeitete, was er auch machte, er wirkte niemals männlich. Er rauchte, trank und fluchte nicht, er suchte keine Bordelle auf und schlief am liebsten alleine unterm Sternenzelt. Viele meinten, er sei nicht normal. Jo mied die Gesellschaft seinesgleichen. Der einzige Mensch, den er oft besuchte, war ein alter Minenwächter. Ihm vertraute er seine Ersparnisse an, bis auf den Teil, den er regelmäßig in den Osten schickte. 1880 verschwand der Alte mit Jos Geld. Niedergeschlagen verließ er die Goldgräberstadt und erwarb ein Stück Land am Succor Creek, im Malheur County in Oregon. Jo baute eine Hütte und kaufte einige Rinder, die er mit dem Zeichen J.M. brandmarkte. Er blieb ein Einzelgänger. Es gab einen einzigen Mann, mit dem er sich anfreundete, Fred Palmer, der einige Meilen entfernt wohnte. Im Jahr 1903 fand Palmer seinen Freund sterbenskrank und brachte ihn in die Stadt. Jo starb, ohne das Bewusstsein zu erlangen.
Der Bestatter, der Jo für das Begräbnis vorbereitete, erzählte den Einwohnern, dass es sich bei dem Toten um eine Frau handle. Die Einwohner waren erschüttert.
Eine kleine rostige Kiste, die man unter Jos Habseligkeiten fand, gab sein Geheimnis preis. Ein Bündel Liebesbriefe war sorgfältig in ein Taschentuch eingeschlagen. Little Jo hieß in Wirklichkeit Josephine Monaghan, Tochter einer angesehenen Familie aus New York. Sie hatte sich in einen älteren Mann verliebt, der sie verführte, jedoch keinerlei Verantwortung übernahm. Sie wagte es nicht, ihren Eltern ihre Sünde einzugestehen, lief von zu Hause weg und brachte einen Jungen zur Welt. Ihr Versuch, sich und ihr Kind zu ernähren, scheiterte und sie gab ihren Sohn in die Obhut ihrer Schwester. Als Mann verkleidet reiste sie in den Westen und begann ein neues Leben. Das Geld, das sie monatlich in den Osten schickte, war für ihren Sohn bestimmt, den sie nie wieder gesehen hatte. Die zierliche Frau tauschte ein Leben in Wohlstand gegen ein Leben voller Einsamkeit und Entbehrungen. Sie zahlte einen hohen Preis, dem falschen Mann ihr Vertrauen geschenkt zu haben.
Jos Nachbarn brachten die Leiche zum Fluss und begruben sie unweit ihrer Hütte. Ihr Erbe wurde der Aufsicht Fred Palmers unterstellt.
Charlotte Darkey Parkhurst kam 1812 in New Hampshire zur Welt und wuchs in einem Waisenhaus auf. Zuneigung hatte das Mädchen nie erfahren und es lernte schnell, dass das Leben für einen Mann wesentlich leichter war, als für eine Frau. Mit fünfzehn Jahren verkleidete sie sich als Mann und lief davon. Aus Charlotte wurde Charley D. Parkhust. Er war klein, muskulös und harte Arbeit gewohnt. Wohlstand war ihm von jeher fremd, daher kam er mit dem Nötigsten aus. Seine erste Stelle nahm er im Rennstall von Ebenezer Blach an und erkämpfte sich mit Fleiß und harter Arbeit die Achtung der Männer. Charley hatte ein angeborenes Talent im Umgang mit Tieren und lernte ein Gespann zu fahren. Einige Jahre später ging er in den Westen. Im Gegensatz zu den anderen, die auf den Goldfeldern schnell reich werden wollten, versuchte er sein Glück mit dem Transport von Gold. Bald war Charley als Kutscher bekannt, der weder Tod noch Teufel fürchtete. Niemand kam je auf die Idee, Charley sei eine Frau. Seine Haut war verwittert, am Kinn zeigten sich braune Flecken von dem Priem, den er stets kaute, zudem galt er als einer der besten Peitschenknaller des Westens. Aus fünfzehn Schritt Entfernung konnte er einem Mann die Zigarette aus dem Mund fetzen. Nach einem Pferdetritt, erblindete er auf einem Auge, trug danach eine Augenklappe und wurde Charley Einauge genannt.
Er hatte eine Vorliebe für teure Hosen, seine Jacke aus Büffelleder war aufwendig verarbeitet, ebenso die Stiefel mit hohen Absätzen und der texanische Hut. Die bestickten Wildlederhandschuhe zog Charley niemals aus, auch nicht beim Essen.
Charley fuhr wie der Henker. Die Kutschenfahrten mit ihm müssen furchterregend gewesen sein, doch die Reisenden bewunderten sein Können und rissen sich darum, neben dem »Jehu«, wie die Kutscher genannt wurden, auf dem Kutschbock sitzen zu dürfen. Er prahlte nie mit seinen Fähigkeiten und verzichtete auf Alkohol, aus Angst sich zu verraten. Die Damen verehrten den König der Zügel. Wurde ihm das Gegacker des weiblichen Geschlechts zu viel, spie er Tabaksaft zu Boden und stieß wüste Flüche aus. Er war ein ruppiger Geselle, aber für seine Fürsorge und Hilfsbereitschaft bekannt. Er half Frauen in Notlagen und spendete Geld für Waisenkinder. Für Kinder, die mit seiner Kutsche mitfuhren, hatte er immer Süßigkeiten in seiner Jackentasche. Als der Goldrausch vorüber war, reiste Charley nach Soquel in Kalifornien, erwarb ein Stück Land und züchtete Rinder. Er war ein beliebtes Mitglied der Gemeinde und gab 1868 bei der Präsidentenwahl seine Stimme ab. (52 Jahre vor der Einführung des landesweiten Frauenwahlrechts.)
Seinen wunden Hals behandelte er mit Hausmitteln, mit denen er auch die Pferde versorgte, jedoch ohne Erfolg. Als sich die Beschwerden verschlimmerten, ging er zum Arzt, doch es war zu spät. Einige Wochen nach dem Arztbesuch starb Charley an Kehlkopf- und Zungenkrebs, Ergebnis des hohen Zigarettenkonsums und des Tabakkauens. Charleys Geheimnis wurde entdeckt, als man seine Leiche für die Beerdigung vorbereitete. Sein bester Freund war außer sich, die Einwohner waren erschüttert.
Charley Einauge gehörte zu den besten Peitschenknallern des Goldrausches.
So long Fellows
Eure Montana
Quelle:
- Anne Seagraves: Töchter des Westens, Oesch Verlag Zürich, 2004
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