
Romanspiegel

»Romanspiegel«: John Sinclair Band 1.500 – Ein einzigartiges Jubiläum
Am 10. April 2007 ist im Bastei-Lübbe-Verlag der 1500. Roman der Grusel-Serie „John Sinclair“ von Jason Dark alias Helmut Rellergerd erschienen. -Redakteur Martin Palm hat den Jubiläumsband Probe gelesen.
2007 ist ein Jahr der Jubiläen – egal, ob „Jerry Cotton“, „Western-Legenden“, „Maddrax“ oder „Lassiter“, sie alle erreich(t)en in diesem Jahr ein mehr oder weniger großes Jubiläum. In dieser Reihe macht natürlich auch einer keine Ausnahme – und zwar Jason Darks „John Sinclair“, der im April 2007 im Romanheft Band 1.500 erreicht.
Eins muss man Rellergerd alias Dark lassen: Mit „Der Albino“ ist ihm ein wirklich einzigartiges Jubiläum gelungen. Das fängt schon bei der reinen Betrachtung des Heftes an sich an, fernab vom Inhalt: Während man es sich bei „Jerry Cotton“ nicht hat nehmen lassen, einen Jubiläums-Roman mit erweitertem Umfang, 4-seitigem Special, einem außergewöhnlichen Cover und einer groß angelegten Rahmenhandlung zu veröffentlichen und sogar „Chefarzt Dr. Holl“ (bei dem übrigens ebenso wie bei Sinclair am 10. April Band 1500 erschienen ist) eine Trilogie als Dankeschön für soviel Lesertreue veröffentlicht, darf sich der Sinclair-Fan erst einmal auf ein einzelnes Heft freuen. Angesichts des Romaninhalts (wenn man ihn denn so nennen will) mag diese Entscheidung wohl auch nicht die Schlechteste gewesen sein.
Wie oft wurde über ihn wohl diskutiert? Beinahe schon endlos schien man sich in etlichen Internet-Foren, die sich mit Romanheften im Allgemeinen und „John Sinclair“ im Speziellen befassten, darüber unterhalten zu haben, wie denn Jubiläums-Band 1500 aussehen wird. Wird es ein Zweiteiler, eine Trilogie, oder ein Mehrteiler, ähnlich lang wie der um Band 1000? Wird John Sinclair oder eine andere bekannte Person sterben? Gibt es Extras? Im Gespräch mit vor knapp einem Jahr argumentierte Ex-Sinclair-Lektor Holger Kappel wie folgt auf letztere Frage:
„ Ich könnte jetzt eine Liste aufführen, woran wir alles denken. Da aber sicherlich nicht alles umgesetzt wird und ich keine falschen Hoffnungen wecken möchte, lasse ich es besser ganz. Unsere Marketingabteilung ist dafür zuständig, was wir letztendlich umsetzen.“
Zumindest zwei Extras gab’s – ein Gewinnspiel auf http://www.bastei.de (siehe dazu auch einen Artikel in den News unter „Download/Archiv“) und eine Signierstunde mit dem Autor (siehe unter „Eventreportagen“ einen ausführlichen Bericht von Rafael „Dämonengeist“ Hoppe).
Kurz zur Handlung des Romans: Der titelgebende „Albino“ ist eine ungewöhnlich aussehende Person, die es liebt, Personen mit seinem Aussehen zu erschrecken und der auf der Suche nach billigem Sex ist. Das führt ihn zu Maggie Crane, einer nicht mehr ganz taufrischen Prostituierten, der angesichts seines Aussehens allerdings angst und bange wird. Doch sie braucht sich nicht groß zu fürchten, denn bevor sie dem Albino zu Diensten sein muss, verschwindet der mit Saladin in der Vampirwelt von Dracula II. John Sinclair und Co. erfahren davon – und nehmen die Ermittlungen auf…
Wem diese spärliche Rahmenhandlung bereits mager vorkommt, sieht sich getäuscht, denn was hier für Jason-Dark-Verhältnisse außergewöhnlich voluminös erscheinen mag, ist in Wahrheit eine regelrechte Mogelpackung. Es ist schon fraglich, welcher Lektor so etwas überhaupt in einer Serie veröffentlichen würde – aber das dieses Flickwerk auch noch als Jubiläumsband verkauft wird, kann durchaus als Frechheit gewertet werden. Dass Jason Dark im Schreibstress rund um „Don Harris – Psycho-Cop“ keine Lust oder Zeit (oder beides) mehr hatte, zum Jubiläumsband einen Mehrteiler zu schreiben, ist verzeihbar – die Qualität des Romans nicht, denn bei einem solch großen Jubiläum wäre es doch angemessen, dass das Niveau etwas höher liegt als bei einem durchschnittlichen Sinclair-Roman.
Wie so viele Vorgänger auch, wurde „Der Albino“ nach dem üblichen Baukastenprinzip von Jason Dark geschrieben: Man nehme eine Person, die etwas Unheimliches bemerkt oder der so etwas widerfährt und irgendeinen lästigen Dauergegner, den ein regelmäßiger Sinclair-Leser nach dem fünfhundertsten Auftritt sowieso nicht mehr leiden kann, einen mehr oder weniger unsympathischen Geisterjäger, der die Pläne der bösen Buben durchkreuzt – und fertig ist ein weiteres Heft aus der Feder bzw. Schreibmaschine Jason Darks, lieblos, wie am Fließband herunter geschrieben.
Liebhaber schöner Sprache werden an diesem Roman wohl ebenso wenig Freude haben wie Freunde sinnvoller Dialoge – denn fast schon in Endlosschleife produziert Helmut Rellergerd auch in diesem Roman sinnentleerte Gespräche, geschmückt mit etlichen Füllwörtern.
Das Lektorat zeigt sich ebenso mal wieder von seiner besten Seite – es hagelt etliche, zum Teil vollkommen Sinn entfremdende Fehler, die zuweilen auf gewisse Art und Weise aufheiternd wirken. So beklagt sich Maggie Crane auf Seite 17 beispielsweise vollkommen grundlos: „Hinterher möchte ich einfach nur kotzen, aber ich bin dann noch am Leben, und ich weiß auch, wie ich meine verdammte Miete bezahlen kann oder hin und wieder mal ein Bier.“
Zur Entstehung seien an der Stelle auch noch ein paar Worte gesagt – die wird nämlich in den entsprechenden Interviews mit Jason Dark hier im (in Rafael Hoppes Eventbericht und Wolfgang Brandts Interview) näher beleuchtet:
„ Irgendwo habe ich etwas über einen Albino gelesen. Und ich überlegte: Verdammt noch mal. Den hast du noch nie in deiner Serie gehabt. Also machst du daraus eine Story.“
Eine ausführliche Rezension von mir wird es zu „Der Albino“ in den nächsten Tagen hier bei geben – darin gehe ich dann noch etwas näher auf verschiedene Details ein.
Alles in allem lässt sich der gesamte Roman wohl am besten mit einem von Jason Darks Lieblingswörtern beschreiben: verdammt! Das hat er laut -Rezensent Florian Hilleberg in Band 1500 übrigens ungewöhnlich selten verwendet: lediglich 28-mal.
Die nächste Romanspiegel-Kolumne erscheint in zwei Wochen am Dienstag, 8. Mai 2007
© Martin Palm
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