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Romanspiegel

»Romanspiegel«: Aus für die »Western-Legenden«

Alle zwei Wochen dienstags befassen sich die Geisterspiegel.de-Kolumnisten im „Romanspiegel“ mit Aktuellem aus der Roman-Welt. Thema diesmal: Western-Legenden.

Passend zum 100. Geburtstag von John Wayne am 26. Mai 2007 gab der Bastei-Verlag Ende des Monats die Horror-Meldung für Fans historisch fundierter Western-Romane raus: Das jüngste Projekt des Romanheft-Verlags, „Western-Legenden“, wird eingestellt. Wenigstens gibt man noch Zeit bis zu Jubiläumsband 100; dann ist wohl aber auch endgültig Schluss (man könnte direkt meinen, man hätte das absichtlich auf John Waynes Geburtstag angepasst). Auch, wenn’s nur ein schwacher Trost für Fans der Reihe ist: Von den neueren Serien des Bastei-Verlags, die eingestellt wurden, haben sich die „Western-Legenden“ die längste Zeit am Markt behauptet, während Flops wie „Chicago“, „Special Force One“ oder „Schattenreich“ bereits nach gut 25 Bänden eingestellt wurden.

Eine treffende Ausred- äh, pardon … Argumentation hat der Bastei-Verlag zur Einstellung übrigens auch schon gefunden. Es ist ja nicht so, dass man die Western-Reihe etwa aufgrund mangelnder Verkäufe eingestellt hätte, nein … So begründet BASTEI im Western-Bereich der Verlags-Homepage kurz und knapp: „Von der Thematik war diese Reihe immer auf eine begrenzte Anzahl von Bänden angelegt - wie an ihrer inhaltlichen und thematischen Ausrichtung unschwer zu erkennen ist. Es gibt nur eine überschaubare Anzahl von legendären Figuren und Ereignissen und diese sind im Rahmen der Reihe abgehandelt worden.“

Die gute Nachricht für alle Western-Fans: „An Stelle der Western-Legenden wird eine neue, eher klassisch ausgerichtete Western-Reihe treten“. Wie die Nachfolge-Reihe heißen wird, ab wann sie erscheint und ob dieselben Autoren wie bei den „Legenden“ mitschreiben werden, konnte uns aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings noch nicht mitgeteilt werden.

Angesichts dieser Einstellung stellt sich ein ums andere Mal die Frage, ob der klassische Wild West-Roman im Heft langsam aus der Mode gerät. Dass Western-Serien (mit wiederkehrenden Helden) bei den Lesern beliebter zu sein scheinen, zeigen die verbliebenen Western-Romane im Programm des Bastei-Verlags (selbst im Wildwest-Programm des Hamburger Kelter-Verlags, das ja inzwischen zu 100 Prozent aus Nachdrucken besteht, ist der einzige Westernroman, der durchweg noch immer in Neuauflage erscheint, die Serie „Wyatt Earp“): Neben den G. F. Unger-Nachdrucken und Dauerbrenner „Jack Slade“ hat man nur noch „Lassiter“ und „Texas-Marshal“; beides Serien – zumal sie neben „Jack Slade“ die einzigen Bastei-Westernromane sind, in denen noch regelmäßig neue Titel veröffentlicht werden.

Das bisherige Schema klassischer Western-Romane scheint – jedenfalls im Heft – nicht mehr zu funktionieren. Umdenken wäre angebracht. Vielleicht sollte man angesichts der erneuten Einstellung überlegen, mal was Neues auszuprobieren – auch im Bereich Wildwest-Roman. Wie wär’s mit einem roten Faden oder Cliffhanger am Roman-Ende, der zum Weiter-Kaufen anregen soll (die Mehrteiler bei den „Legenden“ hat man ja leider schnell wieder abgeschafft)? Oder wenn das nicht, zumindest etwas Weiterentwicklung bei den Charakteren einer Serie. Zuviel Hoffnung auf solch innovative Serien sollte man allerdings nicht haben – stattdessen verfolgt man lieber das übliche Schema. Wobei die Frage ist, was sich BASTEI von einer „eher klassisch ausgerichteten“ Western-Reihe verspricht: Wurde der „Western-Express“, bei dem es sich unweigerlich um eine solche Reihe handelt, nicht ein Dutzend Ausgaben vor den „Western-Legenden“ eingestellt?

Die nächste Romanspiegel-Kolumne erscheint in zwei Wochen am Dienstag, 19. Juni 2007

Bildquelle: Bastei-Verlag, Bergisch-Gladbach

© Martin Palm

 

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