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Gus‘ DVD-Tipps

John Waynes klassische Kavallerie-Trilogie – und ein letzter Befehl

Bis zum letzten Mann
(Fort Apache) USA 1948
Kinowelt - FSK 12 – 89:49 Min. (deutsch) / Laufzeit: 123:30 Min. (englisch)
Regie: John Ford Drehbuch: Frank S. Nugent
Vorlage: "Massacre" von James Warner Bellah
Darsteller: John Wayne, Henry Fonda, Shirley Temple, John Agar, Pedro Armendáriz, Ward Bond, George O'Brien, Victor McLaglen, Anna Lee, Irene Rich, Dick Foran, Guy Kibbee, Grant Withers


Lt. Col. Owen Thursday ist der neue Kommandeur von Fort Apache. Direkt bei seiner Ankunft macht er allen klar, dass ab sofort ein neuer Wind durch das Grenzgebiet weht. Und sogleich merkt man, dass bei der Kavallerie die Vorschriften mehr wiegen, als der gesunde Menschenverstand.
Cochise will in das Reservat zurückkehren, wenn der Verwalter Meacham abgesetzt wird. Doch obwohl Thursday mit eigenen Augen gesehen hat, dass die Beschwerden der Indianer gerechtfertigt sind, will er die Rückkehr mit Waffengewalt erzwingen ... und das geht furchtbar in die Hose. Denn die Indianer sind in der Überzahl, und Cochise verfügt über ein strategisches Geschickt, dass ihm Thursday in seiner Arroganz nicht zugestehen will.

Was diesen Western mehr als sehenswert macht, sind nicht in erster Linie die umfangreichen Kämpfe oder die atemberaubenden Stunts, sondern die Charaktere. In erster Linie natürlich der arrogante Oberstleutnant Thursday, und auch seine hinreißende Tochter Philadelphia (in der deutschen Fassung heißt sie Phillipine) und der frischgebackene 2nd Lt. Michael Shannon O'Rourke (John Agar und Shirley Temple waren 1945 bis 1950 verheiratet).
Außerdem sind da noch ein paar echte Armee-Haudegen, die hart aber herzlich Humor in den Film bringen (in der US-Fassung noch ein bisschen mehr – siehe die Gefängnis-Szene).

Einzig und allein das Ende gefällt mir gar nicht.
Alle haben mitbekommen, dass Thursday aus Arroganz und Ehrgeiz einen Fehler nach dem anderen machte – doch dann tritt sein stärkster Kritiker Capt. Kirby York genau in seine Fußstapfen. Er trägt sogar das alberne Käppi mit dem weißen Nackenschutz...

Auf der DVD befindet sich die deutsche Kinofassung des Films, aber auch die ungeschnittene englische Fassung. Auch wenn euer Englisch nicht so doll ist, die solltet ihr euch ansehen (wozu gibt es Untertitel?). So wird aus der Originalfassung klar, dass Thursday ungeheuer angepisst ist, dass er nach all seinen Verdiensten in dieses unbedeutende Fort versetzt wird.
Außerdem ist offensichtlich, dass Thursday und Capt. Sam Collingwood sich von früher kannten, und dass es noch eine offene Rechnung zu begleichen gibt. Thursday schaut voller Verachtung auf Collingwood, und der sagt (sinngemäß): „Nun ja, jetzt bist du auch hier gelandet!“
Thursday meint, er komme hier schon weg, wenn er nur Risiken einginge, wie er es immer getan habe ... der Film wird um einiges runder, wenn man ihn in der Originalfassung sieht!

Der Teufelshauptmann
(She Wore a Yellow Ribbon) USA 1949
Kinowelt - FSK 12 - 99:20 Min.
Regie: John Ford
Drehbuch: Frank S. Nugent, Laurence Stallings
Vorlage: James Warner Bellah
Darsteller: John Wayne, Joanne Dru, John Agar, Ben Johnson, Harry Carey Jr., Victor McLaglen, Mildred Natwick, George O'Brien, Arthur Shields, Michael Dugan, Chief John Big Tree, Fred Graham


Custer ist am Little Big Horn gefallen, und von dem Sieg angestachelt versammeln sich die Indianer, um die Weißen endlich aus ihrem Land zu vertreiben.
Besonders in den Grenzgebieten ist man jetzt auf der Hut, und schickt seine Frau und seine Nichte mit einer Patrouille aus dem Fort, um sie in Sicherheit zu bringen.
Zu spät, die Poststation ist bereits niedergebrannt.
Eigentlich würde der (Teufels)Hauptmann Capt. Nathan Cutting Brittles jetzt gerne die Indianer verfolgen, doch vorher muss er die Frauen in Sicherheit bringen.

Die Nichte des Kommandanten ist Mittelpunkt einer Nebenstory, denn sowohl Lt. Flint, als auch 2nd Lt. Ross Pennell bemühen sich um sie. Sie hingegen spielt die beiden gegeneinander aus, indem sie beiden sagt, dass sie das gelbe Haarband ihm zu liebe trage - der englische Titel She Wore a Yellow Ribbon (der zugleich der Titelsong ist) spielt auf die Tradition an, dass Armeefrauen mit einem gelben Band anzeigen, dass sie einen liebsten in der US Kavallerie haben.

Der Film ist in Farbe gedreht, und so recht mag mir die Atmosphäre nicht gefallen. Auch hatte ich das Gefühl, dass der Kostenaufwand dann dafür sorgte, dass man an Details in den Kulissen sparen musste ... dennoch spielt John Wayne hier sehr überzeugend einen älteren Mann, und John Ford spielt auf gekonnte Weise mit den Emotionen der Zuschauer...

Rio Grande
(Rio Grande) USA 1950
Kinowelt - FSK 12 - 104:59 Min.
Regie: John Ford
Drehbuch: James Kevin McGuinness
Vorlage: Saturday Evening Post Story von James Warner Bellah
Darsteller: John Wayne, Maureen O'Hara, Ben Johnson, Claude Jarman jr., Chill Wills, Harry Carey Jr., J. Carrol Naish, Victor McLaglen, Grant Withers, Peter Ortiz, Steve Pendleton, Karolyn Grimes


Auch dieser Film hat die Indianerkriege zum Thema. Jedesmal, wenn die Kavallerie die Indianer zu fassen bekommt, flüchten diese über den Rio Grande nach Mexiko – wohin die US-Soldaten ihnen nicht folgen dürfen.
Das bedeutet Frust für den obersten Befehlshaber Kirby Yorke.

Außerdem ist sein Sohn Jeff in West Point durchgefallen. Jetzt hat er sich als einfacher Soldat gemeldet – und landet in Yorkes Kommando.
Seiner Frau Kathleen, von der er seit dem Bürgerkrieg getrennt lebt, passt das gar nicht. Sie möchte, dass ihr Mann ihn freigibt. Doch da hat sie ihre Rechnung ohne die beiden Männer gemacht, denn in folgenden Indianerkämpfen zeigen beide, was in ihnen steckt.

John Ford lenkt in seinen Filmen irgendwie immer die Aufmerksamkeit auf „Nebenfiguren“, so richtet sich sein Augenmerk hier auf 3 neue Rekruten. Zum einen Trooper Jefferson 'Jeff' Yorke, aber auch Trooper Travis Tyree, einem gesuchten Totschläger und Trooper Daniel 'Sandy' Boone, der immer nur zu allem Jo sagt ... beeindruckend auch, wenn sie reiten wie die Römer – also stehend auf jeweils 2 Pferden. So was habe ich noch nicht gesehen (und vom Bonus-Material weiß ich, dass sie nicht von Stuntmännern gedoubelt wurden):

Diese 3 Filme gibt es auch in einem schönen Digipack ... Das lohnt sich!

Besonders hervorheben möchte ich hier den Schauspieler Victor McLaglen, der insbesondere den Armee-Haudegen verkörpert – in Bis zum letzten Mann Sgt. Festus Mulcahy, in Der Teufelshauptmann Top Sgt. Quincannon und in Rio Grande Sgt. Maj. Timothy Quincannon.

Der Letzte Befehl
(The Horse Soldiers) USA 1959
MGM - FSK 12 - 114:52 Min.
Regie: John Ford
Drehbuch: John Lee Mahin, Martin Rackin
Vorlage: Harold Sinclair
Darsteller: John Wayne, William Holden, Constance Towers, Althea Gibson, Hoot Gibson, Anna Lee, Russell Simpson, Stan Jones, Carleton Young, Ken Curtis, Strother Martin, Hank Worden

Col. John Marlowe erhält von General Grant den Befehl, hinter den feindlichen Linien eine Eisenbahnstation zu zerstören.
Schon vor dem Aufbruch gerät er immer wieder mit dem Militärarzt Maj. Henry 'Hank' Kendall in Streit.
Doch wenn es hart auf hart kommt, ziehen sie am gleichen Strang. Z. B. als es gilt, die temperamentvolle Südstaatlerin Miss Hannah Hunter of Greenbriar zu bändigen, als sie zu viel von den Plänen der Nordstaatler mitbekommen hat.
John Ford erzählt diese kleine Begebenheit des Bürgerkrieges voller Dramatik und mit einem guten Schuss Humor. Und mit vielen skurrilen Einzelheiten. So als einzig und allein eine Kadettenschule die Kavallerieeinheit aufhalten kann ... geleitet von einem alten Pfarrer ziehen die Jungens in die Schlacht – und einer von ihnen muss dafür sogar aus dem Fenster klettern, weil ihn seine Mama nicht gehen lassen will...

So spannend können Western sein!

© Gus Backus

 

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