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Gus‘ DVD-Tipps

Cat People - Katzenmenschen

Wie bei jedem Teenager gab es für mich eine Zeit, in der ich die Bravo las. Dort gab es Fotoromane von Filmen. Ich erinnere mich, dass dort auch der Film Katzenmenschen mit Nastassja Kinski gedruckt wurde.
Ich war damals zu jung, um mir den Film im Kino ansehen zu können, aber irgendwann hielt ich die DVD in den Händen. Ich kaufte sie sofort.
Später erfuhr ich, dass es sich bei dem Film um ein Remake handelt. Das Original war ein alter S/W-Film, den es lange Zeit nicht auf DVD gab. Er ist aber mittlerweile in der Arthaus Collection erschienen, und so kaufte ich auch ihn.

Katzenmenschen
(Cat People) USA 1942
Arthaus - FSK 12 - 69:07 Min.
Regie: Jacques Tourneur
Drehbuch: DeWitt Bodeen
Darsteller: Simone Simon, Kent Smith, Tom Conway, Jane Randolph, Jack Holt, Henrietta Burnside, Alec Craig, Eddie Dew, Elizabeth Dunn, Dot Farley, George Ford, Bud Geary

Die Handlung basiert auf einem Roman von DeWitt Bodeen.
Im Jahr 1944 folgte die Fortsetzung The Curse of the Cat People, die jedoch noch nicht auf Deutsch erschienen ist. Er würde sich jedoch bestimmt auch gut machen in der Arthaus Collection!

Sie lernen sich im Zoo kennen: die hübsche Irena Dubrovna und der smarte Oliver Reed. Sie versucht einen schwarzen Panther zu zeichnen, ist aber mit dem Ergebnis unzufrieden und wirft die misslungenen Entwürfe weg. Sie trifft den Papierkorb nicht, und er hebt ihren Müll auf, um ihn ordentlich zu entsorgen. Ja, er ist halt sehr umweltbewusst, der junge Mann, und er bringt die Dame nach Hause. Dort erfährt er, dass sie Modezeichnerin ist und aus Serbien stammt. Sie hat allerdings noch keine Freunde in den USA … das nutzt er natürlich nicht aus, um sie rumzukriegen, er heiratet sie gleich. Obwohl er weiß, dass seine Frau Probleme mit dem Küssen (!) hat. Sie würde ihn ja gerne glücklich machen, aber ein Fluch liegt auf den Frauen ihres Dorfes. Der Legende nach verwandeln sie sich bei Wut, Eifersucht und Leidenschaft zu Katzen und töten. König Johann, dessen Statue Irena als Mahnung aufbewahrt, hat zwar der Teufelsanbetung ein Ende bereitet, aber die schlimmsten Hexen konnten entkommen …
Da Oliver die Ängste seiner Frau für Aberglauben hält, schickt er sie zum Psychiater.
Allerdings ist Irena sicher, dass Dr. Judd ihr nicht helfen kann und versäumt die Sitzungen.

Es wird nicht explizit gesagt, dass Oliver die ehelichen Schlafzimmeraktivitäten vermisst, aber er ist mit der Gesamtsituation äußerst unzufrieden. Deswegen wendet er sich seiner Kollegin Alice Moore zu und verlangt sogar die Scheidung von Irena.
Irena ist krankhaft eifersüchtig und Alice ist sich sicher, dass etwas Nicht-Menschliches sie verfolgt …

Irena ist kein schlechter Mensch, nein sie ist eine sehr liebenswerte Frau. Sie ist verunsichert, als Ausländerin in einem fremden Land. Und sie fürchtet sich davor, was passieren könnte, wenn sie sich gehen lässt.
Somit verkörpert sie den idealen Werwolf-Typ, die dramatische Seele, die hin- und hergerissen ist, zwischen menschlicher Tugend und dem Ausleben der tierischen Triebe.

Ich mag die alten Filme. Jacques Tourneur hat allein durch den Einsatz von Licht und vor allen Dingen durch Schatten eine beklemmende Stimmung erschaffen, die seinesgleichen sucht.
Das Gerede über Hexen, das Töten eines kleine Vogels und seine Verfütterung an den Panther im Zoo, einfach grandios. Und dann ist da diese fremde Frau im Restaurant, welche Irena als Schwester bezeichnet ...

Die stärkste Szene spielt jedoch im Schwimmbad. Wo sich die verfolgte Alice ins Becken flüchtet, während die Katze in den Schatten auf sie lauert. Grandios!

Gus sagt: Ein bedeutender Klassiker – den sollte man gesehen haben!

Katzenmenschen
(Cat People) USA 1982
Universal - FSK 16 – 113:12 Min.
Regie: Paul Schrader
Drehbuch: Alan Ormsby
Darsteller: Nastassja Kinski, Malcolm McDowell, John Heard, Annette O'Toole, Ruby Dee, Ed Begley Jr., Scott Paulin, Frankie Faison, Ron Diamond, Lynn Lowry, John Larroquette, Tessa Richarde

Der Ursprung der Katzenmenschen liegt im Remake in Afrika. Was bei einem schwarzen Panther durchaus Sinn macht. Im Epilog kann man sehen, dass den Tieren Frauen geopfert wurden. Aber offensichtlich waren die Raubtiere bisweilen auch satt und gebrauchten ihre Opfer auf andere Art (was jedoch nur angedeutet wurde).

Irena Gallier kommt nach New Orleans. Sie hat ihre Kindheit im Waisenhaus und bei verschiedenen Pflegefamilien verbracht, aber nun zieht sie zu ihrem Bruder Paul. Der ist recht seltsam und verschwindet auch kurz nach dem ersten Treffen.
Dann wird eine Prostituierte von einem schwarzen Panther angegriffen. Herbeigerufene Mitarbeiter des örtlichen Zoos können das Tier betäuben und einsperren.
Zoodirektor Oliver Yates nimmt es auf, obwohl er eigentlich nicht genug Geld dafür hat. Die Alternative, die Tötung des Tieres, steht für ihn außer Frage.
Da ihr Bruder Paul immer noch verschwunden ist, streift Irena durch die Stadt. Ein innerer Drang führt sie in den Zoo, wo sie gebannt vor dem Pantherkäfig verweilt. Sie vergisst die Zeit. Als Oliver sie anspricht, sucht sie das Weite.
Natürlich holt unser Held die Heldin ein. Sie gehen Essen (Austern), und weil sie (die Modedesignerin) einen Job sucht, stellt er sie ein (im Souvenirshop des Zoos).
Was uns nicht weiter verwundert: Die beiden verlieben sich ineinander.

Der äußerst aggressive Panther scheint die Romanze mit Eifersucht zu verfolgen. Als ein Pfleger ihn mit einem Elektroschocker (der sinnigerweise am Arm festgeschnallt wird) beruhigen will (!), reißt der ihm den Arm ab und es wird blutig.

Das Tier verwandelt sich in einen Menschen. In Paul. Der offenbart seiner Schwester das Familiengeheimnis: Die Angehörigen der Familie dürfen Sex nur mit den eigenen Geschwistern haben, sonst verwandeln sie sich in einen Panther. Die Rückumwandlung erfolgt erst dann, wenn sie getötet haben. Er will dem Vorbild seiner Eltern folgen, die ebenfalls Geschwister waren. Paul kann erst ein erfülltes Sexleben haben, wenn er sich mit seiner Schwester vereinigt.

Klar, in Farbe kommt Blut so richtig schön zur Geltung, und dementsprechend freizügig wird es vergossen. Doch die Horrorszenen werden sparsam und äußerst gezielt eingesetzt, von einem Splatterstreifen ist der Film meilenweit entfernt.
Im Grunde wird der Film getragen durch die junge Nastassja Kinski, die hier unschuldig, naiv und gerade deswegen unheimlich erotisch rüberkommt. Die sexuelle Komponente wird deutlich hervorgehoben, dafür tritt der magische Hintergrund zurück. Das verwirrt einmal, als eine fremde Frau Irena als Schwester bezeichnet (Im Original kam diese Szene ebenfalls vor, war aber erheblich stimmiger).

Der neue Film ist alles in allem animalischer. Die Grenzen zwischen Tier und Mensch sind in der Neuinterpretation fließend. Irena springt als Mensch aus dem Stand auf einen hohen Baum, und als sie nackt durch den Sumpf schlendert, jagt und tötet sie ein Kaninchen.
Und Paul verspeist am Morgen danach die Reste seines One-Night-Stands.
Außerdem ist die Metamorphose von Nastassja zum Panther sehr eindrucksvoll inszeniert. Sie verwandelt sich nach dem Sex mit Oliver, und zwar während sie noch mit ihm im Bett liegt. Er erkennt sie in dem Tier und bittet sie, ihn zu verschonen.

Im Originalfilm muss Irena am Ende sterben, hier darf sie leben. Als Tier. Im Zoo. Dafür muss sie ein zweites Mal mit Oliver ins Bett, und der entscheidet sich für eine besondere Form des Safersexes. Er fesselt sie ans Bett und vergeht sich so lange an ihr, bis sie zum Tier wird …

Gus sagt: Eine sehenswerte Variation des klassischen Stoffes. Manchmal etwas bizarr, aber gut.

Fazit: Es gibt Remakes, welche die Welt nicht braucht. Die sexuellen Elemente hat man in den frühen 40ern noch nicht so sehr betonen können, dafür ist in der modernen Neuinterpretation (sie ist ja nun auch schon beinahe 30 Jahre alt) kein Platz mehr für den Hexenglauben. Beide Filme bieten etwas, was der jeweils andere nicht liefern kann. Insofern sollte man unbedingt beide gesehen haben!

Viel Spaß dabei!

Copyright © 2011 by Gus Backus

 

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