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Multimedia allgemein

Der Handyroman - Neue Impulse für die Belletristik

Handyromane erleben in Japan einen Boom: Ob auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule wird fleißig getippt. Der typische Handy-Roman ist ein Mix aus Mystik und Romantik.
Genuine Handyliteratur ist ein eigenes Genre, das sich von gedruckten Romanen oder eBooks vielfach unterscheidet. »Die technischen Beschränkungen - etwa die Größe des Displays - können bestimmte literarische Formen entstehen lassen. So sind kurze, einfache Sätze typisch. Dialoge werden tendenziell vermieden oder bestehen wiederum aus knappen Sätzen. Die Plots sind meistens temporeich und schräg«, erklärt Oliver Bendel, einer der ersten Handyroman-Autoren in Europa, auf seiner Website.

Das Land der aufgehenden Sonne ist das Land der Handyromane. Seit der Geburt des neuen Mediums im Jahr 2000 nutzen dort Millionen Leser ihr Mobiltelefon, um Liebesschmöker oder Schauergeschichten zu verschlingen - in kurzen, kostenlosen Episoden. Manche Handyromane werden so populär, dass sie später in gedruckter Form erscheinen und zu Bestsellern aufsteigen. 2007 waren unter den zehn meistverkauften Romanen Japans fünf ehemalige Handyromane. Der Boom erreichte unlängst China und Südkorea.

Einen besonderen Draht zu Japan hat der Esslinger Autor Martin Clauß. Er unterrichtet Japanisch und schreibt mit seiner japanischen Frau Fantasy-Jugendromane für Ueberreuter.
Sein Projekt Handystory.de ist die erste deutschsprachige Seite für aktuelle, kostenlose Handyromane. Sie startet im Juni 2009 mit einer Reihe abgeschlossener fantastischer Kurzgeschichten, einer modernen Schauerserie namens »Falkengrund« sowie der romantischen Vampirschnulze »Deines Blutes Schimmer«.
»Ich liebe das Lesen. Zum Lesen braucht man nicht unbedingt Papier und auch keine teuren eBook-Reader. Die meisten Menschen tragen ein brauchbares Lesegerät den ganzen Tag mit sich herum. Warum sollten sie es nicht für den Story-Quickie zwischendurch nutzen?«, so der Autor.
Alle Texte sind in vier Dateiformaten verfügbar: Die html-Version können Handy-Surfer direkt im Browser lesen, txt wird von allen gängigen eBook-Readern angezeigt, das Mobipocket-Format bietet hohen Lesekomfort, und die Java-Dateien installieren sich selbst, wie Handy-User das z. B. von Handy-Spielen gewohnt sind.

»Oyayubizoku«, die Daumen-Connection, zieht nun auch im deutschsprachigen Raum ein. Bleibt zu hoffen, dass sich dieses neue Genre durchsetzt und regen Absatz findet. Vielleicht sind gerade die Handy-Romane Appetitanreger für die junge Generation, irgendwann doch mal zu einem richtig guten Buch zu greifen.

Text- und Bildquellen:

www.martinclauss.com
www.mobilebooks.com

© Wolfgang Brandt

 

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