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Beschütze mich – ich bin Deutscher
Gamestar 04/2009 – also die Märzausgabe (jetzt am Kiosk). Ein Leser beschwert sich in einem Brief an die Redaktion über die erhöhte Gewalt, die mit dem World of Warcraft Add-on Wrath Of The Lich King in das allseits bekannte und nahezu legendäre Online-Rollenspiel Einzug gehalten habe. Er schreibt, er musste wehrlose Menschen töten, die um ihr Leben bettelten und Gefangene foltern, um Informationen zu erhalten. Das alles habe ihn so abgestoßen, dass er nun überlegt, das gesamte Spiel aufzugeben.
Offenbar wird das Add-on von einem Knochenbrecher geliefert, der den Spieler zwingt, auch die Quests des Todesritters zu spielen, denn nur in dieser einen Klasse kommen all die Gräueltaten vor. Was auch nicht verwundert, denn es handelt sich um einen echt fiesen Charakter, um eine böse Heldenklasse. Denn wenn kein Knochenbrecher hinter dem Spieler steht – warum nimmt dieser jene Quests an, die ihn so bedrücken? Warum tut er etwas, das ihm offenbar keinen Spaß bereitet? Wir sprechen immerhin von einem Spiel – und das sollte einem Spaß machen. Warum lässt er den Todesritter nicht einfach Todesritter sein und beschäftigt sich mit einem der unzähligen anderen Aspekte dieses Spiels?
Wobei dieses Jammern noch lange nicht der Gipfel dessen ist, was ich seit vielen Jahren beobachte. Angefangen hat es mit der schrecklichen Katastrophe in Rammstein, als bei einer Flugshow zwei Flugzeuge kollidierten und die brennenden Trümmer unzählige Opfer forderten.
Kaum waren die Schreie der Verletzten verhallt, wurden ganz andere Schreie laut – jene, die ein Verbot der Shows forderten. Schließlich müsse die Bevölkerung geschützt werden.
Nur – warum muss ich eine Show verbieten? Ist sie mir zu gefährlich, dann bleibe ich einfach zu Hause. Gehe ich jedoch auf eine Flugshow, dann muss ich eben damit rechnen, dass es gefährlich wird. Es ist die freie Entscheidung eines Jeden.
Doch in Deutschland entscheidet man nicht gerne. Man lässt entscheiden. Also schreit man nach Verboten, denn wenn es verboten ist, brauche ich mir keine Gedanken mehr zu machen.
So, wie es schon Herbert Grönemeyer in seinem Song Luxus sang:
„Wie wollen keinen Einfluss, wir werden gern regiert“.
Dies betrifft das eigene Leben und das der anderen. Ein weiteres Beispiel – Killerspiele. Laut hallen die Rufe nach Verboten, der Jugendschutz wird in immer obskurere Höhen getrieben. Und warum? Nur weil Eltern keine Lust haben, sich mit den Spielen zu befassen, die ihre Jüngsten da spielen. Es ist ihnen zu viel, einmal im Monat ein Magazin wie die Gamestar zu lesen, sie schauen nicht auf die Monitore, wenn ihre Kids am Rechner sitzen. War einst die Glotze das Beruhigungsmedium für Kinder, so sind es heute die Eltern. Statt Medienkompetenz werden Verbote propagiert, damit können Wählerstimmen eingefangen werden. Zumindest, so lange eine gewisse Generation noch nicht an die Urnen darf. Dass dies auch in die Hose gehen kann, hat Bayern schmerzhaft erfahren müssen. Ist es zu viel verlangt, wenn man von den Deutschen erwartet, dass sie für sich entscheiden, was richtig und falsch ist, was gut und was schlecht? Müssen wir stets nach Verboten rufen, nach Regelungen und nach dem Eingriff durch die Obrigkeit? Können wir nicht entscheiden, welche Quests wir in einem Spiel spielen wollen, muss es Alles oder Nichts sein?
Manchmal kommt es mir vor, als würden die Deutschen ihre Hirne in diesem Bereich abschalten – es gibt ja einen, der für sie denkt. Einmal alle vier Jahre denken, das muss einfach reichen ...
© ga
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