
Der Leitartikel

Februar 2012
Anthologien
Heute möchte ich mich an dieser Stelle mit dem Thema Anthologien befassen – und das aus gutem Grund, denn auch wir vom Geisterspiegel sind in diesem Punkt aktiv.
Die meisten Besucher unseres Magazins haben sicherlich schon einmal eine Anthologie in Händen gehalten – vielleicht sogar Dark Vampire oder Dark Future – zwei unserer drei Buchprojekte, auf die wir stolz sind.
Anthologien, das sind Zusammenstellungen von Kurzgeschichten zu einem bestimmten Thema. Meist gibt es hierzu eine Ausschreibung, an der Autoren teilnehmen können. Eine Jury wählt die ihrer Meinung nach besten Geschichten aus, diese kommen ins Töpfchen, der (große) Rest ins Kröpfchen.
So zumindest ist es üblich – und darum machen wir es ein wenig anders. Schon bei unserer ersten Anthologie gab es neben der regulären Ausschreibung, die allen offenstand, auch geladene Gäste – Autoren, die uns in der Vergangenheit durch beständige Qualität überzeugt haben. Von denen wir wussten, dass sie eine flotte Feder besitzen und die wir daher gerne für unser Projekt gewinnen wollten.
Es gibt Autoren, die schreiben ausgezeichnete Kurzgeschichten. Nun sind wir, da wir dieses Magazin betreiben, zwar Experten auf verschiedenen Gebieten, würden uns aber nicht anmaßen, eben jene Autoren bewerten zu wollen. Allein schon, weil manche von ihnen sehr viel bessere Kurzgeschichten schreiben als wir. Dies gebe ich neidlos zu, bevorzuge ich doch die Mittel- bis Langstrecke und brauche den Raum einer Novelle oder eines Romans, um meine Geschichten auszuarbeiten.
Markus K. Korb hingegen, um einen der von uns präferierten Autoren zu nennen, schreibt begnadete Kurzgeschichten – ich lese seine Werke mit großem Vergnügen.
Unser Vorgehen stieß auf geteiltes Echo. Jene, die wir einluden, fühlten sich geehrt und kamen unserer Bitte um eine Geschichte nach, manch anderer hingegen sprach von Ungleichbehandlung.
Nun ja – warum sollten wir alle Autoren gleich behandeln, wenn manche exzellent schreiben, andere hingegen noch Übung benötigen?
Zumindest aber räumten wir auch unbekannten Autoren und damit teils Anfängern Raum ein, sodass wir hier durchaus als Förderer auftraten – etwas, das wir auch bei unseren Online-Geschichten tun.
Nun steht die dritte Anthologie ins Haus, und hier gab es keine Ausschreibung – wollten wir doch dieses Mal mit Leuten arbeiten, die uns besonders am Herzen liegen. Umso schöner, dass wir dieses Ziel erreicht haben und große Namen nennen können; etwas, das zweifelsohne dem geschickten menschlichen Umgang der Herausgeber geschuldet ist.
Nach zwei Anthologien und einem Buchprojekt mit Förder-Charakter haben wir uns diesmal den Luxus gegönnt, rein auf Einladung zu setzen.
Eine Abkehr von bisherigen Pfaden ist dies nicht, höchstens eine Ausnahme. Es wird weitere Projekte geben und damit auch wieder Ausschreibungen.
Die Frage, wer Anthologien liest, ist ein weiteres Thema, welches ich kurz anreißen möchte. So gibt es doch die These, dass Anthologien überwiegend von den darin vertretenen Autoren gelesen und gekauft werden, sich der Markt also auf diese Weise selbst schafft, bedient und am Leben erhält.
Würde aber dies nicht bedeuten, dass den Lesern die Lust an Kurzgeschichten vergangen ist?
Sicher, große Verlage bedienen dieses Feld kaum. Eine generelle Abkehr des Lesers von Anthologien und Kurzgeschichten kann ich jedoch nicht erkennen. Und auch unser Verlag, der nun die dritte Anthologie mit uns realisiert, agiert nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit. Würden die Bücher wie Backsteine im Regal liegen, bräuchten wir mit neuen Projekten erst gar nicht anzuklopfen.
Gerne aber würde ich die Frage an die Besucher unseres Online-Magazins weitergeben.
Wie halten Sie es? Lesen Sie Kurzgeschichten? Wenn ja – welche? Und wenn nein – warum nicht?
Die Debatte im Forum ist eröffnet; jeder kann – wie bei Leitartikeln üblich – auch ohne Registrierung als Gast seinen Kommentar abgeben.
Und zum Schluss ein Tipp: Sollten Sie dieses Jahr nur eine Anthologie kaufen wollen, dann lege ich Ihnen unsere kommende Dark History ans Herz; Sie werden es nicht bereuen 
Copyright © 2012 by Gunter Arentzen
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